Ein Gastbeitrag von Luise Köhler

Der perfekte Praktikant fügt sich, ist sich für nichts zu schade und sorgt dafür, dass immer frischer Kaffee da ist… Pustekuchen! Das war vielleicht mal so und findet sich heute allenfalls noch bei den ewig gestrigen Arbeitgebern. Die modernen Unternehmen dagegen sprechen ihren Praktikanten deutlich mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum zu, als dieses immer noch stark verbreitete Klischee-Denken vortäuscht. Derlei Spielräume wollen allerdings auch genutzt werden. Denn nur so bekommt das Praktikum einen positiven, nachhaltigen Effekt. Die folgenden Tipps fürs Praktikum (PDF) sollen dabei helfen – sind jedoch keinesfalls als starre Regeln mit eingebauter Erfolgsgarantie zu verstehen. Was davon und wie Sie es am Ende umsetzen (möchten), ist immer auch abhängig von der Art und Dauer des Praktikums, von der Firmengröße und -kultur sowie der eigenen Persönlichkeit.

Bevor Sie Ihr Praktikum starten, sollten Sie genau abwägen, was Sie sich davon erwarten und welche Chancen es tatsächlich bietet. Ein Praktikum gibt Einblick in die Arbeitswelt – auch, wenn es sich dabei um ein bestimmtes Unternehmen handelt, welches lediglich einen Bruchteil des großen Jobuniversums ausmacht.

Anhand eines Praktikums lässt sich herausfinden, ob die dort ausgeübte Tätigkeit wirklich das ist, was man in Zukunft machen möchte. Ist das nicht der Fall, hat man zumindest eine Erkenntnis darüber gewonnen, was man nicht will. Und nicht zuletzt lassen sich während der Praxiszeit wichtige Kontakte knüpfen und sich so ein Netzwerk aufbauen, das beim späteren Berufseinstieg hilft – selbst wenn es einen in ein anderes Unternehmen zieht.

Der erste Tag ist der wichtigste

Der erste Tag im Praktikum dient dazu, sich einen Überblick zu verschaffen, das Team kennenzulernen und den eigenen Arbeitsplatz einzurichten. Am Ende des Tages schwirrt den meisten der Kopf und sie verlassen ihren Arbeitsplatz mit dem Kopf voller Eindrücke und Informationen. Auch wenn das alles ein bisschen viel erscheint: Es besteht kein Grund zur Panik. Es ist normal, dass man sich nicht alles sofort merken kann. Damit Sie jedoch möglichst viel mitnehmen können, sollten Sie am ersten Tag wenigstens ausgeschlafen sein, gut gefrühstückt haben und für den Weg zur Arbeit ein bisschen mehr Zeit einplanen. So sind Sie bestens gerüstet für die erste wichtige Aufgabe: aufmerksam Zuhören, wenn erklärt wird, was der eigene Tätigkeitsbereich sein wird, wie die neuen Kollegen heißen und welche Erwartungen das Unternehmen an einen hat.

Ganz sicher treffen Sie am ersten Tag auf viele Menschen, mit denen Sie in den nächsten Wochen und Monaten zusammen arbeiten und entsprechend viel Zeit verbringen werden. Schon deshalb sollten Sie bei der ersten Begegnung stets aufmerksam und höflich sein. Dazu gehört ein fester Händedruck mit Augenkontakt, das Aufstehen bei der Begrüßung sowie Interesse an den Kollegen und deren Jobs, was sich durch ein paar Fragen (nicht mehr als zwei während der Vorstellungsrunde) dokumentieren lässt.

Zur Vorbereitung lohnt sich hier ein Blick auf die Homepage des Unternehmens. Viele Firmen verfügen über eine Teamseite, auf der man sich schon mal einen ersten Überblick von den künftigen Kollegen machen und vielleicht sogar sich deren Namen merken sowie den oder anderen Gesprächsaufhänger mitnehmen kann.

Als Neuling im Team sollten Sie generell offen sein und auf andere zugehen – nicht abwarten, bis die das tun. Das bedeutet freilich nicht, sich jedem mitzuteilen oder gar sich aufzudrängen. Eher sollten Sie beobachten, wie das Team organisiert ist, welche Hierarchieebenen existieren und wie die Arbeitsatmosphäre und der Umgang der Kollegen untereinander ist. Dabei ist wichtig, zunächst neutral zu bleiben und nicht vorschnell Partei zu ergreifen. Das gelingt zum Beispiel, indem Sie die Mittagspausen-Partner regelmäßig wechseln, um verschiedene Seiten zu hören sowie in der Kaffeeküche auch mal Smalltalk mit den Kollegen der anderen Abteilung halten.

Zuverlässigkeit ist die halbe Miete

Jedes Unternehmen verfügt über Regeln. Diese sind entweder schriftlich festgehalten oder als „ungeschriebene Gesetzte“ fest in der Firmenkultur verankert. Das Praktikum dient auch dazu, solche Regeln zu lernen und schauen, ob sie zu einem passen. Wer sich in die vorhandene Firmenkultur gut einfügen kann, hat natürlich klare Vorteile. Denn wer Regeln, Anweisungen und Zeitvorgaben befolgt, macht einen guten Eindruck, schafft Vertrauen und qualifiziert sich für eigenverantwortliche Aufgaben. Aus diesem Grund sollte man als Praktikant auch Routinearbeiten akzeptieren und den Tätigkeitsbereich darauf aufbauend erweitern.

Was ebenfalls Eindruck hinterlässt: Selbstständig anstehende Aufgaben sehen, übernehmen und Vorgesetzte freiwillig und transparent über den Status von Projekten sowie eigene Arbeitsfortschritte auf dem Laufenden zu halten. Wenn es in dem Unternehmen sehr formal zugeht, lässt sich das zum Beispiel mit einem Tätigkeitsbericht via E-Mail erledigen, der einmal wöchentlich an Vorgesetzte verschickt wird. Das symbolisiert zum Einen Verlässlichkeit und zum Anderen Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen. Gleiches gilt aber auch, wenn Probleme auftreten. Kommt man selbst nicht weiter, sollte man frühzeitig auf seine Teamkollegen zugehen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Ein wenig Zurückhaltung ist hingegen bei eigenen, womöglich gar revolutionären Ideen geboten. Gerade bei Veränderungsvorschlägen kommt es enorm auf Ihr diplomatisches Geschick an. So könnten sich die Kollegen auf den Schlips getreten fühlen, wenn ein Praktikant etablierte Handlungsmuster mal eben so in Frage stellt. Bevor Sie also eigene Vorschläge machen, sollten Sie zunächst Beziehungen und Vertrauen aufbauen.

Wer nicht fragt, bleibt draußen

Ganz essenziell für ein erfolgreiches Praktikum ist, keine Angst vor dem Fragen zu haben. Schließlich dient ein Praktikum dazu, die Arbeitswelt kennenzulernen. Keiner erwartet, dass Sie alles wissen und schon alles können. Im Gegenteil: Wer so tut als ob, macht sich nur unglaubwürdig. Vielmehr gilt es, Lernwillen zu signalisieren und offen für Neues zu sein.

Dieses Fragenstellen ist allerdings auch kein Freifahrtschein dafür, die eigene Problemlösungskompetenz verkümmern zu lassen. Heißt konkret: Im Zweifel erst mal googeln oder selber nachdenken – erst dann fragen! Die Kollegen erklären meist gern – erwarten jedoch auch, dass man selbst mitdenkt und aus den Erfahrungen lernt. Deshalb: Fragen Sie am Anfang mehr! Nach den ersten Wochen sollten die grundlegenden Fragen geklärt sein. Wer dann immer noch nicht weiß, was er eigentlich machen soll, gibt ein ganz schlechtes Bild ab.

Feedback können und sollten Sie nach einer Weile aber auch den Kollegen und ihrem Chef geben. Der will idealerweise auch was lernen und profitiert von ihrem unverstellten Blick. Aber Vorsicht: Konstruktives Feedback zu geben, ist eine Königsdisziplin. Es empfiehlt sich immer, mit etwas positivem zu beginnen und dann zu den Schwachstellen überzuleiten, um den anderen nicht vor den Kopf zu stoßen. Schildern Sie aber nicht nur Problemfelder – bieten Sie immer auch gleich Verbesserungsvorschläge an, welche im Idealfall als Diskussionsgrundlage dienen. Nur so werden Sie konstruktiv.

Apropos: Zum Schluss noch eine Art Checkliste, was ein Praktikant unbedingt mitbringen sollte:

  • gute Vorbereitung
  • Interesse und Beobachtungsgabe
  • Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • keine Angst vorm Fragenstellen
  • Lernwilligkeit
  • Problemlösungskompetenz
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • keine Angst vor Feedback
  • den Blick über den Tellerrand

Und machen Sie sich ruhig bewusst: Unternehmen suchen keine eierlegenden Wollmilchsau, sondern junge, aufgeschlossene und lernwillige Menschen, die ihr Praktikum bestmöglich für sich selbst und für das Unternehmen nutzen möchten. Den perfekten Praktikanten gibt es nicht, aber ein perfektes Praktikum.

Über die Autorin

Luise Köhler leitet das Karrieremagazin der Jobbörse Praktikum.info und berät dort Schüler, Studenten und Absolventen rund um den Berufseinstieg.