Gerade die Weihnachtszeit ist voller süßer Versuchungen: Lebkuchen, Honig-Plätzchen, Pralinen – Schokolade im Überfluss. Leider. Denn spätestens im Januar macht sich das Hüftengold samt schlechtem Gewissen bemerkbar. Die Vorliebe für Süßes hat aber auch ihre guten Seiten: Menschen, die Süßes mögen (vulgo: Naschkatzen), sind laut einer Studie von Psychologen des Gettysburg College freundlicher und hilfsbereiter. So ein bisschen jedenfalls.
Zunächst baten die Forscher ihre Probanden, sich selbst bezüglich ihrer Vorliebe für Süßes und Schokolade einzuschätzen. Danach wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie freiwillig helfen würden, in einer anderen Stadt nach einer dortigen Überschwemmung aufzuräumen. Und als sei das noch nicht genug, stellten ihnen die Wissenschaftler am Ende auch noch die Frage, ob sie den Fragebogen eines Kollegen in einen Briefkasten werfen könnten. Einziger Haken: Der Briefkasten liege leider vier Stockwerke höher – und das ohne Aufzug.
Naschkatzen helfen eher
Bewerbungstipp
“Süßigkeiten” ist übrigens auch eine besonders sympathische und entwaffnende Antwort auf die Frage nach der größten Schwäche im Bewerbungsgespräch. Der Humor darin lenkt die Frage in eine ganz andere Richtung – weg von beruflichen Skills, Malheurs im Job oder persönlichen Mängeln, hin auf eine zutiefst menschliche und persönliche Ebene.
Sie ahnen natürlich längst, was passierte: Je vernaschter die Probanden waren, desto größer war auch ihre generelle Hilfsbereitschaft – sowohl bei den Aufräumarbeiten als auch beim Botendienst für den Kollegen. Es gab sogar noch mehr Experimente dazu – das Ergebnis blieb jedoch stets dasselbe: Wer Süßes mag, war hilfsbereiter.
Das ist zwar keine Kausalität, Motto: Gib einem Menschen Schokoloade, und ich sage dir, ob er helfen wird, aber es ist zumindest eine bemerkenswerte Korrelation. Und die macht die “süßen” Menschen noch ein bisschen sympathischer – Kalorien hin oder her.
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Olivera Wahl
das ist doch mal eine süße studie :0) deine idee, süßes als schwäche beim vorstellungsgespräch zu sagen, finde ich interessant. als selbstständige bin ich von bewerbungen nicht mehr betroffen, es sei denn, bei mir bewirbt sich jemand. wobei ich die frage nach schwächen bewusst nicht stelle, schließlich haben wir alle schwächen und eine sinnvolle antwort wird man auf diese frage auch nicht bekommen. dir noch viel spaß beim naschen :0)
Andreas Hobi
Vor einiger Zeit wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences” über acht Bewährungsrichter in Israel geschrieben. Ihre Arbeit bestand darin, Anträge auf bedingte Entlassungen zu prüfen.
Im Schnitt wurden nur 35 Prozent der Gesuche positiv entschieden. Das Erstaunliche: Nachdem die Richter eine Mahlzeit zu sich nahmen, stieg die Quote auf 65 Prozent und sank danach deutlich, bis gegen null vor der nächsten Mahlzeit.
Wie Daniel Kahneman in seinem Buch “Schnelles Denken, langsames Denken” schrieb (und den oben stehenden Fall mit den Richtern begründete), braucht das Nervensystem (und damit auch das Gehirn) mehr Glukose als die meisten anderen Körperteile, und anstrengende mentale Aktivität scheint in der Glukose-Währung besonders teuer zu sein.
Um auf den Artikel über die Naschkatzen zurückzukommen: Vielleicht sind Menschen hilfsbereiter, wenn ihr Blutzuckerspiegel hoch ist, und egoistischer, wenn dieser sinkt. (Stichwort: Ego-Depletion)
Wer regelmäßig Süßes nascht, hat einen höheren Blutzuckerspiegel und dies könnte der Grund dafür sein, dass er hilfsbereiter ist.
Mit einem tiefen Blutzuckerspiegel fällt man auf ein “Standart-Verhalten” zurück. Bei den Bewährungsrichtern heißt das: Alles so lassen wie es ist (= keine Anträge auf Entlassung bewilligen) und bei den Probanden des Gettysburg College heißt das, möglichst keine zusätzliche Arbeit annehmen.
Jochen Mai
Die Studie kenne ich sogar. Und in der Tat, das hört sich nach einer plausiblen Erklärung an. Die Frage wäre natürlich auch hier wieder: Korrelation oder Kausalität. Im letzten Fall wäre es natürlich weitreichend, wenn sich durch einen Schokoriegel Urteile beeinflussen ließen.