Ein Gastbeitrag von Alexander Höf

Die Zahl der Studierenden erreichen neue Rekordwerte. Die Gründe dafür sind (auch) der Wegfall von Wehr- und Zivildienst sowie die in diesem Jahr doppelten Abiturientenjahrgänge in Bayern und Niedersachsen. Trotz der Spitzenwerte bleibt dennoch die Frage nach den Chancen: Hat in Deutschland wirklich jeder die Möglichkeit, an einer Hochschule zu studieren – selbst mit (Fach-)Abitur? Oder anders gefragt: Kann er oder sie sich ein Studium leisten?

Die hohen Studentenzahlen haben nicht zuletzt auch massive Auswirkungen auf die Kosten eines Studiums. In manchen Städten ist es heute fast unmöglich eine günstige Wohnung oder ein kleines WG-Zimmer zu bekommen. Wer also sein Abitur mit Bravour gemeistert hat, auf den warten ohne familiär-finanielle Unterstützung noch einige Hürden.

Die gute Nachricht ist: Studierende haben heute den Vorteil, dass sie enorm schnell und gezielt an Informationen zum Thema Stipendendien gelangen können. Die Chancen auf ein Stipendium mögen durch die hohen Zahlen an potenziellen Mitbewerbern gering sein, ein Versuch ist es aber in jedem Fall wert. Denn das kann sich – durchaus sprichwörtlich – auszahlen.

Schon die Homepage der Initiative Arbeiterkind bietet einen ersten guten Gesamtüberblick über Förderprogramme – und das nicht nur für klassische Arbeiterkinder. Unter der Rubrik Stiftungen von A-Z finden sich aktuell 470 Stiftungen. Unterschiedliche Suchkriterien nach thematischen Schwerpunkten, Art der Förderung und Art der Stifter erleichtern die Suche enorm.Es geht den Initiatoren vor allem um Hilfestellungen und Informationen für Schüler, in deren Familien noch keiner zuvor ein Studium begonnen hat. Die Initiatoren machen Mut und verweisen auf Stipdendiaten mit einer Drei vor dem Komma des Abischnitts. Eine Zwei im Abitur wird allerdings auch weiterhin die Chancen auf ein Stipendium deutlich erhöhen. In immer mehr Städten gibt es auch direkte Ansprechpartner und Mentoren der Initiative.

Darüber hinaus, haben aber auch wir Ihnen ein paar Anlaufstellen zusammengetragen, falls Sie auf der Suche nach Stipendien- oder Förderprogrammen sind:

Stiftungen

Parteinahe- und Staatsfinanzierte Stiftungen

Die großen parteinahen Stiftungen dürften die bekanntesten Stiftungsgeber sein. Vom politischen Hintergrund sollte sich aber keiner abschrecken lassen: Es gibt viele Beispiele dafür, dass nicht nur treue Anhänger der jeweiligen Partei eine Chance auf ein Stipendium haben. Die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Hanns-Seidel-Stifung gelten als Parteinahe Stiftungen von CDU und CSU. Die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Rosa-Luxemberg-Stiftung bilden das Pendant von SPD und den Linken. Der FDP steht die Friedrich-Neumann-Stifung nahe und Namensgeber bei den Grünen ist Heinrich Böll.

Die Stiftungen bieten indes sowohl finanzielle als auch ideelle Förderung. Der Förderbetrag richtet sich nach dem BAFÖG und auch das Einkommen der Eltern wird berücksichtigt. Die Chance auf 150 Euro Büchergeld haben sogar alle potenziellen Stipendiaten und auch die ideelle Förderung in Form von Seminaren oder anderen Angeboten sollte man nicht ausschlagen. Die folgenden zwölf Stiftungen werden alle vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Bei allen zwölf muss der Förderbetrag nicht zurückgezahlt werden und beträgt in der Grundförderung maximal 585 Euro im Monat. Bei einigen liegt der monatliche Satz bei maximal 597 Euro etwas höher.

Auch die Stiftungen der Kirchen oder der Gewerkschaft sind eine mögliche Anlaufstelle für Fördermittel. Allerdings sollte man sich – auch, um bei der Bewerbung besser argumentieren zu können – vorab informieren, ob man sich mit der Zielrichtung der Stiftung und deren Aktivitäten identifizieren kann. Das Angebot der Parteinahen Stiftungen umfasst oftmals auch zusätzliche spezielle Angebote für journalistische Nachwuchsförderung und bei einigen werden auch spezielle Migranten angesprochen und eben auch gefördert.

(Die Förderung muss bei keiner der Stiftungen zurückgezahlt werden.)

Eher unbekannte Stipendien-Programme

Diese Stipendienprogramme sind neu oder noch nicht allzu populär. Das hat zugleich den Vorteil, dass es weniger Bewerber gibt – und die Chancen steigen.

  • Deutschlandstipendium – Das Stipendium wird zur Hälfte vom Bund und von privaten Förderern getragen. Es wurde neu zum diesjährigen Sommersemester eingeführt und wird direkt von den Hochschulen vergeben.
  • Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) – Hier gibt es einen Überblick über Fördermittel für ein Studium, Forschung oder Lehre im Ausland.

Aktuell bietet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn ein spezielles Förderprogramm für Bachelorstudenten von Fachhochschulen.

Mit Fördermitteln des Bundes gibt es die Chance auf Auslandspraktika zur Vorbereitung auf eine Tätigkeit in der internationalen Wirtschaft. Die Interessenten aus den Fachbereichen Wirtschaft, Umwelt und angewandte Technik müssen zum Zeitpunkt der Bewerbung noch immatrikuliert sein und mindestens über drei Monate berufsspezifische Praxis verfügen. Bewerben kann man sich bis zum 15. November 2011. Nähere Infos gibt es hier. Ziel der GIZ und des Bildungsministeriums ist natürlich vor allem die Qualifizierung, aber natürlich droht auch die Möglichkeit, dass weitere qualifizierte Wissenschaftler aus Deutschland wegziehen oder vom Forschungsaufenthalt im Ausland nicht mehr zurückkehren.

Der einfachste Weg zu einem Auslandsstudium oder einem Semester im Ausland führt in vielen Fällen auch direkt über die eigene Hochschule! Viele Unis bieten diverse eigene Austauschprogramme mit Partneruniversitäten an und je nach Studienrichtung entscheidet hier oftmals auch der eigene Lehrstuhl oder Fachbereich. Immer mehr Hochschulen haben auch eigene Informationsbüros zum Thema Auslandsstudien, die sicher gerne weiterhelfen!

Suchmaschinen Stipendien

Einen hervorragenden Gesamtüberblick zur Thematik gibt es auch als Buch: „Der Weg zum Stipdendium.“ Auch das Buch macht deutlich, dass es trotz wachsender Studentenzahlen, zunehmend mehr Chancen auf finanzielle Förderung gibt. Allein in dieser Ratgeber enthält Tipps und Bewerbungsstrategien für rund 400 Stipendien- und Förderprogramme.

Die Autoren Max-Alexander Borrek und Jan Bruckmann, beide ehemalige Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung, bieten zudem zahlreiche Fallbeispiele, Checklisten, Übungsaufgaben und mehr als 50-Insidertipps von Stipendiaten. Die Lektüre macht allerdings ebenso deutlich, dass potenzielle Bewerber sich dringend und intensiv mit den eigenen Zielen, Stärken, aber auch Schwächen auseinandersetzen sollten. Die Stiftungen und deren Selbstverständnis variieren enorm und legen daher unterschiedliche Schwerpunkt bei den Stipendiaten. Die Vielfalt vergrößert aber eben auch die Chancen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!