Plagiat: Was ist in wissenschaftlichen Arbeiten erlaubt?
Die Liste der prominenten Beispiele ist lang: Annete Schavan, Silvana Koch-Mehrin und natürlich der wohl bekannteste Fall Karl Theodor zu Guttenberg - ihnen allen wurden Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten nachgewiesen. Im Internet finden sich unzählige Arbeiten. Niemals zuvor war es also so leicht abzuschreiben. Gleichzeitig steigt der Stress und Leistungsdruck in den modularisierten Studiengängen. Gerade bei Studenten ist aber auch die Unsicherheit größer denn je. Was ist ein Plagiat? Warum wird plagiiert und was sollten Sie beachten, um nicht versehentlich abzukupfern? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Plagiat...

Plagiat: Eine kurze Definition

Um ein grundsätzliches Verständnis für das Thema zu schaffen, ist zunächst eine klare Definition erforderlich: Ein Plagiat ist die unrechtmäßige Aneignung von fremdem Gedankengut. Es verstößt gegen § 2 des Urheberrechtsgesetzes, das persönliche geistige Schöpfungen schützt. An den Universitäten gilt es als Täuschung, da fremde Erkenntnisse als eigene ausgegeben werden.

Doch wann spricht man von einem Plagiat?

Es gibt mehrere Fälle, in denen eine wissenschaftliche Arbeit als Plagiat angesehen wird:

  • Ghostwriter: Sie haben eine dritte Person beauftragt, eine Arbeit unter ihrem Namen zu erstellen.
  • Vollplagiat: Sie haben eine fremde Arbeit als ihre eigene ausgegeben.
  • Teilplagiat: Sie übernehmen Passagen aus fremden Texten, ohne in Ihrer Arbeit darauf hinzuweisen.
  • Selbstplagiat: Sie reichen die eigene Arbeit für verschiedene Prüfungen ein.
  • Übersetzungsplagiat: Sie geben einen übersetzten Text als Ihren eigenen aus oder verwenden Teile aus einem andersprachigen Text, ohne dies zu kennzeichnen.
  • Paraphrasenplagiat: Sie paraphrasieren in Ihrem eigenen Text fremde Texte, ohne die entsprechende Quelle anzugeben.

Was passiert, wenn ein Plagiat enttarnt wird?

Ollyy/shutterstock.comBei dieser Frage muss unterschieden werden, zu welchem Zeitpunkt ein Plagiat entdeckt wird und in welcher Wissenschaftlichen Arbeit ein Plagiat auftaucht. Wie die Fälle Guttenberg und Co. gezeigt haben, folgte nach der Offenlegung der Plagiate der Entzug des Doktortitels.

Erwischt man Sie aber beispielsweise beim Plagiieren in einer Seminar- oder Hausarbeit, kann Ihnen der Prüfungsanspruch entzogen werden. Damit sind Sie praktisch zwangsexmatrikuliert, ohne Abschluss. Auch rechtliche Schritte können eingeleitet werden.

Wird ein Plagiat erst nach dem Berufseinstieg entdeckt, drohen Ihnen im schlimmsten Fall die Entlassung sowie Schadensersatzforderungen seitens Ihres Arbeitgebers. Denn Ihr Arbeitgeber ist bei Ihrer Einstellung davon ausgegangen, dass Sie Ihren Abschluss rechtmäßig erworben haben.

Fast jeder vierte Student hat schon einmal plagiiert

Sie dachten, Plagiate kommen nur in wenigen Ausnahmefällen vor? Keineswegs. Laut einer Umfrage der Universität Leipzig hat sich fast jeder vierte Student schon einmal bei einer wissenschaftlichen Arbeit mit fremden Federn geschmückt.

Bei einer empirischen Studie gaben 22 Prozent der Studierenden an, schon einmal bewusst eine Textpassage aus einem fremden Werk übernommen zu haben, ohne diese als Zitat zu kennzeichnen.

Unterstellt man auch bei Abschlussarbeiten eine vergleichbare Bereitschaft Plagiate einzureichen, so könne eine große Universität, an der jährlich etwa 5000 Abschlussarbeiten angefertigt werden, damit rechnen, dass den Prüfungsbehörden neben 1100 Arbeiten mit plagiierten Textpassagen auch mindestens 50 vollständige Plagiate vorgelegt würden

Plagiat: Warum wird plagiiert?

Ollyy/shutterstock.comDoch warum gehen Studenten oder Doktoranden das Risiko ein, trotz der möglichen Konsequenzen für die berufliche Laufbahn, sollte das Plagiat entdeckt werden? Dieser Frage gingen Sebastian Sattler und Prof. Dr. Martin Diewald von der Universität Bielefeld in der Studie "Fairuse" nach.

Diese beschäftigte sich unter anderem damit, warum Studenten bei der Erbringung von universitären Leistungen betrügen. Hierfür befragten Sie 2009 und 2012 Studierende sowie Lehrende. Dabei kristallisierten sich einige Motive heraus:

  1. Zeitmangel: Zahlreiche Prüfungen müssen abgelegt werden. Wer es nicht schafft, sich auf alle vorzubereiten, greife schon mal zu unlauteren Mitteln.
  2. Leistungsdruck: In modularisierten Studiengängen zählt jede Leistung für die Abschlussnote. Oft fühlen sich Studenten dadurch gestresst und haben Angst, die geforderten Leistungen nicht erbringen zu können.
  3. Motivationsmangel: Die besuchte Veranstaltung war langweilig, doch man braucht den Leistungsschein. Allerdings ist man nicht bereit viel Mühe in die Hausarbeit zu investieren. Auch das ist ein Grund, wieso sich einige Studenten aus fremden Arbeiten bedienen.
  4. Mangelnde Betreuung durch Dozenten: Fühlt sich ein Studenten schlecht betreut und hat das Gefühl, Fragen nicht stellen zu können, wird er eher dazu übergehen fremde Inhalte als eigene auszugeben.
  5. Unwissenheit: Oft fehlt das Wissen darüber, wie richtig zitiert wird und wie Quellen korrekt angegeben werden. Das Ergebnis sind dann versehentliche Plagiate.

Plagiate: So werden sie enttarnt

Viele Universitäten nutzen elektronische Programme, um neue Arbeiten auf Plagiate zu überprüfen. Doch in einigen Fällen kann auch der Professor oder der Betreuer der wissenschaftlichen Arbeit ein Plagiat entdecken. Dabei reicht manchmal bereits eine einmalige Lektüre aus, um einen starken Verdacht zu erhalten, dass in einer Arbeit unrechtmäßig kopiert wurde. Die größten Hinweise, dass es sich um ein Plagiat handelt:

  • Stilbrüche: Ändert sich Mitten im Text der Stil, ist das ein Hinweis auf einen anderen Autor. Wird der Stil beispielsweise wissenschaftlicher, als er es bisher war, macht das den Dozenten stutzig.
  • Fehler: Falsch geschriebene Fachbegriffe oder Eigennamen können Hinweise darauf sein, dass Sie die Angaben nicht selbst überprüft, sondern fehlerhaft übernommen haben.
  • Holprige Übergänge: Passen Textpassage nicht zusammen und werden Inhalte nicht miteinander in Verbindung gebracht, kann das ein Hinweis darauf sein, dass ganze Abschnitte nicht von Ihnen stammen.
  • Argumentation: Geht die Argumentation deutlich über das erlangte Wissen in der Veranstaltung hinaus und steht in starkem Kontrast zu den bisherigen Leistungen, spricht das dafür, dass die Argumentation einer anderen Quelle übernommen wurde.

Wissenschaftliche Arbeiten: So vermeiden Sie Plagiate

Ollyy/shutterstock.comAber natürlich geht es auch anders und nicht jede Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit enthält automatisch auch einen großen Anteil fremdes Gedankengut. Um ihre Studenten zu unterstützen bieten Universitäten beispielsweise auch Seminare an, in welchen die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt werden. Dennoch bleibt die Unsicherheit und auch die Angst, möglicherweise sogar unabsichtlich zu plagiieren. Mit diesen Tipps sind Sie auf der sicheren Seite:

  • Zitieren Sie nur aus dem Original.

    Viele wissenschaftliche Texte sind auch in deutscher Übersetzung zu finden. Den meisten fällt die Auseinandersetzung damit leichter. Doch sollten Sie immer sowohl mit der deutschen, als auch mit der englischen Publikation arbeiten. Denn nur im Original können Sie den Kontext richtig beurteilen. Dies gilt auch für Quellen, die im Zitat auf eine andere Quelle verweisen. Liegt Ihnen nur dieses Zitat vor, ist es praktisch unmöglich den Kontext, in dem es geschrieben wurde, einzubeziehen. Damit laufen Sie Gefahr, das Zitat falsch zu verstehen.

  • Zitate müssen als solche kenntlich gemacht werden.

    Wörtliche Zitate werden mit Anführungszeichen gekennzeichnet, indirekte Zitate durch die Verwendung des Konjunktivs.

  • Die Quelle eines Zitates muss genannt werden.

    Zitate, ob wörtlich oder indirekt, müssen direkt im Anschluss belegt werden. Dies kann entweder mit der Angabe der Quelle in Klammern direkt im Text oder als Fußnote am Ende der Seite geschehen. Bei indirekten Zitaten wird das Kürzel "Vgl" für "vergleiche" vorangestellt.

  • Wörtliche Zitate werden exakt übernommen.

    Hier ist es Ihnen nicht erlaubt umzuformulieren. Selbst wenn diese beispielsweise nicht mehr der aktuellen Rechtschreibregelung entsprechen. Bleiben Sie beim konkreten Wortlaut Ihrer Quelle.

  • Verändern Sie ein Zitat, müssen Sie das kenntlich machen.

    Verkürzen Sie beispielsweise ein Zitat, muss die Auslassung durch eckige Klammern gekennzeichnet werden. Auch wenn Sie die grammatikalische Form des Zitates ändern, damit dieses sich nahtlos in Ihren Text fügt, müssen Sie die vorgenommene Änderung in eckige Klammern setzen.

Wie zitiert man einen Tweet?

In Zeiten der sozialen Medien findet sich möglicherweise auch in den Profilen von Unternehmen oder Politikern Gedanken, die man für die eigene Arbeit aufgreifen möchte? Doch wie kann man beispielsweise einen Tweet zitieren? Unser Vorschlag:

Nachname, Vorname (@Twittername):

"Das Twitterzitat selbst in An- und Abführung."

Datum. Uhrzeit. Quelle: Link.

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