Physiker
Das Stichwort Physik verbindet Otto Normalbürger vermutlich am ehesten mit Albert Einstein und seiner Relativitätstheorie, mit der Comedy-Serie Big Bang Theory und vielleicht noch mit dem Urknall. Aber Physiker als Beruf, außerhalb von Uni oder Schule womöglich noch, welche Möglichkeiten gibt's denn da? Eine Studie liefert nähere Infos zum beruflichen Werdegang von Physikern. Diese Chancen haben Sie mit einem Physik-Studium ...

Physik-Studium: Was fang' ich damit an?

Welche Berufsaussichten habe ich als Physiker? Lohnt sich ein Physikstudium? Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) liefert wertvolle Hinweise.

Die Wissenschaftler berücksichtigen in ihrer Studie ausschließlich den Werdegang von Personen, die einen physikalischen Studiengang an einer Hochschule absolviert haben. Dazu zählen neben Physik auch Schnittstellenfächer wie Physikingenieurwesen, Kybernetische Technik oder Physikalische Technik. Obacht: NICHT in dieser Rechnung tauchen Physik-Lehrer auf. Ihr Studienfach wird als Lehramt definiert, nicht als Physik.

Demnach lebten im Jahr 2013 insgesamt 142.300 Physiker in Deutschland, 16 Prozent mehr als 2007. Rund 106.000 von ihnen waren erwerbstätig. Der Rest bestand zum überwiegenden Teil aus - im Behördendeutsch - Nichterwerbspersonen. Dazu zählen vor allem Rentner und Pensionäre, aber auch Menschen, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, weil sie zum Beispiel ihre Kinder oder Eltern betreuen wollen oder müssen. Laut DPG sind daher insgesamt nur 2.700 Physiker - und damit 1,8 Prozent - erwerbslos.

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Physiker in Deutschland: Fakten

  • Frauenanteil: Er liegt bei 13 Prozent der erwerbstätigen Physiker in Deutschland - und ist über die Jahre kaum gewachsen.
  • Ausländer: Demgegenüber wächst der Ausländeranteil. Mittlerweile haben 14 Prozent aller erwerbstätigen Physiker in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit.
  • Alter: Das Medianalter ist zwischen 2005 und 2013 von 42 auf 45 Jahre gestiegen. 50 Prozent aller erwerbstätigen Physiker sind also schon älter als 45 Jahre. Vor allem in den älteren Alterssegmenten gibt es einen deutlichen Anstieg an Erwerbstätigkeit.
  • Unternehmen: Physiker sind eher in großen Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern beschäftigt. Deutlich seltener findet man sie in kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern.
  • Vertrag: Die meisten Physiker haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Zwischen 2005 und 2013 ist der Anteil unbefristeter Arbeitsverhältnisse mit 81 bis 83 Prozent nahezu konstant geblieben. 16 Prozent der Physiker gehen wiederum einer Teilzeitbeschäftigung nach. Dieser Wert ergibt sich vor allem durch die vielen Teilzeitverträge während der Promotionsphase.
  • Typus: Drei Viertel aller arbeitenden Physiker sind Angestellte, ein Achtel ist verbeamtet und ein Zehntel selbstständig.

Physiker: In welchen Berufen arbeiten sie?

Physiker ist - im klassischen Sinne - ein Lehr- und Forschungsberuf. Ein Drittel aller Physiker arbeitet folgerichtig im öffentlichen Dienst, an Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen. Diese Physikerstellen genießen also - um es etwas böswillig zu formulieren - Bestandsschutz.

Aber: Eindimensional sind die Lebensläufe von Physikern keineswegs. Viele von ihnen sind als Ingenieure tätig, als Patentprüfer, Mathematiker und Informatiker. Auch in wirtschaftswissenschaftlichen Feldern werden sie häufig eingesetzt, zum Beispiel im Forschungscontrolling, Risikocontrolling, im technischen Vertrieb oder in der Derivateentwicklung bei Banken und Versicherungen.

Auch arbeiten viele Physiker im Bereich der Softwareprogrammierung oder als technische Berater in kleinen und mittleren Unternehmen oder in Tech-Startups. Generell kommen sie sehr viel häufiger in der Industrie unter als andere Akademiker. Während 27 Prozent der Physiker in der Industrie beschäftigt sind, hauptsächlich in der Metall- und Elektroindustrie einschließlich Maschinen- und Fahrzeugbau, beträgt die Quote bei anderen Akademikern insgesamt nur 19 Prozent. Nur Ingenieure trifft man mit 50 Prozent - nicht ganz überraschend - noch häufiger in der Industrie an.

Und: Die meisten Physiker landen eben NICHT in Jobs, für die sie eigentlich überqualifiziert wären. 80 Prozent der Physiker über einen so genannten "Erwerbsberuf des höchsten Anforderungsniveaus" aus.

Physiker: Wo gibt’s die Jobs?

Die meisten Physiker arbeiten in Baden-Württemberg und Bayern. Hintergrund: In diesen beiden Ländern konzentrieren sich viele Elektrotechnik-Unternehmen und Forschungseinrichtungen, Max-Planck-Institute etwa - und damit bevorzugte Arbeitgeber von Physikern. Auch Berlin bietet vergleichsweise gute Beschäftigungschancen - der großen Hochschuldichte mit TU, Humboldt-Uni und FU sei Dank.

Anteile eingebüßt haben nach DPG-Angaben in der jüngeren Vergangenheit vor allem Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Am geringsten ist die Physiker-Dichte in Nordrhein-Westfalen.

Beschäftigungsdichte von Physikern nach Bundesländern

Bundesland Erwerbstätige Physikern pro 10.000 Erwerbstätige Gesamtbevölkerung
Baden-Württemberg 40,0
Bayern 33,8
Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern 28,7
Bremen/Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein 23,8
Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen 23,7
Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland 19,9
Nordrhein-Westfalen 19,7
Gesamt 26,7
[Quelle: Deutsche Physikalische Gesellschaft]

Physiker: Auch in Zukunft gefragt?

Nach DPG-Berechnungen scheiden bis zum Jahr 2018 jährlich 2.200 Physiker aus Altersgründen aus dem Arbeitsleben aus. In den folgenden fünfzehn Jahren müssen sogar 3.600 Physiker pro Jahr ersetzt werden. Dem stehen aber gestiegene Absolventenzahlen gegenüber, allein im Prüfungsjahr 2015 habe es mit als 3.300 Bachelor-Abschlüssen im Fach Physik einen neuen Rekordwert gegeben. Von einem kurz bevorstehenden Fachkräftemangel kann also keine Rede sein.

Das bedeutet insgesamt: Physiker haben auf dem Arbeitsmarkt - den DPG-Zahlen zufolge - rosige Aussichten auf eine qualifizierte Beschäftigung. Dabei profitieren sie allerdings von einer hohen Quote im öffentlichen Dienst. In der Privatwirtschaft konkurrieren sie dagegen mit anderen Technikern und Naturwissenschaftlern um die Fleischtöpfe, mit Ingenieuren, Informatikern oder Mathematikern.

Um hier zu reüssieren, müssen sich Physiker also - wie viele andere Akademiker auch - verkaufen können, eine Nische suchen, einen Karriere-Plan verfolgen. Wer das beherzigt, scheint als Physiker tatsächlich richtig gute Karten zu haben.

[Bildnachweise: Matej Kastelic by Shutterstock.com ]