Darf man aus Höflichkeit lügen? Laut einer britischen Studie sagen wir rund 200 Mal pro Tag die Unwahrheit. Nicht schlimm, finden das indes knapp drei Viertel aller Deutschen – vor allem wenn es sich dabei um Notlügen aus Höflichkeit handelt.
Wer etwa auf die Frage “Wie geht es Ihnen?” mit “Danke, gut.” antwortet, obwohl ihm oder ihr gerade zum Heulen zumute wäre; wer sich beim Auspacken über ein Geschenk freut, dass eine umgehende Chemotherapie gegen den drohenden Augenkrebs provoziert; wer den unliebsamen Nachbarn einen “Guten Tag” wünscht und der Schwiegermutter wortreich versichert, wie gut ihm ihr Essen schmeckt, der lügt höchstwahrscheinlich, verhält sich aber laut Mehrheit korrekt. Das Schizophrene daran: Umgekehrt sagen ebenfalls drei Viertel, dass sie tief verletzt sind, wenn sie herausfinden, dass sie derart belogen wurden.
Nun muss man dazu sagen, dass die wenigsten Lügen böse gemeint sind, sie sind allenfalls schlecht gemacht. Wobei interessant ist, dass Frauen und Männer diesbezüglich aus ganz unterschiedlichen Motiven die Wahrheit verbiegen: So flunkern Frauen vorwiegend, um zu motivieren, zu trösten und um nicht zu verletzen; Männer dagegen lügen in der Regel, weil sie besser dastehen möchten und Konkurrenten aus dem Rennen werfen wollen.







Lars Hahn
“Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.” J. W. v. Goethe
Zum Thema Notlügen im Bewerbungsgespräch:
Es darf gelogen werden, wenn Sie können und wollen, sobald der Interviewer grob unfair wird:
- z.B. bei Fragen nach privaten Vorlieben, Krankheiten, Familienplanung, Heiratsabsichten, Vermögensverhältnisse etc.. Fragen nach Religion, politischen Tendenzen sind ausdrücklich nur erlaubt, wenn der Job es erfordert.
Der Interviewer provoziert die Lüge und möchte möglicherweise nur die Lässigkeit des Interviewten auf die Probe stellen.
Achtung: nur nicht überziehen; in den ersten Wochen des neuen Jobs werden sich dann zu grobe Lügen schnell entlarven.
Das wichtigste bei Notlügen: Wie fühle ich mich damit? Kann ich danach noch in den Spiegel schauen? Das darf ich nämlich am nächsten Morgen wieder tun…
Und jetzt – ungelogen:
Viel Erfolg!
Lars Hahn
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