Abraham Lincoln gilt allgemein als einer der meist verehrten Präsidenten der USA. Was weniger bekannt ist, ist die Bilanz seines Aufstiegs:

Mit 22 im Geschäftsleben gescheitert.
Mit 23 bei der Wahl verloren.
Mit 24 im Geschäftsleben erneut gescheitert.
Mit 26 eigene Kinder überlebt.
Mit 27 einen Nervenzusammenbruch gehabt.
Mit 29 nicht gewählt als Speaker of the House.
Mit 31 nicht gewählt als Elector.
Mit 34 nicht gewählt als Kongressabgeordneter.
Mit 39 wieder nicht gewählt.
Mit 46 nicht gewählt als Senator.
Mit 47 nicht gewählt als Vizepräsident.
Mit 49 nicht in den Senat gewählt.

Erst mit 51 wurde Lincoln zum Präsident gewählt. Bis dahin aber überstand er allein diese zwölf Niederlagen. Die meisten Menschen in seiner Situation hätten ihre politische Karriere begraben und wären von der öffentlichen Bühne verschwunden. Lincoln aber machte weiter.

Wie verkraften Sie Niederlagen?

Resilienz heißt diese erstrebenswerte Eigenschaft in der Fachsprache. „Das Leben ist eine Gratwanderung zwischen allen Formen der Verletzlichkeit“, sagt einmal der französische Neuropsychiater Boris Cyrulnik, der seit vielen Jahren auf diesem Gebiet forscht und mehrere Bücher über Resilienz verfasst hat. Sein Kollege, der an der Universität Jena lehrende Soziologe Bruno Hildenbrand indes befand sogar: „Die Krise ist im menschlichen Leben nicht die Ausnahme, sondern eher der Normalfall.“

Zu allen Zeiten versuchte die Philosophie zum souveränen Umgang mit Leid und Krisen zu erziehen. So betrachtet war zum Beispiel die antike Schule der Stoa eine einzige Suche nach Resilienzfaktoren. Inwiefern das, was die römischen Stoiker lehrten, wirklich mit Resilienz zu tun hatte, bleibt aber dahingestellt. Gewiss ging es den großen Gelassenheits-Lehrern von Epiktet über Seneca bis Marc Aurel immer um den rechten Umgang mit dem Leiden und die Suche nach dem Seelenfrieden. Doch wurde die stoische Ethik auch dafür kritisiert, dass sie – ähnlich wie der Buddhismus – das Gefühlsleben im Menschen um den Preis der Selbstverleugnung abtötet, dass sie nur die reine Verstandeshaltung trainiert und letztlich in Gleichgültigkeit, also Indolenz, münden kann – ein Weg, den die heutige Psychiatrie für pathologisch bedenklich hält.

Wahre Lebenskunst kann eben nicht darin liegen, das Leid zu verleugnen, die Schmerzgefühle zu unterdrücken. Leiden gehört einfach dazu.

Wie resilient ein Mensch ist, bemisst sich allerdings auch daran, ob der Mensch an eben dieser Leiderfahrung wächst und vor allem, ob er für künftige Schicksalsschläge etwas dazulernt. Laut Psychologen sind es vor allem sieben Indizien, die dafür sprechen, dass jemand eine starke Fähigkeit zur Stress- und Krisenbewältigung besitzt. Damit gelten sie auch als die sieben Säulen der Resilienz. Sie können die folgenden Punkte daher auch als eine Art Selbsttest verstehen. Je mehr Sie diese Eigenschaft bei sich erkennen, desto resilienter sind Sie wahrscheinlich. Zur Erläuterung der Resilienz-Säulen klicken Sie bitte auf die jeweiligen Begriffe:

Die 7 Säulen der Resilienz