Ein Gastbeitrag von Conrad Pramböck

Es ist ein Mythos, dass Selbständige automatisch glücklicher, reicher und freier sind als Angestellte. Eher ist es so: Angestellte können ihre beruflichen Ziele aus zahlreichen Gründen oft besser erreichen als Selbständige. Wer Angestellte als Auslaufmodelle bezeichnet und die Selbständigkeit als Zukunft der Arbeit preist, ignoriert diese Fakten. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Angestellten im deutschsprachigen Raum um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Selbständigen stieg im gleichen Zeitraum nur um 15 Prozent.

Gleichzeitig verdienen 90 Prozent der Angestellten mehr als Selbständige. Es stimmt zwar, dass Selbständige im Gegensatz zu Angestellten durch ihre Arbeit unermesslich reich werden können, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist geringer als ein Haupttreffer im Lotto. Viele Selbständige träumen davon, mit ihrem Business Millionen zu verdienen und dann gemütlich auf einer Insel Cocktails zu schlürfen. Doch wer sich in der Karibik umschaut sieht schnell: Hier trinken nicht die reich gewordenen Selbständigen Caipirinhas, sondern Angestellte, die in Ruhe ihren Urlaub verbringen und Kraft für ihren Job daheim tanken.

Überhaupt sprechen noch zahlreiche weitere Vorteile für die Karriere als Angestellter. Diese:

Angestellte genießen große Sicherheit

3 Bücher zu gewinnen

Unter allen Kommentatoren verlosen wir insgesamt drei Exemplare von Pramböcks Buch „Jobstars“. Alles, was Sie dazu tun müssen, ist einen Kommentar zu schreiben, warum Sie gerne Angestellter sind. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Einsendeschluss ist Freitag, 12 Uhr.

Ab ihrem ersten Arbeitstag verdienen Angestellte ein fixes Gehalt und können sich damit im Laufe der Zeit aus eigener Kraft eine solide Existenz aufbauen. Selbständige müssen häufig viele Wochen und Monate, manchmal sogar Jahre auf ihr erstes Einkommen warten. Über ein Drittel aller Selbständigen scheitert innerhalb der ersten drei Jahre.

Angestellte sind in Krisen besser geschützt

Besonders deutlich zeigt sich die Sicherheit von Angestellten in der Krise. Geht ein Unternehmen pleite, zählen sie zu den wenigen Gruppen, deren gesamte Forderungen erfüllt werden. In Österreich sind Angestellte durch den Insolvenz-Ausfallsgeld-Fonds, in Deutschland durch das Insolvenzgeld abgesichert. Selbständige müssen hingegen ihre Forderungen beim Konkurs ihres Geschäftspartners meistens völlig abschreiben. Fast alles oder fast nichts – das ist der Unterschied zwischen Angestellten und Selbständigen in der Krise.

Angestellte sind besser auf das Berufsleben vorbereitet

Wer heute Wirtschaft studiert, lernt dort, ein guter Angestellter zu werden, aber nicht, wie er ein Unternehmen gründet. Auch die Arbeitgeber haben großes Interesse, die Qualifikation ihrer Angestellten weiter zu erhöhen. Unternehmen im deutschsprachigen Raum investieren insgesamt über 30 Milliarden Euro jedes Jahr in Trainings, Seminare und Fortbildungen ihrer Belegschaft. Selbständige lernen in aller Regel aus Versuch und Irrtum, und jeder Fehler kommt sie teuer zu stehen.

Angestellte erhalten Unterstützung von ihren Kollegen

Seinen ersten Arbeitstag beginnt ein Angestellter in einem voll ausgestatteten Büro mit Telefon, Computer und E-Mail-Adresse. Um Rechtliches und Steuerfragen kümmert sich die Personalabteilung oder ein externer Dienstleister. Selbständige hingegen sind in den ersten Wochen zu über 50 Prozent ihrer Zeit mit der Durchsicht von Verträgen, Verhandlungen mit der Bank oder dem Kauf von Büromöbeln und Computern beschäftigt. Sie verbringen viele Stunden mit wichtigen Dingen, aber nicht mit ihren Kunden.

Angestellte können ihr Privatleben besser mit dem Berufsleben vereinbaren

Ein altes Sprichwort besagt: Wer selbständig ist, arbeitet selbst und ständig. Wenn jedoch ein Angestellter in den Urlaub geht, richtet er eine automatische E-Mail-Antwort ein: „In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an meinen Kollegen…“ Wenn eine Angestellte ein Kind bekommt, muss sie nicht fürchten, dass ihr Job oder ihre Kunden nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschutz weg sind. Anders als Selbständige sind Angestellte in der Lage, mit gutem Gewissen in ihrem Privatleben Kraft zu sammeln, ohne finanzielle Einbußen zu erleiden.

Trotz dieser zahlreichen Vorzüge des Angestelltendaseins – es gibt auch einige Punkte, die abhängig Beschäftigte von Gründern und Unternehmern lernen sollten…

Was Angestellte von Selbständigen lernen sollten

Globalisierung und Wirtschaftskrisen stellen jedoch auch für Angestellte hierzulande große Herausforderungen dar. Die Gefahr wächst ständig, der Gunst der Konzerne ausgeliefert zu sein, den Job und damit den Anschluss zu verlieren und aus der Mittelklasse abzurutschen. Angestellte können in eine Negativspirale geraten, die vor allem in ihren Köpfen beginnt: Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen viele Angestellte ihre Einstellung zur Arbeit grundlegend überdenken. Einige zentrale Punkte können und sollten sie daher von Selbständigen lernen, um auch in Zukunft die erfolgreichste Berufsgruppe zu stellen:

Die persönliche Leistung in den Vordergrund stellen

Viele Angestellte wollen sich ein schönes Leben leisten und sind bereit, dafür zu arbeiten. Im Mittelpunkt steht für die meisten die Sicherheit ihres Einkommens, für das sie bereit sind, zahlreiche Kompromisse einzugehen. Selbständige gehen mit der Einstellung in den Job, ihre besondere Leistung am Markt anzubieten. Das Geldverdienen folgt für sie erst daraus.

Wenn Angestellte ihre Arbeitskraft dem Chef gegen Bezahlung zur Verfügung stellen, ist das geradezu eine schriftliche Einladung, mit dessen Problemen überhäuft zu werden. Selbständige hingegen bieten Lösungen an und stellen diese ins Zentrum ihres Berufslebens. Kein Wunder, dass sich Selbständige viel besser motivieren können. Angestellte sollten jenen Beitrag finden und kommunizieren, den sie im Sinne ihres Arbeitgebers leisten wollen. Erst das unternehmerische Denken und die gemeinsam erlebten Erfolge fördern die Zufriedenheit und Motivation der Angestellten und nicht die gut gemeinten Leistungsanreize des Managements und ihrer Berater.

Mitarbeiter zur Unterstützung suchen und aufbauen

Zwar erhalten Angestellte große Hilfe von ihren Kollegen – im Gegensatz zu Selbständigen, die in der Mehrzahl Ein-Personen-Unternehmen sind und alleine arbeiten. Allerdings beschränkt sich die kollegiale Unterstützung meist auf Angelegenheiten im Sinne der Firma. Wollen Angestellte das Optimum aus ihrem Berufsleben herausholen, sollten sie aktiv innerhalb und außerhalb ihres Unternehmens Kontakte finden und aufbauen, die sie auf ihrem Weg zum beruflichen Erfolg unterstützen. Die Pflege des eigenen Netzwerks, wie sie für Selbständige und Führungskräfte selbstverständlich ist, sollte auch für Angestellte zum Usus werden.

Der größte Unterschied zwischen beruflichen erfolgreichen Menschen und dem Rest ist die Unterstützung durch ihre internen und externen Mitarbeiter. Jeder gute Unternehmer weiß, dass er ohne seine Mitarbeiter nichts ist.

Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen

Wenn Selbständige nicht entscheiden, geht ihr Geschäft zugrunde. Es gibt einfach nur sie, die die Verantwortung dafür tragen, welche Leistung sie am Markt zu welchem Preis anbieten. Wenn Angestellte nicht entscheiden, passiert hingegen in vielen Fällen zunächst einmal gar nichts.

Das Schönste für einen Chef sind jedoch Mitarbeiter, die mitdenken und regelmäßig gute Ideen vorbringen. Wer das kalkulierte Risiko einer fundierten Entscheidung übernimmt, reißt die Macht an sich und vergrößert im Erfolgsfall seinen Einfluss. Die besten Entscheidungen sind im Sinne des Unternehmens, der Kunden, der Allgemeinheit und des Mitarbeiters selbst.

Fazit: Die erfolgreichen Angestellten von morgen können ihre beruflichen Ziele leichter erreichen als die meisten Selbständigen. Viele von ihnen laufen jedoch Gefahr, für ein sicheres Gehalt Kompromisse einzugehen und ihre beruflichen Ziele und Träume zu vernachlässigen. Wenn sie jedoch in eigenen Karrierefragen denken und handeln wie Unternehmer und Führungskräfte, sind sie auf dem besten Weg zu mehr Glück, mehr Erfolg und mehr Erfüllung im Beruf.


Über den Autor

Conrad Pramböck ist Gehaltsexperte bei Pedersen & Partners. Er berät seit über zehn Jahren Unternehmen weltweit zum Thema Gehälter. In seinem neuen Buch „Jobstars“ vertritt er die These, dass Angestellte ihre beruflichen Ziele besser erreichen können, und gibt Tipps, was sie von Selbständigen lernen sollten, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.