Juli 1830. In Paris bricht eine Revolution aus. Der Pöbel wütet auf den Straßen. Am Ende muss König Karl X. abdanken. Es wird eine Kommission gebildet, die seinen Nachfolger wählen soll. Sie entscheidet sich für Herzog Louis Philippe von Orléans. Der tritt zwar für die Privilegien des Adels ein, doch verachtet er zugleich den königlichen Pomp, hasst Zeremonien und verspottet die alten Symbole. Er ist ein König, der zugleich ein Bürgerlicher sein will. Doch damit irrt er gewaltig.
Das Volk akzeptiert dies nicht, verachtete ihn schon bald, und Louis Philippe muss nach England fliehen, wo er seine letzten Jahre als Graf von Neuilly lebt.
Man wird zu dem, wie man sich gibt. Das Verhalten spiegelt wider, wozu man sich berufen fühlt. Wer Kopf und Schultern gesenkt hält, signalisiert Schwäche und weckt so viel Begeisterung wie ein Topf Mehl. Wer sich kleinredet, duckt, nie fordert, bleibt ein Spielball der Mächtigen.
Wer aber schon heute im Vertrauen auf seine künftige Macht auftritt, scheint dazu bestimmt, eines Tages die Krone zu tragen. Es liegt an jedem selbst, seinen Preis zu bestimmen. Gleichzeitig Chef und Untergebener zu sein, funktioniert nicht. Solche tölpelhaften Versuche werden schnell als das erkannt, was sie sind: Anbiederei. Der US-Präsident Franklin D. Roosevelt wählte einen besseren Weg: Im Herzen blieb er Patrizier, nach außen aber betonte er, die Werte und Ziele des gemeinen Mannes zu teilen. Solche Gesten überbrücken zwar nicht den Abstand zwischen oben und unten, aber sie schaffen es, in den Menschen Gefühle wie Loyalität, Furcht oder Liebe zu wecken.
Tatsache ist, man muss die Macht wollen, sonst bekommt man sie nie. Als Entdecker war selbst Christoph Kolumbus bestenfalls Mittelmaß, über die Seefahrt wusste er weniger als ein durchschnittlicher Matrose, geographische Positionen konnte er nicht bestimmen, Inseln hielt er für Kontinente. Doch auf einem Gebiet war er ein Genie: Er wollte etwas Großes erreichen und wusste sich zu verkaufen. Anders lässt sich der Aufstieg eines einfachen Wollwebersohns wohl nicht erklären.







Christoph Kluge
Schöner Bericht – und wie war. Oft genug kommt es vor dass der den Vorzug erhält, der am lautesten klappert und klimpert, nicht der, der am meisten kann.
Bescheidenheit ist eine Zier,
doch weiter kommt man ohne ihr
:-(
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