60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer wollen lieber ohne gute Beziehungen Karriere machen, das ist der Tenor einer aktuellen Monster-Umfrage unter 958 Erwerbstätigen in Deutschland. 47 Prozent der Befragten gaben an, sich ihre aktuelle Position selbst erarbeitet zu haben, 13 Prozent lehnen es gar komplett ab, ihre Beziehungen für die Karriere zu nutzen. Dem gegenüber stehen 29 Prozent, die dazu stehen, dass schon einmal ein Bekannter ein gutes Wort für sie eingelegt, beziehungsweise sie empfohlen hat. Und 11 Prozent sagen: „Meine derzeitige Position habe ich, weil ich den Chef persönlich kenne.“
Ich halte diese Umfrage für Augenwischerei. Das alles klingt so, als seien Empfehlungen etwas Negatives. Sind sie aber nicht, vielmehr basieren die meisten auf nachprüfbaren Leistungen. Was hier aber unterstellt wird, ist, dass ein Minderleister allein aufgrund eines Zitierkartells Karriere macht, also nicht, weil er etwas kann, sondern weil er jemanden kennt. Dazu fallen mir nur zwei Dinge ein:
- Erstens: Wer jemanden empfiehlt, den er nicht kennt oder der gar nachweislich ungeeignet ist, der ist entweder unglaublich naiv oder ein Sensation Seeker. Jede Referenz fällt irgendwann auf den Empfehlenden zurück (in der Regel soll sie das sogar, denn durch gute Empfehlungen kann man sich selbst empfehlen). Und stellt sich heraus, dass der so Gepriesene eine trübe Tasse ist, haben beide Ihren Ruf beschädigt.
- Zweitens: Wer seine Kontakte nicht nutzt, begeht gleich zwei Fehler: Er verschlechtert seine Berufschancen gegenüber jenen, die sie nutzen (und ich glaube noch immer: Das ist die Mehrheit). Und er pflegt keine Beziehungen. Denn wäre er konsequent, dürfte er umgekehrt auch keinen Bekannten weiterempfehlen. Und ist eine sehr einsame Haltung.







Gerhard Zirkel
Die Ursachen für solche Aussagen sind vermutlich schon in unserer Erziehung zu suchen. Da wird einem doch von Anfang an eingetrichtert dass man nur mit harter eigener Arbeit nach oben kommt. Hilfe anzunehmen wird als “mädchenhaft” oder “schwach” gesehen – das schaff ich doch alleine!
Wenn man dann nachfragt, haben es die Leute natürlich ganz alleine geschafft. Alles andere würden die Wenigsten zugeben.
Ich persönlich bin mittlerweile so weit dass ich zugebe jegliche Form der Hilfe anzunehmen – ja ich gehe sogar noch weiter und gebe zu Geld verdienen zu wollen … :) Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Gerhard Zirkel
Holger Reich
Wozu bitte sollte ein Mentor gut sein, wenn er nicht genutzt werden darf, um einen guten Arbetgeber zu finden? Ich würde nicht jede Empfehlung als Solche nennen, doch nutzen sollte man sie. Vitamin “B” ist das A und O im Berufsleben – damit pflegen wir doch Netzwerke. Ich nutze sie jedenfalls nicht nur für Geschäftsanbahnung, sondern empfehle auch offene Stellen weiter (oder nutze solche Empfehlungen bei Bedarf).
Wiebke
Gute Beziehungen schaden wirklich nur dem, der sie nicht hat. Klar freut man sich ggf. einen Job “nur” wegen eines überzeugenden Vorstellungsgesprächs (und damit bestenfalls guten Selbstmarketings) bekommen zu haben, aber ich finde auch auf eine Empfehlung kann man sehr stolz sein – Im Endeffekt spricht die Empfehlung doch häufig für das, was man im Vorstellungsgespräch gern kommunizieren möchte: Offenheit, Engagement (so ein Kontakt will ja auch aktiviert und gepflegt werden!) und ein soziales Netzwerk.
Wiebke
Hm, ich glaube, ich muss meine Einstellung überdenken. Gerade ist mir ein toller Nebenjob (für den ich ich nach einem netten Vorstellungsgespräch schon eine mündliche Zusage hatte) flöten gegangen, weil spontan der Neffe des Chefs (bzw. ein Zitat: “aus familiären Gründen priorisierter Angehöriger des Vorsitzenden”) sich erboten hat. Naja. You win some, you lose some. Da sieht man, wie wichtig Beziehungen sind :-) Hoffentlich nächstes Mal wieder meine eigenen!