Bloggen ist eigentlich einfach, schließlich gibt es genug kostenlose Möglichkeiten, sich ein persönliches Blog anzulegen. Doch dann kommt der Haken: das Blog will mit Inhalten gefüllt und eine Leserschaft aufgebaut werden.

Das braucht Zeit, Einsatz und eine gewisse Affinität zum Schreiben. Immer mehr Selbstständige, Firmen und Privatpersonen erkennen die Möglichkeiten, die ein Blog bietet. Der direkte Kontakt zu Lesern oder Kunden, Feedback über Kommentare, eine potentiell große Reichweite, ein Kanal um eigene Inhalt zu kommunizieren – all das klingt attraktiv. Doch um diese Möglichkeiten zu nutzen, ist ein Blog nicht zwingend erforderlich, es gibt Alternativen. Wir haben sechs davon für Sie verglichen.

Kriterien

Um eine Vergleichbarkeit der Plattformen zu gewährleisten, haben wir uns auf die folgenden Kriterien konzentriert.

  • Usability – Eine leicht verständliche, gut strukturierte Benutzeroberfläche un eine einfache Bedienung sind wichtig. Denn nur wenn die Benutzung Spaß macht oder zumindest leicht fällt, wird die Plattform auch langfristig genutzt.
  • Gestaltung – Lassen sich Layout und Design anpassen? Wieviel Gestaltungsmöglichkeiten hat der Benutzer?
  • Plugins/Add-ons – Gibt es Plugins oder Add-ons, die die Plattform um Funktionen erweitern oder die Nutzung vereinfachen?
  • App – Existiert eine App für iOS oder Android? Welchen Funktionsumfang bietet diese? Sind alle wichtigen Funktionen vorhanden?
  • Mobile Nutzung – Wie gut ist die gewählte Plattform auf Smartphones oder Tablets nutzbar? Gibt es eine optimierte mobile Ansicht?
  • Sharing – Lassen Sie sich die Beträge auf anderen Sozialen Netzwerken sharen?

Um das Erbebnis übersichtlicher zu gestalten, haben wir die einzelnen Punkte in Form einer Ampel bewertet: Grün = vorbildlich, Gelb = Vorhanden, aber mit Mängeln, Rot = nicht vorhanden oder ungenügend gelöst. Die Sortierung erfolgt alphabetisch.

Die Plattformen im Vergleich

Kategorie Facebook Google+ Posterous Tumblr Twitter Youtube
Usability AmpelGelb AmpelGrün AmpelGrün AmpelGrün AmpelGrün AmpelGelb
Gestaltung AmpelGelb Ampel-Rot AmpelGelb AmpelGrün AmpelGelb AmpelGrün
Plugins/Add-ons AmpelGrün AmpelGrün Ampel-Rot AmpelGelb AmpelGelb AmpelGelb
App AmpelGrün AmpelGrün Ampel-Rot AmpelGelb AmpelGrün AmpelGrün
Mobile Nutzung AmpelGrün AmpelGrün AmpelGrün AmpelGrün AmpelGrün AmpelGelb
Sharing AmpelGrün AmpelGelb AmpelGrün AmpelGelb AmpelGrün AmpelGrün

Fazit und Noten

  • Facebook


    Der Platzhirsch unter den Sozialen Netzwerken eignet sich auch als Blog-Alternative. Trotz seiner großen Reichweite und Nutzer-Basis ist die Usability verbesserungsfähig. Die Benutzeroberfläche ist inzwischen sehr unübersichtlich und überladen. Das eigene Facebook-Profil lässt sich nur im Bereich des Profilbildes anpassen. Anders sieht es bei einer Facebook-Page aus, diese kann deutlich stärker personalisiert und angepasst werden. Wenn sie dazu mehr wissen wollen, beginnen Sie doch einfach mit unseren umfangreichen How-Tos und Tutorials zum Thema. Für die Einbindung in die Facebook-Pages stellt Facebook selbst auch eine Vielzahl an Plugins bereit. Auch für Firefox gibt es Plugins, die Nutzern weitere Funktionen bieten. Zum Entfernen der Werbung bietet sich beispielsweise Adblock Plus an. Die Facebook App macht auf iOS und Android eine gute Figur. Auch wenn das letzte Update einige Zeit zurück liegt, sind alle wichtigen Funktionen vorhanden. Seit kurzem gibt es zusätzlich die Facebook-Messenger-App, die zur reinen Kommunikation gedacht ist. Eine auf Tablets optimierte App fehlt jedoch. Ergänzend zur App bietet Facebook eine auf mobile Endgeräte optimierte Ansicht. Beiträge lassen sich problemlos in Twitter sharen.

    Nutzung: Gerade wenn es Ihnen auf hohe Reichweite ankommt, ist Facebook optimal als Einstieg. Kurze Beiträge, interessante Links, Videos oder Fotos lassen sich schnell und einfach veröffentlichen. Vor allem Foto-Blogging ist mit der Facebook-App einfach und auf Veranstaltungen und Messen sinnvoll.

    Gesamtnote: sehr gut – gut

  • Google+


    Der neuste Wurf in Sachen Soziale Netzwerke aus dem Hause Google wartet mit einer aufgeräumten und gut strukturierten Benutzeroberfläche auf. Die Benutzung gestaltet sich daher einfach. Eine Anpassung des Designs ist jedoch nicht möglich. Plugins und Add-ons gibt es primär für den Google eigenen Chrome-Browser, doch auch Firefox-User haben einige Optionen.Erwähnenswert sind unter anderem die Enhanced Toolbar for Google Products, Extended share for Google Plus, der Google+ Manager und Start Google Plus. Ausführliche Erläuterungen zu den Add-ons und zu Google+ an sich finden Sie in unserem großen Google+-Guide. Mit dem neuesten Update macht die Android-App einen großen Schritt nach vorne. Beispielsweise lassen sich jetzt auch Hangouts mobil nutzen. Das iOS-Update soll in Kürze folgen. Auch eine mobiel Ansicht ist verfügbar. Das Sharen von Beiträgen in andere Netzwerke ist von Haus nicht vorgesehen. Generell ist Google+ was die Schnittstellen zu anderen Sozialen Netzwerken betrifft noch sehr geschlossen.

    Nutzung: Vor allem wenn Sie eine Technik affine Zielgruppe ansprechen, ist Google+ ideal. Aktuell ist die Mehrheit der Nutzer diesem Kreis zuzuordnen. Google+ eignet sich hervorragend für das “Bloggen zwischendurch”.

    Gesamtnote: gut (-)

  • Posterous


    Posterous punktet durch eine einfach Benutzerführung und ein aufgeräumtes Interface. Die Einstiegshürde ist hier gering. Die Gestaltung beschränkt sich jedoch auf die Auswahl des Hintergrundes oder des Themes, eine wirklich Anpassung ist nicht möglich. Plugins existieren praktisch gar nicht. Durch das Drittanabieter-Add-on Shareaholic ist es jedoch möglich, Inhalte direkt aus dem Browser auf Posterous zu veröffentlichen. Das Add-on gibt es für Firefox und Chrome. Eine App existiert zwar, diese war im Kurztest jedoch extrem instabil und dadurch leider nicht benutzbar. Es kann zwar per E-Mail gebloggt werden – dazu gibt es auch ein Tutorial von uns – doch das ist nur ein schwacher Ersatz für eine funktionierende App. Die Anpassung für mobiel Endgeräte ist jedoch gut gelöst. Den Schwerpunkt legt Posterous eindeutig auf das Sharen von Bildern, Zitaten, Links und kurzen Texten. Von Facebook bis Twitter sind so gut wie alle Sozialen Netzwerke als Sharing-Option vorgesehen.

    Nutzung: Wenn Sie Bilder, Links Zitate und Texte zentrale veröffentlichen und dann auf möglichst viele Soziale Netzwerke sharen wollen, ist Posterous die Plattform der Wahl. Die möglichst breite Verteilung von Inhalten ist die Stärke von Posterous.

    Gesamtnote: gut (-)

  • Tumblr


    Auch Tumblr weist eine benutzerfreundliche und einfache Oberfläche auf, die Funktionen erschließen sich dem Benutzer intuitiv. Design und Layout lassen sich stark anpassen und individualisieren und auch Add-ons stehen für Tumblr zur Verfügung. Ein nützliches Firefox Add-on ist beispielsweise Tumblr Post mit dessen Hilfe Sie Inhalt direkt aus dem Browser auf Tumblr posten können. Bei Tumblr Tag Cloud handelt es sich um ein Plug-In, dass Ihnen die Möglichkeit bietet, tags auf Ihrem Tumblr-Blog einzubinden. Die mobil optimierte Ansicht funktioniert auf iOS und Android gut, die Tumblr App für iOS und Android macht einen guten Eindruck, alle wichtigen Funktionen sind vorhanden, der volle Funktionsumfang der Plattform wird jedoch noch nicht abgebildet. Die Anpassung an mobile Browser ist erwartungsgemäß gut, die Sharing-Optionen fallen jedoch nicht so umfangreich aus, wie beispielsweise bei Posterous.

    Nutzung: Tumblr ist von allen vorgestellten Plattformen noch am ehesten mit einem klassischen Blog vergleichbar. Wenn Sie also kürzere Texte bloggen und gleichzeitig auch interessante Links und andere Inhalte sammeln und teilen wollen, bietet Ihnen Tumblr dafür die nötigen Mittel.

    Gesamtnote: gut (+)

  • Twitter


    Neben Facebook wohl die bekannteste Plattform im Vergleich. Die Benutzeroberfläche ist aufgeräumt und leicht verständlich, der Hintergrund der Twitter-Page lässt sich frei gestalten, das Layout ist jedoch nicht veränderbar. Applikationen gibt es für annähernd jedes bedeutende mobile Betriebssystem, die Palette reicht dabei von iOS bis Blackberry. Die Übersicht aller Apps finden Sie hier. Auch Plugins und Add-ons gibt es für Twitter. Twitterfox ist beispielsweise ein vollständige Twitter-Client, der im Firefox-Browser läuft. Bei Ludicrous handelt sich hingegen um ein Such-Plugin, dass die Suche direkt aus dem Browser in Twitter ermöglicht. Auch ohne die Apps ist die mobile Ansicht auf Smartphones und Tablet gut benutzbar. Twitter bietet von Haus aus zahlreiche Möglichkeiten und APIs, um Tweets auf andere Soziale Netzwerke zu sharen.

    Nutzung: Das Hauptmanko von Twitter: Ihre Tweets sind auf 140 Zeichen beschränkt, längere Texte sind also nicht möglich. Doch das ist gleichzeitig auch die Stärke von Twitter. Zum Einen müssen Aussagen auf die wichtigsten Inhalte komprimiert werden. Zum Anderen können Sie mit wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit und Follower erzielen. Tweeten Sie einfach interessante Links zu Ihrem jeweiligen Fachgebiet. Das ist mit wenig Zeitaufwand verbunden, da die meisten RSS-Clients über eine Twitter-integration verfügen. So können Sie beim lesen Ihrer RSS-Feeds auch gleich Ihren Twitter-Stream füttern.

    Gesamtnote: sehr gut (-)

  • Youtube


    Das bekannteste Videoportal ist gleichzeitig auch der Vorreiter unter den Video-Blogging Seiten. Die Benutzerführung ist zwar nachvollziehbar, im Vergleich zu Posterous oder Tumblr jedoch nicht wirklich benutzerfreundlich. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind jedoch umfassend, der eigenen Kanal kann vom Design her den eigenen Vorstellungen angepasst werden. Plugins und Add-ons existieren zwar, beschränken sich jedoch auf den Download der Videos, wie zum Beispiel im Fall des Video Download Helper. Für die Publikation gibt es keine nativen Plugins, hier muss wieder auf Shareaholic zurückgegriffen werden. Die mobile Nutzung ist – je nach Betriebssystem – nicht optimal. Das liegt vor allem an dem Fehlen von Flash auf iOS und Windows Phone 7. Da nicht alle Youtube-Videos als HTML5-Version vorliegen, ist mobil leider nur ein Teil zugänglich. Die Sharing-Funktionen sind jedoch umfassend vorhanden, vor allem die Integration in Google+ ist gut gelöst.

    Nutzung: Wenn auch das Schreiben von kurzen Texten ein Problem für Sie darstelle, ist Video vielleicht genau Ihr Medium. Gerade bei Messe-Berichten, Hands-On-Testberichten oder Interviews hat Video deutliche Vorteile gegenüber Text.

    Gesamtnote: gut (+)