Manchmal, wenn der Wind leise durch die Binsen pfeift, dann erzählt er den Leuten, die vorbeikommen, eine Geschichte, aus der dann irgendwann wie im griechischen Mythos eine Weisheit wird, weil es immer dieselbe Leier ist. Eine dieser Geschichten ist die vom Tellerwäscher, der zum Millionär avancierte mit der Und-du-kannst-es-auch-Tschakka-Pointe. Sicher, solche Karrieren kommen vor, sind aber selten – und nur deshalb so faszinierend. Wenn es jedem gelänge, wäre es ja keine Geschichte mehr und wir alle lägen längst in der Hängematte am Strand. Und wer wäscht dann noch unsere Teller?

So ist es leider mit vielen anderen Erfolgsgeschichten auch: Sie üben eine ungeheuer magnetische Wirkung auf unsere Sinne aus, lassen uns in Träumen aus Champagner-Schaum schwelgen, uns mit anderen vergleichen, eifern und Ziele verfolgen, von denen wir gar nicht merken, dass es nicht unsere eigenen sind. Dabei ist das die eigentliche Geschichte: Der reiche Ex-Tellerwäscher wusste, was er selbst wollte, und das hat er gemacht, aber so richtig. Der Reichtum war eher so eine Art Kollateralschaden.

Wir alle pflegen ein paar mehr oder weniger gute Angewohnheiten. Zu den schlechten gehört das Nachmachen. Dabei kann man maximal Zweiter werden, nie Erster. Schon bei Fehlern und Fauxpas’ zeugt es nicht von allzu großer Klugheit, seinem Vorgänger nachzueifern. Und auch dem Nachdenker wird zwar ein gewisser Respekt gewährt, dem Vordenker aber gehört der Ruhm. Es ist das Wesen des Nachfolgers, ein ewiger Kandidat zu bleiben, solange er folgt und nicht führt.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Es gibt Angewohnheiten zum Abgewöhnen. Je eher, desto besser. Insbesondere, wenn man vorwärts kommen und etwas erreichen will. Das kann und sollte bei jedem etwas anderes sein, möglichst etwas eigenes. Ein paar Attitüden auf dem Weg dorthin aber sind allen gemein. Es sind meine persönlichen…

Tipps für Freischwimmer im Kandidatenpool

Was andere meinen, ist egal. Lassen Sie nicht anderer Leute Meinungen Ihr Leben kontrollieren. Die Welt ist voll von Ratgbern. Ich selbst bin mit dieser Seite ja auch so eine Art Empfehlungs-Fuzzi. Trotzdem bilde ich mir nicht ein, dass Sie sagen: Danke, Jochen, jetzt lebe ich mein Leben so wie du es sagst! Das wäre auch ziemlicher Bullshit. Denn Sie müssen Ihr Leben leben, ich hab schon mein eigenes. Womöglich haben wir Schnittmengen und mancher Rat hilft, bevor Sie die Erfahrung selber machen müssen. Dennoch: Wählen Sie sich Ihre Ratgeber stets gut und selber aus, picken Sie sich davon das Beste heraus – und machen Sie damit Ihr eigenes Ding. Es anderen recht machen zu wollen, wirkt wie Nervengift: erst vernebelt es die Sinne, dann lähmt es. Wer es versucht, wird sich zwangsläufig verzetteln, verliert sein Ziel aus den Augen, opfert obendrein sein Rückgrat und macht sich zum Esel.
Alte Fehler sind vor allem alt. Menschen machen Fehler. Isso. Und manchmal machen sie auch ziemlich dumme, peinliche. Passiert. Nobody is perfect. Trotzdem schämen sich viele dafür dann noch lange, lange Zeit. Und das ist noch so ein dummer Fehler: Dieses Grämen und Bereuen bringt keinen weiter. Sie selbst am wenigsten. Ja, Sie haben einen Fehler gemacht, sich entschuldigt und (hoffentlich) daraus gelernt. Gut so, das ist Ihre Vergangenheit. Lassen Sie diese auch dort – und blicken Sie in die Zukunft. Wie sagte Oscar Wilde: Jeder Heilige hat eine Vergangenheit, jeder Sünder aber eine Zukunft…
Wege finden statt Gründe. Eines meiner Lieblings-Bonmots lautet: Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, Gründe. Der Satz ist so fundamental wahr, dass man meist schon beim Smalltalk sein Gegenüber sofort einer dieser beiden Gruppen zuordnen kann. Und die erste ist wesentlich kleiner. Aber auch wesentlich erfolgreicher. Diese Menschen suchen keine Ausflüchte, Entschuldigungen, Tiefenanalysen. Sie gehören weder zur Grundsätzlich-ist-es-aber-so-Fraktion, noch zu den Ich-differenziere-alles-zu-Tode-Fanatikern. Sie sind durch und durch Pragmatiker, Meister im Schleichwegefinden und Improvisieren. Hauptsache: machen. Sie auch?
Augen auf und durch. Der Deutsche gilt ja gemeinhin als europäischer Leitjammerer. Nichts, was der Wohlstandsteutone nicht doch noch beklagen könnte – und sei es nur das Wetter und den Sommer, der keiner war. Dahinter steckt allerdings eine getarnte Untugend: die des verbalen Weglaufens vor Problemen, die angepackt gehören. Jammern ist leicht, Prokrastinieren auch, ändern ungemein schwerer. Aber wenn uns etwas nicht gefällt, gibt es nur eine Lösung: Nicht die Augen vor dem Problem verschließen, sondern offenen Auges und beherzt das Ding anpacken, fixen.
Entschieden sein statt entscheiden. „Wenn du eine Entscheidung treffen musst und du triffst sie nicht, ist das auch eine Entscheidung“, sagte der US-Psychologe William James. Entschiedenheit bedeutet aber noch mehr, als eine Wahl zu treffen. Sie sorgt dafür, dass man sich seiner Sache ganz verschreibt, keine Hintertürchen offen hält und seine ganze Kraft auf das Gelingen seines Ziels konzentriert. Wer sich entschieden hat, einen Marathon zu laufen, der kann nicht jeden Abend faul auf der Couch hocken, sondern muss täglich trainieren. Entschiedenheit bedeutet, bewusst zu wählen und danach zu handeln! Ohne wenn und aber. Oder kurz: Machen Sie doch, was Sie wollen – aber wirklich!