Offenheit-Bewerbung-Vorstellungsgespraech
Klasse, nach unzähligen Bewerbungen sind Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Die erste Hürde ist also genommen. Entsprechend umfangreich und intensiv sollte jetzt die Vorbereitung sein. Doch wie so oft: Man kann sich perfekt auf mögliche Fragen und die Selbstpräsentation vorbereiten - und dann mit einem einzigen Satz alles kaputt machen... Diagnose: zu viel Offenheit im Vorstellungsgespräch. Der perfekte erste Eindruck - überschattet von einem einzigen Fauxpas. Grundsätzlich sind Ehrlichkeit und Authentizität in der Bewerbung völlig richtig. Doch wie bei allem gilt: Die Dosis macht das Gift...

Offenheit im Vorstellungsgespräch: Lügen haben ernste Folgen

Natürlich ist das kein Appell zum Lügen in der Bewerbung. Ganz im Gegenteil: Personaler sind in der Regel geübt darin, erfundene Stationen im tabellarischen Lebenslauf oder hinzugedichtete Stärken spätestens im Vorstellungsgespräch zu entlarven.

Wer dann in Stottern gerät und als Aufschneider überführt wird, hat jegliche Chance auf einen positiven Ausgang des Gesprächs vertan und braucht vermutlich nicht lange abwarten, bis die Bewerbungsabsage kommt.

Mehr noch: Wer schamlos übertreibt oder gar falsche Tatsachen vorgaukeln, riskiert auch nach der Einstellung noch seinen Job. Kommen solche Lügen später ans Licht und waren die falschen Angaben für die Einstellung relevant (zum Beispiel Kenntnisse einer bestimmten Software, von der der neue Mitarbeiter tatsächlich keine Ahnung hat), droht auf den Schwindel die fristlose Kündigung.

Geht es um die Stationen in Ihrem Lebenslauf oder um Ihre Qualifikationen, sollten Sie daher unbedingt bei der Wahrheit bleiben.

Warum täuschen Bewerber falsche Tatsachen vor?

Warum täuschen Bewerber falsche Tatsachen vorZwar sind sich viele Bewerber der Gefahren durchaus bewusst, die ihnen durch unehrliches Verhalten in der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch drohen. Trotzdem lassen sich einige davon nicht abschrecken und handeln nach der Devise: "Wird schon gutgehen..."

Der Grund dafür sind oft die hohen Anforderungen, die Arbeitgeber teilweise an Bewerber haben: junge Arbeitnehmer mit Top-Ausbildung, gleichzeitig langer Berufserfahrung, mehreren Praktika, dem ein oder anderen Auslandsaufenthalt, großer Flexibilität, Fachkenntnissen, Reisebereitschaft und endloser Motivation - kurz: die eierlegende Wollmilchsau. Um überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben, fühlen sich manche Bewerber dann gezwungen, das eigene Profil an die Anforderungen anzupassen.

Hinzu kommt, dass es manche Arbeitgeber selbst es nicht immer so genau mit den Fakten nehmen. Um als Arbeitgeber für Top-Talente attraktiv zu sein, werden die besten Aufstiegsmöglichkeiten versprochen, tolle Arbeitsatmosphäre und ein weit überdurchschnittliches Gehalt. Die Realität sieht dann aber leider ganz anders aus.

Offenheit im Vorstellungsgespräch: Wann zu viel Ehrlichkeit schadet

Offenheit-Wahrheit-BewerbungsgespraechAuch wenn Bewerber bei der Wahrheit bleiben sollten, müssen sie dennoch nicht alles sagen, was wahr ist. Oder anders formuliert: Wahrheit bedeutet nicht, die Hosen runterzulassen und im Vorstellungsgespräch einen Offenbarungseid zu leisten.

Manche Dinge müssen Sie nicht sagen, andere sollten Sie nicht erwähnen. Weniger ist auch hierbei mehr - und das ohne den Verlust der Glaubwürdigkeit zu riskieren. Es geht schlicht darum, ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Bei diesen Punkten ist zu viel Offenheit im Vorstellungsgespräch sogar eher kontraproduktiv:

  1. Fragen zur Arbeitssuche

    Liegt zwischen zwei Anstellungen eine längere Zeitspanne oder findet sich im Lebenslauf eine Lücke, können Sie davon ausgehen, dass sich der Personaler dafür interessieren wird und nachfragt. Ein womöglich ehrliche Antwort: Ich habe bisher nur Absagen erhalten oder Ich wollte erst einmal eine Pause machen kommt in dem Fall aber nicht gut an. Zu ziellos, zu passiv. Sie wirken dabei wie das Opfer der Umstände und klingen nach Resterampe, nicht nach Talent. Überlegen Sie sich besser im Vorfeld, wie Sie eine solche Lücke clever begründen können: unbedingt aktiv, als Phase einer Neuorientierung, ... Auch wenn die Auszeit länger ausfiel als geplant, haben Sie das Beste daraus gemacht.

  2. Fragen zur Kündigung

    Egal, ob sie selbst gekündigt haben oder gekündigt wurden: Niemals, wirklich niemals sprechen Sie negativ über bisherige Arbeitgeber und Unternehmen. Erstens ist das unprofessionell in einem solchen Gespräch verbal alte Rechnungen zu begleichen; zweitens bleibt von dem Dreck immer etwas am Werfer hängen. Kein Personaler weiß, ob die Geschichte auch so stimmt - und so bleibt im Raum, dass Sie vielleicht auch aus eigenem Verschulden rausgeflogen sind und jetzt nicht mal die Verantwortung dafür übernehmen (muss nicht so sein - könnte aber). Die diplomatische Antwort ist hier die bessere - etwa: "Ich hatte in meiner bisherigen Position zunehmend das Gefühl, unter meinen Möglichkeiten zu bleiben. Auch wenn das Arbeitsklima mir dort enorm zugesagt hat, spüre ich, dort perspektivisch an Grenzen zu stoßen - vor allem in einem internationalen Kontext. Es wurde also Zeit für eine berufliche Neuorientierung." (Mehr mögliche Antworten finden Sie HIER.)

  3. Fragen zu Ihrem Privatleben

    Diese sind zwar ohnehin verboten, bei Personalern aber trotzdem beliebt - insbesondere Fragen zur Familienplanung gegenüber Frauen. In dem Fall dürfen Sie sogar lügen. Selbst dann, wenn Sie gerade schwanger geworden sind. Auch der baldige Kinderwunsch geht den Arbeitgeber in spe nichts an. Gleiches gilt für Fragen nach der Religion oder Ihren Vermögensverhältnissen.

Zu viel Offenheit: Was Sie NIE zu einem Personaler sagen sollten

Zu viel Offenheit: Was Sie NIE zu einem Personaler sagen solltenUnd dann gibt es da noch die Kategorie "Patzer im Jobinterview". Diese können zu viel Offenheit und eine zu locker sitzende Zunge als Ursache haben, manchmal aber auch schlechte Vorbereitung gepaart mit einem Schuss Naivität. So oder so: Bewerber sabotieren sich damit selbst - und teilweise auch endgültig. Und lachen Sie nicht: Diese Sätze - das wissen wir aus Gesprächen mit Personalern - fallen tatsächlich in Bewerbungsgesprächen...

Das muss Ihnen aber nicht passieren, weil Sie die folgende Liste kennen:

  1. Entschuldigen Sie bitte die Verspätung, ich konnte nicht anrufen, mein Akku ist leer.

    Zu einem Vorstellungsgespräch sollten Sie grundsätzlich nie zu spät kommen. Bleiben Sie - trotz Planung und Zeitpuffer - dennoch im Stau oder wegen einer Zugstörung stecken, müssen Sie das Unternehmen umgehend informieren. Ein geladener Smartphone-Akku gehört ebenso zur Vorbereitung wie eine rechtzeitige Anreise.

  2. Ihr Unternehmen war gar nicht so einfach zu finden.

    Diese Aussage enthält gleich zwei negative Botschaften: Erstens, Sie haben sich nicht gut vorbereitet und die Strecke nicht im Vorfeld angeschaut; zweitens, Sie wollen Ihren Pfadfinder-Einsatz gewürdigt wissen. Das Problem: Der Weg zur Arbeit ist keine Leistung, sondern eine Selbstverständlichkeit.

  3. Das steht doch in meinem Lebenslauf!

    Ja, Personaler fragen oft noch mal nach Informationen, die schon im Lebenslauf stehen. Und ja, manche sind dazu schlecht vorbereitet. Das wäre zwar frech, es könnte aber auch anders sein - ein Test, um Widersprüche zu checken. Und weil Sie das nicht wissen, ist Entrüstung hier definitiv fehl am Platz. So mancher Personaler klopft mit der scheinbar tüdeligen Frage noch mal die Fakten ab und sieht sich genau Ihre Reaktion und Ihr Auftreten an. Womöglich haben Sie ja bei einigen Angaben geschummelt...

  4. Ich habe nur 30 Minuten Zeit.

    Ungelogen: Mit einem solchen Satz steigt tatsächlich mancher Bewerber ins Vorstellungsgespräch ein. Glück für ihn: In den meisten Fällen endet das Gespräch auch unter 30 Minuten sofort wieder - meist sogar nach nur zwei.

  5. Darüber muss ich nachdenken, damit habe ich gar nicht gerechnet.

    Es ist völlig legitim, bei anspruchsvollen Fragen kurz nachzudenken und die Antwort im Kopf zu formulieren. Der zweite Teil der Aussage ist es, der dem Kandidaten schadet. Statt zu sagen, "spannende, komplexe Frage, darüber muss ich kurz nachdenken", bringt der Bewerber zum Ausdruck, dass er oder sie sich auf Standards vorbereitet hat. Spontanität und Authentiziät: Fehlanzeige. Kein gutes Signal an Personaler.

  6. Mittel- bis langfristig möchte ich mich selbstständig machen.

    Gut, wenn es in dem Bewerbungsgespräch um einen befristeten Arbeitsplatz geht, ist das nicht weiter problematisch. Bei einer möglichen Festanstellung aber disqualifizieren sich Kandidaten damit. Wer heiratet schon einen Partner, der schon vor dem Altar ankündigt, sich bald wieder scheiden zu lassen?

  7. In zwei Monaten habe ich einen 3-wöchigen Urlaub gebucht. Den muss ich unbedingt antreten.

    Noch nicht einen Tag im neuen Job gearbeitet, aber schon an den Urlaub denken? Wahrer Einsatz und Leidenschaft sehen irgendwie anders aus. Klar, ist es finanziell unglücklich, den geplanten Kurzurlaub verfallen zu lassen. Aber Sie haben sich ja auch selber parallel beworben. In dem Fall wäre es vielleicht klug, rechtzeitig eine Reiserücktrittversicherung abzuschließen und den Urlaub zu verschieben. Wenn Sie den Job in der Tasche haben, können Sie vielleicht noch auf Kulanz hoffen. Aber noch vor dem Anfang kann der Arbeitgeber - zu Recht - erwarten, dass Sie sich erst einmal einbringen und beweisen wollen.

  8. Wieso ich mich bei Ihnen bewerbe? Na, Sie hatten eine freie Stelle...

    Kann sein. Aber das trifft wahrscheinlich auf mindestens ein Dutzend anderer Unternehmen in dem Bereich zu. Es ist ein Satz, wie ihn kein Personaler und Chef hören will. Er macht den Arbeitgeber beliebig und austauschbar - nicht zu Ihrer ersten Liebe. Es ist ein klassisches vergiftetes Kompliment - so wie: "Klar liebe ich dich, es gibt ja keine andere..." Na, Danke! Wenn der Personaler nach Ihrer Motivation fragt, interessiert er sich vor allem für das individuelle Interesse an seinem Unternehmen oder an den Herausforderungen des Jobs.

  9. Können Sie Ihre Fragen etwas klarer formulieren?

    Auf den ersten Blick eine völlig legitime Rückfrage. Was drückt sich der Personalentscheider auch so kompliziert aus??? Da muss man logischerweise nachfragen! Der Ton macht hier die Musik: Eine höfliche Formulierung wäre gewesen: "Die Frage habe ich leider nicht ganz verstanden, könnten Sie mir bitte etwas auf die Sprünge helfen?" Der Trick hierbei ist, den unterschwelligen Vorwurf (Du hast nicht gut formuliert!) rauszunehmen und das als eigene Schwäche darzustellen. Doppelter Vorteil: Die charmante Retoure macht Sie sympathischer und souveräner. Wer sich selbst erniedrigt, erhöht sich in Wahrheit.

  10. Übernehmen Sie eigentlich die Fahrtkosten?

    Kaum zu glauben: Es gibt tatsächlich Bewerber, die diese Frage im Bewerbungsgespräch stellen. Sicher, gute Arbeitgeber zahlen die Fahrtkosten von sich aus. Aber das fragt man entweder vor dem Termin oder klärt das hinterher mit der Personalabteilung per Mail. Im Gespräch selbst wirkt es erschreckend kleinkrämerisch und auch falsch fokussiert: Da bewirbt sich jemand angeblich auf seinen Traumjob - und hat doch nur die Reisekostenabrechnung im Kopf...

  11. Wie lange muss ich jeden Tag arbeiten?

    Jetzt vermutlich keinen Tag mehr. Jedenfalls nicht hier. Auch bei diesem Satz schwingen zwei falsche Subbotschaften mit. Die erste: Sie denken, Sie müssen hier arbeiten. Zurecht gehen Personaler aber davon aus, dass Sie hier arbeiten wollen. Die zweite: Offenbar möchten Sie nicht mehr arbeiten als nötig. Motivation, Leidenschaft und Engagement klingen anders. Fragen Sie lieber nach Arbeitszeitmodellen oder Gleitzeiten. Das ist legitim - und wirkt auch gleich ganz anders.

  12. Mein Ehrenamt/Hobby nimmt mich an drei Abenden pro Woche in Beschlag. Das ist doch sicher kein Problem?

    Gewiss, was Sie in Ihrer Freizeit machen, ist ganz allein Ihr Ding. Aber hier verraten Sie unterschwellig Prioritäten: Hobby und Ehrenamt gehen vor Job. Das kann die Wahrheit sein, nur sagen darf man das niemals. Welcher Arbeitgeber will schon die zweite Geige spielen und dann auch noch anderer Leute Hobbys finanzieren?

  13. Ich habe keine Schwächen, nur Entwicklungspotenzial.

    Die Frage nach den Schwächen... ein Klassiker. Selbstbewusstes Auftreten im Vorstellungsgespräch bringt natürlich meistens Pluspunkte. Aber die Grenze ist schmal. Gleich nebenan liegen Arroganzreich und Überheblichland. Wer eigene Schwächen nicht reflektiert und durch platte Sprüche übertünchen will, hinterlässt damit sicher keinen positiven Eindruck. Geben Sie lieber ein oder zwei für den Job unwichtige Schwächen zu und auch, dass Sie daran arbeiten. Das ist viel ehrlicher.

  14. Sie brauchen gar nicht mehr weitersuchen, ich bin der Beste für den Job.

    Eine selbstbewusste Ansage. Wenn Sie diese mit Fakten und Leistungen untermauern können, gehört der Job Ihnen. Aber auch nur dann.

  15. In fünf Jahren will ich auf Ihrem Stuhl sitzen.

    Noch so eine Standardfrage, wo man in fünf Jahren stehen will. Davon gibt es noch weitere Varianten. Daher exemplarisch für diese: Solche Standardantworten, wie sie manche Ratgeber verbreiten, kennen auch Personaler. Und sie können sie kaum noch hören. Unbedingt verkneifen! Antworten Sie lieber persönlich und authentisch.

  16. Bei Problemen frage ich immer zuerst meinen Vorgesetzten.

    Klingt gut, ist es aber nicht. Wenn Sie bei jedem Problem sofort zum Chef rennen, wird der bald genervt sein. Außerdem übergehen Sie damit Ihre Kollegen - nicht gerade ein Zeichen von Teamfähigkeit. Besonders selbstständig klingt das auch nicht gerade.

  17. Ich werde alle Vorgaben vollständig erfüllen.

    Ein nettes Versprechen. Aber ist das nicht selbstverständlich? Das Gegenteil wäre die Nachricht: "Ich werde Vorgaben NICHT erfüllen." Originell, aber natürlich ein Grund zur Kündigung. Wer indes Selbstverständliches betont, macht sich verdächtig. Entweder handelt es sich bei dem Kandidaten um jemanden, der nur seine Pflicht tut - und keinen Handgriff mehr. Oder aber es handelt sich um jemanden, den man zum Jagen tragen muss, Motto: "Wenn man mir nicht sagt, was ich tun soll, dann tue ich auch nix."

  18. Ich habe in den kommenden Tagen noch weitere Vorstellungsgespräche.

    Auf Nachfrage ist die ehrliche Aussage absolut in Ordnung. Arbeitgeber müssen heute davon ausgehen, dass die Talente und Fachkräfte vor ihnen auch von anderen umworben werden. Aber unaufgefordert wirkt der Satz leider nur nach einem taktischen Manöver, um sich interessanter zu machen. Doof, wenn dann auf Nachfragen nichts kommt oder Sie schon nach zwei Wochen durchklingeln, ob Sie den Job haben können... Die latente Nötigung macht auch nicht wirklich glaubwürdiger. Schließlich haben Sie doch gerade erklärt, warum Sie HIER arbeiten wollen.

  19. Überstunden sind für mich kein Problem. Je mehr, desto besser.

    Es gibt - leider - immer noch Bewerber, die mit solchen Aussagen punkten wollen. Tatsächlich erreichen sie damit das genaue Gegenteil: Der Kandidat zeigt so, dass er keine Grenzen kennt, mit sich alles machen lässt und seine Burnout-Gefahr überdurchschnittlich hoch ist.

  20. Nein, ich habe keine Fragen mehr.

    Riesenfehler! Sie wollen die nächsten Jahre bei einem Unternehmen arbeiten und haben keine Rückfragen an den Personaler? Es kann zwar sein, dass Ihre wichtigsten Fragen im Gespräch beantwortet wurden. Dann müssen Sie das aber auch deutlich machen. Ansonsten haben Sie immer Fragen - unbedingt - mindestens sowas wie: "Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?" Oder: "Wann denken Sie, werden Sie eine Entscheidung treffen?"

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