Wissen Sie schon, wie Sie Ihre heutige Mittagspause verbringen werden? Oder ist die mal wieder gegessen? Sie wären damit keine Ausnahme: Fast ein Drittel (30 Prozent) der Beschäftigten ist bereit, auf die Mittagspause zu verzichten oder isst was Schnelles während der Arbeit. Manche schlingen auch nur einfach etwas herunter: Rund 18 Prozent verlassen dazu ihren Schreibtisch für immerhin eine Viertelstunde. Und ein weiteres Drittel (34 Prozent) nimmt sich zur Nahrungsaufnahme mindestens 30 bis 45 Minuten Zeit. Lediglich 18 Prozent gönnen sich eine ganze Stunde Mittagspause zur Erholung, so das Ergebnis Monster-Umfrage unter mehr als 10.000 Arbeitnehmern.

Im internationalen Vergleich sieht das übrigens nicht viel besser aus: In Großbritannien scheinen die Arbeitnehmer am stärksten unter Zeitdruck zu stehen: Hier macht fast die Hälfte (45 Prozent) gar keine Mittagspause. In den USA sind es noch ganze 38 Prozent, dicht gefolgt von Kanada mit 32 Prozent.

Ganz anders sieht das in Schweden aus: Vergleichsweise geringe elf Prozent essen hier während der Arbeit oder lassen die Pause entfallen. Knapp die Hälfte der Schweden nimmt sich 30 bis 45 Minuten Zeit zum Essen. Auch 23 Prozent der Spanier nehmen sich gern eine ganze Stunde Zeit für ihre Siesta.

Der Obelix-Effekt

Mittagspausen sind ohnehin mehr als Bewegungstherapie und Frischzellenzufuhr: Sie sind ein soziales Happening. Wenn Sie denken, die Mittagspause allein am Schreibtisch zu verbringen – entweder weil Sie schmollen oder weil Sie ach so viel zu tun haben –, würde Ihr Image als besonders engagierter und fleißiger Mitarbeiter verbessern, dann liegen Sie falsch. Aber so richtig. Im Büro zu essen, mag zwar billiger sein, trotzdem kostet es: Gesundheit, Freude und Freunde. Karrierechancen sowieso.

„Wer geht mit?“, ist vielleicht die häufigste Frage mittags um halbeins in Deutschland. Und vielleicht ist es auch eine der frustrierendsten Erfahrungen, wenn man selbst nie gefragt wird, ob man mitkommen und mitessen will. Obelix-Effekt heißt das im Psychojargon. Regelmäßig muss der dicke Gallier neidvoll zuschauen, wie seine Freunde beim Zaubertrank-Ausschank zusammenkommen – nur er darf nicht. Wahrscheinlich hat das jeder schon einmal erlebt und sich anschließend über den gemeinen Ausschluss und den damit empfundenen Statusverlust auf der Beliebtheitsskala geärgert.

Wer speist mit wem? Wer wird mittags umworben? Wer unterhält die Gruppe? Wer wird beklatscht? Wer darf zu spät kommen – und trotzdem warten alle huldvoll auf ihn? All das sind untrügliche Indizien für die Rangordnung im Bürogehege, vom Alpha-Tier bis zum Tetra-Pack. Rein mikropolitisch betrachtet, ist das ein völlig normales Ränkespiel. Eines, an dem man aber auch schlecht vorbei kommt.

Die Erfahrung lehrt, wer zwischen Tastatur und Tacker seine Tupperdose auspackt, sieht irgendwie uncool aus. Und, glauben Sie mir, sollte der Chef jetzt zufällig ins Büro stürmen, lässt Sie das das Klappbrot im Mundwinkel auch nicht souverän wirken.

Mal ehrlich: Wenn Sie an jemanden denken, der vor seinem Schreibtisch in eine Leberwurststulle beißt und dabei in eine bunte Plastikbox schaut, sehen Sie dann vor sich den dynamischen Aufsteiger, einen allseits beliebten wie gefragten Kollegen, der nächstes Jahr die Verantwortung für 300 Mitarbeiter bekommt oder den phlegmatischen Pullunderträger? Eben.

Solche Bilder brennen sich unweigerlich in die Netzhaut der Kollegen, sie haben sie hundert Mal in Filmen gesehen und deswegen prägen sie irgendwann auch Ihr Image. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist völlig okay, sich sein Essen ins Büro mitzubringen oder auch mal ein Office-Lunch zu zelebrieren. Aber was, wo und mit wem Sie essen, übermittelt immer auch eine subtile Botschaft, wer Sie sind und wer Sie sein könnten. Und belegtes Brot an Tupperdose ist nun mal nicht das Bild für Engagement und Erfolg.

Dasselbe gilt übrigens auch für Pizza, eine Fünf-Minuten-Terrine oder Currywurst mit Pommes Schranke. Pizza und Pommes verbieten sich freilich noch aus einem anderen Grund: Sie miefen. Und die Kollegen finden es sicher gar nicht dufte, derlei Dünste nach der Mittagspause zu inhalieren.

Wenn Sie sich also schon Essen ins Büro bestellen, dann vielleicht eher so etwas wie Sushi. Das verströmt zumindest die Aura von Weltoffenheit, Kreativität – und Wasabi. Die zweite Subbotschaft von Selbstgemachtem (oder Selbstbestelltem) ist fast noch schädlicher: Wer sich sein Essen ins Büro mitbringt, isoliert sich freiwillig. Indirekt sagt er: „Ihr braucht mich erst gar nicht zu fragen, ob ich mitkomme. Ich hab schon alles, was ich brauche.“ Riesenfehler!

Alleine essen ist wie Masturbation – man ist zwar hinterher entspannt, so recht befriedigt aber nicht.

Es fehlt der soziale Kontakt. Zudem verpassen Sie so zahllose Gelegenheiten, neue Kontakte zu knüpfen oder alte zu vertiefen. Sie könnten in der Mittagspause zum Beispiel Kunden näher kennenlernen oder herausfinden, wie Sie in Zukunft besser zusammenarbeiten. Oder Sie verabreden sich mit Kollegen, mit denen Sie sonst nicht viel zu tun haben. So lernen Sie das Unternehmen besser kennen und erfahren womöglich eine wichtige Sache, die Ihnen im Job weiterhilft.

Sehen Sie das Mittagessen doch mal als Investition: Es kostet Sie maximal 90 Minuten, dafür erhalten Sie ein wachsendes und immer festeres Netzwerk, gewinnen womöglich neue Einsichten und Freunde. Vermeiden Sie aber bitte trotzdem, ständig über Geschäftliches zu reden. So schalten Sie nicht ab – und langweilen Ihr Gegenüber.

In ein kulinarisches Meeting mit Externen sollten Sie jedoch immer vorbereitet gehen. Dazu gehört eine Portion Smalltalk genauso wie eine Prise Selbstpräsentation. Falls Sie mit demjenigen, mit dem Sie die Pause teilen, schon öfter zu tun hatten, sorgt es für zusätzlichen Pep, wenn Sie an ein paar Details der vergangenen Gespräche anknüpfen – und sei es nur, dass Sie sich (namentlich!) nach den Kindern erkundigen.

Und falls Sie sich diese Dinge nicht merken können, dann fragen Sie wenigstens. So vermitteln Sie zumindest Interesse an der Person – und das schmeichelt jedem. Achten Sie bei der Bestellung außerdem darauf, dass Sie weder zu große Portionen noch komplizierte Speisen ordern. Bei einem solchen Businesslunch geht es nicht vorrangig darum, bis zum Abend satt zu bleiben, sondern um Konversation und Kontaktpflege.