Sie sitzen im Vorstellungsgespräch und sollen ein flammendes Plädoyer über Ihre Stärken starten. Natürlich ist Ihnen das ein wenig peinlich, weil Selbstlob immer schrecklich unbescheiden klingt. Also beginnen Sie mit: „Ich will ja nicht prahlen, aber…“ Riesenfehler!!!

Eine Studie von Psychologen der Eastern University Washington hat jetzt ermittelt: Derlei Einschränkungen bewirken das genaue Gegenteil. Der Bewerber klingt nun erst recht wie ein eitles Großmaul. Kandidaten, die während der Versuche solche Formulierungen häufiger verwendeten, galten gar als weniger intelligent. Wer dagegen selbstbewusst und ohne Anmoderation seine Vorzüge darstellte, wurde signifikant positiver aufgenommen.

Das hat auch damit zu tun, dass unser Hirn nicht in der Lage ist ein nicht zu denken: Versuchen Sie jetzt doch bitte einmal nicht an eine Tasse Kaffee zu denken! Klappt nicht, oder?! Sie sehen die Tasse nun erst recht vor Ihrem geistigen Auge. Das ist zwar völlig normal, erklärt aber auch, warum zum Beispiel Verteidigungsstrategien, wie sie Bill Clinton seinerzeit verwendete (“Ich hatte keinen Sex mit dieser Frau!“) völlig sinnlos sind. Hängen bleibt am Ende nur die Kombination “hatte Sex mit dieser Frau”.

Bestätigt wird das auch durch eine Studie von Norbert Schwarz, Psychologe an der Universität Michigan, die zugleich auf eine Untersuchung der beiden Psychologen Floyd Allport und Milton Lepkin aus dem Jahr 1945 zurückgeht. Die beiden fanden heraus, dass Menschen falscher Kriegspropaganda mehr Glauben schenkten, je öfter sie diese hörten. Oder kurz: Wiederholungen sind mächtiger als die Wahrheit. Es ist das Prinzip der urbanen Legenden: Man muss den Leuten den Mist nur oft genug einbimsen, dann glauben sie irgendwann, dass es stimmt. Je öfter Sie also betonten, etwas nicht zu tun oder zu wollen, desto mehr merken sich die Leute die Botschaft ohne jener Beteuerung.

Bescheidenheit ist eine Zier – in der Bewerbung läuft’s erfolgreicher ohne ihr. Zumindest sollten Sie auf etwaige Entschuldigungen vorab verzichten. Das lässt sich übrigens auch auf andere Jobsituationen übertragen: „Ich möchte ja nicht unhöflich erscheinen, aber…“, „Ich will mich nicht beschweren, aber…“, „Ich möchte Euch das Projekt ja nicht versauen, aber…“, „Ich will dir deine Idee nicht kaputt reden, aber…“ All diese Versuche, Ihre Hände in Unschuld zu waschen, führen exakt zu dem, was Sie nicht wollen und schaden mehr als sie nutzen. Schlauer ist, wer darauf verzichtet.