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„Pinterest can turbo charge your blog“ - Diese Aussage stammt nicht etwa aus der Werbung einer Agentur, sondern aus einem der zahlreichen englischsprachigen Artikel über das Bildernetzwerk. Die Aussage ist - wenn auch amerikanisch zugespitzt - gar nicht so weit hergeholt, denn die meisten Pinterest-Nutzer sind in den USA ansässig. Dennoch kann es für deutsche Unternehmen sinnvoll sein, Pinterest als Kommunikationskanal zu nutzen. Das gilt allerdings nur, wenn das Netzwerk in die Unternehmenskommunikation integriert wird.

Pinterest: Wann und für wen lohnt es sich?

 Monkey Business Images / shutterstock.comDer Einstieg - oder zumindest die Analyse - lohnt sich vor allem dann, wenn Inhalte und Kommunikationsstil des Unternehmens zum Netzwerk passen und Fans und Kunden über die Plattform erreicht werden können. Für Pinterest bedeutet das: Unternehmen und Marken, die starke Bilder oder optische ansprechende Produkte und Szenen zeigen können, sollten sich mit Pinterest auseinandersetzen.

Ob das Unternehmen im Business to Customer (B2C) oder im Business to Business (B2B) Bereich tätig ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass sich Unternehmen beider Bereiche gut auf Pinterest positionieren können.

Allerdings gilt: Ein Pinterest Engagement ist für Unternehmen erst dann sinnvoll, wenn die wichtigsten Social Media Kanäle etabliert sind und die Betreuung problemlos läuft.

Der größte Fehler wäre, den Pinterest Einstieg zu wagen, wenn die Mitarbeiter des Social Media Teams noch mit dem Aufbau der anderen Kanäle beschäftigt oder mit deren Betreuung überfordert/ausgelastet sind. Ein solch verfrühter Einstieg kann…

  • … die Kommunikation auf den anderen Social Media Plattformen negativ beeinflussen.
  • … das Pinterest Engagement von vornherein einschränken.
  • … dazu führen, dass Fans und Kunden von der mangelnden Qualität der Kommunikation enttäuscht sind.
  • … die Belastung für das Social Media Team unnötig erhöhen.
  • … im Social Media Team zu Stress, Frustration und Burnout führen.
  • … die erarbeitete Reputation gefährden.

All diese Punkte gelten generell für den Einstieg in neue soziale Netzwerke, kommen bei einem Pinterest Engagement - das die Kommunikation in anderen Netzwerken meist ergänzt - jedoch besonders zur Geltung.

Pinterest als Inspirationsquelle

Mit der Inspiration ist das so eine Sache. Einerseits ist sie für alle kreativen Berufe wichtig und die Quelle für neue Ideen und Entwicklungen. Andererseits ist Inspiration nicht planbar und lässt sich nicht auf Befehl abrufen. Mit den richtigen Inspirationsquellen lässt sich Kreativität jedoch beflügeln - und genau hier kommt Pinterest ins Spiel.

Die Flut an Infografiken und Bildern kann die passenden Impulse für Ihre kreativen Prozess liefern. Zwei Voraussetzungen sollten dafür jedoch erfüllt sein: Erstens sollten Sie das Netzwerk regelmäßig nutzen und zweitens bei der Auswahl Ihrer Pinterestquellen mit Bedacht vorgehen. Mit den folgenden Tipps wird Pinterest zur Inspirationsquelle.

  • Legen Sie Boards zusammen mit Freunden an und nutzen Sie diese Sammlungen ganz bewusst gemeinsam. So können Sie sich gegenseitig auf interessante Inhalte aufmerksam machen.
  • Wenn Sie sich in ein neues Thema einarbeiten oder sich autodidaktisch einen neuen Bereich erschließen, können Sie Pinterest auf jeden Fall begleitend, vielleicht sogar als Hauptsammelort für Ihre Lerninhalte nutzen. Laden Sie dann andere dazu ein, sich an dem Lernprozess zu beteiligen und eigene Inhalte zum Thema einzubringen.
  • Folgen Sie primär Pinterest-Nutzern, die sich zumindest grob in Ihrem Themenbereich bewegen. Schränken Sie Auswahl jedoch nicht zu stark ein. Wer immer nur in der eigenen Filterblase bleibt, findet kaum Inspiration und neue Impulse.
  • Teilen Sie Ihre Pins in den sozialen Netzwerken und nutzen Sie auch die Kommentare und das Feedback dort, um sich inspirieren zu lassen. Stammt eine Idee für einen Beitrag von einer konkreten Quelle, sollten Sie diese später natürlich auch nennen.

Pinterest für Unternehmen: Best Practice Beispiele

Im Folgenden haben wir einige Best Practice Beispiele hervorragender Pinterest Accounts zusammengestellt. Wir haben uns dabei bewusst in verschiedenen Branchen und Bereichen umgeschaut, um eine möglichst große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten abzubilden.

Unsere Auswahl erhebt jedoch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Sie also weiter gute Pinterest Accounts kennen, freuen wir uns auf Ihr Feedback und Ihre Beispiele in den Kommentaren. Bitte verzichten Sie jedoch auch platte Eigenwerbung und erklären Sie im Kommentar auch, was das Beispiel hervorragend macht.

Fossil_auf_Pinterest
Die Marke Fossil gehört zugegebenermaßen zu den naheliegenden Beispielen, sind Mode- und Lifestyle-Marken auf Pinterest doch stark vertreten und aktiv. Fossil nutzt die Plattform jedoch sehr gut und bietet seinen Fans hier nicht nur Produktfotos, sondern vor allem viel Inspiration und zahlreiche Anregungen für designinteressierte Menschen. Dadurch wird der Account auch für Menschen attraktiv, die (noch) keine Fossil-Kunden sind.

Lindt_Chocolate_auf_Pinterest
Eine ähnliche Strategie nutzt auch der Schokoladenhersteller Lindt auf seinem Pinterest-Account. Hier bietet das Unternehmen zahlreiche Schokoladenkreationen und Anregungen, mit denen sich interessierte Fans und Kunden selbst neue Kombinationen erstellen und Rezepte ausprobieren können. Ein Mehrwert der über die reine Produktpräsentation hinaus geht und Fans und Betrachter auch zum reinen Stöbern einlädt. Zwar wird so nicht jeder Besucher automatisch zum Kunden, doch es bleibt auf jeden Fall ein positiver Eindruck zurück.

Nissan_auf_Pinterest
Beim Thema Pinterest dürfen Autohersteller - die die Plattform in der Regel sehr gut nutzen - nicht fehlen. Um nicht immer das Paradebeispiel Daimler zu präsentieren, haben wir uns dieses Mal für Nissan entscheiden. Das Unternehmen präsentiert auf Pinterest neben Autos auch Einblicke in Autoshows, Entwicklungen und Design-Konzepte. Dadurch werden vor allem auch Auto-Fans emotional angesprochen und assoziieren die Marke eher mit positiven Emotionen und Eindrücken als rein mit den Produkten.

Malerische_Wohnideen_auf_Pinterest
Im Gegensatz zu deutschen Unternehmen anderer Branchen haben Social Media affine Handwerksbetriebe Pinterest längst für sich entdeckt. Ein hervorragendes Beispiel stellt das Profil des Malerbetriebs Malerische Wohnideen dar. Der Betrieb präsentiert die Ergebnisse seiner Arbeit und bietet potenziellen Kunden und Heimwerkern gleichzeitig umfassende Inspiration. Auch hier gilt: Nicht jeder Besucher wird zum Kunden, doch ein positiver Eindruck bleibt auf jeden Fall zurück. Pinterest dient als Präsentationsplattform und dem Reputationsaufbau - und wird damit optimal genutzt.

Promoted Pins: Werbung auf Pinterest

Wer Pinterest gezielt dazu nutzen will, neue Kunden auf seine Angebote und Seiten zu ziehen, hat auch hier die Option, Reichweite und Sichtbarkeit durch Werbung zu steigern. Die Pomoted Pins stehen jedem Werbetreibenden offen und können die Pins einem größeren Publikum zugänglich machen.

Nähere Informationen dazu bietet Pinterest selbst an, ein Hinweis ist uns jedoch wichtig: Promoted Pins sind nur für Marken sinnvoll, die bereits auf Pinterest aktiv sind und das Netzwerk auch sonst intensiv nutzen. Als reine Werbeplattform ist Pinterest weder gedacht noch sinnvoll nutzbar.

Pinterest für Teams

Monkey Business ImagesZu guter Letzt können Unternehmen Pinterest nicht nur für die Unternehmenskommunikation, sondern auch für die Arbeit im Team nutzen. Hier spielt Pinterest sowohl als Inspirationsquelle als auch als Ideenspeicher eine Rolle. Im Folgenden haben wir elf kreative und teilweise ungewöhnliche Ideen zusammengetragen, mit denen sich Pinterest sinnvoll und effektiv in Teams nutzen lässt. Wie immer gilt: Unternehmensinterna haben in sozialen Netzwerken nichts zu suchen - auch nicht auf Pinterest.

  1. Whiteboard - Private Boards oder Gruppenboards mit beschränktem Zugang können von Teams als Whiteboard genutzt werden. Entwürfe und Konzeptvorschläge können - beispielsweise als Diagramm oder Entwurfszeichnung - visualisiert und in den Kommentaren diskutiert werden. Diese Anwendung kann vor allem für Teams, die primär virtuell zusammenarbeiten, sinnvoll sein.
  2. Inspirationsquelle - Das Pinterest eine wunderbare Inspirationsquelle sein kann, haben wir bereits ausführlich dargestellt. Teams können sich diese Eigenschaft zunutze machen und eigene Boards anlegen, in denen inspirierende Infografiken oder Bilder gesammelt werden. So können alle Teammitglieder von den Fundstücken anderer profitieren und neue Ideen und Ansätze entwickeln.
  3. Themensammlung - Auf solchen Gruppenboards mit eingeschränktem Zugang können auch ganz konkrete Themen und Vorschläge für neue Beiträge gesammelt werden. Dazu werden die Infografiken oder Bilder ins Board gepinnt und die damit möglichen Formate und Beiträge für die verschiedenen Netzwerke als Kommentar ergänzt. So entsteht nach und nach ein umfangreicher Themenpool, an dem sich alle Teammitglieder beteiligen können.
  4. Lesezeichen - Bookmarking-Dienste gibt es viele, doch wenn ein Team Pinterest ohnehin aktiv nutzt, kann ein entsprechendes Gruppenboard einen zusätzlichen Dienst überflüssig machen. Wichtig ist, dass sich alle Teammitglieder im Vorfeld auf ein klares Schlagwort-Schema einigen und bei Bedarf mehrere Boards für verschiedene Themen anlegen.
  5. Bildsprache - Bei der Entwicklung eines neuen Projektes oder bei der Betreuung eines Blogs kann ein spezielles Pinterest-Board zur Entwicklung der Bildsprache eingesetzt werden. Hier werden verschiedene Vorschläge zum Projekt gepinnt und in den Kommentaren diskutiert. Der Vorteil: Es ist auf den ersten Blick sichtbar, wenn sich ein einheitlicher Stil abzeichnet, den alle mittragen können.
  6. Videosammlung - Ähnlich wie Artikel und Lesezeichen lassen sich auch Videos in speziellen Boards sammeln. Das ist vor allem für Teams interessant, die selbst Videos erstellen und ihre Inspiration aus verschiedenen Videoportalen beziehen. Für optimale Ergebnisse können die Videos auch mit Schlagworten und Kommentaren versehen werden, in den erklärt wird, welche Eigenschaft des Videos für das Team relevant ist.
  7. Bildauswahl - Ein naheliegender Anwendungsfall ist die Auswahl von Bildern für Artikel oder Fotoserien. In einem privaten Board können dafür die Vorschaubilder verschiedener Stock-Fotos gesammelt und dann vom Team ausgewählt werden. Auch hier ist ein einheitliches Schlagwort- und Bewertungssystem für die einfache Nutzung entscheidend.
  8. Feedbackplattform - Design- und Kommunikationsteams können Pinterest auch als unternehmensinterne Feedbackplattform nutzen. Dazu sollten Mitarbeiter verschiedener Abteilungen - die mit Pinterest vertraut sind - zu einem internen Gruppenboard eingeladen und um Feedback zu den aktuell verwendeten Bildern und Kampagnen gebeten werden. So können ganz unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen abgefragt werden.
  9. Testfeld - Ein ähnlicher Ansatz kann Pinterest auch zum Testfeld für neue Bilder und Kampagnen machen. In diesem Fall werden noch unveröffentlichte Bilder und Designs Mitarbeitern anderer Abteilungen in einem Gruppenboard vorgestellt. Das Feedback kann dann dazu dienen, die Projekte und Konzepte noch vor der Veröffentlichung zu optimieren.
  10. Ideenaustausch - Ein unternehmensinternes Gruppenboard kann auch den Ideenaustausch zwischen verschiedenen Abteilungen beflügeln. Auf Gruppenboards können Mitarbeiter verschiedener Abteilungen Bilder und Kommentare austauschen und so das kreative Potenzial des Unternehmens optimal nutzen.
  11. Community - Für Kommunikations- und Social Media Teams ist eine aktive Community als Feedbackgeber besonders wichtig. Ein eigens eingerichtetes Gruppenboard, zu dem Fans und Kunden eingeladen werden, kann den Austausch des Teams mit der Community fördern. Für Projekte können eigene Boards für ausgewählte Fans genutzt werden.

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