Manche Menschen wünschen sich, ihre Probleme wären lösbar wie Nescafé in heißem Wasser. Als Berufseinsteiger haben sie sich gewünscht, möglichst sofort Verantwortung zu übernehmen – für ein Projekt, für ein Budget, für Menschen –, weil mit mehr Verantwortung oft auch mehr Einfluss und mehr Freiheit einher geht (Gehalt natürlich auch). Dann mit Ende 30 haben sie tatsächlich mehr Verantwortung, Freiheit und Einfluss und merken, dass das Trio ihre Probleme auch nicht löst. Vielleicht hat das Unternehmen, für das sie arbeiten, gerade Insolvenz angemeldet oder wurde von einem anderen Konzern geschluckt. Abteilungen fallen weg, Kosten müssen reduziert werden, der ganze Laden wird von Grund auf umstrukturiert. So schnell wie sie Verantwortung übernommen haben, so schnell wird sie ihnen auch wieder entrissen. Womöglich ist der ganze Arbeitsplatz gefährdet. Und doch suchen sie noch immer nach eine Instantlösung für derlei Probleme. Erfolg aus der Tüte: Man nehme ein bisschen Maggi…

Sorry, aber das ist für die Tonne. Dahinter steckt ein tückischer Denkfehler: Einfluss ist keine Folge von Verantwortung, so wie Erfolg keinem Schicksal folgt. Er ist die Folge von wahrgenommener Verantwortung.

Viele meinen, Verantwortung wird ausschließlich übertragen und verdient – durch eine gute Ausbildung, durch Leistung. Soweit ist das richtig und trifft auf viele Unternehmen zweifellos auch zu. Doch die weitaus wichtigere Verantwortung vergessen sie dabei: die für sich selbst.

Jeder hat eine Wahl. Jederzeit

Jeder Mensch, der bei klarem Verstand ist, ist für sein Leben selbst verantwortlich. Schon immer gewesen. Diese Verantwortung wird weder übertragen, noch kann sie einem entzogen werden. Aber sie schließt auch den Berufsweg ein. Hierbei kann sich jeder bewusst entscheiden: Ob er bei einem bestimmten Unternehmen anheuert oder nicht; ob er eine neue Aufgabe übernehmen will oder nicht; ob er sich einen anderen Job sucht oder nicht. Jeder hat eine Wahl. Jederzeit.

Viele treffen bloß keine Wahl, weil ihnen die Konsequenzen zu unbequem sind. Oder zu ungewiss. Oder weil das Grübeln und Abwägen ihnen zu anstrengend ist. Vielleicht haben sie schon lange gespürt, dass mit ihrem Unternehmen etwas nicht stimmt. Haben gespürt, wie die Jobs immer wackliger wurden oder sie selbst immer unzufriedener, wie ihnen die Arbeit immer weniger Spaß machte und ihr Einfluss schwand. Aber sie haben nichts dagegen unternommen. Dabei hätten sie rechtzeitig damit beginnen können, ein Netzwerk aufzubauen, Kontakte zu knüpfen, sich weiterzubilden und den Arbeitsmarkt nach Alternativen zu sondieren.

Sie hätten sogar den Absprung ins Ungewisse oder in die Selbstständigkeit wagen können. Haben sie aber nicht. So haben andere für sie entschieden. Nur: Die Verantwortung dafür tragen weiterhin sie selbst – nur eben jetzt für die Folgen.

Keine Entscheidung zu treffen und passiv zu bleiben, ist auch eine Entscheidung!

Love it, leave it or change it

Diese Einsicht ist vielleicht nicht bequem. Sie klingt ein wenig abgedroschen, leichter gesagt als getan. Zugegeben. Trotzdem bleibt sie wahr – und erstaunlich selten umgesetzt. Dabei ist das Entscheiden essenziell für den beruflichen Erfolg. „Glück ist keine Glückssache“, schreibt auch der Managerberater Reinhard Sprenger immer wieder in seinen Büchern. Vielmehr sei Glück das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln.

Natürlich braucht es dazu Mut und eine gehörige Portion Selbstvertrauen, wovon nicht jeder gleich viel besitzt. Aber das ist keine Entschuldigung: Beides lässt sich in gewissem Maß lernen. Und Unsicherheiten gehören zum Leben nun mal dazu. Sicher ist dagegen, was bei Problemen nicht hilft: Jammern und abwarten, dass die Dinge besser werden. Ändern Sie es selbst oder leben sie damit!

So rigoros das klingt – eine Grauzone gibt es nicht.