Rein biochemisch betrachtet, ist an Nachtfahrten vor allem eine Sache gefährlich: die aufkommende Müdigkeit. Die Autobahn ist leerer als tagsüber, an den Scheiben rauschen die Silhouetten einer matten Landschaft vorbei, die Aufmerksamkeit und Konzentration sinken, die Augenlider gleich mit und von da an ist es nicht mehr weit bis zur Katastrophe: Letzte Ausfahrt Sekundenschlaf.
Sollten auch Sie regelmäßig spät abends von der Arbeit nach Hause pendeln und dabei gegen die Müdigkeit am Steuer ankämpfen: Forscher der Universität Bordeaux haben jetzt untersucht, was gegen die Ermattung am besten hilft. Ergebnis: Kaffee. Das ist zwar so überraschend nicht, wird aber umso interessanter beim Blick auf den Versuch selbst: Die Wissenschaftler ließen dazu ihre übermüdeten Probanden rund 160 Kilometer auf einer französischen Autobahn zurücklegen, wobei sie aus Sicherheitsgründen von munteren Fahrlehrern begleitet wurden. Die erste Gruppe bekam vor der Fahrt einen Becher Kaffee, die zweite Gruppe durfte ein kurzes Nickerchen machen, die dritte (Kontroll-)Gruppe bekam einen Becher entkoffeinierten Kaffee. Ergebnis: Wer Kaffee trank, konnte am besten seine Spur halten. Unterschiede gab es nur noch beim Alter: Je jünger die Fahrer waren, desto eher überwog die positive Wirkung des Kurzschlafs.



Mario
Es gibt keinen Grund im halbschlaf Auto zu fahren.
Für mich sind solche Leute Idi*ten.
Jochen Mai
@Mario: Es gibt einen Unterschied zwischen Leuten, die sich völlig übermüdet ans Steuer setzen (also unter Vorsatz) und solchen, die auf einer längeren Fahrt oder abends einfach müde werden! Um letztere gehts hier. Dass sich die Probanden schon übermüdet ans Steuer setzen, ist den Versuchsbedingungen geschuldet.
Markus Jais
Lange Autofahrten in der Nacht sind in der Tat gefährlich. Vor allem wenn man alleine im Auto sitzt. Ich würde wann immer möglich den Zug nehmen oder vor Ort übernachten. Das lässt sich nicht immer umsetzten, aber öfter als mann denkt.
Das mit dem Kaffee werde ich mir merken. Danke für den Hinweis.
René Fischer
@Mario: Leider gibt es immer wieder Gründe die einen mehr oder weniger dazu zwingen, größere Strecken trotz Müdigkeit zurückzulegen. Mir fallen da spontan ein: Flieger verpasst und mit einem Mietwagen noch nach Hause (selbst schon erlebt), ein Familienmitglied wird krank und braucht dringend Unterstützung, Geburt eines Kindes wenn man ein paar Kilometer auseinander wohnt … etc.
Das Nickerchen ist in der Tat die beste Lösung. Ich selbst habe mal auf einer absoluten Horrorfahrt zu den folgenden Mitteln gegriffen (Nickerchen kam nicht in Frage):
1. Fenster auf. Kalte Luft wirkt erstaunlich positiv gegen die Müdigkeit.
2. Die Augen wandern lassen. Aufschriften auf LKW’s, Autos und Schildern laut (!) lesen.
3. Viel trinken und demzufolge auch hin und wieder anhalten um die Flüssigkeit wieder los zu werden und sich etwas zu bewegen.
4. Laute Musik und mitsingen.
5. Hin und wieder ein Telefonat, wenn man jemanden kennt, der auch noch nicht schlafen kann/darf.
6. Ab und an einen Schokoriegel oder Kaugummi um den Zucker oben zu halten.
7. Sitz eher aufrecht einstellen und häufiger mal auf dem Sitz hin und herrutschen (Sitzposition verändern).
Nicht machen sollte man hingegen:
1. Einheizen. Logisch!
2. Essen … nach dem Essen fällt man immer gern in ein Loch, wenn die Verdauung aktiv wird.
3. Immer stur gerade ausschauen.
Jochen Mai
@René: Danke! Ein super Kommentar – der zudem viele nützliche Informationen enthält und mitdiskutiert. Vorbildlich!
Rolf F. Katzenberger
@René: kommt auf die Müdigkeit an. Spätestens beim Sekundenschlaf ist aber Ende der Fahnenstange – es gibt keinen vertrtbaren “Grund”, der einen dazu “zwingt”, die Familien anderer Verkehrsteilnehmer buchstäblich zu Witwen und Waisen zu machen. Aber ich denke mal, mit “Horrorfahrt” meinst Du eher eine langweilige…