Derzeit überlegen viele Menschen, sich in den nächsten Monaten selbstständig zu machen. Einige davon notgedrungen. Die einen haben ihren bisherigen Job verloren und finden aktuell keinen neuen. Oder aber sie haben diese Melange aus Permafrust, steigendem Arbeitsdruck, herumeiernden Managern und Wir-haben-zwar-keine-Ahnung-aber-irgendwas-muss-anders-werden-Parolen einfach nicht mehr ausgehalten. Bei manchen ist es vielleicht auch der Glaube an ihre eigene Idee und der Wunsch sein eigener Chef zu sein, was sie in die Selbstständigkeit treibt.
Frust allein wäre auch ein schlechter Ratgeber. Aus Frust sollte man nie existenzielle Entscheidungen treffen. Schließlich können Gefühle jederzeit wechseln und ein Ärgernis über Gebühr verstärken, das in Wahrheit eine lösbare Bagatelle ist. Analysierter Frust dagegen kann den letzten Ausschlag für eine Entscheidung geben, mit der man sich schon lange herumquält.
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So oder so spiegelt sich die neue Lust auf Unternehmertum auch in der Twitter-Umfrage, die ich kürzlich hier im Rahmen des wöchentlichen Newsletters gestartet habe. Demnach haben 30 Prozent der Befragten ernsthaft vor, sich in den nächsten Wochen selbstständig zu machen, 48 Prozent spielen zumindest mit dem Gedanken. Das Alles ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber doch welche Stimmung bei den Arbeitnehmern gerade herrscht. Zumindest aus der Umfrage lässt sich die Aussage ableiten: Drei von vier Deutschen überlegen derzeit, sich bald selbstständig zu machen. br> Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Entsprechend wenige lassen der Idee denn auch tatsächlich Fakten folgen – wohl auch, weil sie das Schreiben eines so genannten Businessplans abschreckt. An dem führt jedoch kein Weg vorbei, er ist Visitenkarte und Rückgrat für jedes Jungunternehmen. Insbesondere wenn es darum geht, Kreditgeber, Investoren und Geschäftspartner von dem Geschäftsmodell zu überzeugen. br> Einen Businessplan zu verfassen, ist gar nicht so schwer. Sein Herzstück ist das so genannte Executive Summary. Auf zwei bis drei Seiten werden alle wichtigen Unternehmensdaten zusammengefasst: die Geschäftsidee, Umsatz, Gewinn, Kurzporträts der Gründer und deren Hintergrund, die Beschreibung des Marktes, die Beschreibung der Produkte oder Dienstleistungen, der Finanzierungsbedarf. Diese Zusammenfassung steht Sinnvollerweise am Anfang, Investoren lesen sie zuerst und manchmal auch nicht weiter. Sie sollte deshalb knackig sein. br> |
Danach erst folgt der eigentliche Plan – mit möglichst nicht mehr als 30 Seiten. Wichtig sind natürlich ein Inhaltsverzeichnis und eine klare Gliederung. Sämtliche Punkte des Summarys sollten hier ausführlich beschrieben werden, wobei besonderes Augenmerk auf der einzigartigen Geschäftsidee (Was ist das Produkt? Wer sind die Kunden?), dem Team (Was können sie? Welche Erfahrungen bringen sie mit? Wie setzen sie sich zusammen?) und dem Wettbewerb (Wodurch hebt sich die Idee vom Markt ab? Wer sind die Konkurrenten? Welches Potenzial hat die Idee?) liegen sollte.
Ein ebenso ausführliches Kapitel sollte dem Finanzplan gewidmet werden. Er ist die Referenz für spätere Beteiligungs- und Kreditverhandlungen und sollte mindestens die nächsten drei, besser fünf Jahre durchkalkulieren. Je realistischer, begründeter und detaillierter die Prognosen, desto überzeugender. Die hier investierte Zeit und das aufgebrachte Hirnschmalz sind besonders wertvoll: Ein fundierter Plan hilft Gründern auch durch unsichere Geschäftsjahre, die so sicher kommen werden, wie Versicherungsvertreter und windige Förderer.
Lohnend ist auch, wenn der Plan Strategien zum Marketing, zu Organisation und Personalbedarf, Vertrieb, Wachstum sowie Worst-Case-Szenarien enthält. Hauptsache die potenziellen Leser werden durch recherchierte Fakten und nicht durch vollmundige Versprechungen überzeugt. Vorsicht deshalb vor der Copy+Paste-Falle: Wer einfach nur Zahlen zusammenkopiert ohne sie einzuordnen und zu gewichten, fällt durchs Raster. Der Eindruck: null kaufmännische Kompetenz.
Die beweisen Gründer allerdings auch mit der Wahl der richtigen Rechtsform. Sie hängt stark von der Geschäftsidee und dem Kapitalbedarf ab. Die Aktiengesellschaft (AG) ist inzwischen ein Exot – die Aussicht auf einen Börsengang aktuell gering. Außerdem ist eine Umwandlung von einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in eine AG auch später möglich. Die GmbH zählt zu den beliebtesten Rechtsformen. Die Gesellschafter haften nur mit dem Stammkapital, Minimum: 25.000 Euro. Die muss man aufbringen und – im schlimmsten Fall – auch abschreiben. Für einfache Geschäftsmodelle kommt dagegen die Einzelunternehmung oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) infrage. Startkapital ist nicht erforderlich, dafür haften Gründer schlimmstenfalls mit ihrem Privatvermögen.
Seit ein paar Jahren kann man auch eine englische Limited-Gesellschaft mit Sitz in Deutschland gründen. Die Vorteile: eine symbolische Einlage von mindestens einem englischen Pfund, die Haftungsfreistellung der Gesellschafter und eine unbürokratische Gründung. Allerdings warnen Experten davor: Die Limited unterliegt englischem Recht. Wird dem Direktor der Limited etwa nachgewiesen, dass er die Zahlungsunfähigkeit hätte verhindern können, haftet er unter Umständen mit seinem Privatvermögen. Zudem signalisiert sie potenziellen Partnern ein hohes Risiko, womöglich sogar eine Scheinfirma.
Das alles macht viel Arbeit und braucht seine Zeit. Profis rechnen mit drei bis vier Wochen. Manchmal auch Monate, inklusive Gegenlesen durch Freunde und Experten. Aber das zahlt sich aus. Denn nicht nur wer schreibt, bleibt, sondern auch der, der gründlich plant.
Falls Sie sich auch gerade fragen, ob Sie ein eigenes Unternehmen gründen sollen, können Sie sich im Folgenden zudem einem kurzen Selbsttest unterziehen und durch die dortigen Aussagen prüfen, ob Sie einige wichtige Voraussetzungen für die Selbstständigkeit mitbringen. Je mehr Aussagen Sie zustimmen können, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit Ihrem Unternehmen Erfolg haben:
1. Kommentar
Matthias
24.11.09 um 21:28 Uhr
Nicht zu vergessen, die für Existenzgründer am interessanteste Gesellschaftsform:
Die “Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt”
Im Großen ganzen wie eine GmbH – aber der attraktive Unterschied, dass das Stammkapital nur 1 Euro betragen kann (theoretisch – praktisch braucht man circa 1000).
Ist unter dem Namen “Mini-GmbH” oder “1-Euro GmbH” bekannt geworden.
Die weiteren Unterschiede kann man hier nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/UG_%28haftungsbeschr%C3%A4nkt%29
2. Kommentar
Sigi
24.11.09 um 22:44 Uhr
Ein sehr guter, ausführlicher Artikel – dass sich die intensive Beschäftigung mit einer Gründungsidee lohnt, kann ich nur bestätigen. Und doch eine provokative These zur Ergänzung: Businesspläne haben meist sehr wenig mit der realen Geschäftsentwicklung zu tun. Sehr viele (Erfolgs- oder Misserfolgs)faktoren liegen außerhalb des eigenen Einflusses. Das zeigt sich unserer Erfahrung nach schon lange – und Studien an der Freien Universität Berlin (Lehrstuhls für Entrepreneurship, Prof. Faltin) belegen, das die Voraussagen von Geschäftsplänen nach 3 Jahren zu 80% nicht eingteffen!
Unser Fazit: Businesspläne machen, Ideen “runden” (nicht nur für Geld- und Kreditgeber und potentielle Mitstreiter) und sich dann auf den Weg machen – konzentrieren und hellwach, denn die Geschäftslandschaft verändert sich stetig. Und sich deshalb nicht allzu sehr verunsichern lassen, wenn die Realität anders aussieht als die Landkarte. Nicht die virtuellen Chancen und Risiken zählen, sondern die echten. Es ist paradox. Manches was wir tun sollten ist sinnlos und dennoch notwendig für den Erfolg.
3. Kommentar
Max
24.11.09 um 23:31 Uhr
Ein sehr interessanter Artikel.
Ich möchte mich als Designer selbständig machen und arbeite schon neben meinem Studium selbständig für kleine und größere Firmen.
Sollte ich nach meinem Studium noch ein paar Jahre als Angestellter Art Direktor (in einer Agentur) arbeiten um Erfahrung/Kontakte zu sammeln oder direkt in die Selbständigkeit gehen?
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