Podcast erstellen: Tipps für Audioformate
Videos, Bilderserien, Corporate Blogs - an Formaten und Medien für die Unternehmenskommunikation mangelt es in Zeiten sozialer Netzwerke und elektronischer Verbreitungswege wahrlich nicht. Ein Medium wird dabei jedoch häufig vergessen: Podcasts. Dabei hat die Podcast-Nutzung in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Audioformate spielen heute für viele Menschen eine wichtige Rolle - und bieten Unternehmen und Bewerbern Chancen...

Podcast: Ein relevantes Medium?

Zu Beginn widmen wir uns einer häufig gestellten Frage: Sind Videos reinen Audio-Podcasts nicht überlegen? Wer immer diese Frage stellt geht von der Annahme aus, dass Videos automatisch ansprechender wirken.

Nehmen wir diese These kurz auf: Wie viele Videos fallen Ihnen spontan ein, bei denen das Bild wenig oder keine zusätzlichen Informationen beinhaltet? Wie oft lassen Sie selbst Youtube-Videos im Hintergrund laufen, weil Sie einfach nur zuhören? So selten dürfte das gar nicht der Fall sein. Audio-Podcasts bieten im Vergleich zu Videos Vorteile, denn...

  • … sie können begleitend zu anderen Tätigkeiten gehört werden.
  • … sie erfordern weniger Aufmerksamkeit als Videos.
  • … sie lassen sich auch mobil schnell herunterladen oder streamen.
  • … durch die wachsende Verbreitung von Hörbüchern ist das Prinzip bekannt.
  • … auch öffentlich-rechtliche Radio-Sender nutzen Podcasts als Zweitverwertungskanal - und machen das Medium so bekannt.
  • … mit Podcast lassen sich neue Zielgruppen erschließen, die Videos eher weniger nutzen.

Wenn diese Argumente noch nicht überzeugend klingen, lohnt sich ein Blick ARD-ZDF-Onlinestudie. Diese zeigt eine wachsende Nutzung von "Audios von Radiosendungen zeitversetzt", wie Podcast hier so schöne genannt werden.

Dazu kommt, dass inzwischen auch die Verbreitung von Podcasts über Youtube zum Standard gehört und damit noch mehr Menschen erreicht werden können, als über die klassischen Podcast-Kanäle. Die wachsende Verbreitung und Reichweite zeigen jedoch lediglich, dass sich das Medium Podcast auch in Deutschland durchsetzt.

Für Unternehmen und Bewerber gibt es noch einige weitere Argumente, die Podcast attraktiv machen. Dazu gehören:

  • Der Produktionsaufwand für qualitativ gute Podcasts ist deutlich geringer als für Videos.
  • Sie können deutlich mehr Mitarbeiter dafür einsetzen und als Gäste einladen. Viele sprechen freier vor einem Mikrofon als vor einer Kamera.
  • Die Distribution Ihres Podcasts ist einfach und kann sowohl über Ihre bestehenden Online-Präsenzen als auch über die vorhandenen Podcast-Verzeichnisse erfolgen - kostenfrei, versteht sich.
  • Sie können Podcasts auf vielfache Art und Weise nutzen - mehr dazu in den Anwendungsbeispielen - und eine einzige Produktion mehrfach einsetzen.
  • Schießen Sie während einer Podcastproduktion Bilder, können Sie daraus problemlos einen Making-Of-Artikel samt Bilderstory erstellen und somit aus einer einzigen Produktion vielfach Content generieren.
  • Mit Podcasts können Sie (potenzielle) Kunden und Netzwerkpartner erreichen, die für Artikel und Videos nicht oder nur wenig empfänglich sind.

Podcast bieten daher ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ihre volle Wirkung können sie jedoch erst entfalten, wenn sie strategisch in die bestehende Kommunikation eingebunden werden.

Tipps für die Podcastproduktion

Arina P Habich / shutterstock.comBei der Podcastproduktion gitb es zwei grundsätzliche Ansätze. Die einen schwören auf maximal Audioqualität, arbeiten mit großen XLR-Mikrofonen und Studioausstattung. Die anderen setzen auf mobiles Equipment, einfache Produktion und gute, jedoch nicht maximal Audioqualität. Welcher Ansatz sich für Ihre Zwecke am besten eignet, müssen Sie natürlich selbst entscheiden.

Für den Einstieg reicht jedoch ein Smartphone mit einem guten externen Mikrofon oder ein USB-Mikrofon, das Sie direkt an Ihren Computer anschließen können. Für die ersten Tests können Sie auf Smartphones die integrierten Audiorekorder-Apps nutzen. Auf Computern reicht die Freeware Audacity für die ersten Schritte aus.

Für die Verbesserung der Audioqualität lohnt sich die Nutzung von Auphonic.com, einem in der Grundversion kostenlosen Dienst, der Audiodateien deutlich verbessert. Verfügen Sie über Audiotechniker und Software, können Sie die Nachbearbeitung natürlich auch selbst übernehmen.

Einsatzmöglichkeiten und Distribution von Podcasts

Syda Productions / shutterstock.comEinfache Produktion mit hoher Audioqualität klingt zwar gut, bringt Unternehmen und Bewerber ohne Einsatzmöglichkeiten und Distributionskanäle jedoch nicht weiter. Wie bei jedem Format und Medium gilt auch bei Podcasts: Sie können die bestehende Kommunikation ergänzen und bereichern, sollten jedoch nie als einziges Medium zum Einsatz kommen.

Im Rahmen der ersten Euphorie ist die Gefahr groß, dass alle Themen durch Podcast kommuniziert werden sollen. Das ist jedoch nicht unbedingt sinnvoll, denn Themen, die sich am besten unterstützt durch Diagramme und Videos erklären lassen, eignen sich nur schlecht für einen Podcast. Die Themen sollten daher - ebenso wie die passenden Formate und Einsatzmöglichkeiten - mit Bedacht ausgewählt und auf die bestehende Kommunikation angepasst werden. Im Folgenden haben wir elf Einsatzmöglichkeiten für Podcasts zusammengestellt.

  1. Newsletter-Ersatz - Sie verschicken intern bisher E-Mail-Newsletter, um Ihre Mitarbeiter auf dem neusten Stand zu halten? Wie viele lesen den Newsletter wirklich? In der Regel dürfte der Prozentsatz recht gering sein. Setzen Sie statt dessen einen internen Podcast auf, in dem Sie in regelmäßigen Abständen in 10 bis maximal 20 Minuten die wichtigsten Informationen behandeln. Dieser ist leichter zu konsumieren und kann bei Mitarbeiter auch dann noch gut ankommen, wenn der Reiz des Neuen nach einige Ausgaben verfolgen ist.
  2. Weiterbildungsergänzung - Sie schulen Ihre Mitarbeiter regelmäßig und bieten Weiterbildungen an? Sehr gut, dann können Sie Podcasts auch hier einsetzen. Erstellen Sie zu den verschiedenen Einheiten Podcasts, in denen die wichtigsten Inhalte zusammengefasst werden und die die Präsenzveranstaltungen ergänzen. So bieten Sie Ihren Mitarbeiter spürbaren Mehrwert und müssen dafür keinen allzu hohen Aufwand betreiben.
  3. Kommentar-Alternative - Sie wollen Ihre Leser zu mehr Kommentaren animieren, finden jedoch nicht den richtigen Ansatz? Dann rufen Sie dazu auf, Kommentare als Audio-Dateien - beispielsweise via Audioboo - einzureichen und weisen Sie daraufhin, dass Sie die Kommentare dann in einem Podcast besprechen und Fragen beantworten werden. Solche Einschübe bringen Abwechslung und frischen Wind in die Kommunikation und können Ihnen dabei helfen, die Interaktion anzukurbeln.
  4. Vortragsmitschnitt - Bieten Sie interne Vorträge an oder halten Ihre Mitarbeiter inhaltlich spannende Vorträge, können Sie diese auch per Audio mitschneiden und als Podcast intern wie extern zur Verfügung stellen. Der Aufwand dafür ist meist überschaubar und wenn vor Ort ohnehin mit Mikrofonen gearbeitet wird, es meist kein Problem, sich in die Anlage einzuklinken. So erstellen Sie Content mit Mehrwert. Lange Vorträge können und sollten Sie in mehrere kleine, inhaltlich und thematisch abgeschlossene Teile schneiden und nach und nach publizieren.
  5. Akustisches Rundschreiben - Neuerungen und Veränderungen werden in Unternehmen in der Regel per E-Mail bekanntgegeben. Videos und Live-Ansprachen gibt es zwar auch, diese lassen sich jedoch nicht immer realisieren. Es stellt jedoch fast keinen Aufwand dar, die wichtigsten Punkte in einen kurzen Podcast zu verpacken und diesen zusammen mit der E-Mail als Ergänzung an alle Mitarbeiter zu verteilen. Idealerweise ist der Podcast dann so gestaltet, dass alle Zuhörer danach die E-Mail lesen wollen.
  6. Youtube-Serie - Ja, Sie haben richtig gelesen, auch ein reiner Audio-Podcast kann die Grundlage einer hervorragenden Youtube-Serie sein. Hinterlegen Sie die Audiospur einfach mit passenden Bildern, Grafiken und Präsentationen und erstellen Sie daraus ein Video. Sie werden sehen, solche Formate finden - wenn sie gut und konsequent produziert werden - auf Youtube erstaunlich viel Anklang und sind deutlich leichter produzierbar als dezidierte Videos.
  7. Podcast Diskussion - Sie können Ihren Podcast natürlich auch dazu nutzen, eine aktuell laufende Fachdiskussion abzubilden und zu begleiten. Lassen Sie dazu in aufeinanderfolgenden Ausgaben Experten und Vertreter verschiedener Standpunkte zu Wort kommen und bieten Sie Ihren Zuhöreren so einen umfassenden Blick auf das Thema. Gegen Ende können Sie dann die besten Stellen zusammenschneiden und daraus eine Kurzversion der gesamten Diskussion erstellen.
  8. E-Book-Ergänzung - Moderne E-Book-Formate wie beispielsweise die Apple iBooks bieten die Möglichkeit, Audio- und Video-Inhalte einzubetten. Doch das ist noch nicht alles, denn Sie können auch die Entstehungsgeschichte eines E-Books, Hintergrundinformationen oder ergänzendes Material in Podcasts zum Buch anbieten und kommunizieren. Verfügen Sie bereits über einen Podcasts, können diese Ausgaben eine Mini-Serie innerhalb Ihres Podcast-Programms darstellen.
  9. Fragen und Antworten - Ähnlich wie bei den bereits angesprochenen Kommentaren können Sie Ihre Kunden auch dazu aufrufen, Fragen in Audioform einzureichen. Diese beantworten Sie dann nach und nach im Podcast. Angenehmer Nebeneffekt: Sie können Ausschnitte der Folgen auch in Ihre FAQ einbinden und diese so akustisch ergänzen und Ihren Kunden Mehrwert bieten, ohne damit mehr Aufwand zu haben.
  10. Akustische Guidelines - Social Media Guidelines und andere Regeln sind in Unternehmen zwar wichtig und sollten jedem Mitarbeiter bekannt sein, werden in der Praxis jedoch nur von einem Teil der Belegschaft gelesen. Bieten Sie diese Guidelines jedoch auch als Podcast an, können Sie damit noch mehr Mitarbeiter erreichen und die Hemmschwelle für die Beschäftigung mit den Guidelines deutlich senken.
  11. Team-Inspiration - Teamleiter und andere Projektverantwortliche sind oft viel unterwegs und können den Kontakt zu ihren Mitarbeitern in der Regel nur elektronisch dauerhaft halten. E-Mails und ausgeklügelte Online-Tools sind dabei sicherlich nützlich, doch Audio-Aufnahmen bieten hier eine etwas persönlichere Möglichkeit. Nehmen Sie diese regelmäßig auf, können Sie als Führungskraft daraus einen teaminternen Podcast machen, den sowohl Sie als auch Ihre Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen pflegen und über den Impulse, Inspirationen und Ideen für alle Teammitglieder ausgetauscht und vermittelt werden können.

Die Einsatzmöglichkeiten zeigen bereits, dass Sie für die Distribution Ihres Podcasts nicht nur klassische Podcastverzeichnisse, sondern auch Youtube in Betracht ziehen sollten. Hier muss der Podcast mit Bildern hinterlegt werden. Diese können als eine Art optische Kapitelmarke dienen, wenn Sie bei jedem neuen Thema auch ein neues Bild hinterlegen.

Dennoch sollten Sie Ihren Podcast auch über Podcastverzeichnisse und -netzwerke verbreiten. Dazu gehören unter anderem iTunes, Soundcloud, Podster und Podcast.de.

Es versteht sich von selbst, dass jede Podcast-Episode idealerweise von einem Blog-Beitrag begleitet und der Podcast in diesen Beitrag eingebunden wird.

Tipps für mehr Zuhörer #Download

cobalt88/ShutterstockEgal ob Sie Podcast als Unternehmen zur Steigerung Ihrer Reichweite oder als Bewerber für den Reputationsaufbau einsetzen: Sie sind vermutlich an hohen Zuhörerzahlen interessiert.

Die besten Tipps für mehr Podcastzuhörer haben wir daher in einer Checkliste zusammengefasst, die Sie als PDF herunterladen können. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Podcast.

Zwei Beispiele für Corporate Podcasts

Abschließend wollen wir noch auf zwei Best Practice Beispiele erfolgreicher Podcasts eingehen. Beide verfolgen einen deutlich erkennbaren werblichen Ansatz, sind jedoch dennoch bei den Zuhörern beliebt. Es handel sich um den Raumzeit- und den Resonator-Podcast. Ersterer wird von der Europäischen Raumfahrt Agentur (ESA) und vom Deutschen Luft- und Raumfahrt Zentrum (DLR) finanziert, letzterer von der Helmholtz-Gemeinschaft.

Bei beiden Podcasts handelt es sich um Interview-Podcasts, in denen Gesprächspartner aus den verschiedenen Unternehmensbereichen zu Wort kommen und Einblicke in die Arbeit bieten. Beide Produktionen verfolgen damit das gleiche Ziel: Menschen für die Themen, die Einrichtungen und schlussendlich für eine Karriere in diesem Bereich - vorzugsweise bei ESA, DLR oder der Helmholtz-Gemeinschaft - zu begeistern.

Der Ansatz ist damit eindeutig werblich angelegt - und funktioniert dennoch. Der Grund: Die vermittelten Themen und interviewten Gesprächspartner sind hoch interessant und werden von den Zuhörern gerne angenommen.

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[Bildnachweis: Kzenon, Arina P Habich, Syda Productions, cobalt88 by Shutterstock.com]