engel1Im Ranking der angesehensten Berufe rangieren sogenannte Flop-Jobs wie Politiker, Gewerkschaftsführer oder Journalist traditionell weit unten. Neuerdings reiht sich dort eine weitere Berufsgruppe ein, die sich aus dem intern aufgestauten Selbstverständnis heraus eher am anderen Ende der Skala sieht: der gemeine Bankmanager.

Nach Bankpleiten, Bonus-Exzessen und dem Verschulden einer epochalen Wirtschaftskrise erscheinen die Zocker im Streifenzwirn inzwischen in einem Licht, das ungefähr so schmeichelhaft strahlt wie der trübe Glanz einer Energiesparlampe.

Kein Wunder also, dass die Zunft den von den G20 geforderten Bonusregeln für Bankmanager in einer Art freiwilligen Selbstkontrolle vorzeitig nachkommen will. Allen voran Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der am Donnerstag bei einem Treffen der Initiative Finanzstandort Deutschland in Berlin verkündete, dass es bei den Bankern bereits dieses Jahr schärfere Bonusregeln geben solle. Eine entsprechende Selbstverpflichtung sei schon von allen Großbanken unterzeichnet worden.

Blendet man spontan skandierende Politiker und manch lästigen Anleger, der sich fragt „Wie, erst jetzt?“, aus, klingt das ganz anständig; es klingt wieder so ein bisschen nach ehrbarem Kaufmann, nach gesellschaftlicher Verantwortung, nach nachhaltigem Management, aber auch nach perfektem Timing – und deshalb verdächtig nach einer inszenierten PR-Nummer. Kurz: Es klingt nach Enthaltsamkeit zu eigenen Bedingungen, weil die verordneten viel bescheidener ausfallen könnten.

Schon jetzt fordert etwa der britische Premierminister Gordon Brown eine 50-prozentige Sondersteuer auf Bonuszahlungen ab 27.000 Euro. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haucht noch zaghaft ins selbe Horn, nur die deutschen Politiker sind bemerkenswert zurückhaltend und setzen, wie etwa Finanzminister Wolfgang Schäuble, lieber auf vernünftige Vergütungsanreize statt auf Strafsteuern – wohl auch, weil sie um eine Flucht der Betroffenen ins strafsteuerfreie Ausland fürchten.

Dazu muss man jedoch Zweierlei anmerken:

Erstens fällt es den meisten Bankern dieses Jahr sicher nicht allzu schwer, sich in Sachen Leistungsdreingaben zu bescheiden. Die Leistung war ja eher so lala, was die Rechtfertigung üppiger Boni nicht gerade leichter macht. Zumal dort, wo die Zeche de facto der Steuerzahler zahlen würde. Und der hat eben noch nicht ganz vergessen, dass er den Meistern des Universums erst kürzlich ein paar schwarze Löcher abgekauft hat, bevor die die gesamte Galaxie verschlungen hätten.

Zweitens fällt schon auf, dass zwar viel von Selbstkontrolle und Selbstbeschränkung die Rede ist, nicht aber von der Relation. Ein steuerfinanzierter und beschränkter Bonus, der noch immer zigfach über dem liegt, was ein einfacher Angestellter dieses Jahr für seine Leistung zu erwarten hat, wirkt eben auch nicht anständiger. Bescheiden schon gar nicht. Und so handelt es sich hierbei denn auch weder um vernünftige Vergütungsanreize, noch um eine überfällige und beherzte Systemreform, sondern vielmehr um pure Imagekosmetik und überschminkten Protz.

Man könnte auch sagen: Die Banker tragen diese Wintersaison den Pelz nach innen.