Mal ehrlich: An wen denken Sie bei dem Namen Kevin? An den Chef eines globalen Konzerns oder eher an einen Sachbearbeiter? Und wie steht es mit Justin, Maximilian oder Felix? Und was ist bei Elisabeth, Chantal und Jaqueline? Ich weiß, die Begriffe „Unterschicht“ oder „Klassengesellschaft“ sind politisch verpönt. Und doch ist es so, dass viele das soziale Milieu, aus dem jemand stammt, schon beim ersten Klang seines Vornamens assoziieren. Nennen wir das Kind beim Namen: Vornamen sind alles andere als Schall und Rauch – sie sind enorm klischeebeladen, mehr aber noch sind sie imagebildend, womöglich sogar eine Art selbsterfüllende Prophezeihung. Ganz häufig transportieren sie nicht nur die Identität einer Person, sondern eben auch deren vermeintliche Attraktivität, Intelligenz und deren Alter.

Das ist jedenfalls das Fazit einer Studie des Psychologen Udo Rudolph von der TU Chemnitz. Dabei sollten 149 Probanden anhand eines Fragebogens 60 männliche und weibliche Vornamen hinsichtlich des vermuteten Alters, ihrer Attraktivität, Intelligenz und Religiosität beurteilen. Das Resultat wurde zudem noch mit den Namenranglisten vergangener Jahrgänge verglichen – etwa, um zu unterscheiden, ob es sich dabei um moderne, zeitlose oder eher altertümliche Namen handelt. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher.

Wer einen modernen Vornamen besitzt, wurde von den Versuchsteilnehmern prompt als jünger eingeschätzt. Mehr noch: Wer als vermeintlich jünger galt, wurde ebenso mit den Attributen “attraktiv” und ab und an auch “intelligent” versehen. Oder kurz: Je moderner der Name, desto jünger, desto attraktiver desto intelligenter wird der Träger geschätzt. “Das wahrgenommene Alter ist somit die zentrale Information im Vornamen”, sagt der Forschungsleiter Rudolph. Seine Empfehlung an Eltern lautete deshalb, möglichst zeitlose Vornamen wie Alexander, Michael, Anna oder Claudia an die Sprösslinge zu vergeben, denn “die Kevins, Lauras und Leons von heute werden vermutlich in 50 Jahren als altmodisch und wenig attraktiv assoziiert”.

Eine Reihe weiterer Forschungsarbeiten bestätigt die prädestinierende Wirkung von Vornamen:

  • 2008 zum Beispiel untersuchten US-Wissenschaftler die Wirkung von ethisch auffälligen Namen auf 130 Lehrer, die dazu Fünftklässler in puncto Leistung und Verhalten einstufen sollten, Ergebnis: Kinder mit europäisch anmutenden Namen wurden deutlich besser bewertet als ihre Mitschüler mit afroamerikanisch klingenden Namen.
  • Schon 1973 erforschten Herbert Harari und John W. McDavid solche Namensklischees unter ähnlichen Bedingungen. Damals sollten rund 160 Lehrkräfte Kurzgeschichten benoten. Was sie nicht wussten: Die Namen der Autoren waren willkührlich gewählt. Dennoch beurteilten sie Kinder mit positiv besetzten Namen besser – bei Jungen sogar noch stärker als bei Mädchen.

Top-Vornamen 2009

Mädchen

  1. Mia
  2. Hannah/Hanna
  3. Leonie
  4. Lena
  5. Lea/Leah

Jungen

  1. Leon
  2. Lucas/Lukas
  3. Jonas
  4. Luca/Luka
  5. Paul

  • Der Wirtschaftsprofessor David Figlio von der Universität von Florida in Gainsville wiederum untersuchte vor einiger Zeit, ob sich schon anhand der Vornamen ablesen lässt, welche Jungs den Unterricht stärker stören werden. Die Antwort: Ja, und zwar handelt es sich dabei um jene Jungen, die auf Namen hören, die sonst eher Mädchen tragen (etwa Courtney, Jamie, Alexis, Dominique). Hier lag das Störfallrisiko 1,3-mal höher als bei anderen Jungs.
  • Laut Studien am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge kann schon der Klang eines Namens darüber entscheiden, wie anziehend derjenige auf das andere Geschlecht wirkt. Demnach sind Männer mit Vorderzungenvokalen (e und i) besonders sexy – also Oliver oder Felix. Frauen hingegen verdrehen Männern umso mehr den Kopf wenn die sie mit Hinterzungenvokalen (a und u) ansprechen müssen. Fraukes wären somit enorm anziehend, Claudias geradezu unwiderstehlich.

Zugegeben, in manchen Fällen ist die Geburtsurkunde auch nichts anderes als ein Mittel zur Selbstinszenierung der Eltern. Diesen Erzeugern reicht dann nicht nur einfach ein Vorname – es müssen schon mindestens drei sein und die möglichst extraordinär. Klasse durch Masse, man gönnt sich ja sonst nichts. Hollywood (siehe Liste hier) macht es schließlich vor: Die vier Geschwister von River Phoenix etwa heißen Liberty, Rainbow, Summer und Leif – offenbar allesamt made in Woodstock. Flugzeug-Fan John Travolta wiederum benannte seinen Sohn direkt nach seiner Leidenschaft: „Jett“ – das zweite T sicher um Verwechslungen auszuschließen.

Selbst wenn es sich bei all dem um eine Reihe haltloser Klischees handelt: Sie können das Urteil unserer Umwelt enorm beeinflussen und im schlimmsten Fall sogar negativ auf Auswahlverfahren (etwa bei Bewerbungen) wirken. Damit Sie mir glauben, dass das nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, werfen Sie doch mal einen Blick auf sogenannte Onogramme. Das sind Assoziationslisten zu bestimmten Namen. So ist demnach etwa ein Jochen zwar sehr männlich, eher groß, alt und zuverlässig, aber auch unsportlich, ernst, und unattraktiv. Pfft.

Vielleicht haben Sie Lust auf ein schnelles Experiment: Es gibt Namen, mit denen verbinden wir alle irgendwelche Eigenschaften. Diese schwanken zwar von Mensch zu Mensch, doch bei einigen Vornamen assoziieren nicht gerade wenige dasselbe Bild. Die folgende (natürlich nicht ernst gemeinte) Liste soll Ihnen ein paar erste Anregungen geben:

    Benjamin ist klein.
    Gabi ist Frisörin.
    Jessica höchstwahrscheinlich auch.
    Maria ist katholisch,
    Marie-Luise etwas Etepetete und
    Chantal ist eher spärlich bekleidet.
    Paul trägt eine Brille.
    Wolfgang einen Bart,
    Wilfried dagegen häufig Pollunder und
    Kevin ist jetzt um die 20.

Na? Welche Beispiele fallen Ihnen ein?