6 von Jochen Mai am 24. November 2009 → Artikel in Büro

Planwirtschaft – So schreiben Sie einen Businessplan

HemdDerzeit überlegen viele Menschen, sich in den nächsten Monaten selbstständig zu machen. Einige davon notgedrungen. Die einen haben ihren bisherigen Job verloren und finden aktuell keinen neuen. Oder aber sie haben diese Melange aus Permafrust, steigendem Arbeitsdruck, herumeiernden Managern und Wir-haben-zwar-keine-Ahnung-aber-irgendwas-muss-anders-werden-Parolen einfach nicht mehr ausgehalten. Bei manchen ist es vielleicht auch der Glaube an ihre eigene Idee und der Wunsch sein eigener Chef zu sein, was sie in die Selbstständigkeit treibt.

Frust allein wäre auch ein schlechter Ratgeber. Aus Frust sollte man nie existenzielle Entscheidungen treffen. Schließlich können Gefühle jederzeit wechseln und ein Ärgernis über Gebühr verstärken, das in Wahrheit eine lösbare Bagatelle ist. Analysierter Frust dagegen kann den letzten Ausschlag für eine Entscheidung geben, mit der man sich schon lange herumquält.


So oder so spiegelt sich die neue Lust auf Unternehmertum auch in der Twitter-Umfrage, die ich kürzlich hier im Rahmen des wöchentlichen Newsletters gestartet habe. Demnach haben 30 Prozent der Befragten ernsthaft vor, sich in den nächsten Wochen selbstständig zu machen, 48 Prozent spielen zumindest mit dem Gedanken. Das Alles ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber doch welche Stimmung bei den Arbeitnehmern gerade herrscht. Zumindest aus der Umfrage lässt sich die Aussage ableiten: Drei von vier Deutschen überlegen derzeit, sich bald selbstständig zu machen.

Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Entsprechend wenige lassen der Idee denn auch tatsächlich Fakten folgen – wohl auch, weil sie das Schreiben eines so genannten Businessplans abschreckt. An dem führt jedoch kein Weg vorbei, er ist Visitenkarte und Rückgrat für jedes Jungunternehmen. Insbesondere wenn es darum geht, Kreditgeber, Investoren und Geschäftspartner von dem Geschäftsmodell zu überzeugen.

Einen Businessplan zu verfassen, ist gar nicht so schwer. Sein Herzstück ist das so genannte Executive Summary. Auf zwei bis drei Seiten werden alle wichtigen Unternehmensdaten zusammengefasst: die Geschäftsidee, Umsatz, Gewinn, Kurzporträts der Gründer und deren Hintergrund, die Beschreibung des Marktes, die Beschreibung der Produkte oder Dienstleistungen, der Finanzierungsbedarf. Diese Zusammenfassung steht Sinnvollerweise am Anfang, Investoren lesen sie zuerst und manchmal auch nicht weiter. Sie sollte deshalb knackig sein.

Danach erst folgt der eigentliche Plan – mit möglichst nicht mehr als 30 Seiten. Wichtig sind natürlich ein Inhaltsverzeichnis und eine klare Gliederung. Sämtliche Punkte des Summarys sollten hier ausführlich beschrieben werden, wobei besonderes Augenmerk auf der einzigartigen Geschäftsidee (Was ist das Produkt? Wer sind die Kunden?), dem Team (Was können sie? Welche Erfahrungen bringen sie mit? Wie setzen sie sich zusammen?) und dem Wettbewerb (Wodurch hebt sich die Idee vom Markt ab? Wer sind die Konkurrenten? Welches Potenzial hat die Idee?) liegen sollte.

Ein ebenso ausführliches Kapitel sollte dem Finanzplan gewidmet werden. Er ist die Referenz für spätere Beteiligungs- und Kreditverhandlungen und sollte mindestens die nächsten drei, besser fünf Jahre durchkalkulieren. Je realistischer, begründeter und detaillierter die Prognosen, desto überzeugender. Die hier investierte Zeit und das aufgebrachte Hirnschmalz sind besonders wertvoll: Ein fundierter Plan hilft Gründern auch durch unsichere Geschäftsjahre, die so sicher kommen werden, wie Versicherungsvertreter und windige Förderer.

Lohnend ist auch, wenn der Plan Strategien zum Marketing, zu Organisation und Personalbedarf, Vertrieb, Wachstum sowie Worst-Case-Szenarien enthält. Hauptsache die potenziellen Leser werden durch recherchierte Fakten und nicht durch vollmundige Versprechungen überzeugt. Vorsicht deshalb vor der Copy+Paste-Falle: Wer einfach nur Zahlen zusammenkopiert ohne sie einzuordnen und zu gewichten, fällt durchs Raster. Der Eindruck: null kaufmännische Kompetenz.

Die beweisen Gründer allerdings auch mit der Wahl der richtigen Rechtsform. Sie hängt stark von der Geschäftsidee und dem Kapitalbedarf ab. Die Aktiengesellschaft (AG) ist inzwischen ein Exot – die Aussicht auf einen Börsengang aktuell gering. Außerdem ist eine Umwandlung von einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in eine AG auch später möglich. Die GmbH zählt zu den beliebtesten Rechtsformen. Die Gesellschafter haften nur mit dem Stammkapital, Minimum: 25.000 Euro. Die muss man aufbringen und – im schlimmsten Fall – auch abschreiben. Für einfache Geschäftsmodelle kommt dagegen die Einzelunternehmung oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) infrage. Startkapital ist nicht erforderlich, dafür haften Gründer schlimmstenfalls mit ihrem Privatvermögen.

Seit ein paar Jahren kann man auch eine englische Limited-Gesellschaft mit Sitz in Deutschland gründen. Die Vorteile: eine symbolische Einlage von mindestens einem englischen Pfund, die Haftungsfreistellung der Gesellschafter und eine unbürokratische Gründung. Allerdings warnen Experten davor: Die Limited unterliegt englischem Recht. Wird dem Direktor der Limited etwa nachgewiesen, dass er die Zahlungsunfähigkeit hätte verhindern können, haftet er unter Umständen mit seinem Privatvermögen. Zudem signalisiert sie potenziellen Partnern ein hohes Risiko, womöglich sogar eine Scheinfirma.

Das alles macht viel Arbeit und braucht seine Zeit. Profis rechnen mit drei bis vier Wochen. Manchmal auch Monate, inklusive Gegenlesen durch Freunde und Experten. Aber das zahlt sich aus. Denn nicht nur wer schreibt, bleibt, sondern auch der, der gründlich plant.

Sind Sie bereit für die Selbstständigkeit?

Falls Sie sich auch gerade fragen, ob Sie ein eigenes Unternehmen gründen sollen, können Sie sich im Folgenden zudem einem kurzen Selbsttest unterziehen und durch die dortigen Aussagen prüfen, ob Sie einige wichtige Voraussetzungen für die Selbstständigkeit mitbringen. Je mehr Aussagen Sie zustimmen können, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit Ihrem Unternehmen Erfolg haben:

    Wie viele der folgenden Aussagen können Sie bejahen?
  • Ich habe kein Problem damit, meinen Preis zu nennen. Hand aufs Herz: Wie leicht fällt Ihnen die Beantwortung der Frage: Und was soll das kosten? Als Selbstständiger oder Freiberufler sollten Sie Ihren Wert aber auch Ihren Preis kennen. Der kann – je nach Kunde und Marktlage – variieren, aber dafür schämen sollten Sie sich nie! Andernfalls finden Sie sich schnell in einem Feilsch-Wettbewerb wieder.
  • Ich habe ein großes Netzwerk, finde leicht Kontakt und kann gut auf fremde Menschen zugehen. Viele unterschätzen diesen Punkt. Die ersten Kunden sind die schwersten. Und zum Gründen gehört Akquise einfach dazu. Wer lieber still in seinem Kämmerlein wurschtelt, wird höchstwahrscheinlich scheitern. Das Internet bietet über Blogs, Foren und Soziale Netzwerke zwar hervorragende Gelegenheiten, dass einen die Kunden finden. Aber allein darauf verlassen sollte man sich nicht.
  • Ich arbeite gerne noch in meiner Freizeit. Egal, welchen Unternehmer man fragt, alle sagen dasselbe: Seit ich mich selbstständig gemacht habe, arbeite ich mehr als vorher als Angestellter. Es ist nunmal so: Gerade am Anfang muss man reinklotzen, um sein Unternehmen aufzubauen, Kunden zu gewinnen, Jobroutine zu bekommen. Natürlich ist es wichtig, dabei auch klare Grenzen zu ziehen, Freizeit zu erhalten und Erholungspausen einzuplanen. Sonst brennt man aus. Aber wer Spass an einem 9-to-5-Job hat, der sollte sich das mit der Selbstständigkeit genau überlegen.
  • Ich habe kein Problem damit, Deadlines einzuhalten. Sobald Sie selbstständig arbeiten, gibt es keinen mehr, der Sie fragt, ob Sie Ihr Pensum schaffen, Ihre Arbeit rechtzeitig fertigstellen und das Qualitätsversprechen halten, das Sie gegeben haben. Ihr Kunde vertraut darauf, dass Sie es schaffen – und Sie sollten ihn dabei nie enttäuschen. Aber natürlich sollten Sie Ihre Abgabetermine auch im eigenen Interesse einhalten. Denn Ihre Organisationsfähigkeit, Selbstdisziplin und Termintreue entscheiden darüber, wie viele Aufträge Sie im Monat bewältigen können. Und je mehr Sie schaffen, umso besser für den Umsatz.
  • Ich habe ein paar finanzielle Reserven und kann auf bezahlfaule Kunden warten. Das ist eine sehr ärgerliche Erfahrung, die ich selbst schon als Freiberufler gemacht habe. Obwohl man sich für seine Kunden oder Klienten mächtig ins Zeug legt, mehr leistet als vereinbart, bezahlen die hinterher nur säumig, wenn überhaupt. Das ist unverschämt und manchmal vielleicht sogar Kalkül, Motto: Vielleicht vergisst er die Rechnung ja?! Deshalb sollten Sie von vorneherein mit Ausständen kalkulieren. Ein bis zwei Monate sollte der Laden flüssig bleiben, so dass Sie Ihr Geld auch noch per Mahnung(en) eintreiben können.
  • Ich mag auch buchhaltärische Aufgaben. Gut so, denn die werden auf Sie zukommen. Und nicht zu knapp. Als Gründer müssen Sie regelmäßig Umsatzsteuererklärungen abgeben, Verträge schließen, Rechnungen schreiben, Waren- und Rechnungsein- und -ausgänge überwachen, abheften, lagern, auf Wiedervorlage setzen, und so weiter. Papierkram eben. Ohne geht es nicht. Und wer den hasst, muss entweder das finanzielle Polster haben, damit Dienstleister zu beauftragen – oder aber es lieben lernen. Ansonsten werden Sie sich sprichwörtlich verzetteln.
  • Ich bin von meinem Produkt, meiner Dienstleistung total begeistert – und kann damit auch leicht andere anstecken. Das klingt banal, ist es aber nicht. Wenn Sie selbst nicht 110 Prozent hinter Ihrem Produkt stehen, spürt der Kunde das – und verliert ebenfalls den Glauben daran. Das heißt nicht, dass Sie auf Kritiker mit Arroganz reagieren (Das wäre ein Riesenfehler, schließlich kann man alles verbessern). Aber Sie sollten sich davon auch nicht runterziehen lassen. Vielmehr sollte es ein Ansporn sein: Die Leute setzen sich mit meinem Produkt auseinander! Sie helfen mir dabei, besser zu werden – wenngleich auch nicht immer besonders charmant. Dieser Funke, diese Leidenschaft für Ihre Idee sollte in Gesprächen mit anderen überspringen. Oder aber Sie haben vielleicht doch noch nicht die richtige Idee gefunden.
  • Ich habe gute Freunde, die mich beraten und so auch die Qualität meiner Arbeit überwachen. Angestellte haben einen Chef (oder nette Kollegen), der ihnen regelmäßig sagt, was sie gut oder bald besser machen sollten. Selbstständige haben nur Kunden. Und die kommen entweder wieder oder nie mehr. Damit letzteres erst gar nicht passiert, sollten Sie sich regelmäßig selbst kritisch hinterfragen, ob Sie wirklich so gut sind, wie Sie glauben. Besser noch, Sie holen sich Rückmeldungen von neutralen Dritten ein. Verteidigen Sie sich aber nicht sofort, hören Sie lieber genau zu. Denn diesen ersten Eindruck haben vielleicht auch andere.
  • Meine familiäre Situation erlaubt mir größtmögliche Flexibilität. Ihre Familie sollte Sie in Ihrem Vorhaben 100 Prozent unterstützen. Was Sie gerade in der Anfangsphase nicht gebrauchen können, ist ein schlechtes Gewissen, dass Sie selten zuhause sind oder zu viel Zeit am Schreibtisch und vor dem Computer verbringen. Sie sollten aber auch die finanzielle Freiheit haben, eine anfängliche Durststrecke zu überwinden. Sie treffen keine guten Entscheidungen, wenn Sie nur auf das Geld achten müssen. Das führt schnell in eine Art Prostitution.
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1. Kommentar

Matthias
24.11.09 um 21:28 Uhr

Nicht zu vergessen, die für Existenzgründer am interessanteste Gesellschaftsform:
Die “Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt”

Im Großen ganzen wie eine GmbH – aber der attraktive Unterschied, dass das Stammkapital nur 1 Euro betragen kann (theoretisch – praktisch braucht man circa 1000).

Ist unter dem Namen “Mini-GmbH” oder “1-Euro GmbH” bekannt geworden.

Die weiteren Unterschiede kann man hier nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/UG_%28haftungsbeschr%C3%A4nkt%29

2. Kommentar

Sigi
24.11.09 um 22:44 Uhr

Ein sehr guter, ausführlicher Artikel – dass sich die intensive Beschäftigung mit einer Gründungsidee lohnt, kann ich nur bestätigen. Und doch eine provokative These zur Ergänzung: Businesspläne haben meist sehr wenig mit der realen Geschäftsentwicklung zu tun. Sehr viele (Erfolgs- oder Misserfolgs)faktoren liegen außerhalb des eigenen Einflusses. Das zeigt sich unserer Erfahrung nach schon lange – und Studien an der Freien Universität Berlin (Lehrstuhls für Entrepreneurship, Prof. Faltin) belegen, das die Voraussagen von Geschäftsplänen nach 3 Jahren zu 80% nicht eingteffen!
Unser Fazit: Businesspläne machen, Ideen “runden” (nicht nur für Geld- und Kreditgeber und potentielle Mitstreiter) und sich dann auf den Weg machen – konzentrieren und hellwach, denn die Geschäftslandschaft verändert sich stetig. Und sich deshalb nicht allzu sehr verunsichern lassen, wenn die Realität anders aussieht als die Landkarte. Nicht die virtuellen Chancen und Risiken zählen, sondern die echten. Es ist paradox. Manches was wir tun sollten ist sinnlos und dennoch notwendig für den Erfolg.

3. Kommentar

Max
24.11.09 um 23:31 Uhr

Ein sehr interessanter Artikel.
Ich möchte mich als Designer selbständig machen und arbeite schon neben meinem Studium selbständig für kleine und größere Firmen.

Sollte ich nach meinem Studium noch ein paar Jahre als Angestellter Art Direktor (in einer Agentur) arbeiten um Erfahrung/Kontakte zu sammeln oder direkt in die Selbständigkeit gehen?

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