Ein Gastbeitrag von Jasmin Günther

Wie finde ich den Job, der zu mir passt? Die Frage stellt sich meistens dann, wenn unsere beruflichen Pläne in irgendeiner Weise von den ursprünglichen Vorstellungen und Zielen abgewichen sind. Erst kürzlich ermittelte der Global Workforce Index, dass mehr als zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer ihren Job in den nächsten fünf Jahren verändern und sich neu orientieren möchten.

Für jeden gibt es den passenden Job

Wie im deutschen Straßennetz so gibt es auch im Berufsleben viele Möglichkeiten zum Ziel zu kommen. Der wichtigste Helfer dabei: unser inneres Navigationssystem. Ob bewusst oder unbewusst – es hilft uns dabei, an der nächsten Kreuzung rechts abzubiegen oder im Kreisverkehr die richtige Ausfahrt zu nehmen und lotst uns so auf dem schnellsten Weg zum Ziel.

Auch der Arbeitsplatz, der zu uns passt, spiegelt unsere Interessen und Neigungen wider. Wenn jemand gerne langsam fährt und sich dabei die Landschaft ansehen möchte, wird er sich kaum mit 200 Sachen auf der Autobahn aufhalten wollen. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Jeder entscheidet selbst, wie er sein Ziel erreichen will. Und genau dasselbe gilt für die Auswahl des Arbeitsplatzes: Es gibt für jeden den passenden Job und Weg dorthin.

Vorausgesetzt natürlich – und um im Bild zu bleiben – wir haben den Navi vorher richtig programmiert. Haben ihm erklärt, dass wir lieber Autobahn oder doch nur auf Landstrassen fahren möchten und vor allem: Wir kennen das Ziel.

Wissen, was man will

Sein Ziel zu kennen, ist das A und O bei der Berufswahl. Alles andere führt nur zu suboptimalen Ergebnissen. Das bedeutet, dass Sie Ihr Ziel, ebenso wie die Zwischenetappen, klar vor Augen haben sollten. Jeder Karriereschritt ist im Fahrverlauf der Karte bekannt und Sie sind damit auch zufrieden. Das bedeutet freilich nicht, dass Sie im Job alles minutiös vorplanen müssen. Oft kommt es anders, als man denkt. Aber Sie sind es, der die grobe Route steckt – und damit auch weiß, falls mal eine Straße gesperrt ist, wie man die Hürde umgehen kann, ohne von der Strecke abzuweichen.

Im Gegenzug ist daher genauso wichtig zu wissen, was man nicht will. Vor allem, um sich klare Grenzen zu setzen. Persönliche Abneigungen und Befürchtungen sollten Ihnen bewusst sein, um im Zweifel auch Stellen ablehnen zu können, die eben nicht passen und letztlich nur unglücklich machen würden.

Der passende Beruf auf diese Weise gefunden, verschafft er Befriedigung und Zufriedenheit. Er wird gelebt und ist in vielen Fällen ein Spiegel der Persönlichkeit. Dazu ist wichtig, dass es auch genügend Gelegenheiten gibt, individuelle Stärken auszuleben. Der Job soll Spaß bringen und gleichzeitig Erfolg. Ständige Herausforderungen und Selbstverwirklichung müssen selbstverständlich sein. Achten Sie darauf – Sie kennen schließlich Ihren Wert und stehen jetzt mit beiden Beinen fest auf dem Boden und auf Ihrem Weg.

Hilfe gegen Orientierungslosigkeit

Soweit die Theorie. Trotzdem ist es natürlich möglich, dass Sie sich mit Ihrer aktuellen oder künftigen Tätigkeit nicht wohlfühlen. Das kann daran liegen, dass es mit dem inneren Navigationssystem Schwierigkeiten gibt. Vielleicht haben Sie versehentlich die falsche Ausfahrt genommen oder sind in einer Sackgasse gelandet. Auch Staus können immer wieder vorkommen, damit muss man leben. Und manchmal hat es ja auch sein Gutes, sich entspannt zurückzulehnen und zu warten, bis sich die Fahrzeugkolonne aufgelöst hat, um anschließend zum gewählten Tempo zurückzukommen.

Der schlimmste Fall wäre jedoch: Sie haben Ihr Ziel aus den Augen verloren, kämpfen sich nur noch von Feierabend zu Feierabend, von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub und warten auf die Rente. Eine schreckliche Vorstellung – bei vielen aber leider tägliche Realität.

Ursache dafür ist aber eben gar nicht mal so sehr der Job. Vielmehr ist es die unbewusste Orientierungslosigkeit, die Unzufriedenheit, Langeweile und häufige Frustrationen schürt. Und dagegen hilft nur eines: Überdenken Sie Ihre beruflichen Ziele erneut und passen Sie diese gegebenenfalls an.

Bevor Sie damit anfangen, sollten Sie sich allerdings zunächst auf Spurensuche begeben und überlegen, welche Vorstellungen Sie über das Leben beziehungsweise die berufliche Zukunft haben. Orientieren Sie sich hierbei ruhig auch an Menschen, die genau wissen, was sie wollen. Das bedeutet nicht, andere zu imitieren, im Gegenteil: Jeder sollte seine Individualität ausleben. Aber die Vorgehensweise dafür – die lässt sich von erfolgreichen Vorbildern abschauen.

Dazu bietet sich an – wie auf der Straße auch – kurz rechts ranzufahren oder das Tempo zu drosseln und in Ruhe über das nachzudenken, was man will (ohne dabei andere zu behindern). Hilfreich ist es, sich dazu folgende Fragen zu stellen:

  • Warum bin ich mit meinem Job unzufrieden? Das können Kleinigkeiten oder auch grundlegende Dinge sein. Machen Sie sich diese bewusst und überlegen Sie, wie eine Änderung herbeigeführt werden kann.
  • Sind meine (beruflichen) Entscheidungen auch wirklich meine Entscheidungen? Wenn Unzufriedenheit, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit daraus resultieren, weil Sie den Wünschen anderer entsprochen haben (beispielsweise Eltern, Lehrer, Partner, Freunde oder Kollegen), wird es Zeit, selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen.
  • Wenn ich mir einen Job selbst zusammenstellen könnte, wie würde der aussehen? Versuchen Sie es mit einem Brainstorming. Schreiben Sie alles auf und sei es auch noch so abwegig. Wichtig ist dabei, im Auge zu behalten, was Ihnen Spaß macht und persönliche Zufriedenheit bringt. Kreieren Sie sich Ihren eigenen Job und bitte vergessen Sie dabei nicht, Ihre Interessen und Vorlieben, Ihre Ansprüche und Bedürfnisse vollständig aufzunehmen. Ist alles notiert, macht es Sinn, Überpunkte zu benennen und eine Priorisierung vorzunehmen. Überdenken und passen Sie Ihre Liste immer wieder an bis ersichtlich wird, wohin die Richtung geht und Sie damit zufrieden sind.
  • Wer kann mir bei meiner Entscheidung behilflich sein? Sich Erfahrungen und Informationen aus der Praxis einzuholen, ist ratsam. Vor allem wenn es darum geht, eventuell vorhandene Bedenken auszuräumen. Sie vermeiden damit die Katze im Sack zu kaufen. Dabei sollten Sie unbedingt auf Objektivität achten. Denn es geht um Ihre Angelegenheit, Ihr berufliches Ziel, das heißt um die Sache – nicht um Befindlichkeiten anderer. Am Ende stehen Sie für Ihre Handlungen (und Ihre Unzufriedenheit) in der Verantwortung.
  • Kann ich mir diesen Job vorstellen „bis dass der Tod uns scheidet“? Nichts ist für die Ewigkeit. Dennoch sollte man sich gut fühlen mit seiner Entscheidung. Sollte es anders sein, überdenken Sie bitte Ihre Liste. Wir heiraten in Deutschland auch in der Vorstellung, dass wir unser gesamtes Leben mit unserem Partner verbringen. Vergessen Sie nicht: Mit Ihrem Job verbringen Sie in der Regel mehr Zeit.
  • Bekomme ich aus jetziger Sicht am Ende das, was ich will? Die Entscheidung ist fast getroffen. An diesem Punkt lohnt sich ein nochmaliger Abgleich. Bauch und Kopf einer Meinung? Gut! Dann kommen wir zur Umsetzung.
  • Wie erreiche ich mein Ziel und wie viel Zeit räume ich mir dafür ein? Sie wissen nun, was Sie machen möchten und in welche Richtung es geht. Jetzt geht es an das Umsetzen im Einzelnen und die Zeit, in der dies passieren soll. Hierbei ist wichtig, sich nicht zu über- beziehungsweise zu unterfordern. Gehen Sie einen Schritt nach dem anderen, sonst verlieren Sie entweder den Spaß oder sind bald nur noch frustriert.

Kurskorrekturen kommen immer wieder

All dies ist jedoch kein einmaliger Prozess. Solche Orientierungsphasen kommen im Leben immer wieder. Man könnte Sie auch als Kurskorrekturzeiten bezeichnen: einschneidende Ereignisse und Einbrüche, wie ein unerwarteter Jobverlust, eine Krankheit, die das Leben komplett verändert, oder eine klassische Midlife-Crisis – all das kann dafür sorgen, dass wir in ein Loch fallen und uns neu ausrichten müssen. Das kann aber jedes Mal auch eine Chance sein, vielleicht ein noch schöneres Ziel zu entdecken. Vorausgesetzt, Sie nutzen die Gelegenheit, Ihr neues Ziel zu identifizieren und das Navigationssystem wieder neu zu kalibrieren.


Über die Autorin

Jasmin Günther, Jahrgang 1979, hat Psychologie und Soziologie mit Schwerpunkt Arbeit und Organisation studiert und ist seit sieben Jahren im operativen Personalgeschäft tätig. Seit 2011 bietet sie außerdem Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung sowie Coachings an.