Es gibt Menschen, die entwerfen von sich im Nachwehen feiertäglicher Stille ein neues Bild. Eines, von einem nicht rauchenden, nicht saufenden, zielstrebigen, konsequenten, freundlichen, teamfähigen, sparsamen, durch und durch besseren Menschen. Kurz: Sie entwerfen von sich das Bild eines Gewinners und formulieren dazu ein paar gute Vorsätze. Zwei Tage später knallen sie sich mit Schampus und Böllern das alte Leben aus dem Kopf. Am Morgen wachen die Leute mit einem Kater und einer Kippe im Mund auf, haben schlechte Laune und bestellen sich aus lauter Frust im Internet ein neues Cabriolet. Die guten Vorsätze spülen sie mit Aspirin-Tonic die Kehle hinunter. Danach fühlen sie sich wie Verlierer.
So geht das jedes Jahr. Die Menschen entwickeln Neujahrsvorsätze, streichen diese Tage später wieder und fühlen sich schlecht. Dabei ist das Streben nach Besserem nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: Man muss sich ab und zu daran erinnern, das Beste aus sich heraus zu holen, um es nicht zu vergessen und um dem Vorbild wieder den Rang einzuräumen, den Terminkalender, Trott und Trägheit zwischenzeitlich besetzt halten.
Vergessen sollten Sie allerdings die spontanen Ideen vom Typ Nächstes-Jahr-werde-ich-Abteilungsleiter oder das Ich-behandele-meine-Mitarbeiter-künftig-mit-mehr-Respekt-Ding. Bringt nichts! Nach dem selben Muster scheitern auch alle Im-kommenden-Jahr-nehme-ich-zehn-Kilo-ab-Diäten. Und zwar aus zwei Gründen: Wer sich zu viel auf einmal vornimmt, scheitert schneller. Und: Die Vorsätze dürfen nicht aus einer Laune heraus entstehen, sondern realistisch und überschaubar geplant werden. Dabei hilft es, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, die eigenen Stärken zu erkennen und danach erst zu entscheiden, in was es sich lohnt Zeit, Kraft und Mühe zu investieren.
Sich zu viel auf einmal vorzunehmen, ist nicht klug. Schließlich geht es darum, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Die sind anfangs wie Spinnweben und später wie Drahtseile, sagt ein spanisches Sprichwort. Sie abzulegen geht nicht von heute auf morgen. Die Kunst ist, ein großes Ziel, eine Strategie möglichst konkret zu entwerfen, in Etappen zu zerlegen und diese anschließend konsequent und mit aller Kraft zu verfolgen. So weiß man heute aus der Motivationsforschung, dass Menschen mehr Elan zeigen, ein Ziel zu erreichen, je näher sie ihm kommen. Also planen Sie möglichst greifbar und konkret.
Weniger zu essen ist übrigens kein konkretes Ziel. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag auf den Nachtisch zu verzichten, dagegen schon. Eine gute Hilfe dabei ist, sich die Vorsätze exakt so aufzuschreiben. Sonst verzettelt man sich – oder verwirft sie ein paar Tage danach. Apropos Zettel: Wenn Sie sich die Vorsätze notieren, dann am besten so, dass Sie immer wieder darauf stoßen: Ein guter Ort für den Merkzettel „5 Kilo abnehmen!“ ist zum Beispiel die Kühlschranktür. Und das Merkblatt „Der Kunde ist König“ gehört nicht vor die Tür, sondern dahinter, wo der Schreibtisch steht.
Zudem muss das Ziel Spaß machen. Sparsamer zu werden, weckt keine Ambitionen. Jeden Monat 100 Euro zur Seite zu legen, um mit dem Gesparten einen Traumurlaub zu finanzieren, den man schon immer absolvieren wollte, dagegen können Sie sich sogar peu à peu versüßen – indem Sie zwischendurch die Reiseroute planen, erste Angebote einholen oder kleinere Ausrüstungsutensilien anschaffen. Hauptsache, sie feiern zwischendurch Teilerfolge. Jede Veränderung, die Ihnen gelingt, ist ein Schritt vorwärts, für das Sie sich belohnen sollten. Sonst laufen Sie Gefahr, aus Frust und bei ersten Rückschlägen aufzugeben. Und Rückschläge werden kommen, keiner ist perfekt! Weitermachen sollten Sie trotzdem. Denken Sie einfach, an das was Sie bisher erreicht haben – auch nach diesem schwierigen Jahr.
1. Kommentar
Anne Frobeen
04.12.09 um 15:28 Uhr
Den Artikel zu den Vorsätzen finde ich sehr gut geschrieben. Können Sie mir den Autor/die Autorin nennen?
Vielen Dank und mit freundlichem Gruß
Anne Frobeen
2. Kommentar
Jochen Mai
04.12.09 um 15:38 Uhr
@Anne Frobeen: Ja, kann ich. Ich bin der Autor. Das steht aber auch da.
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