Neinsagen-Zitat-kompletter-Satz
Die netten, hilfsbereiten Kollegen, die die niemals Nein sagen, mag jeder. Denn sie machen das Leben leichter. Das eigene vor allem. Doch wer anderen seine Hilfe nur allzu bereitwillig zukommen lässt, zahlt dafür einen hohen Preis: den, sich selbst zu überlasten, sich zu verzetteln und mehr Fehler zu machen. Am Ende werden solche billigen Gehilfen gar noch weniger respektiert als jene, die zögern sowie ab und an Grenzen setzen. Es ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Was leicht zu haben ist, hat automatisch weniger Wert. Wer sich dagegen vornehm zurückhält, sich rar macht und gelegentlich verweigert, wird häufiger von Bittstellern umringt und geachtet...

Tappen Sie nicht in die Gefälligkeitsfalle!

Neinsagen-Einwände-GrafikDas Phänomen hat längst einen einschlägigen Namen in der Literatur: Gefälligkeitsfalle. Erst wird man mit Komplimenten umgarnt, dann wird das Verständnis für die Bedürfnisse des Kollegen geweckt, machmal folgt auch noch sanfter Druck auf die Tränendrüse und ein Appell an Reziprozität, Motto: Damals habe ich dir ja auch... Und Zack schnappt die Falle zu: Aus kleinen Gefälligkeiten hier und da erwächst ein veritabler Nebenjob. Na, Danke!

Die Gründe, warum wir regelmäßig in diese Gefälligkeitsfalle tappen, sind zwar individuell verschieden. Dennoch ist der erste Schritt aus dieser klassischen Entscheidungsfalle, sich selbige bewusst zu machen.

Es geht darum zu erkennen, was Ihre wahren Gefühle und Motive dabei sind und wie diese womöglich – bewusst oder unbewusst – von den Kollegen manipuliert werden. Die Maschen hierbei reichen von Druck, Erpressung, Überrumpeln, Schmeicheln bis hin zu vermittelten Schuldgefühlen und der obligaten Mitleidstour.

Bevor Sie also eine Entscheidung treffen, nehmen Sie sich eine kurze Auszeit und fragen Sie sich, warum Sie angeblich nicht "Nein" sagen können.

Die Gründe, warum wir so schlecht NEIN sagen können:

  • Sie fühlen sich geschmeichelt.

    Allein schon die Tatsache, dass man Sie fragt, imponiert Ihnen. Sie fühlen sich aufgewertet, wichtig, zentral. Kurz: Sie mutieren zum Retter und Ratgeber. Ein kurzer Anflug von Macht umweht Ihr Ego. Und weil Sie dieses Gefühl lieben und fürchten, dass es sich nie mehr einstellt, wenn Sie die Bitte jetzt ablehnen, sagen Sie "Ja". Womöglich war das aber genau der hinterlistige Plan des Bittstellers. "Der Schmeichelei gehen auch die Klügsten auf den Leim", wusste schon der französische Dramatiker Molière. Der schillernde Retter kann schließlich auch bloß ein schnöder Notstopfen sein.

  • Sie leiden am Helfer-Syndrom.

    Solche Menschen, streben ständig nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Hinter dem Zwang "Ja" zu sagen steckt entweder die falsche Vorstellung, so die eigene Unersetzbarkeit zu demonstrieren. Oder aber der Versuch, Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. Auch das ist ein Irrweg, da die kurzfristige Anerkennung, die mit dem Gefallen erzielt wird nur in eine Abwärtsspirale führt: Viele Gefälligkeiten mindern die Qualität der eigenen Arbeit, das wiederum mindert die Anerkennung, die man damit erzielt, weshalb die Dienst-Dosis zur Kompensation immer weiter erhöht werden muss. Das Helfer-Syndrom führt also nur zu massivem Stress und mündet nicht selten in totaler Erschöpfung und einem Burnout.

  • Sie fürchten, nicht mehr gemocht zu werden.

    Nicht wenige Menschen plagt die Sorge, dass es die Beziehung zum Kollegen nachhaltig belastet, wenn sie seine Bitte ablehnen. Womöglich quält sie dabei auch ein schlechtes Gewissen, weil Sie früher einmal gelernt haben, dass man Hilfe nicht verweigern darf. Wer es dennoch tut, gilt in ihren Augen als egoistisch oder herzlos. Die Frage ist aber: Wer ist egoistischer – derjenige, der eine Bitte ausschlägt, weil er nicht anders kann oder derjenige, der seine Sympathien davon abhängig macht, wer nach seiner Pfeife tanzt? Hüten Sie sich vor solchen Menschen! Sie versuchen nur Sie zu manipulieren, sind berechnend und selten dankbar. Zudem: Sie müssen nicht von allen gemocht werden – und schon gar nicht von Menschen, deren Zuneigung Sie sich erst erkaufen müssen.

  • Sie haben Angst, etwas zu verpassen.

    Natürlich geht man mit den Kollegen einen Kaffee trinken, obwohl dringend noch drei Anrufe erledigt werden müssten. Natürlich wird die Einladung zum Feierabendbier nicht abgesagt, obwohl der Körper längst bedrohlichen Schlafmangel signalisiert. Natürlich macht man bei dem Projekt mit, denn die anderen tun es auch. Hauptsache mittendrin, immer dabei und bloß kein Spalter sein. Obacht! Auch hier werden Sie vermutlich längst manipuliert – durch zeitliche Verknappung. Die Kollegen gaukeln Ihnen vor, hier und jetzt eine einmalige Chance zu bekommen – wie bei einem Sonderangebot. Dabei können Sie mit der Gruppe doch sicher auch ein andermal noch einen Kaffee trinken?! Wohl wahr: Sich abzusondern, ist Gift für die Karriere. Aber das ist schlechte Arbeit auch. Wer alles schleifen lässt, damit er ja nichts verpasst, offenbart vielmehr zweierlei: latente Einsamkeit gepaart mit hoher Abhängigkeit von der Meinung anderer sowie die Schwäche, Prioritäten setzen zu können.

  • Sie fürchten die Konsequenzen.

    Insbesondere wenn hinter der Bitte der Chef steht. In vielen Fällen ist es tatsächlich nicht ratsam, dessen Wünsche auszuschlagen. Enttäuschte Chefs befördern nicht. Aber auch Vorgesetzte müssen lernen, wann Schluss ist.

  • Sie fühlen sich verantwortlich.

    Und zwar für die Bürostimmung im Allgemeinen und das Bedürfnis des Kollegen nach Entlastung und persönlichem Glück im Besonderen. Der Arme: Schon seit fünf Wochen sitzt er an dem Projekt, heute Nachmittag muss er es präsentieren – und was er hat, ist alles andere als spruchreif. Es ist zwar nobel, dem Tropf jetzt unter die Arme zu greifen. Er hätte aber auch einfach eher fragen können. Oder ist das seine Masche, immer auf den letzten Drücker zu fragen, damit keiner ablehnen kann?

  • Sie vergleichen sich.

    Jeder Mensch hat ein anderes Arbeitspensum. Wer sich jedoch mit anderen dauerhaft vergleicht, erliegt bald der Illusion Gleiches schaffen zu müssen. Sie sollen und wollen das Beste aus sich herausholen – soweit, so gut – aber bitte nicht auch noch das Beste des Kollegen dazu. Nichts versetzt Menschen mehr in Stress, als der Versuch ständig den Ansprüchen anderer zu genügen.

Prüfen Sie daher etwaige Anfragen genau und im Zweifel sagen Sie, dass Sie sich überrumpelt oder geschmeichelt fühlen. Erbitten Sie sich etwas Bedenkzeit, zeigen Sie weiterhin Verständnis für die Bedürfnisse des anderen, legen Sie aber auch Ihre eigenen dar – und sagen Sie Nein.

Auch wenn Sie das nicht müssten: Begründen Sie Ihre Ablehnung ruhig auch mit den negativen Konsequenzen. Das macht es dem anderen leichter, Ihre Absage zu akzeptieren.

Sie können aber auch einen Kompromiss in der Form "Jetzt nicht, aber später" schließen. Und für die ganz Hartnäckigen, die partout kein Nein akzeptieren, gilt: Standhaft bleiben und diplomatisch in die Metaebene wechseln:

Sie wollen mein Nein wohl um keinen Preis akzeptieren – aber ich bleibe dabei: Sorry, diesmal nicht.

Machen Sie den Selbsttest: Können Sie gut Nein sagen?

Check-Icon-TransparentHand aufs Herz: Wie sieht es bei Ihnen aus? Sagen Sie auch mal Nein zu Ihrem Chef? Zu Kollegen? Und wie leicht fällt Ihnen das? Finden Sie es heraus mit unserem...

Selbsttest: Können Sie Nein sagen?

7 Wege Nein zu sagen

Natürlich gibt es noch einige Varianten mehr. Was davon zu Ihrer Situation passt, können wir freilich nicht wissen. Womöglich sind es auch Kombinationen aus zwei oder mehreren Punkten...

Tipps-Neinsagen-Alternative1. Alternativen anbieten

  • "Ich habe leider nicht die Zeit, mich mit an den Stand zu stellen. Aber ich könnte helfen, die Dekoration vorzubereiten."
  • "Ich habe dafür gerade keine Zeit, aber frag doch Klaus..."
  • "Diese Woche geht es bei mir gar nicht, aber in zwei Wochen hätte ich Zeit..."

Tipps-Neinsagen-Folgen2. Folgen verdeutlichen:

  • "Danke, dass Sie mir so viel Vertrauen entgegen bringen. Aber ich habe bereits mehrere laufende Projekte, um die ich mich kümmern muss. Wenn ich diese Aufgabe zusätzlich übernehme, wird sich der Abgabetermin von Projekt X nach hinten verschieben müssen."
  • "Ich bin dafür nicht die qualifizierteste Person im Team."

Tipps-Neinsagen-Dramatisieren3. Dramatisieren:

  • "Ich bin zurzeit enorm eingespannt, so dass ich diesem Projekt nicht die Aufmerksamkeit widmen kann, die es verdient hätte. Das würde dem Ergebnis schaden."
  • "Ich fühle mich bei dieser Sache sehr unwohl."
  • "Ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren."

Tipps-Neinsagen-Spiegeln4. Spiegeln:

  • "Ich kann verstehen, dass du dich bei der Aufgabe unsicher fühlst. Aber ich bin davon überzeugt, dass du das schaffst. Versuch es doch erst einmal selbst, helfen kann ich immer noch."
  • "Ich kann dir da wirklich nicht helfen. Der Chef hat dir die Aufgabe und Verantwortung übertragen. Er hat sich sicher was dabei gedacht."
  • "Ich kann verstehen, dass ich mich an Claudia's Geburtstagsgeschenk beteiligen soll. Ihr geht ja häufig zusammen essen. Aber ich kenne sie kaum..."

Tipps-Neinsagen-Konsequent5. Konsequent bleiben:

  • "Ich fühle mich geschmeichelt, aber die Wochenenden gehören meiner Familie."
  • "Ich habe vorhin schon jemand anderem meine Hilfe zugesagt. Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht noch mehr übernehmen kann."
  • "Ich helfe dir gerne – aber nicht bei diesem Projekt." "Es tut mir leid, aber ich leihe Freunden grundsätzlich kein Geld."

Tipps-Neinsagen-Verständnis6. Um Verständnis werben:

  • "Ich finde das Angebot sehr schmeichelhaft, aber ich habe offen gestanden andere Pläne für meine Karriere."
  • "Ich weiß, das wird Sie enttäuschen, aber ich kann das dieses Jahr nicht schon wieder übernehmen."

Tipps-Neinsagen-Kurzfassung7. Kurz fassen:

  • "Nein."


Neinsagen lernen - bei Chef, Kollegen, Kunden

nito/shutterstock.comAllzu willige Wohltäter leiden permanent an Überlastung, laufen Gefahr sich zu verzetteln und werden am Ende sogar weniger respektiert als jene, die zögern und ab und an einfach "Nein" sagen.

Es ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Was leicht zu haben ist, hat weniger Wert. Wer sich dagegen vornehm zurückhält, verweigert und rar macht, wird viel mehr respektiert – und am Ende von den Bittstellern umringt.

Auch wenn es zum Leben gehört, hin und wieder eigene Interessen zurückzustecken – an manchen Stellen muss man beherzt "Nein" sagen. Alles andere führt nur dazu, dass wertvolle Zeit verloren geht und Kräfte zerstreut werden, die dann für die eigene Arbeit fehlen.

Wenn Sie im Büro jemandem einen Korb geben müssen, kommen dafür letztlich nur drei Gruppen infrage:

  • Kollegen
  • Kunden
  • Chefs

Für alle drei gilt, dass Sie ihnen die Abfuhr möglichst schonend beibringen. Das heißt nicht, dass Sie lange um den heißen Brei herumreden sollen, im Gegenteil: klar und deutlich sollten Sie schon bleiben. Mit einer Wischiwaschi-Abfuhr tun Sie sich keinen Gefallen. Die erzeugt nur Missverständnisse, späten Frust und Sie stehen am Ende da wie ein Wortbrüchiger. Verletzend und respektlos werden, sollten Sie aber auch nicht. Umgekehrt würde man das ja auch nicht wollen.

Tipps, wie das Neinsagen gelingt...

Nein-Sagen zu Chefs

Einem Boss einen Korb zu geben, ist heikles Terrain - erst recht, wenn der gerade schlecht auf einen zu sprechen ist, miese Laune hat oder Entlassungen drohen. Ein achtungsvoller Ton, gepaart mit einer subtilen Ausweichstrategie ist hier essenziell für Ihre Mission. Oder anders formuliert: Die richtige Antwort gegenüber dem Chef beginnt im Kern immer mit der Phrase: "Ja, aber..."

Genauso wichtig ist dabei auch, dass Sie ihm aufmerksam zuhören und ihn nicht unterbrechen. Das dokumentiert Ihre Ernsthaftigkeit und unterstreicht Ihren grundsätzlich guten Willen. Bleiben Sie zu ebenso jedem Zeitpunkt höflich, auch wenn der Antrag noch so unverschämt war. Und heben Sie niemals die Stimme (wirkt aggressiv) und spielen Sie auch nicht beleidigt (wirkt infantil), sondern versuchen Sie vielmehr sanft auszuweichen, etwa indem Sie...

  • Alternativen anbieten.

    "Ich habe leider nicht die Zeit, später bei der Präsentation dabei zu sein. Aber ich könnte helfen, die Folien nachher noch aufzubereiten." Oder: "Ich muss unbedingt vorher noch diese Sache für den Kunden fertig machen. Aber morgen könnte ich mich dann darum kümmern. Falls es eilig ist, vielleicht hat Klaus ja gerade etwas Zeit..."

  • Die Folgen verdeutlichen.

    "Danke, dass Sie mir so viel Vertrauen entgegen bringen. Aber ich habe bereits mehrere laufende Projekte, um die ich mich kümmern muss. Wenn ich diese Aufgabe zusätzlich übernehme, wird sich der Abgabetermin von Projekt X zwangsläufig nach hinten verschieben." Oder: "Ich kann das gerne machen, Sie wissen aber, dass ich dafür nicht die qualifizierteste Person im Team bin?!"

  • Dramatisieren.

    "Ich bin zurzeit enorm eingespannt, so dass ich diesem Projekt nicht die Aufmerksamkeit widmen könnte, die es verdient hätte. Das würde dem Ergebnis schaden." Oder: "Ich fühle mich bei dieser Sache sehr unwohl." Oder: "Ich kann das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren."

  • Ihn an sein Wort erinnern.

    "Wir hatten seinerzeit verabredet, dass das andere Projekt unbedingt Vorrang hat. Können Sie mir kurz erklären, wieso dies jetzt anders ist?" Oder: "Sie hatten mir für heute Nachmittag frei gegeben. Inzwischen habe ich dort eine paar wichtige Termine, die ich auch nicht mehr absagen kann." Mit solchen Erinnerungen dürfen Sie den Boss allerdings weder bedrängen, noch brüskieren. Sie wollen ihn schließlich nicht zum Armdrücken herausfordern.

  • Um Mithilfe bitten.

    "Sie wissen, ich arbeite gerade auch an X und Y. Um alles tiptop zu erledigen, bräuchte ich noch Unterstützung, sonst wird das nichts." Der Vorteil dieser Strategie ist: Wenn Sie den Beistand gut begründen, der aber nicht greifbar ist, sucht Ihr Boss womöglich selbst nach einer Alternative.

Einige Ratgeber empfehlen indes die Begründung so knapp wie möglich zu halten. Alles andere könnte wie eine Rechtfertigung aussehen, und deren Glaubwürdigkeit sinkt nun mal mit steigendem Textumfang. Das stimmt. Dennoch empfehle ich diese Strategie wirklich nur bei verständnisvollen Bossen.

Unabhängig davon, wie Ihr Chef tickt, gilt eines jedoch bei allen Abfuhren: Niemals, wirklich niemals sollten Sie Ihren Vorgesetzten anlügen, wenn Sie Ihr "Nein" begründen! Früher oder später kommt so etwas heraus, und dann ist Ihre Reputation flöten. Sie haben einen schweren Vertrauensbruch begangen und obendrein dem Chef die Hilfe versagt. Spätestens jetzt stehen Sie auf seiner Abschussliste.

Nein-Sagen zu Kunden

Dasselbe gilt Kunden gegenüber zwar genauso. Doch haben die zuweilen die Angewohnheit, deutlich verständnisloser und unbarmherziger zu sein – zumal, wenn Sie sich wie Könige fühlen, weil Sie einen Großteil Ihres Umsatzes beisteuern. Bei solchen Typen lässt sich ein "Ja" manchmal partout nicht vermeiden. Sie können dann aber wenigstens versuchen, künftige Anfragen vorsorglich zu kanalisieren, indem Sie...

  • Gemeinsam vorplanen.

    Zeigen Sie zunächst Verständnis ("Ich sehe Ihren Punkt..."), und kommen Sie dem Wunsch des Kunden bereitwillig entgegen, sagen Sie ihm aber auch, dass es Ihre Kapazitäten gewaltig belastet. Fragen Sie deshalb: "Wie können wir unsere Zusammenarbeit denn verbessern um künftig auszuschließen, dass so etwas wieder passiert?"

  • Eine Frist vorgeben.

    Sagen Sie "Ja", setzen Sie zugleich aber ein Zeitlimit: "Ich kümmere mich sehr gerne darum. Dann müssen Sie mir aber auch bis Ende der Woche dafür Zeit geben." Oder: "Ich erledige das sofort, aber nur, wenn es nicht länger als eine Stunde dauert. Dann habe ich einen anderen wichtigen Termin."

  • Einen Gefallen einfordern.

    "Ich werde versuchen, was sich machen lässt. Aber dann schulden Sie mir auch etwas, wenn wir vielleicht einmal in Bedrängnis geraten."

Nein-Sagen zu Kollegen

Bei Kollegen sieht die Sache freilich etwas anders aus. Befüllen die Ihren Schreibtisch zum wiederholten Mal mit zusätzlicher Arbeit, haben Sie etwas mehr Reaktionsspielraum. Allerdings: Auch hier sollten Sie Ihrem Ärger nicht ungebremst Luft machen und lospoltern. Besser Sie hören sich auch deren Anliegen erst an, erbitten sich kurze Bedenkzeit und lehnen gegebenenfalls ab, indem Sie...

  • Um Verständnis werben.

    Ein Büronachbar fragt Sie, ob Sie sich an einem Geburtstagsgeschenk für einen Kollegen beteiligen. Sie denken: Wenn ich jetzt nein sage, halten mich alle für geizig und einen Eigenbrödler. Tatsache aber ist: Keiner ist verpflichtet, einem Kollegen etwas zu schenken – erst recht, wenn man sich kaum kennt. Deshalb wäre es auch völlig ausreichend, wenn Sie die Frage mit einem "Eigentlich kenne ich den Klaus kaum. Ich denke, ich werde ihm lieber persönlich gratulieren" quittieren. Alternative Antworten in anderen Situationen sind: "Ich finde das Angebot sehr schmeichelhaft, aber ich habe offen gestanden andere Pläne für meine Karriere." "Ich weiß, das wird Sie enttäuschen, aber ich kann das dieses Jahr nicht schon wieder übernehmen."

  • Konsequent bleiben.

    Auch Sie haben Pläne, Abgabetermine, Grundsätze. Das alles sind gute Gründe, warum Sie der Bitte nicht stattgeben können. Und die dürfen Sie durchaus nennen: "Ich fühle mich geschmeichelt, aber die Wochenenden gehören meiner Familie." Oder: "Ich habe vorhin schon jemand anderem meine Hilfe zugesagt. Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht noch mehr übernehmen kann." Oder: "Ich helfe dir gerne – aber nicht bei diesem Projekt." Oder: "Es tut mir leid, aber ich leihe Freunden grundsätzlich kein Geld."

  • Den Ball zurückwerfen.

    Vielleicht steckt hinter der Bitte auch nur Unsicherheit: Statt selbst die Verantwortung zu übernehmen, versucht der Kollege die Last auf Ihre Schulter zu verteilen. Verantwortungsvoller von Ihnen wäre es allerdings, ihn an dieser Herausforderung wachsen zu lassen: "Ich kann verstehen, dass du dich bei der Aufgabe unsicher fühlst. Aber ich bin davon überzeugt, dass du das schaffst. Versuch es doch erst einmal selbst, helfen kann ich später immer noch." Oder: "Ich kann dir da wirklich nicht helfen. Der Chef hat dir die Aufgabe und Verantwortung übertragen. Er hat sich sicher etwas dabei gedacht." Das ist überhaupt nicht herzlos. In der größten Not können Sie immer noch einspringen. Und wenn Ihre Motivation dabei wirklich ist, den anderen so indirekt zu fördern, wird er das sicher spüren – und verstehen.

  • Die Unverschämtheit dieser Bitte offenbaren.

    "Mir macht diese Arbeit auch keinen Spaß – aber es ist deine Aufgabe!" Auch das ist zulässig, wenn Sie dabei zumindest höflich bleiben. Wenn es allzu offensichtlich ist, dass der Kollege nur einen lästigen Job loswerden wollte, sollte er spüren, dass er Sie nicht für dumm verkaufen kann. Versucht er das dennoch häufiger, dürfen Sie ihn sogar öffentlich bloßstellen. Das ist nicht unkollegial – er ist es.

  • Sich sehr kurz fassen.

    "Nein." (Und für internationale Kollegen: Unter dieser Internetadresse finden Sie das Wort Nein in 520 Sprachen.

Eines aber sollten Sie sich auch bei Kollegen verkneifen: vage bleiben.

Sicher, die Versuchung ist bei vielen Menschen groß, einem Konflikt auszuweichen und zu sagen: "Ich denke darüber nach und sage dir dann bescheid." Natürlich sagen sie nie bescheid, sondern hoffen, das Problem aussitzen zu können.

Aber glauben Sie uns, Sie verschieben so den Ärger nur und machen ihn meist noch größer. Nicht wenige werten eine solch unbestimmte Antwort als Zusage und sind dann (zurecht) stocksauer, weil Sie sie haben sitzenlassen.

Wie heißt es so schön in der Bibel:

"Eure Rede sei ja, ja oder nein, nein. Alles andere ist vom Übel."

[Bildnachweis: Naci Yavuz, nito by Shutterstock.com, Jochen Mai]