Ein Gastbeitrag von Conrad Pramböck
Es ist ein Mythos, dass Selbständige automatisch glücklicher, reicher und freier sind als Angestellte. Eher ist es so: Angestellte können ihre beruflichen Ziele aus zahlreichen Gründen oft besser erreichen als Selbständige. Wer Angestellte als Auslaufmodelle bezeichnet und die Selbständigkeit als Zukunft der Arbeit preist, ignoriert diese Fakten. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Angestellten im deutschsprachigen Raum um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Selbständigen stieg im gleichen Zeitraum nur um 15 Prozent.
Gleichzeitig verdienen 90 Prozent der Angestellten mehr als Selbständige. Es stimmt zwar, dass Selbständige im Gegensatz zu Angestellten durch ihre Arbeit unermesslich reich werden können, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist geringer als ein Haupttreffer im Lotto. Viele Selbständige träumen davon, mit ihrem Business Millionen zu verdienen und dann gemütlich auf einer Insel Cocktails zu schlürfen. Doch wer sich in der Karibik umschaut sieht schnell: Hier trinken nicht die reich gewordenen Selbständigen Caipirinhas, sondern Angestellte, die in Ruhe ihren Urlaub verbringen und Kraft für ihren Job daheim tanken.
Überhaupt sprechen noch zahlreiche weitere Vorteile für die Karriere als Angestellter. Diese:
Angestellte genießen große Sicherheit
3 Bücher zu gewinnen
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Ab ihrem ersten Arbeitstag verdienen Angestellte ein fixes Gehalt und können sich damit im Laufe der Zeit aus eigener Kraft eine solide Existenz aufbauen. Selbständige müssen häufig viele Wochen und Monate, manchmal sogar Jahre auf ihr erstes Einkommen warten. Über ein Drittel aller Selbständigen scheitert innerhalb der ersten drei Jahre.
Angestellte sind in Krisen besser geschützt
Besonders deutlich zeigt sich die Sicherheit von Angestellten in der Krise. Geht ein Unternehmen pleite, zählen sie zu den wenigen Gruppen, deren gesamte Forderungen erfüllt werden. In Österreich sind Angestellte durch den Insolvenz-Ausfallsgeld-Fonds, in Deutschland durch das Insolvenzgeld abgesichert. Selbständige müssen hingegen ihre Forderungen beim Konkurs ihres Geschäftspartners meistens völlig abschreiben. Fast alles oder fast nichts – das ist der Unterschied zwischen Angestellten und Selbständigen in der Krise.
Angestellte sind besser auf das Berufsleben vorbereitet
Wer heute Wirtschaft studiert, lernt dort, ein guter Angestellter zu werden, aber nicht, wie er ein Unternehmen gründet. Auch die Arbeitgeber haben großes Interesse, die Qualifikation ihrer Angestellten weiter zu erhöhen. Unternehmen im deutschsprachigen Raum investieren insgesamt über 30 Milliarden Euro jedes Jahr in Trainings, Seminare und Fortbildungen ihrer Belegschaft. Selbständige lernen in aller Regel aus Versuch und Irrtum, und jeder Fehler kommt sie teuer zu stehen.
Angestellte erhalten Unterstützung von ihren Kollegen
Seinen ersten Arbeitstag beginnt ein Angestellter in einem voll ausgestatteten Büro mit Telefon, Computer und E-Mail-Adresse. Um Rechtliches und Steuerfragen kümmert sich die Personalabteilung oder ein externer Dienstleister. Selbständige hingegen sind in den ersten Wochen zu über 50 Prozent ihrer Zeit mit der Durchsicht von Verträgen, Verhandlungen mit der Bank oder dem Kauf von Büromöbeln und Computern beschäftigt. Sie verbringen viele Stunden mit wichtigen Dingen, aber nicht mit ihren Kunden.
Angestellte können ihr Privatleben besser mit dem Berufsleben vereinbaren
Ein altes Sprichwort besagt: Wer selbständig ist, arbeitet selbst und ständig. Wenn jedoch ein Angestellter in den Urlaub geht, richtet er eine automatische E-Mail-Antwort ein: „In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an meinen Kollegen…“ Wenn eine Angestellte ein Kind bekommt, muss sie nicht fürchten, dass ihr Job oder ihre Kunden nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschutz weg sind. Anders als Selbständige sind Angestellte in der Lage, mit gutem Gewissen in ihrem Privatleben Kraft zu sammeln, ohne finanzielle Einbußen zu erleiden.
Trotz dieser zahlreichen Vorzüge des Angestelltendaseins – es gibt auch einige Punkte, die abhängig Beschäftigte von Gründern und Unternehmern lernen sollten…
Was Angestellte von Selbständigen lernen sollten
Globalisierung und Wirtschaftskrisen stellen jedoch auch für Angestellte hierzulande große Herausforderungen dar. Die Gefahr wächst ständig, der Gunst der Konzerne ausgeliefert zu sein, den Job und damit den Anschluss zu verlieren und aus der Mittelklasse abzurutschen. Angestellte können in eine Negativspirale geraten, die vor allem in ihren Köpfen beginnt: Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen viele Angestellte ihre Einstellung zur Arbeit grundlegend überdenken. Einige zentrale Punkte können und sollten sie daher von Selbständigen lernen, um auch in Zukunft die erfolgreichste Berufsgruppe zu stellen:
Die persönliche Leistung in den Vordergrund stellen
Viele Angestellte wollen sich ein schönes Leben leisten und sind bereit, dafür zu arbeiten. Im Mittelpunkt steht für die meisten die Sicherheit ihres Einkommens, für das sie bereit sind, zahlreiche Kompromisse einzugehen. Selbständige gehen mit der Einstellung in den Job, ihre besondere Leistung am Markt anzubieten. Das Geldverdienen folgt für sie erst daraus.
Wenn Angestellte ihre Arbeitskraft dem Chef gegen Bezahlung zur Verfügung stellen, ist das geradezu eine schriftliche Einladung, mit dessen Problemen überhäuft zu werden. Selbständige hingegen bieten Lösungen an und stellen diese ins Zentrum ihres Berufslebens. Kein Wunder, dass sich Selbständige viel besser motivieren können. Angestellte sollten jenen Beitrag finden und kommunizieren, den sie im Sinne ihres Arbeitgebers leisten wollen. Erst das unternehmerische Denken und die gemeinsam erlebten Erfolge fördern die Zufriedenheit und Motivation der Angestellten und nicht die gut gemeinten Leistungsanreize des Managements und ihrer Berater.
Mitarbeiter zur Unterstützung suchen und aufbauen
Zwar erhalten Angestellte große Hilfe von ihren Kollegen – im Gegensatz zu Selbständigen, die in der Mehrzahl Ein-Personen-Unternehmen sind und alleine arbeiten. Allerdings beschränkt sich die kollegiale Unterstützung meist auf Angelegenheiten im Sinne der Firma. Wollen Angestellte das Optimum aus ihrem Berufsleben herausholen, sollten sie aktiv innerhalb und außerhalb ihres Unternehmens Kontakte finden und aufbauen, die sie auf ihrem Weg zum beruflichen Erfolg unterstützen. Die Pflege des eigenen Netzwerks, wie sie für Selbständige und Führungskräfte selbstverständlich ist, sollte auch für Angestellte zum Usus werden.
Der größte Unterschied zwischen beruflichen erfolgreichen Menschen und dem Rest ist die Unterstützung durch ihre internen und externen Mitarbeiter. Jeder gute Unternehmer weiß, dass er ohne seine Mitarbeiter nichts ist.
Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen
Wenn Selbständige nicht entscheiden, geht ihr Geschäft zugrunde. Es gibt einfach nur sie, die die Verantwortung dafür tragen, welche Leistung sie am Markt zu welchem Preis anbieten. Wenn Angestellte nicht entscheiden, passiert hingegen in vielen Fällen zunächst einmal gar nichts.
Das Schönste für einen Chef sind jedoch Mitarbeiter, die mitdenken und regelmäßig gute Ideen vorbringen. Wer das kalkulierte Risiko einer fundierten Entscheidung übernimmt, reißt die Macht an sich und vergrößert im Erfolgsfall seinen Einfluss. Die besten Entscheidungen sind im Sinne des Unternehmens, der Kunden, der Allgemeinheit und des Mitarbeiters selbst.
Fazit: Die erfolgreichen Angestellten von morgen können ihre beruflichen Ziele leichter erreichen als die meisten Selbständigen. Viele von ihnen laufen jedoch Gefahr, für ein sicheres Gehalt Kompromisse einzugehen und ihre beruflichen Ziele und Träume zu vernachlässigen. Wenn sie jedoch in eigenen Karrierefragen denken und handeln wie Unternehmer und Führungskräfte, sind sie auf dem besten Weg zu mehr Glück, mehr Erfolg und mehr Erfüllung im Beruf.

Über den Autor
Conrad Pramböck ist Gehaltsexperte bei Pedersen & Partners. Er berät seit über zehn Jahren Unternehmen weltweit zum Thema Gehälter.
In seinem neuen Buch „Jobstars“ vertritt er die These, dass Angestellte ihre beruflichen Ziele besser erreichen können, und gibt Tipps, was sie von Selbständigen lernen sollten, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.
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Holger Reich
Eine kleine KOrrektur sei hier angebracht: Der Angestellte ist nicht mehr so ganz abgesichert, weil mittlerweile sogar Gehalsrückforderungen bei Insolvenzen möglich sind – und praktiziert werden.
Der Kündigungsschutz wird zunehmend gelockert, was aber die Intention deines Artiekels in keiner Weise schmälern soll.
lg aus Wuppertal
Holger
Alexander Bauer
Solche Sätze kenn ich aus der Boulevardzeitung:
“Es stimmt zwar, dass Selbständige im Gegensatz zu Angestellten durch ihre Arbeit unermesslich reich werden können, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist geringer als ein Haupttreffer im Lotto.”
Oder kann der “Gehaltsexperte” das zufällig mit Fakten hinterlegen? Die Qualität der Gastbeiträge lässt hier deutlich zu wünschen übrig …
Jochen Mai
Auch wenn der Beitrag nicht aus unserer Feder stammt, muss ich da noch mal nachfassen (zumal das eine nicht wirklich begründete Pauschalkritik ist):
Wieso soll das Boulevard-Niveau sein? Bill Gates, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg – alle Selbstständige, alle Gründer, alle sehr sehr reich. (In Deutschland: Hasso Plattner, Friedhelm Loh, die Samwer-Brüder, …) Die Wahrscheinlichkeit, dass wir beide uns da noch einreihen: 0,000000001% – oder weniger.
Und mind. 30% aller Gründungen scheitern bereits innerhalb der ersten beiden Jahre.
Conrad Pramböck
Es gibt in Deutschland jedes Jahr mehr als 100 neue Lottomillionäre (http://de.wikipedia.org/wiki/Million%C3%A4r). Bitte um Ihre Zahlen, wie viele Selbständige den Sprung zum Millionär schaffen. Meine Daten: Es sind weniger als 100 pro Jahr.
Ihr Denkfehler: Nicht jeder, der Millionär ist, hat sich das Geld durch eigene selbständige Arbeit erwirtschaftet. Beispiele: Erben, Adelige, Familienunternehmen über mehrere Generationen.
Marcel
Bin kürzlich aus Karrieregründen vom Selbständigen zum Angestellten gewechselt und fühle mich gut dabei. Kann dam also zustimmen! :-)
Patrick Theiner
Hallo,
ich habe beides getestet. Die Selbständigkeit so wie das Angestelltenverhältnis und muss sagen ich bin gerne wieder in das Angestelltenverhältnis nach 3 Jähriger Selbständigkeit zurück gekehrt. Dies hatte mehrere Gründe, vor allem hatte ich das Gefühl in der Selbständigkeit, wie es der Name schon sagt selbst und ständig zu arbeiten.
Obwohl wenn es keine Selbständigen (oder weniger) geben würde hätten die Angestellten auch keine beschäftigung.
Ich denke es sollte jeder für sich, der der Überzeugung ist das er es schafft einmal ausprobieren.
LG aus Österreich
Pingback: Wirtschaft & Finanzen: Linkwertiges vom 22. Februar 2012 | Finanzwertig
Richard Joerges
Na Jesses! Was für eine Erkenntnis! Angestellte können sich also in der sicheren Hängematte des Unternehmens ausruhen und wenn sie es möchten, ihre Karriere-Ziele besser erreichen. Nein, echt? Und was sind das denn für Karriereziele? Abteilungsleiter zu werden? Seine Zeit damit zu verbringen die Angriffe und Verleumdungen von Kollegen abzuwehren? Vor dem Chef glänzen und nach unten zu treten, wie es in 80 Prozent aller Firmen üblich ist und dann daran auszubrennen und anschließend in der Psychiatrie landen? Wer das will, soll weiter angestellt bleiben. Wem es wichtiger ist, das zu tun was er will, sich auch mal komplett neu zu erfinden und vor allem nach eigenen ethischen Maßstäben zu arbeiten, der muss sich selbständig machen. Da verzichte – nicht nur ich – auf vermeintliche Sicherheit als Angestellter gerne.
By the way: Angestellte sind, ob es Hr. Pranböck gefällt, oder nicht, leider ein Auslaufmodell. Es wird überall outgesourced, Leiharbeit gebucht und am Gehalt gekürzt. Neuerdings hat IBM beschlossen, demnächst auf Angestellte verzichten zu wollen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813388,00.html
Conrad Pramböck
Ich bemitleide Sie um die Erfahrungen, die Sie als Angestellter machen mussten. Ich bin voll bei Ihnen, dass es so viele schlechte Führungskräfte gibt, die nur über politische Spielchen ihre Position erreicht haben und die guten Ideen ihrer Mitarbeiter als persönliche Angriffe erleben. Einen solchen Arbeitgeber sollten Sie schleunigst verlassen, denn die Burn-Out-Gefahr ist groß.
Das Thema Outsourcing ist aber auch nicht gerade neu. Seit mindestens 10 Jahren reduzieren Unternehmen ihren offiziellen Headcount, um ihren Investoren zu gefallen. Sie sparen Angestellte ein und kaufen Freelancer zu höheren Stundensätzen hinzu. (Teilweise sind das sogar die gleichen Leute.) Ich wünsche IBM viel Glück dabei, jede Dienstleistung einzeln auszuschreiben, das können sie gut brauchen, denn es ist unglaublich aufwändig. Haben Sie schon mal versucht, eine Leistung auf guru.com oder freelancer.com zu vergeben? Das Angebot ist riesig und reicht vom pakistanischen Studenten bis zum Nobelpreiskommittee, aber ebenso unterschiedlich sind die Leistungen. Billig ist nicht immer gut.
Andreas E
Der Artikel macht es sich an vielen Stellen zu leicht. Ich behaupte, die hier mit recht polarisierenden Formeln beschriebene Personengruppe ist sehr klein und daher nicht für solche allgemeinen Thesen heranzuziehen. Zum einen wird hier nicht nach Branchen differenziert, in denen es sich faktisch umgekehrt verhält (u.a. höheres Einkommen bei Selbständigen, höheres Risiko durch Bindung an einen einzelnen, oft kleinen Arbeitgeber, wie z.B. weitläufig in der Medien- und Kreativbranche). Zum anderen muss sich der Angestellte “mit Selbständigen-Eigenschaften”, wie er hier skizziert wird, realistischer Weise von der üblichen Komfortzone eines Angestellten lösen, in dem er lange Arbeitstage, große Verantwortung und ein hohes Arbeitspensum stemmen muss, verstärkt durch die immer dünner werden Luft innerhalb des Kollegiums, je höher die Karriereleiter bestiegen wird. Gleichzeitig erlebe ich oft eine Resignation bis hin zur inneren Kündigung bei Angestellten, die faktisch aus der Kombination aus mangelnder Selbstbestimmung und durchgereichtem wirtschaftlichem Druck des Arbeitgebers resultiert. Kurzum: für mich sondiert der sehr laut formulierte Artikel die Phänomene nicht ausreichend. Meine Gegenthese ist, dass sich bei entsprechend vergleichbaren beruflichen Zielen die beruflichen Konditionen tendenziell angleichen, ob selbständig oder angestellt.
Ein wenig entkräftet wird der Artikel leider auch dadurch, dass der Autor laut Xing-Profil keine ausreichende Erfahrung als Selbständiger vorweisen kann.
Conrad Pramböck
Wir sind einer Meinung, dass der Angestellte, der zugunsten eines sicheren Einkommens zahlreiche Kompromisse schließt, keine Zukunft hat. Wer nichts entscheiden darf und den ganzen Druck abbekommt, sollte sich rasch verändern, um nicht im Burn-Out zu landen. Den meisten Angestellten ist ja überhaupt nicht klar, welchen Beitrag sie im Berufsleben leisten wollen. Sie arbeiten bloß, um ein sicheres Gehalt zu verdienen. Also raus aus der Komfortzone.
Ihre Kritik, dass ich die Selbständigkeit nicht beurteilen kann (darf?), weil ich nie selbständig war, kann ich nicht nachvollziehen. Ich muss ja auch nicht über den Atlantik geschwommen sein, um zu wissen, dass es ein weiter, anstrengender Weg ist.
Andreas E
Grundsätzlich richtig, und natürlich dürfen und sollen Sie auch. Aber Sie müssen auch verstehen, dass ich eine Anleitung, wie ich den Atlantik überqueren soll, dann doch eher von einem Atlantik-Überquerer kaufen würde.
Conrad Pramböck
Perfekt. Bitte kaufen Sie sich ein Buch, wie Sie erfolgreich ein Unternehmen gründen, hochziehen und verkaufen. (Mein persönlicher Liebling ist die “4-Stunden-Woche” von Tim Ferriss.) Bei mir erfahren Sie nicht, wie Sie ein guter Unternehmersgründer, sondern wie Sie ein erfolgreicher und glücklicher Angestellter werden.
Andreas E
Und die Argumentation dafür bauen sie auf brüchigen Praxiskenntnissen der Atlantik-Überquerung auf. Ansonsten können wir aber mit den Buchkäufen so verbleiben.
Jörg Weisner
Jochen können die Zuwachszahlen stimmen?
Du schreibst:
“In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Angestellten im deutschsprachigen Raum um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Selbständigen stieg im gleichen Zeitraum nur um 15 Prozent.”
Wo sollen denn die 50 % mehr Angestellte hergekommen sein?
Die Bevölkerung hat in diesem Zeitraum eher abgenommen und sooo viele Zuwanderungen haben wir bestimmt nicht gehabt ….
Jochen Mai
@Jörg: Das musst du den Autor fragen… Nicht ich habe das geschrieben, sondern der Gastautor. Das ist ein Gastbeitrag!
Jörg Weisner
sorry, Jochen Du hast natürlich Recht.
Also richte ich die Fragen noch einmal an Herrn Pramböck,
können die Zuwachszahlen stimmen???
Bitte um Quellenangabe,
vielen Dank!
Conrad Pramböck
Die erwähnten Zuwachszahlen der Angestellten ergeben sich aus zwei Gründen:
1. Die Anzahl der Erwerbspersonen steigt, unter anderem weil Frauen ein Leben lang berufstätig sind und nicht wie in der Generation unserer Eltern ab dem ersten Kind zu Hause bleibt und nur noch der Mann ins Büro geht.(Für Deutschland siehe etwa Statistisches Bundesamt: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Arbeitsmarkt/Arbeitsmarkt.psml;jsessionid=1285ED2F316588E6767184318DD132FB.internet3)
2. Manche Berufsgruppen entwickeln sich rückläufig, wie etwa Beamte. In Ländern wie Österreich wird auch noch zwischen Arbeitern und Angestellten unterschieden. Die Zahl der Arbeiter ist in Österreich in den letzten 10 Jahren genauso wie die Zahl der Beamten deutlich gesunken.
Kalle Eberhardt
Hallo Conrad,
ein sehr interessanter Beitrag, aber in meinen Augen auch ein sehr einseitiger.
Du sprichst davon, dass Angestellte eine größere Sicherheit genießen würden. Dabei frage ich mich, woher diese Sicherheit kommen soll. Als Angestellter muss ich mich immer darauf verlassen,dass andere einen guten Job machen, damit ich meinen nicht verliere. Als Selbstständiger hingegen, bin ich für mein eigenes Einkommen selbst verantwortlich. Ich für meinen Teil fühle mich sicherer, wenn ich alles selbst in der Hand habe.
Auch der bessere Schutz in Krisen leuchte mir nicht ganz ein. Wenn mein Arbeitgeber pleite geht, bekomme ich kurzzeitig eine Entschädigung, stehe aber trotzdem relativ schnell ohne Unterstützung da. Außerdem trifft eine Insolvenz die Angestellten oftmals relativ unvorbereitet. Selbstständige haben ständig die Zahlen im Blick und können entsprechende Vorkehrungen treffen, wenn das Geschäft abflaut.
Den Punkt “Angestellte sind besser auf das Berufsleben eingestellt” verstehe ich nun gar nicht. Ich gebe zu, dass die Entrepreneurship Ausbildung an deutschen Universitäten zu wünschen übrig lässt, aber auch sonst lernen Berufseinsteiger 90% der erforderlichen Dinge “on the job”. Zusätzlich sehe ich das Lernen aus Fehlern, als die nachhaltigste Lernmethode an. Dabei muss ein Selbstständiger nur sicher stellen, dass diese Fehler möglichst wenig teuer sind.
Außerdem frage ich mich, ob du schon einmal die Möglichkeit des Outsourcings in Betracht gezogen haben. Ich bin selbst Selbstständig und kümmere mich weder um Buchhaltung, noch um all die anderen kleinen Dinge, auf die ich keine Lust habe, wodurch in auch meinen Urlaub komplett frei gestalten kann. Ich fahre demnächst für einen Monat in den Urlaub und ich denke nicht, dass sich dies viele Angestellte leisten könnten.
Außerdem fehlen mir in deiner Auflistung Dinge wie die Unabhängigkeit und Zufriedenheit, die Selbstständige oft verspüren.
Ich wäre interessiert, wie du einen Selbstversuch Selbstständigkeit erleben würdest.
Viele Grüße
Conrad Pramböck
Ein Punkt sollte uns klar sein: Niemand kann allein beruflich erfolgreich sein. Auch Selbständige haben Rechtsanwälte, Steuerberater, Webdesigner für die Homepage, etc. und sind darauf angewiesen, wie gut diese arbeiten. Ich hoffe auch, dass all Deine Kunden immer pünktlich zahlen. Wir alle sind abhängig, natürlich in unterschiedlicher Form.
Was nach einer Insolvenz passiert, kann ich Dir anhand meines eigenen Beispiels berichten: Innerhalb von 2 Monaten hatten alle (!) 100+ MitarbeiterInnen meines früheren Arbeitgebers einen neuen Job. Die meisten blieben in der Branche und verdienen dem Vernehmen nach heute das Gleiche wie vorher. Mein Fazit: Gute Leute sind am Arbeitsmarkt immer gefragt.
Ich würde mir wünschen, dass unternehmerisches Denken und Handeln hierzulande weiter verbreitet wäre. Ich plädiere sogar dafür, es in die Lehrpläne der Schulen aufzunehmen. Doch nicht einmal an der Wirtschaftuni wird so etwas gelehrt. Ich habe letzte Woche einen Vortrag für MBA-Absolventen der WU Executive Academy gehalten (Platz 38 im globalen MBA-Ranking). Von 50 Teilnehmern war nur eine Person selbständig (und diese in einem Familienunternehmen der 2. Generation).
Das Lernen aus eigenen Fehlern ist nachhaltig, aber bitte nicht, wenn davon die eigene Existenz abhängt.
Jörg Weisner
Kalle,
danke für Deinen sehr guten Kommentar, Du sprichst mir aus der Seele.
Dazu kommt noch ein ganz entscheidender Punkt, die ich vor einiger Zeit in einem Beitrag auf meinem Job & Joy Blog beleuchtet habe:
http://team-success.de/blog/2009-01-27/angestellt-oder-selbstaendig-wer-traegt-mehr-risiko/
Hier ein Zitat daraus:
“Insgesamt unterscheidet sich die Sicherheit eines Angestellten nur marginal von der eines Selbständigen. Mit einem riesen Unterschied. Der Selbständige ist es gewohnt, für sich selbst zu sorgen. Er muss sich immer wieder neu beweisen und auch seinen Kunden immer wieder neu beweisen, dass er sein Geld wert ist. Wenn das nicht klappt, dann spürt er es sofort – in seinem Geldbeutel.
Ich bin überzeugt davon, dass diejenigen, die selbständig arbeiten, durch dieses ständige Training ihre Problemlösungsmuskeln stärker ausgebildet haben, als die Angestellten. Sie sind oft widerstandsfähiger. Und genau diese Fitness hilft ihnen in der Krise.”
Wer trägt jetzt also wirklich das höhere Risiko???
Conrad Pramböck
Ich bin begeistert: Ein tolles Plädoyer, das sich viele Angestellte zu eigen machen sollten. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr eigenes (Berufs-)Leben!
Thema Risiko:
- Wo sparen Unternehmen in Krisen zuerst: Bei selbständigen Partnern: Headhunter verlieren ihre Aufträge, bevor in der internen Personalabteilung gekürzt wird. Das Marketingbudget wird einfroren, bevor ein Mitarbeiter in der Marketingabteilung entlassen wird, etc.
- Als mein früherer Arbeitgeber pleite ging, habe ich vom österreichischen Insolvenz-Ausfallgeldfonds meine ausständigen Gehälter, den anteiligen Bonus, die nicht konsumierten Urlaubstage, etc. erhalten. Alle Freelancer sind ich auf ihren offenen Rechnungen zur Gänze sitzen geblieben. Fast alles oder fast nichts – das ist der Unterschied zwischen Angestellten und Selbständigen, wenn ein Unternehmen pleite geht.
- Was machen Sie, wenn ein großer Kunde nicht zahlt? Einem Angestellten kann es gleichgültig sein. Ein Selbständiger muss sich fragen, ob er prozessiert oder den Verlust hinnimmt.
Ich gebe Ihnen recht, dass der Problemlösungsmuskel bei Selbständigen viel größer sein muss. Angestellte haben es besser und einfacher, wie der Titel des Artikels schon sagt. Dieser Umstand ist ja genau die Bestätigung dafür, wie gering das Risiko der Angestellten im Vergleich zu Selbständigen ist.
Thomas
Ich bin gerne Angestellter, weil ich nach der Arbeit abschalten kann und mich nicht um administrative Angelegenheiten kümmern muss.
Jörg Weisner
Herr Pramböck,
danke für den Link zur Statistik-Seite.
Ich kann aber auch daraus nicht auf die 50 % Zuwachs schließen,
wie sind Sie auf die Zahl gekommen?
Mit 5 % könnte ich mich ja einverstanden erklären, meinetwegen auch mit ein paar Prozenten mehr, aber niemals mit 50%!!!
Diese Zahl erscheint mir einfach utopisch und läßt die Qualität des ganzen Beitrages in Zweifel ziehen.
Alibert
+1
Nebenbei bemerkt bin ich Selbstständig, habe >100.000 EUR im Jahr und glücklich, weil nur ~45 Stundenwoche. Als Angestellter werde ich das wohl nicht kriegen. Würde aber wenn ich 40+ bin zum Angestellten wechseln, da ich mri den Stress dann nicht geben will.
Georg
Der größte Vorteil Angestellter zu sein, liegt wohl darin, sich nicht um alles Kümmern zu müssen und auch leichter Mal abschalten zu können.
Simon H.
Danke für den tollen Beitrag.
Ich möchte nichts an meinem derzeitigen Status als Angestellter ändern. Hier kann ich entspannt arbeiten ohne an die Auftragslage zu denken. Geregelte Arbeitszeiten, ausreichend Urlaub und trotzdem viel Freiheit, wie ich welche meiner Aufgaben ausführen kann.
Martina Diel
Diese Zahl erstaunt mich etwas:
“In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Angestellten im deutschsprachigen Raum um mehr als 50 Prozent gestiegen.”
Das hieße ja, dass es 2002 nicht knapp 30 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gab, sondern nur 15 Millionen. Kann ich das irgendwo nachlesen?
Conrad Pramböck
Hallo Martina, siehe auch mein Kommentar oben: Die erwähnten Zuwachszahlen der Angestellten ergeben sich aus zwei Gründen:
1. Die Anzahl der Erwerbspersonen steigt, unter anderem weil Frauen ein Leben lang berufstätig sind und nicht wie in der Generation unserer Eltern ab dem ersten Kind zu Hause bleibt und nur noch der Mann ins Büro geht.(Für Deutschland siehe etwa Statistisches Bundesamt: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Arbeitsmarkt/Arbeitsmarkt.psml;jsessionid=1285ED2F316588E6767184318DD132FB.internet3)
2. Manche Berufsgruppen entwickeln sich rückläufig, wie etwa Beamte. In Ländern wie Österreich wird auch noch zwischen Arbeitern und Angestellten unterschieden. Die Zahl der Arbeiter ist in Österreich in den letzten 10 Jahren genauso wie die Zahl der Beamten deutlich gesunken.
DaJazzie
Ich lese gerne und das klingt mal wieder nach einem sehr sinnvollem Buch, was ich gewinnen möchte. Ausserdem musste ich mich extra nun innerhalb wenigen Minuten mit dem Laptop einloggen, weil die Kommentarfunktion beim Smartphone-App mal wieder nicht funktioniert…
Jochen Mai
Vielen Dank für die gute Diskussion – und danke auch für das MItmachen bei der Verlosung. Die drei Gewinner wurden soeben gelost und per E-Mail benachrichtigt…