2 von Jochen Mai am 13. Juli 2007 → Artikel in Büro

Pechfreitag – Warum Freitag der 13. doch ein schlechter Tag ist

Heute ist Freitag der 13. Ein Unglückstag. Hochzeit für Pleiten, Pech und Pannen. Das glauben erstaunlich viele – vor allem jene, die an Paraskavedekatriaphobie leiden, der krankhaften Angst vor Freitag dem Dreizehnten.

Nicht, dass ich mich über Menschen mit ernsthaften Ängsten lustig machen wollte: Aber das ist grober Unfug. An einem Freitag dem 13. geschehen nicht mehr Unfälle als an allen anderen Tagen, sagt zum Beispiel Edgar Wunder (.pdf), der das wissenschaftlich untersucht hat. Es ist ein Aberglaube, ein Produkt der Moderne – allerdings eines, das tatsächlich Schaden verursacht.

Den Status des Pechtages erhielt Freitag der Dreizehnte erst im 20. Jahrhundert. Entstanden ist er aus der Kombination der Zahl 13, die schon seit jeher als Unglücksbote galt. Und der christlichen Tradition: Weil Jesus der Überlieferung nach an einem Freitag gekreuzigt wurde, gilt dieser Tag vielen zumindest als suspekt. Zum Aberglauben avancierte das Datum auch durch den sogenannten Schwarzen Freitag. Einer der größten Zusammenbrüche der Börsengeschichte wurde zwar bereits an einem Donnerstag eingeleitet. Weil es da aber durch die Zeitverschiebung in Europa schon Freitag, der 25. Oktober 1929 war, brannte sich dieses Datum in das kollektive Bewusstsein ein. Zudem erinnerten sich die Leute an den 13. Mai 1927: Rund zwei Jahre zuvor kam es an diesem Freitag an den deutschen Effektenbörsen zu starken Kursverlusten. In Deutschland taucht das kombinatorische Unglücksdatum „Freitag der 13.“ nachweisbar allerdings erst nach dem zweiten Weltkrieg auf – als kultureller Import aus den USA. Dort entstanden zahlreiche Filme mit dem Pechtag im Titel, zwei davon bereits vor 1920 (1911 von Charles Battell Loomis, 1916 von Emile Chautard).

Allerdings muss man einräumen, dass der Tag nicht überall auf der Welt als Desasterdatum gefürchtet wird. In Spanien, Griechenland und Lateinamerika graut den Menschen vielmehr vor Dienstagen, die auf den 13. eines Monats fallen; die Italiener wiederum bangen vor Freitag, dem 17. Woran man freilich auch sieht: Mit Glück oder Pech hat das alles nichts zu tun – das Datum ist völlig willkürlich gewählt.

Jedoch ist der Aberglaube inzwischen so weit verbreitet, dass manche Hotels keine Zimmer mit der Nummer 13 haben oder gar diese Etage überspringen und gleich mit dem 14. Stock weitermachen. Ebenso verzichten einige Fluggesellschaften auf die 13. Sitzreihe. Denn Aberglaube ist ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor: Viele Leute würden an einem Freitag den Dreizehnten nie in den Urlaub oder zu Geschäftspartnern fliegen – zum Leidwesen der Fluglinien. Etwa eine Milliarde Dollar soll allein der US-Wirtschaft an jedem solchen Freitag durch die Lappen gehen, weil die Menschen nicht fliegen wollen oder keine Verträge abschließen wollen. Das ist zumindest das Ergebnis von Untersuchungen des Stress Management Centers and Phobia Institute in Ashville, das die wirtschaftlichen Auswirkungen von eben diesen Freitagen erforscht haben will. Genau weiß das aber wohl niemand.

So oder so sollten Sie sich von solchem Kokolores nicht beeinflussen lassen. Aberglaube wirkt allenfalls wie eine selbsterfüllende Prophezeihung oder eine Abwandlung von Murphys Gesetz: Wenn etwas schief gehen kann, dann geht es schief, solange man nur feste genug daran glaubt. Tatsächlich haftet abergläubischen Menschen schnell der Ruf an, emotional nicht sonderlich stabil zu sein. Und würden Sie so jemandem Verantwortung in Ihrem Unternehmen übergeben? Eben.

Tags

Ähnliche Artikel
1. Kommentar

Willy Raider
13.07.07 um 21:44 Uhr

Aberglaube hin oder her. Ich habe heute zum ersten mal eine Klausur so richtig versemmelt.

Aber zum Thema. Ich dachte, dass dieser spezielle Tag auf der Niederlage der Truppen des Templerordens beruht ?

2. Kommentar

Jochen Mai
13.07.07 um 21:50 Uhr

Mein Beileid. Indes das mit den Templern gilt in Wissenschaftlerkreisen heute als umstritten. Also nicht das Ereignis selbst, sondern als Ursprung des Aberglaubens.

Sagen Sie ihre Meinung!

Folgendes HTML ist in den Kommentaren verwendbar: <a> <em> <strong>

karrierebibel.de © 2006 - 2010 Jochen Mai

Design von kunstreich & partner