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Nervige Kollegen: Am liebsten würden Sie morgens auf dem Absatz kehrtmachen, wenn Sie Kollege Nervtöter an seinem Platz erblicken. Das ist aber erstens nicht möglich und zweitens auch gar nicht vorteilhaft. Nervige Kollegen sind gar nicht so übel, wie Sie denken. Ja, sie machen einem das Leben manchmal schwer, verhageln einem die gute Laune. Aber: Sie bereichern unser Leben zugleich. Denken Sie mal über diese 5 ungeahnten Vorzüge nerviger Kollegen nach.

Nervige Kollegen: Gar nicht so übel

Jeder hat sie. Jeder kennt sie. Jeder hasst sie. Nervige Kollegen. Der eine ein Jammerlappen, der andere eine Nervensäge, der nächste ein Besserwisser. Kollegen, die ständig kritisieren, korrigieren, ignorieren. Die sie in den Wahnsinn treiben, weil sie lauthals telefonieren oder so unorganisiert sind, dass Sie ihnen kurz vor Feierabend noch aushelfen müssen. Nervige Kollegen gibt es überall. An jedem Arbeitsplatz, in jedem Büro.

Und jetzt kommt die Pointe: Nervige Kollegen sind ein Geschenk des Himmels! Sie verleihen dem Job die gewisse Würze, bringen einige Vorzüge mit, von denen Sie vielleicht gar nichts geahnt haben. Wir können uns glücklisch schätzen, eine - oder besser mehrere - Nervensägen am Nebentisch oder in der Kantine zu wissen. Aus diesen Gründen ...

5 Gründe, die für nervige Kollegen sprechen

  1. Sie stärken den Wettbewerb

    Was macht man am liebsten mit einem Kollegen, den man nicht ausstehen kann? Korrekt, man will ihn übertrumpfen, überrunden, abhängen. Das ist kein böser Wesenszug, sondern menschliche Natur: Wir wollen einfach besser sein als andere. Im Schulsport, bei der Arbeit und sogar bei 'Mensch ärgere dich nicht'. Wer im Wettbewerb besteht, andere besiegt, wird zu einem glücklicheren Menschen. Unser Wohlbefinden, unsere Zufriedenheit hängen maßgeblich davon ab, wie wir im Vergleich zu anderen dastehen. Und von wegen Altersmilde: Laut Studien steigt das Konkurrenzdenken mit zunehmendem Alter sogar an. Um die 50 herum ist es demnach am stärksten ausgeprägt. Daher: Ein gesunder Wettkampf spornt an, beflügelt - so lange er fair abläuft. Ein nerviger Kollege kann der Auslöser sein, sich diesem Wettbewerb mit voller Energie zu stellen.

  2. Sie machen uns besser

    In homogenen Mannschaften gibt es wenig Reibungspunkte. Reibung aber erzeugt Ideen, sagt auch eine Studie der Uni Liverpool. Dementsprechend wirkt sich zu viel Harmonie in der Firma sogar schädlich aufs Ergebnis aus, führt zu permanenter Selbstzufriedenheit und Selbstbestätigung. Noch einfacher ausgedrückt: Wenn sich alle lieb haben, kommt nichts dabei rum. In jedes Team gehören daher unterschiedliche Charaktere: Zahlenmenschen, Kopfmenschen, Gefühlsmenschen, Optimisten und Pessimisten. Und natürlich: Ihr nerviger Kollege. Ist er oder sie das komplette Gegenteil von Ihnen, ist das gut für Sie, gut fürs Unternehmen. Sie müssen ja nicht zusammen in Urlaub fahren.

  3. Sie eröffnen neue Perspektiven

    Die Medienlandschaft in Deutschland richtet sich gerade sehr stark - ähnlich wie in den USA - nach politischen Lagern aus. Das bedeutet: Jeder zieht sich in seine eigene Filterblase zurück, konsumiert nur noch die Medien, die seinen eigenen Überzeugungen entsprechen, die die eigene Meinung bestätigen. Dass man so den berühmten Horizont nur schwer erweitert, ist offensichtlich. Ganz ähnlich ist es im Unternehmen. Wenn alle gleich ticken, einen ähnlichen Background haben, die selbe Partei wählen, gleiche Interessen verfolgen und übereinstimmende Meinungen vertreten - was folgt daraus? Gähnende Langeweile. Auch hier können heterogene Teams zu frischen Ideen, neuem Input führen. Ganz konkret: Textet Sie Ihr nerviger Kollege schon wieder mit seinen verrückten Eingebungen zu, sind Sie zunächst mal gezwungen, ihm zuzuhören, sich auf den Inhalt einzulassen, nachzudenken und zu reflektieren. Kurzum: Ein nerviger Kollege kann ganz neue Perspektiven eröffnen.

  4. Sie lehren uns Geduld

    Geduld. Kardinalstugend. Studien zeigen: Wer auf eine sofortige Belohnung verzichtet und sie in die Zukunft verschiebt, ist erfolgreicher. Wer dagegen immer alles jetzt und gleich will, von emotionaler Labilität, Unentschlossenheit und Erfolglosigkeit bedroht. Beispiel Ernährung: Wer täglich zwei Schachteln Zigaretten raucht, wird morgen vermutlich keinen Nachteil erleiden. In einigen Jahren oder Jahrzehnten aber mit großer Wahrscheinlichkeit schon. Wenn Sie also heute auf die Belohnung, in diesem Fall das Glücksgefühl beim Schmöken, verzichten, ernten Sie erst sehr viel später die Früchte. Ein nerviger Kollege bringt einem den Wert der Geduld - ungewollt - nahe. Wenn er wieder nölt, meckert und sich weigert, unliebsame Aufgaben zu übernehnem, hilft nur Überzeugungsarbeit. Und Geduld. Viel Geduld. Hat man sich endlich geeinigt, wiegt diese Errungenschaft - gefühlt - gleich viel schwerer.

  5. Sie geben uns Selbstvertrauen

    Ein Schlüssel zu mehr Selbstvertrauen: sich nicht unentwegt mit seinen Mitmenschen vergleichen. Aber dennoch: Sind Sie ausschließlich von sympathischen, gut aussehenden, durch und durch liebenswürdigen, fehler- und makellosen Überfliegern umgeben, strahlt das möglicherweise aufs eigene Ego ab - aber nicht zum Guten. Nervige Kollegen zeigen, wie unterschiedlich Menschen ticken, wie unvollkommen sie sind, welche Marotten und Spleens sie haben - und dass man auch seine eigenen nicht krampfhaft verstecken muss. Weniger Perfektionismus, mehr Mut zur Macke. Beim Blick auf die Freak-Show um Sie herum (und das ist gar nicht böse gemeint) ist es gut möglich, dass man auch die eigene Unvollkommenheit viel leichter akzeptiert. Besser jedenfalls, als in der Firma Mr. Perfect vorzuspielen.

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