Jeden Tag müssen Entscheidungen getroffen werden. Manche davon sind einfach und nicht weiter von Bedeutung, wie beispielsweise die Wahl zwischen einem weißen und einem hellblauen Hemd. Andere Entscheidungen sind nicht nur schwieriger zu treffen, sie haben auch langfristige Folgen. Während im privaten Umfeld subjektive Entscheidungen durchaus nachvollziehbar und legitim sind, werden im beruflichen Kontext objektive Entscheidungen erwartet, die für alle Beteiligten das bestmögliche Ergebnis darstellen. Wie so oft ist das natürlich leichter gesagt, als getan. Ein Rest Subjektivität haftet jeder Entscheidung an. Mit Übung und der richtigen Vorgehensweise lässt sich aber trotzdem ein hohes Maß an Objektivität erreichen. 6 Strategien, die Ihnen helfen, objektivere Entscheidungen zu treffen...

Objektive Entscheidung rational entscheiden

Definition: Was ist eine objektive Entscheidung?

Definition: Was ist eine objektive Entscheidung?Allgemein werden objektive Entscheidungen als beste Möglichkeit gesehen, um eine richtige Wahl zu treffen. Doch was genau versteht man eigentlich unter einer objektiven Entscheidung?

Grundsätzlich bedeutet eine objektive Betrachtung, dass die Persönlichkeit des Entscheiders bei der endgültigen Entscheidung keine Rolle spielt.

Hier offenbart sich auch gleich das Problem der objektiven Entscheidungen: Wie ist eine Entscheidung möglich, ohne die eigenen Erfahrungen, Gefühle oder Meinungen mit einfließen zu lassen? Im Kern einer objektiven Entscheidung geht es also darum, sich möglichst auf grundlegende Fakten zu konzentrieren, ohne von eigenen vorgefassten Meinungen oder möglichen Gefühlen - positiv wie negativ - beeinflusst zu werden.

Warum es so schwer fällt, sich zu entscheiden

Es klingt sehr einfach: Ja oder Nein, rechts oder links, schwarz oder weiß. Die große Mehrheit der Entscheidungen, die Sie tagtäglich treffen müssen, ist auch tatsächlich genauso einfach, wie es sich anhört. Schließlich geht es dabei nur um kleine, nahezu unwichtige Dinge, die keinen Einfluss auf das spätere Leben haben werden. Sie werden es in einigen Jahren nicht hinterfragen, ob es die richtige Entscheidung war, Lasagne oder doch lieber Pizza zu essen.

Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn es etwas wirklich Wichtiges zu entscheiden gibt. Sollen Sie in Ihrem aktuellen Job bleiben? Wollen Sie einen Kredit aufnehmen? Sollten Sie den langjährigen Mitarbeiter wirklich kündigen? Es sind Entscheidungen wie diese, die Ihnen schwer im Magen liegen. Doch warum fällt es manchmal so schwer, Entscheidungen zu treffen?

Schuld daran ist die Angst, die vor jeder Entscheidung steht. Oder genauer gesagt die Ängste, denn in ihrer Natur bringen Entscheidungen gleich mehrere Faktoren mit, die Angst schüren können.

  • Die Angst vor dem Neuen. Mit einer Entscheidung geht immer auch eine Veränderung einher, die sich in den meisten Fällen vorher nicht genau bestimmen lässt. Sie können beispielsweise vorher nicht zu 100 Prozent wissen, wie sich Ihre Situation durch einen Jobwechsel verändert.
  • Die Angst vor dem Verlust. Wer sich für das eine entscheidet, verzichtet dadurch automatisch auf etwas anderes. Vor einer Entscheidung steht daher immer auch die Angst, durch eine falsche Wahl die bessere Alternative zu verlieren.
  • Die Angst vor der Verantwortung. Wer eine Entscheidung getroffen hat, kann nicht mehr davor weglaufen. Das bedeutet auch, dass er die Verantwortung für die Konsequenzen tragen muss - positiv und negativ gleichermaßen.

Die schlechte Nachricht: Völlig überwinden lässt sich diese Angst nur selten. Es gibt zwar verschiedene Wege, um die Entscheidungsangst abzuschwächen, aber ein Rest Unsicherheit bleibt meist bestehen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich die meisten Ängste im Nachhinein als unbegründet herausstellen, besonders dann, wenn es gelingt, trotz flauem Magen eine möglichst objektive Entscheidung zu treffen.

6 Strategien für objektivere Entscheidungen

Vollkommen objektive Entscheidungen sind also praktisch kaum zu realisieren. Kein Mensch denkt wie ein Computer und kann die eigene Persönlichkeit vollends ausblenden. Im Hinterkopf schwirrt immer diese eine Erinnerung herum oder die Sympathie für einen Mitarbeiter beeinflusst, wie streng ein Fehler geahndet wird. Am Ende treffen wir ein Urteil immer auf Basis dessen, wie wir die Dinge sehen. Es lässt sich aber durchaus ein relativ hohes Maß an Objektivität bei Entscheidungen erreichen. Damit Ihnen das gelingt und Sie so dauerhaft bessere Entscheidungen treffen können, stellen wir Ihnen diese 6 Strategien für objektivere Entscheidungen vor.

  1. Erstellen Sie Pro und Contra Listen.

    Es ist der Klassiker, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen. Dennoch hat die Pro-und-Contra-Liste nichts an ihrer Effektivität in Bezug auf eine fundierte Entscheidung verloren.

    Pro und Contra Listen

    Dabei sollten Sie nicht nur nach der Anzahl der Argumente gehen, sondern auch eine Art Wertigkeit der einzelnen Punkte einführen. Ein sehr starkes Pro Argument sollte also beispielsweise mehr zählen als ein schwacher Punkt auf der Contra Seite.

  2. Konzentrieren Sie sich auf wichtige Faktoren.

    Je komplizierter und schwieriger eine Entscheidung ist, desto mehr Faktoren müssen bei dieser in Betracht gezogen werden. Diese Vielfalt kann allerdings zu schlechteren Entscheidungen führen, wenn der Überblick über mögliche Folgen verloren geht. Können Sie die Kriterien hingegen auf einige Kernpunkte reduzieren, werden Sie die Qualität Ihrer Entscheidungen erhöhen können.

  3. Betrachten Sie die Situation von außen.

    Wenn der Kopf schwer wird und Argumente für beide Seiten einer Entscheidung in Ihren Gedanken tanzen, kann es helfen, die Situation von einem neuen Standpunkt aus zu betrachten. Stellen Sie sich vor, ein guter Freund hätte die gleiche Entscheidung zu treffen. Welchen Ratschlag würden Sie ihm geben? Es ist nicht ganz einfach, aber ein solcher Blick von außen kann eine Entscheidung plötzlich viel klarer werden lassen.

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  4. Entwickeln Sie ein Punktesystem.

    Sie können sich einfach nicht zwischen mehreren Alternativen entscheiden? Dann legen Sie ein Punktesystem fest, das Ihnen eine einfache objektive Entscheidung ermöglicht. Vergeben Sie Punkte danach, wie gut eine Entscheidung die wichtigsten Kriterien erfüllt. So kann beispielsweise ein Jobangebot mit mehr Gehalt, aber schlechterer Arbeitsatmosphäre und weiterer Anfahrt die schlechtere Alternative sein, obwohl die Bezahlung höher ist.

  5. Hinterfragen Sie Ihre eigene Objektivität.

    Je mehr Gefühle und Erfahrungen eine Entscheidung beeinflussen, desto weniger objektiv fällt diese aus. Bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen, hinterfragen Sie daher noch einmal kritisch, ob Sie tatsächlich objektiv geblieben sind. Wie gut kennen Sie die Personen, die von der Entscheidung betroffen sind? Welche Erfahrungen könnten beeinflussen, dass Sie die Entscheidung subjektiv beeinflussen? Sollten Sie feststellen, dass es sich um eine eher subjektive Entscheidung handelt, können Sie diese noch einmal überdenken.

  6. Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung.

    Entscheidungen werden immer getroffen. Wenn Sie es nicht tun, wird es jemand anders für Sie übernehmen. Darüberhinaus ist es auch eine Entscheidung, keine Entscheidung zu treffen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie auf lange Sicht nicht um eine Entscheidung herum kommen. Schieben Sie diese also nicht auf, sondern treffen Sie eine möglichst objektive Entscheidung und stehen anschließend dazu. Sie können mit den Konsequenzen einer schlechten Entscheidung umgehen, wenn Sie die Entscheidung allerdings aus der Hand geben, verlieren Sie damit auch jeglichen Einfluss auf das Geschehen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]