Nein, wirklich sympathisch machen diese Posen nicht: breite Beine, breite Schultern, die Arme spitz angewinkelt, cooler Blick. Machos bauen sich so auf, wenn sie bei Frauen Eindruck schinden wollen. Oder Luftpumpen, die im Job vorgeben mehr zu sein als sie sind. Doch dieses Power Posing, wie die Körpersprache im Fachjargon genannt wird, ist wirkungsvoller, als man meint (oder wahr haben will). Vor allem bei der Jobsuche, wie die Wissenschaftlerin Amy Cuddy von der Harvard Business School herausgefunden hat. Kurz: Wer sich so in Pose bringt, bekommt ganz oft den Job.

Fake It Until You Make It würden die Amerikaner diese Strategie nennen. Aber so ein richtiger Fake ist das eigentlich gar nicht, sagen Cuddy und ihre Kollegen. Wie ihre jüngsten Forschungen zeigen, ist es möglich, durch die Körperhaltung Gefühle und Stress in gewissem Maß zu kontrollieren. Die Wissenschaftler sind sogar davon überzeugt, dass sich so auch mehr Selbstvertrauen erzeugen lässt:

Our research has broad implications for people who suffer from feelings of powerlessness and low self-esteem due to their hierarchical rank or lack of resources. We used to think that emotion ended on the face. Now there is established research showing that while it’s true that facial expressions reflect how you feel, you can also ‘fake it until you make it.’ In other words, you can smile long enough that it makes you feel happy. This work extends that finding on facial feedback, which is decades old, by focusing on postures and measuring neuroendocrine levels.

Oder anders gesagt: In den Versuchen ließ sich nachweisen, dass das Power Posing zu erhöhter Ausschüttung von Testosteron führte und gleichzeitig den Ausstoß des Stresshormons Cortisol verringerte.

Hier spricht Amy Cuddy auch noch mal selbst darüber:

Mehr Selbstvertrauen – weniger Stress

In den Experimenten dazu hatten Amy Cuddy und ihre Kollegen Dana R. Carney und Andy J. Yap von der Columbia Universität 42 Männer und Frauen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte wurde zwei Minuten lang gebeten, besonders kraftvolle Hochstatus-Posen einzunehmen – etwa Füße auf dem Tisch, dazu Hände hinter dem Kopf verschränkt. Oder lässig an einem Tisch lehnend und sich mit einer Hand darauf abstützend. Die andere Gruppe musste genau entgegengesetzte Posen einnehmen: Im Stuhl sitzen, Arme eng zusammen, Hände auf dem Schoß. Oder stehend mit Armen und Beinen verschränkt.

Dabei nahmen die Forscher vor- und nachher Blutproben von ihren Probanden und untersuchten vor allem deren Cortisol- und Testosterongehalt im Blut.

Das Ergebnis dürfte Sie jetzt nicht mehr überraschen: Bei der ersten Power-Poser-Gruppe sank der Cortisol-Spiegel im Schnitt um 25 Prozent, der Testosteronlevel indes stieg um 19 Prozent – bei Männern wie Frauen. Bei der zweiten Gruppe dagegen stiegt der Cortisolwert um 17 Prozent, der Testosterongehalt sank derweil um 10 Prozent.

Bei anschließenden Tests war die erste Gruppe zudem risikobereiter und fühlte sich – erwartungsgemäß – selbstsicherer. Amy Cuddy dazu:

It does appear that even this minimal manipulation can change people’s physiology and psychology and, we hope, lead to very different, meaningful outcomes, whether it’s how they perform in a job interview or how they participate in class.

Übertreiben sollten Sie es mit dem Posen deshalb aber auch nicht. Der Grat zwischen physisch unterstützem Stressabbau und arrogantem Eindruck schinden ist schmal. Und wer es damit übertreibt, fällt durch. Allerdings zeigen auch andere Untersuchungen immer wieder: Wer im Bewerbungsgespräch forscher auftritt, steigert seine Chancen enorm. Personaler lassen sich eben doch beeindrucken…

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