Ich erinnere mich daran, dass ich einmal in einer Wohnung lebte, in der es riskant war, zwischen dem Ende der Tagesschau und dem Beginn des Straßenfegers heiß zu duschen. Wer es trotzdem wagte, bekam Brandblasen am Rücken. Schuld war der kollektive Harndrang beziehungsweise der daraufhin einsetzende Druckabfall in den Kaltwasserleitungen. Das ist aber lange her und heute alles ganz anders. Die Tagesschau sieht kaum noch einer, und der Straßenfeger beginnt erst um Hartz IV. Nur die Toiletten bleiben noch immer ein Nadelöhr – vor allem im Geschäftsalltag. Und damit spiele ich nicht etwa auf die Treffsicherheit der Besucher an. Obwohl das auch mal ein pikantes Thema wäre.
Ich erzähle Ihnen heute eine andere Geschichte. Ein Freund hat sie wiederum mir erzählt. Er arbeitet im Vertrieb. Die Geschichte geht so: Immer, wenn er einen neuen Kunden besucht, und er geht berufsbedingt zu vielen neuen Kunden, dann plaudern sie erst eine Weile über das Wetter, den letzten Urlaub, die Kinder, über Bandscheibenvorfälle und die nächste Rektoskopie, eben alles, was das Klima auflockert und eine Vertrauensbasis schafft, weil die ja wichtig ist für neue Geschäfte und so, nicht, dass mich das sonderlich interessiert oder für die Geschichte relevant wäre, andererseits, was solls, es fiel mir eben gerade ein und irgendwie lockert es ja auch diese Geschichte auf, wobei für die freilich viel wichtiger ist,
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt übrigens die sogenannte Toilettenpapier-Theorie. Kein Witz. Sie besagt, dass man sich nur anschauen müsse, wie gepflegt das stille Örtchen ist – schon erkennt man die wahre Firmenkultur. Sind etwa die Mitarbeiter selbst dafür verantwortlich, dass die Klorollen gewechselt werden beziehungsweise dem Nachfolger ein benutzbares WC hinterlassen wird und geschieht dies nicht, so sagt das: Hier denkt jeder nur an sich. Ein einziges Hauen und Stechen. Und da der Fisch vom Kopf stinkt, hausen in der Teppichetage vermutlich ebensolche Egomanen.
Aber das ist, wie gesagt, nur eine Theorie. Sollten Besucher Ihres Unternehmens aber dennoch zufällig Ihre stillen Örtchen besuchen wollen, bekommen sie zwangsläufig einen ersten bis bleibenden Eindruck von Ihrem Laden. Da glaube ich meinem Freund aus dem Vertrieb. Welchen – das steht auf einem anderen Blatt.
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Armin-Sascha
Im zweiten Absatz dieses Beitrags steht der wohl längste Satz den ich jemals gelesen habe. *Puh* Da kann Schiller aber einpacken. ;-)
Die Toiletten-Theorie finde ich übrigens – aus eigener Erfahrung – äußerst nachvollziehbar.
Gruß, Sascha
Rene
100% Zustimmung mit der Einschränkung, dass das Gesagte nur bis ca. 17 Uhr gilt, ab dann sind meist die Putzkolonnen unterwegs…
Übrigens auch als Indikator nicht zu verachten: Die Waschbecken und die Spuren des (Nicht-)Gebrauchs – da überlegt man es sich manchmal zweimal, ob man zum Abschied die Hand geben sollte – brrr
Gruß
bee
Ein 22-Zeilen-Satz, puh!
Da ich bisher bei allen Kunden ein sauberes Klo vorgefunden habe, kann ich zu der Theorie selbst nichts sagen. Finde sie aber interessant und werde es mal im Auge behalten.
@Rene: Das will ich auch gar nicht wissen, was ich beim Händeschütteln indirekt alles anfasse *schüttel*
Matthias
an der Theorie ist auf jeden Fall was dran – auch wenn der Schreibstil sehr anstrengend war!
Jochen Mai
Pff…Ihr jungen Internet-Leser seid eben keine langen Lesestücke mehr gewohnt…
A.Franz
Theorie ist eben Theorie…….aber in diesem Fall ist eben echt viel Wahrheit drann.
Ich find in passend und viele sollten sich diesen Beitrag mal genauer zur Brust nehmen.
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Arno.Nyhm
in manchem restaurant oder in mancher imbissbude zeigt ein gang auf die toilette auch den zustand der küche
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