Die Patchwork-Karriere ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Arbeitnehmer switchen Jobs, nehmen sich eine Auszeit, fangen ganz von vorne an. Dazu tragen viele verschiedene Faktoren bei, befristete Verträge zum Beispiel. Ist ein Patchwork-Lebenslauf ein Nachteil, wenn man auf Stellensuche ist? Nicht, wenn man ihn richtig einsetzt...

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Patchwork-Lebenslauf: Was ist das?

Die Patchwork-Familie hat es längst zu landesweiter Anerkennung gebracht. Die Patchwork-Karriere nicht wirklich. Noch nicht.

Patchwork-Karriere meint zunächst eine Berufslaufbahn mit Lücken und Brüchen. Eine, die eben einem Flickentepich ähnelt. Patchwork-Lebensläufe gewinnen eindeutig an Relevanz.

Das spiegelt sich auch in der Politik wieder. Man nehme zum Beispiel die Forderung von Kanzlerkandidat Martin Schulz nach einem sogenannten Chancenkonto. Jedem Beschäftigten solle eines mit 20.000 Euro eingerichtet werden, um damit während der Erwerbslaufbahn Weiterbildungen zu finanzieren. Der Gedanke dahinter: Weil Lebensläufe weniger planbar, Branchen- und Stellenwechsel zur Norm werden, müssen sich Arbeitnehmer permanent weiterbilden.

Insbesondere die Digitalisierung wird das - möglicherweise - erforderlich machen. Wenn mehr und mehr Jobs an Roboter und Maschinen fallen, gehen Arbeitsplätze verloren - oder sie wandeln sich. Die Menschen müssen neue Fähigkeiten erlernen, um Schritt zu halten und um die neuen Stellen adäquat besetzen zu können. Wenn die Zukunftsforscher Recht haben, dann wird die Digitalisierung das Phänomen der Patchwork-Karrieren schon in den kommenden Jahren massiv vorantreiben.

Sie gibt es aber natürlich schon heute. Beispiele für Patchwork-Karrieren sind:

  • Ein Studienabbrecher, der ein Startup gründet, das pleite geht, woraufhin er eine Festananstellung antritt.
  • Eine Managerin, die Mutter wird und ihre Karriere unterbricht, um nach längerer Erziehungszeit ihr eigenes Unternehmen zu gründen.
  • Ein Uni-Absolvent, der eine befristete Stelle antritt, die nicht verlängert wird, woraufhin er eine andere befristete Stelle antritt, die nicht verlängert wird, woraufhin er eine andere befristete Stelle antritt, die er von sich aus verlässt.

Patchwork-Karriere: Das zeichnet sie aus

Die Beispiele zeigen schon: Patchwork-Karrieren sind höchst individuell, einzigartig. Das ist quasi ihr Wesenskern. Man kann sie wie eine Lego-Spielewelt aus Abertausenden einzelner Bausteine zusammensetzen.

Schließlich gibt es auch eine ganze Reihe an Gründen, Trends, Faktoren, die einen Patchwork-Lebenslauf begünstigen. Zum Beispiel:

Beispiel Befristung: Nach Angaben der Bundesregierung haben mittlerweile 2,8 Millionen Menschen einen befristeten Job. Vor allem junge Berufseinsteiger werden gerne mit befristeten Verträgen ausgestattet.

Oder nehmen wir das Studium: Jeder Dritte bricht es in Deutschland in der Frühphase ab. Als Hauptgrund nennt die Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) "unbewältigte Leistungsanforderungen" und mangelnde Motivation.

Und auch der Arbeitgeber fürs Leben wird seltener. Zwar gibt es ihn noch im Industrieland Deutschland, aber wie lange noch? In vielen Dienstleistungs-Jobs kann man schon heute nur mit Status-Upgrades und Gehalts-Sprüngen rechnen, wenn man den Arbeitgeber wechselt.

Aber: Viele der genannten Aspekte sind grundsätzlich negativ konnotiert. Ein Ausbildungsabbruch zum Beispiel wirft als Erstes einen Verdacht auf: Was hat er oder sie falsch gemacht? Wer von Job zu Job springt, muss sich die Frage gefallen lassen: Was stimmt mit Ihnen nicht?

Allerdings wird nicht jeder Bruch im Lebenslauf gleich negativ bewertet. Ein Ausbildungsabbruch könnte man noch als Jugendsünde verkaufen, bei einer längeren Arbeitslosigkeit hingegen wird es schon kritischer.

Was spricht für und gegen eine Patchwork-Karriere? Das sind die wichtigsten Vor- und Nachteile...

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Patchwork-Karriere: Das sind die Vorteile

  • Abwechslung

    Patchwork-Karriere: Das sind die VorteileNeugier ist eine unterschätzte Erfolgseigenschaft. Auch Neugier auf neue Unternehmen, Kollegen, Tätigkeiten. Ein Patchwork-Lebenslauf drückt Neugier aus. Ein dicker Pluspunkt! Und: Wer aus Neugier Branchen wechselt und den Arbeitgeber switcht, erntet im Berufsalltag Abwechslung. Das ist deutlich angenehmer als Monotonie.

    Allerdings gilt diese Weisheit natürlich nicht immer. Manche Patchwork-Karrieren sind schlicht aus der Not heraus geboren, Ahnungslosigkeit oder Zufällen entsprungen. Aber selbst wenn, müssen Sie das dem Jobinterviewer ja nicht auf die Nase binden...


  • Interdisziplinarität

    Unternehmen erwarten heute von ihren Beschäftigten eine interdisziplinäre Denke, speziell von Führungskräften. Der Top-Manager eines Industriebetriebs sollte technisches Verständnis mitbringen, mit Zahlen umgehen können, auch über soziale Kompetenzen verfügen, sich in die Kunden hineinversetzen können. Dem trägt auch die wachsende Zahl interdisziplinärer Studiengänge Rechnung, sei es Wirtschaftsinformatik oder Ingenieurinformatik.

    Bedeutet: Wer verschiedene Kompetenzen vereint, erhöht seine Erfolgsaussichten. Eine Patchwork-Karriere begünstigt fachübergreifende Kompetenz.


  • Persönlichkeitsentwicklung

    "Wir wollen nicht nur glatte Lebensläufe, nicht nur Überflieger." Ein Satz, den man von Personalern durchaus häufig zu hören bekommt. Kandidaten mit Ecken und Kanten also, Kandidaten mit Brüchen.

    Ein Sabbatical kann den Horizont erweitern. Kinder (und Elternzeit) stehen für Verantwortung, die man zu übernehmen bereit ist. Eine gescheiterte Firmengründung für Mut und Courage. Aus Patchwork-Lebensläufen kann man solche Dinge oftmals herauslesen.

Patchwork-Karriere: Das sind die Nachteile

  • Reife

    Patchwork-Karriere: Das sind die NachteileDie Wahrheit ist: Unternehmen bevorzugen Kandidaten, die Sie einschätzen können. Patchwork-Kandidaten bringen oft eine Spur Unberechenbarkeit mit - das birgt Risiken. Man könnte ja meinen, ein Jobhopper könnte sich nicht entscheiden, sei unreif, hätte keinen Plan und keine Peilung. Und dass er unzuverlässig sei, nirgendwo lange durchhalte und keinen Ehrgeiz besäße.

    Böse Zungen könnten sogar sagen: Patchworker sind Träumer und Spinner, die sich für nichts richtig interessieren und keine Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen können. Wenn Ihnen der Personaler derlei im Jobinterview an den Kopf wirft, müssen Sie argumentativ stark sein und Ihre Entscheidungen begründen können.


  • Fachwissen

    Die 10.000-Stunden-Regel besagt: Man muss 10.000 Stunden harte Arbeit aufbringen, um auf seinem Fachgebiet zum Könner aufzusteigen.

    Daher das Argument gegen Patchwork-Lebensläufe: Wer ständig vom einen aufs andere Pferd umsattelt, reitet keines von beiden richtig ein. Wer Schachweltmeister werden will, spielt nicht ständig Mensch ärgere dich nicht. Wenn sie eine Koryphäe werden wollen, müssen Sie sich in Ihr Fach verbeißen.

    Aber als kleine Einschränkung: Auch Spezialisten profitieren natürlich vom Seitenblick. Beispiel: Fußball-Profis, die nebenbei Tennis spielen und Hockey-Taktiken studieren. Das macht beweglich, körperlich und geistig.

Bewerbung mit Patchwork-Lebenslauf: 4 Tipps

Sie haben also nun einen Patchwork-Lebenslauf, mit dem Sie auf Jobsuche gehen. Was sollten Sie beachten? Hier einige Anregungen:

  1. Stärken

    Die Stärken betonen, die Schwächen nicht. Beispiel Elternzeit: In dieser Zeit haben Sie in erster Linie wertvolle Sozialkompetenzen erworben, die Ihnen auch im Job nützlich sind. Sie haben Verantwortung übernehmen - genau das verlangen Arbeitgeber doch von ihren Mitarbeitern, oder etwa nicht? Dass Sie parallel fachlich nicht immer auf dem neuesten Stand geblieben sind, binden Sie dem Interviewer dagegen nicht auf die Nase.


  2. Antizipation

    Ihre Kompetenzen müssen mit den Anforderungen des Unternehmens deckungsgleich sein. Dabei spielt es keine so große Rolle, wie sie diese erworben haben. Wenn Sie Stelle, Position oder Branche wechseln wollen, dann denken Sie ein Stück weit strategisch: Welche Fähigkeiten werden in Zukunft benötigt? Was wird wichtig? Inwiefern verbessert der Job- oder Branchenwechsel meine Perspektive?


  3. Argumente

    "Ich hatte Lust auf etwas Neues." "Ich will immer alles Mögliche ausprobieren." "Der alte Job hat mir keinen Spaß mehr gemacht." Solche Sprüche überzeugen einen potenziellen Arbeitgeber selbstverständlich nicht. Sie müssen die Brüche, Wechsel und Lücken argumentativ sauber untermauern.


  4. Auswahl

    Manche Patchworker haben zwar einen bunten Strauß an Arbeitgebern gesammelt. Das heißt aber nicht, dass sie sich auch querbeet bei allen und jedem bewerben. Treffen Sie im Rahmen Ihrer Jobsuche eine feine Vorauswahl, was Stellen, Positionen und Unternehmen angeht. Für wen bietet sich mein Kompetenzprofil an? Wo gibt es ein Match? Bei wem ergibt eine Bewerbung Sinn?

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