Praktikum in China oder Japan: Knigge für Asien

Ein Gastbeitrag von Sonja Dietz

In asiatischen Megacities wie Shanghai oder Tokyo gibt es unzählige international tätige Unternehmen, bei denen Sie bei einem Auslandspraktikum wertvolle Berufserfahrung sammeln können. Aber Vorsicht: Sowohl in Japan als auch in China tickt die Gesellschaft komplett anders. Ohne gründliche Vorbereitung geht gar nichts. Unser Asien-Knigge sagt Ihnen, worauf Sie im Reich der Mitte und im Land der untergehenden Sonne achten sollten.

Das Praktikum beginnt: Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit

Pünktlichkeit wird sowohl in Japan und China großgeschrieben, besonders im Geschäftsleben. Das gilt nicht nur, aber insbesondere für den ersten Tag Ihres Praktikums, sonst ist der erste Eindruck dahin, bevor Sie überhaupt richtig angefangen haben. Pünktlichkeit bedeutet aber wohlgemerkt nicht etwa auf die Minute da zu sein, sondern fünf bis zehn Minuten vorher.

Verspäten Sie sich, rufen Sie rechtzeitig an, und geben Bescheid, wann Sie voraussichtlich kommen. Sobald Sie eintreffen, brauchen Sie die Verspätung nicht nochmals zu erklären. Eine kurze Entschuldigung reicht. Längere Erklärungen würden Ihnen als Ausreden ausgelegt.

Tipp: Bedenken Sie, dass gerade in den Großstädten die öffentlichen Verkehrsmittel zur Rush Hour proppenvoll sind. Planen Sie also stets genügend Zeit ein, um von Ihrer Wohnung ins Büro zu kommen.

Das erste Zusammentreffen mit dem Chef und den Kollegen: Die Begrüßung

Die erste Hürde ist genommen und Sie sind rechtzeitig im Büro angekommen. Jetzt gilt es, beim ersten Zusammentreffen mit dem Chef und den Kollegen nicht zu patzen. Hier gibt es unterschiedliche Begrüßungsszenarien.

In Japan und China begrüßt man sich traditionell mit einer Verbeugung. Sie werden zwar auch Japaner und Chinesen sehen, die die Hand zur Begrüßung reichen - gerade im Umgang mit Ausländern hat sich das eingebürgert. Aber je nachdem, wie traditionell das Unternehmen ist, in dem Sie hospitieren, können Sie das nicht voraussetzen. Warten Sie also unbedingt ab, wie sich Ihr Chef und Ihre Kollegen Ihnen gegenüber verhalten und tun Sie es Ihnen gleich.

Die Bedeutung der Visitenkarte: Mehr als nur ein Stück Papier

Stuart Jenner/shutterstock.comSicherlich führen die Kollegen Sie im Anschluss durch die Firma und letztlich zu Ihrem Schreibtisch. Wahrscheinlich finden Sie hier ein Päckchen druckfrischer Visitenkarten mit Ihrem Namenszug vor. Das hat seinen Grund. Denn sowohl in China als auch im japanischen Geschäftsleben sind die Kärtchen mehr als nur ein beschriebenes Stück Papier. Tragen Sie diese bei Meetings und Geschäftsterminen mit externen Personen stets bei sich und tauschen Sie das Papierchen zur Begrüßung aus. Hier gilt:

  • Immer mit beiden Händen übergeben.
  • Beim Überreichen nennen Sie Ihren Namen.
  • Erhalten Sie eine Visitenkarte, lesen Sie diese gleich durch.
  • Auf keinen Fall kritzeln Sie respektlos Ihre Notizen darauf.
  • Halten die Karte eine Weile und stecken Sie sie erst dann ein.
  • Aber auf keinen Fall in die Hosentasche. Das ist für das Gegenüber despektierlich.

Kommunikationsfallen lauern überall: Bloß nicht das Gesicht verlieren

Inzwischen sind ein paar Tage ins Land gegangen und Sie finden sich zunehmend besser in der neuen Umgebung zurecht. Eben kam Ihr Chef auf Sie zu und hat Sie zum Teammeeting eingeladen. Glückwunsch! Aber wo war nochmal der Meetingraum? Normalerweise liegt nichts näher, als einen Kollegen nach dem Weg zu fragen. In einem solchen Fall auch sicherlich kein Problem. Denn der Sitznachbar dürfte sich im Haus gut genug auskennen.

Nicht immer ist der Wahrheitsgehalt von Auskünften so eindeutig. Sowohl in Japan als auch in China verliert keiner gerne sein Gesicht. Während man sich dafür hierzulande einiges leisten muss, ist das in China und Japan schnell geschehen. Zum Beispiel, wenn man die Antwort auf eine Frage nicht kennt. Deshalb wird Ihnen Ihr Gegenüber auf jedwede Frage trotzdem eine Antwort geben. Irgendeine. Daher sollten Sie sich bei wichtigen beruflichen Themen unbedingt mehrfach bei unterschiedlichen Personen erkundigen.

So verlieren Sie das Gesicht: Diese Themen bitte nicht ansprechen

Anders herum können aber auch Sie das Gesicht verlieren. Zum Beispiel kann ein allzu starrköpfiges Auftreten fatale Folgen haben: Dann erreichen Sie bei Ihrem Gesprächspartner gar nichts mehr. Das Gegenüber reagiert nur noch mit Gleichmut und Desinteresse.

  • Schlagen Sie stattdessen stets einen freundlichen Ton an.
  • Erklären Sie Ihre Punkte ruhig und sachlich.
  • Vergessen Sie nicht zu lächeln: Smiling is the key to success!

Ein weiteres No-Go ist, kritische oder peinliche Themen anzuschneiden. Folgende Themen stehen für Sie auf dem Index:

  • Familienpolitik
  • Menschenrechte
  • Sex
  • Geld

Kommunikationstücken: Ja oder nein, nein oder ja oder doch nur vielleicht?

Stuart Jenner/shutterstock.comDerlei Sorgen liegen Ihnen aber gerade sehr fern. Ihr Meeting eben hätte nicht positiver verlaufen können! Ihre ersten zaghaften Redebeiträge zauberten ein freundliches Lächeln auf die Gesichter Ihrer Zuhörer und lösten zustimmendes Nicken aus. Nun, wir wollen Ihnen Ihre Euphorie nicht nehmen. Aber das heißt erstmal noch nichts. Ein "Ja" ist in China und in Japan nicht immer wirklich ein "Ja".

Grundsätzlich haben Ihnen Ihre Kollegen mit Ihrer Gestik und Mimik nur gezeigt, Ihnen aktiv zuzuhören. Übrigens sollten auch Sie in Unterhaltungen mindestens nach jedem zweiten oder dritten Satz ein "Ja" verlauten lassen oder nicken. Sonst denkt der Gesprächspartner, dass Sie nichts verstanden haben.

Gehen wir das Meeting nochmal durch. Wie hat Ihr Chef Ihre Präsentation kommentiert? "Es gestaltet sich anders, ja?" Das waren seine Worte. Im Klartext hat er damit Ihr Projekt vom Tisch gewischt. Denn andere Meinungen oder Kritik werden in China und Japan stets sehr ausweichend formuliert. Seien Sie sich dessen im Büroalltag bewusst und achten Sie auf die leisen Zwischentöne.

Ein klares "Nein" werden Sie vermutlich nie zu hören bekommen, stattdessen aber in viele lächelnde Gesichter schauen. Das kann schnell im Kommunikationschaos enden. Aber mit ein bisschen Übung und Feingefühl klappt’s schon mit dem Praktikum im entfernten Ausland.

Über die Autorin

Sonja-DietzSonja Dietz, Jahrgang 1977, arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources Management. Für ihre Kunden aus dem Online-, Print- und PR-Umfeld schreibt sie Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

[Bildnachweis: Stuart Jenner, Stuart Jenner, Stuart Jenner by Shutterstock.com]