Wir trafen uns auf der Straße. Meine Bekannte fragte: “Mache ich mich eigentlich verdächtig, wenn ich kein Online-Profil habe?” Ich dachte: Wieso fragt die das ausgerechnet mich? Ich bin bei dieser Frage befangen, so richtig, also nicht wirklich neutral. Schließlich besitze ich zahlreiche Online-Profile, so gefühlte Zwoundtrölfzig. Man kann sagen, ich bin ein ziemlich öffentlicher Mensch. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, über die ich öffentlich nicht reden will, habe ich damit aber nur gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem kann ich die Frage verstehen. Zu jeder Bewegung gibt es schließlich eine Gegenbewegung.
Immer mehr Menschen ziehen im Netz blank. Sie werden auffindbar: mit Fotos, Profilen, Interessen, Texten, Kommentaren. Inzwischen ganz bewusst. Und ich finde das gut. Da kann sich jeder erst mal ein Bild von seinem Gegenüber machen. Es ist, als wäre man plötzlich der Einäugige unter den Blind Dates. Und keine Sorge vor gepimpten Profilen: Auch das sagt ja was über den Menschen, der es angelegt hat. Vielleicht schaut er sich gerade nach einer neuen Stelle um. Oder einem neuen Partner. Oder ist einfach nur eitel. Ich sagte meiner Bekannten, dass ich lieber eitel bin und mein Online-Profil selber gestalte, als diesen digitalen ersten Eindruck Google zu überlassen. Wer weiß, was die Suchmaschine einem am Ende so anhängt. Nacktfotos vielleicht. Meine Bekannte wurde hellhörig.
Dann sagte sie, das sei ihr egal. Sie mache sich nichts aus diesem Internetz-Dings. Außerdem habe nur ihr Freund Nacktfotos von ihr. Ich wollte das nicht weiter kommentieren. Ihr ginge es nur darum, später bei der Jobsuche keine Nachteile zu haben.
Ich sagte ihr, die habe sie auch nicht. Noch nicht. Es sei denn, sie bewerbe sich für einen Job in diesem Internetz-Dings. Das wäre dann ungefähr so, als bewerbe sich ein Bulimiker als Koch. Trotzdem fände ich, dass sie sich viele Chancen vergibt. Es ist ja nicht nur so, dass man selber einen Job sucht, manchmal suchen auch die Jobs einen Kandidaten. Dann wirkt so ein Online-Profil wie ein Treibnetz: Erst wird es geknüpft, dann ausgeworfen und irgendwann schwimmen die Stellen in die Maschen. Vielleicht. Aber schaden kann es auch nicht.
Und es gäbe noch einen zweiten Aspekt: Es macht sich vielleicht nicht verdächtig, wer kein Online-Profil hat, aber so jemand wirkt schon ein bisschen gestrig, und richtig gesellig sieht das auch nicht aus. Das heißt nicht, dass es so ist. Aber der Eindruck könnte entstehen. Und genau das ist ja der Punkt: Man kann nicht nicht kommunizieren, sagte schon “Paule” Watzlawick. Selbst die Online-Verweigerung – sei es aus Protest oder Unlust – ist eine Aussage. Deswegen muss einer nicht gleich was zu verbergen haben, aber ganz offen oder verträglich (im Sinne der Big Five) ist so jemand womöglich auch nicht.
Meine Bekannte sagte, wer für alles offen ist, sei aber irgendwann nicht mehr ganz dicht. Und auf digitale Diarrhoe habe sie einfach keine Lust. Ich fand das ein interessantes Wortspiel, und dass Darmverschluss auch keine Lösung sei.
Wir haben dann das Thema dann trotzdem vorsichtshalber gewechselt. Bei manchen Metaphern ist es besser, nicht weiter zu kommunizieren.
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Birgit
Vor einigen Jahren habe ich einen Mann kennengelernt und wollte mehr über ihn erfahren. Aber er war nicht im Internet zu finden. Nirgends. Das fand ich irgendwie etwas komisch.
Heute weiß ich, dass er ein sehr netter und geselliger Typ ist. Der nur einfach nicht online auffindbar sein mag. Aber damals hab ich mir den Ar*** wund gesucht. Amüsiert er sich heut noch drüber ;)
Hans
Wie alles im Leben, haben auch Social Media ihre “Gefahren”. Wie das Auto. Wie das Rauchen. Wie zu fettes Essen….
Social Media sind unvermeidlich und werden nie wieder verschwinden. Wie Flugzeuge. Deshalb sollten wir uns mehr mit den Möglichkeiten beschäftigen.
Macht sich jemand “verdächtig”, wenn er im Jahr 2012 in den sozialen Medien nicht vorkommt?
Ich tippe eher, als Arbeit- oder Unternehmer wird er zunehmend irrelevant. Schaue ich mir an, welche meiner ehemaligen Kollegen und Führungskräfte sich sozial medial einbringen, sind es genau die, die sich auch offline einbringen. Die anderen tun auf Facebook oder XING das, was sie auch im Büro tun: Nichts.
Wie jemand soziale Medien privat nutzt, steht auf einem anderen Blatt.
- Hans Steup, Berlin
Marlene (Lena) Scheuren
Mir macht es Spaß, gefunden werden zu können. (Gott was für ein Satz….).
Es liegt ja nur an mir selber, was ich da so preisgebe!
Und wenn ich mich google, finde ich mich ganz toll ;-)
Herzliche Grüße, Lena