klopapierIch erinnere mich daran, dass ich einmal in einer Wohnung lebte, in der es riskant war, zwischen dem Ende der Tagesschau und dem Beginn des Straßenfegers heiß zu duschen. Wer es trotzdem wagte, bekam Brandblasen am Rücken. Schuld war der kollektive Harndrang beziehungsweise der daraufhin einsetzende Druckabfall in den Kaltwasserleitungen. Das ist aber lange her und heute alles ganz anders. Die Tagesschau sieht kaum noch einer, und der Straßenfeger beginnt erst um Hartz IV. Nur die Toiletten bleiben noch immer ein Nadelöhr – vor allem im Geschäftsalltag. Und damit spiele ich nicht etwa auf die Treffsicherheit der Besucher an. Obwohl das auch mal ein pikantes Thema wäre.

Ich erzähle Ihnen heute eine andere Geschichte. Ein Freund hat sie wiederum mir erzählt. Er arbeitet im Vertrieb. Die Geschichte geht so: Immer, wenn er einen neuen Kunden besucht, und er geht berufsbedingt zu vielen neuen Kunden, dann plaudern sie erst eine Weile über das Wetter, den letzten Urlaub, die Kinder, über Bandscheibenvorfälle und die nächste Rektoskopie, eben alles, was das Klima auflockert und eine Vertrauensbasis schafft, weil die ja wichtig ist für neue Geschäfte und so, nicht, dass mich das sonderlich interessiert oder für die Geschichte relevant wäre, andererseits, was solls, es fiel mir eben gerade ein und irgendwie lockert es ja auch diese Geschichte auf, wobei für die freilich viel wichtiger ist,

dass mein Freund im weiteren Verlauf des Geplänkels über minimalinvasive Proktoskopie irgendwann vorgibt, auf die Toilette zu müssen, was er dann auch tut, allerdings nicht, um sich wirklich zu erleichtern, das tut er nur manchmal, sondern vielmehr um den stillen Ort näher zu inspizieren, weil er in annähernd zehn Jahren Berufserfahrung herausgefunden hat, dass sich die Qualität eines Unternehmens, seiner Belegschaft und seiner Moral am Zustand seiner Latrinen ablesen lässt, wobei ich ja vermute, dass sich die geistige Hygiene eines jeden Menschen am Lokus diagnostizieren lässt, schließlich ist es egal, ob man sich daheim einen Dreck um seinen Dreck schert oder an öffentlichen Orten, jedenfalls nehme ich das an, andernfalls wäre das ja so, als ob jemand regelmäßig Sport macht und sich anschließend von glasigen Schweinshaxen ernährt, also bigott, und solche Menschen gehören kraft physischer Argumente bekehrt, und das wäre noch ein humaner Akt, denn von einer anschließenden Taufe in ihren ranzigen Aborten auf das Bekenntnis an den heiligen Meister Proper inklusive drei Spülungen, bis sie völlig sagrotan sind, habe ich bisher gar nicht geschrieben, ist aber eine gute Idee, merke ich mir, danke, was mich – zugegeben – jetzt wirklich weit weg von der Geschichte geführt hat, während Sie sich sicher längst fragen, was das alles mit dem Betriebslokus zu tun hat, und ob die Quintessenz dieser eklektischen Story am Ende nur die ist, dass, je beschissener (Verzeihung!) die Schüsseln sind, desto mieser auch der Laden ist? Die Antwort lautet: ja.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt übrigens die sogenannte Toilettenpapier-Theorie. Kein Witz. Sie besagt, dass man sich nur anschauen müsse, wie gepflegt das stille Örtchen ist – schon erkennt man die wahre Firmenkultur. Sind etwa die Mitarbeiter selbst dafür verantwortlich, dass die Klorollen gewechselt werden beziehungsweise dem Nachfolger ein benutzbares WC hinterlassen wird und geschieht dies nicht, so sagt das: Hier denkt jeder nur an sich. Ein einziges Hauen und Stechen. Und da der Fisch vom Kopf stinkt, hausen in der Teppichetage vermutlich ebensolche Egomanen.

Aber das ist, wie gesagt, nur eine Theorie. Sollten Besucher Ihres Unternehmens aber dennoch zufällig Ihre stillen Örtchen besuchen wollen, bekommen sie zwangsläufig einen ersten bis bleibenden Eindruck von Ihrem Laden. Da glaube ich meinem Freund aus dem Vertrieb. Welchen – das steht auf einem anderen Blatt.

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