Na, was denken Sie, wie lange Sie brauchen, um herauszufinden, ob Sie einem wildfremden Menschen trauen können und ob der Ihnen helfen kann und wird? Einen Wimpernschlag lang? Zwei Sekunden?? Zehn??? Falsch. Es sind rund 20 Sekunden. Das ist das Ergebnis einer ganz frischen Studie der Universität von Kalifornien in Berkeley. Und das funktioniert sogar, obwohl Sie den Fremden 20 Sekunden lang lediglich dabei beobachtet haben, wie der sich mit einer anderen Person unterhält. “Ziemlich beeindruckend”, findet das auch Aleksandr Kogan, Co-Autor der Studie und Assistent an der Universität von Toronto in Mississauga.

24 Paare nahmen an den Experimenten dazu an der Uni in Berkeley teil. Zuvor wurden allerdings noch Proben ihrer DNA genommen – warum? Dazu später mehr… Dann sollten sich die Pärchen einfach über schlechte Zeiten unterhalten, die sie schon einmal erlebt und durchlebt hatten. Die Dialoge wurden per Video aufgenommen – allerdings wurde dabei nur derjenige gefilmt, der zuhörte.

Einer zweiten Gruppe wurden anschließend die die rund 20-sekündigen Videoclips vorgespielt (siehe Beispiele rechts). Danach sollten sie bewerten, wer dabei am vertrauenswürdigsten auf sie wirkte – basierend auf Körpersprache und Mimik. Mehr gab es ja auch nicht. Beim anschließenden Vergleich mit den DNA-Proben zeigte sich: Jene Personen, die von den Beobachtern als besonders empathisch eingestuft wurden, besaßen tatsächlich einen besonderen Oxytocin Rezeptor. Oder wie Kogan es formuliert: “Wir können Gene sehen. Menschen, die dieses besondere Vertrauens-Gen besitzen, scheinen häufiger zu nicken, zu lächeln, halten mehr Augenkontakt und besitzen eine offenere Körpersprache.”

Und wer dieses Gen nicht besitzt, sei in der Tat weniger in der Lage, sich in andere einzufühlen, deren Emotionen zu interpretieren oder eben auch mit dem entgegengebrachten Vertrauen adäquat umzugehen. Auch das zeigte sich bei der Studie – eben bei jenen, die als weniger vertrauenswürdig eingestuft wurden. Sie besaßen den speziellen Rezeptor nicht.

Natürlich darf man die Studie jetzt nicht überbewerten. Zur Vertrauenswürdigkeit gehört mehr als nur ein Gen. Aber bemerkenswert ist es schon, dass in dem sprichwörtlichen ersten Eindruck, den wir von einer fremden Person haben, doch schon so viel drinsteckt.