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Ein überzeugendes Anschreiben, ein ansprechender Lebenslauf und eine hervorragende Bewerbungsmappe sind wichtig, reichen in vielen Branchen ab einem gewissen Level jedoch nicht mehr aus, um sich einen Job zu sichern. Neben dem offensichtlich notwendigen Vitamin B spielen auch eine gut aufgebaute Reputation und klare Positionierung eine zunehmend wichtigere Rolle. Vor allem die Online Reputation wird für Bewerber immer wichtiger...

Online Reputation: Grundlage der Jobsuche

Manche Berater - und Bewerber - sehen eine gute ausgebaute Online Reputation als nützliche, jedoch nicht notwendige Ergänzung der klassischen Jobsuche. Diese Haltung wirkt nachvollziehbar, verkennt jedoch das Potenzial der Online Reputation für Jobsuche und Bewerbung.

Nur wenn die individuelle Online Reputation Teil der Grundlage und Basis für die Jobsuche ist, kann sie ihre Wirkung voll entfalten. Dann können alle Aktivitäten für den Online Reputationsaufbau...

  • ... zu Netzwerkchancen werden.
  • ... die Recherche unterstützten und bereichern.
  • ... auch Ihre offline Netzwerk und Ihre Reputation in der Branche bereichern.

Das Prinzip: Machen Sie den Aufbau Ihrer Online Reputation zu einem grundlegenden Teil Ihrer Bewerbungs- und Jobsuchaktivität, schenken Sie der notwendigen Netzwerkarbeit und Kommunikation die entsprechende Aufmerksamkeit. Soll Ihre Online Reputation jedoch "nebenher" entstehen, wird sich das auf die Qualität Ihrer Reputation und Arbeit auswirken - und zwar negativ.

Basics der Online Reputation

Für die ganz Eiligen unter unsere Lesern fassen wir im Folgenden die wichtigsten Aspekte für den Online Reputationsaufbau zusammen. Mit diesen Punkten sind zwar alle relevanten Themen angesprochen, wir empfehlen Ihnen natürlich dennoch die Lektüre des gesamten Artikels.

  • Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie viel Zeit und Energie Sie in Ihre Online-Reputation investieren wollen und können.
  • Beschreiben Sie Ihre Zielgruppe so exakt wie möglich.
  • Recherchieren Sie die Netzwerke, in denen die für Sie interessanten Menschen unterwegs sind.
  • Legen Sie für sich ein klares Motto und eine klare Botschaft fest, die Sie transportieren wollen.
  • Definieren Sie Themen, mit denen Sie sich beschäftigen wollen.
  • Lassen Sie sich von Artikeln und Beiträgen anderer inspirieren. Geben Sie dann natürlich auch die Inspirationsquellen an, wenn Sie einen eigenen Beitrag daraus machen.
  • Kommunizieren Sie in den Sozialen Netzwerken offen und authentisch.
  • Beantworten Sie Fragen und reagieren Sie auf Kommentare.
  • Kommentieren Sie selbst bei anderen Seiten und Beiträgen - allerdings nur dann, wenn Sie inhaltlich etwas beizutragen haben.
  • Erweitern Sie Ihr Netzwerk Schritt für Schritt.
  • Greifen Sie aktuelle Themen oder besondere Tage auf.
  • Monitoren Sie Ihre Netzwerke und achten Sie dabei vor allem darauf, welche Beiträge gut ankommen und zu welchen Uhrzeiten Ihre Inhalte am meisten gelesen werden.
  • Überprüfen Sie alle paar Wochen oder Monate Ihre Zielsetzung und Ihr Entwicklung bis zu diesem Punkt.
  • Scheuen Sie sich nicht, Ihr Zielsetzung zu ändern. Manchmal entwickelt sich Ihre Reputation anders als geplant - nutzen Sie diese neue Richtung.

Online Reputation durchs eigene Blog

ollyy/shutterstock.comAls Zentrum Ihrer Online Reputation empfehlen wir Ihnen ganz klar ein eigenes Blog. Facebook, Twitter, Google+ und andere soziale Netzwerke sollten zwar Teil Ihres Reputationsaufbaus sein. Doch bei einem eigenen Blog handelt es sich um Ihre Plattform, auf der Sie Ihre eigenen Inhalte präsentieren und Ihr Profil gestalten.

Die Vorteile dieser eigenen Plattform sind vielfältig, doch zwei stechen besonders heraus: Erstens liebt Google Blogs und aktiv gepflegte Webseiten, auf denen regelmäßig neue Inhalte dazukommen. Zweitens unterliegen die erstellen Inhalte - Artikel, Texte, Online Lebenslauf und ähnliches - auf Ihrem Blog auch Ihrer Kontrolle.

Ein Profil in einem sozialen Netzwerk unterliegt hingegen immer den Regeln des Netzwerkbetreibers - und kann, im Extremfall, von heute auf morgen gesperrt oder gelöscht werden.

Wenn schreiben nicht unbedingt Ihrer Stärke ist, spricht das nicht automatisch gegen ein eigenes Blog. Wie Sie ein Blog primär - nicht ausschließlich - über andere Medien gestalten und füllen können, zeigen wir weiter unten im Artikel.

Thema und Konzept: So steigen Sie ein

Ollyy/shutterstock.comIhr erster Schritt auf dem Weg zum eigenen Blog besteht dann darin, sich einen Überblick über die bereits zu Ihren Themen existierenden Blogs zu verschaffen. Eine umfangreiche Recherche kann durchaus Stunden und Tage in Anspruch nehmen. Haben Sie relevante Blogs identifiziert, sollten Sie sich auch in diese einlesen und ein Gefühl für deren Schwerpunkte und Ausrichtung entwickeln.

Diese Eindruck ist wichtig, denn nur so können Sie herausfinden, auf welchen Aspekt und welche Nische Sie sich konzentrieren können und wollen. Natürlich können Sie Ihr Blog auch einem Aspekt widmen, der bereits umfassend behandelt wird. Dann wird es Ihnen jedoch schwer fallen, sich gegenüber den etablierten Blogs zu positionieren.

Im zweiten Schritt sollten Sie dann Ihr Konzept und Ihre Strategie festlegen. Hierbei können Ihnen die folgenden Fragen helfen:

  • Für welches Thema wollen Sie durch Ihr Blog bekannt werden?
  • Welche Botschaft wollen Sie durch Ihr Blog vermitteln? Haben Sie diese schriftlich ausformuliert?
  • Wollen Sie Ihre Leser eher mit vielen kurzen oder wenigen, dafür längeren Artikeln versorgen?
  • Wen wollen Sie mit Ihrem Blog konkret ansprechen und erreichen?
  • Wie können Sie Ihre Themen für Ihre potenzielle Leserschaft interessant gestalten?

Die Bandbreite der Fragen macht deutlich, dass Sie beim Aufbau Ihres Blogs nicht nur Ihre eigenen Interessen, sondern auch die der Leserschaft im Blick behalten sollten. Auch die Entscheidung, ob Sie eher über Quantität oder über Qualität der Artikel wachsen wollen, sollten Sie frühzeitig treffen.

Wir empfehlen Ihnen hier den Schwerpunkt auf Qualität zu legen und dafür eher die Frequenz der Artikel zu reduzieren. Wenn Sie Ihre Reputation aufbauen wollen, sollte diese von hoher Qualität, umfassender Kompetenz und Fachwissen geprägt sein. Quantität ist da oft kontraproduktiv.

Reputation durchs Bloggen: Multimediale Gestaltung ist Trumpf

Shutterstock / DusitIdealerweise ergänzen Sie die Texte Ihres Blogs durch Medien. Das können interessante Infografiken anderer Seiten - Quellenangaben und Verlinkungen verstehen sich von selbst - Youtube-Videos oder Podcasts sein. Wenn schreiben nicht Ihrer Stärke ist, können Sie Ihren Schwerpunkt auch auf mediale Inhalte legen und Texte nur begleitend nutzen.

Im Lauf der Zeit können Sie solche Medien natürlich auch selbst produzieren. Vielleicht ist Ihr Hauptmedium sogar ein Youtube-Kanal oder ein eigener Podcast, den Sie auf dem Blog einbetten und nur mit Begleittext ergänzen. Auch ein Foto-Blog kann sich - bei passenden Themen anbieten.

Entscheidend ist: Wählen Sie Medien, Formate und Kanäle, mit denen Sie sich wirklich wohl fühlen und die Sie auch in einige Monaten noch gerne produzieren wollen.

Bloggen für Fachkräfte und Absolventen: Best Practice Tipps

Haben Sie Ihre Themen und Medien gefunden, sollten Sie mit dem Bloggen beginnen. Das schreibt sich natürlich einfacher, als es tatsächlich getan ist. Damit Ihnen der Einstieg leichter fällt, haben wir abschließend einige Best Practice Tipps aus unserer eigenen, langjährigen Blog-Erfahrung zusammengestellt.

  • Sehen Sie andere Blogs nicht als Konkurrenten, sondern als potenzielle Netzwerkpartner. Nehmen Sie Kontakt auf und gehen Sie offen auf andere Blogger Ihres Themenbereiches zu.
  • Verlinken Sie auch andere Seiten und Artikel, empfehlen Sie lesenswerte Blogs und weisen Sie immer wieder auf gute Artikel hin.
  • Nutzen Sie Beiträge potenzieller Arbeitgeber oder anderer Blogger in Ihrem Bereich als Aufhänger für eigene Artikel. Setzen Sie sich intensiv und fundiert mit dem Inhalt der jeweiligen Artikel auseinander und verlinken Sie diese.
  • Verteilen Sie Ihre Artikel über die sozialen Netzwerke. Ergänzen Sie die Links dabei mit Teaser-Texten, die Lust auf den Artikel machen.
  • Kuratieren Sie in den Netzwerken auch gute Artikel anderer Blogs, schreiben Sie Kommentare auf anderen Seiten - bitte immer mit Themenbezug und ohne Eigenwerbung - und werden Sie Teil der Community.
  • Konzentrieren Sie sich zu Beginn ganz auf Ihre Inhalte und stehen Sie sich nicht durch zu viele SEO-Überlegungen selbst im Weg. Suchmaschinenoptimierung ist wichtig, doch Ihre Inhalte sollten immer im Fokus stehen.
  • Antworten Sie auf Kommentare, nehmen Sie konstruktives Feedback auf - Sie dürfen sich dafür auch bedanken - und nutzen Sie Anregungen als Artikel-Aufhänger und Themeninspiration.

Reputationsaufbau für vielbeschäftigte Fachkräfte

Champion studio/shutterstock.com Eines haben alle bisher vorgestellten Strategien und Ansätze gemeinsam: Sie nehmen einiges an Zeit in Anspruch. Das gilt zwar grundsätzlich für den Reputationsaufbau, on- wie offline, doch wenn Sie nur wenig Zeit für Ihre Online Reputation aufbringen können, diese jedoch trotzdem ernst nehmen, können Sie den Prozess auch minimalistisch angehen.

Das Fundament dafür ist eine strukturierte Redaktionsplanung und eine klare Zeiteinteilung, die Sie konsequent umsetzen. Aus unserem Muster-Redaktionsplan - Sie sehen ihn unten und können ihn auch als PDF herunterladen - können Sie ablesen, dass die notwendige Kommunikation gar nicht so aufwändig ist, wie sie im ersten Augenblick wirken mag. Die meisten Zeit werden bei diesem Ansatz sicherlich die Recherche nach geeigneten Quellen und die Formulierung der Kommentare und Artikel in Anspruch nehmen. Doch hier können Sie sich ebenfalls Unterstützung holen.

Redaktionsplan Fachkräfte

Auch wenn wir von der Karrierebibel-Redaktion nicht unbedingt Fan von Ghostwritern sind, kann genau diese Dienstleistung für vielbeschäftigte Fachkräfte sinnvoll sein. Um es deutlich zu sagen: Wollen Sie sinnvoll und effektiv mit einem Ghostwirter zusammenarbeiten, werden Sie dennoch Zeit investieren müssen. Sicher kann er ihnen viel Arbeit bei der Erstellung von Artikeln und der Auswahl von kuratierten Inhalten abnehmen, doch um eine Endkorrektur und die Überarbeitung mit Ihrer persönlichen Note werden Sie nicht herumkommen.

Ein Ghostwriter kann Ihnen zudem nur den Textteil abnehmen. Videos oder Podcasts müssen Sie nach wie vor selbst produzieren. All das kostet Zeit, spielt sich nach und nach jedoch ein. Bauen Sie Ihren Redaktionsplan beispielsweise anhand unserer Musters auf und arbeiten Sie mit einem Ghostwriter zusammen, sollten Sie einen kollaborativen Dienst wie Evernote oder Google Drive nutzen, um gemeinsam am Redaktionsplan arbeiten zu können.

Damit der Reputationsaufbau langfristig funktioniert, sollten Sie außerdem...

  • ... klare zeitliche und organisatorische Regelungen treffen.
  • ... sich selbst feste Zeiten für Recherche und Vorbereitung einplanen.
  • ... sich immer wieder selbst googlen und aktives Monitoring betreiben.
  • ... auf Kommentare zu Ihren Artikeln eingehen und sich mindestens zehn Minuten am Tag für Kommentarmoderation und -beantwortung einplanen.

All das kostet Zeit, Arbeit und Geld, ja. Doch mit einem solchen System können Sie auch als vielbeschäftigte Fachkraft Ihre Reputation Schritt für Schritt aufbauen. Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg.

[Bildnachweis: Sergey Nivens, Ollyy, Dusit, Champion studio by Shutterstock.com]