“Und das funktioniert?” – Diese leicht ungläubige Frage habe noch vor wenigen Jahren auf zahlreichen Vorträgen und Workshops gehört. Sie bezog sich – glücklicherweise – nicht auf meine Präsentation, sondern auf das dafür verwendete Gerät: das iPad. Im ersten Jahr nach der Einführung war es einfach noch ein wenig exotisch, mit dem Tablet aus dem Hause Apple Präsentationen zu halten. Ein Blick in heutige Unternehmen zeigt, dass sich das grundlegend geändert hat. In vielen Meetings kommen ganz selbstverständlich iPads zum Einsatz und manche Unternehmen rüsten ihre Mitarbeiter sogar standardmäßig damit aus. Doch auch die beste Technik garantiert noch keine gute Präsentation und so einfach die Bedienung des iPads auch sein mag: Die für eine störungsfreie Präsentation notwendige Technik und der passende Workflow müssen beherrscht werden. Heute stelle ich Ihnen daher die wichtigsten Tipps und Apps für diesen Zweck vor.

Ein wichtige Anmerkung im Vorfeld: Die folgenden Tipps und App-Empfehlungen basieren alle auf meiner eigenen Erfahrung und den Erfahrungen meiner Coachees und Workshop-Teilnehmer. Logischerweise finden Sie daher nicht alle im AppStore verfügbaren Applikationen im Artikel wieder. Sie vermissen eine App, mit der Sie gute Erfahrungen gemacht haben? Dann hinterlassen Sie einfach einen Kommentar.

Struktur und Spannung hängen vom Redner ab

Wie alle technischen Neuerungen scheint auch das iPad von einigen Damen und Herren als Garant für gute Präsentationen gesehen zu werden. Um das ganz klar zu sagen: Diese Eindruck ist komplett falsch. Ja, das iPad eignet sich hervorragend als Präsentationsgerät, doch eine gute und spannende Präsentation steht und fällt nach wie vor mit Struktur und Vortragsstil. Ohne die richtige Präsentationstechnik, einen klaren Folienaufbau und einen deutlich sichtbaren roten Faden kann keine Präsentation wirklich funktionieren. Daran ändert auch das iPad nichts.

Im Gegenteil bringt das iPad sogar einen Risikofaktor mit, dem bisher nur Mac-Nutzer ausgesetzt waren: Keynote. Das Apple eigene Präsentationsprogramm kann mit einer einfachen Bedienung und zahlreichen ansprechenden Effekten aufwarten. Doch Letztere können zu einem echten Problem werden. Denn der übertriebene Einsatz von Animationen und Effekten lenkt das Publikum leicht von den Inhalten und der Präsentation an sich ab. Daher gilt auch mit Keynote der Grundsatz: Beschränken Sie sich auf zwei, maximal drei Effekte und setzen Sie diese nur unterstützend ein.

Praxiseinsatz und technische Voraussetzungen

Um das iPad an einen Beamer anzuschließen, haben Sie grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Optionen: Erstens die drahtlose Verbindung via WLAN und zweitens die Verbindung über einen Adapter. Beamer mit integriertem WLAN-Modul sind bisher Mangelware und meist enorm teuer. Meine Erfahrungen mit solchen Beamern sind zudem durchwachsen: Der WLAN-Empfang war oft instabil und es kam immer wieder zu Verbindungsabbrüchen.

Besser funktioniert da schon die Präsentation über einen Apple TV. Dieser bildet die Brücke zwischen WLAN und Beamer. Präsentationen und andere Inhalte lassen sich so problemlos vom iPad an den Beamer übertragen. Gerade mit dem iPad mini können Sie sich während der Präsentation frei im Raum bewegen und Ihre Folien von jedem Punkt im Raum steuern. Mit der Präsentationsansicht von Keynote haben sie gleichzeitig einen wunderbaren Ersatz für die weit verbreiteten Moderationskarten in der Hand und sehen sowohl die nächste Folie als auch Ihre Notizen. Zwei Einschränkungen gibt es hier jedoch: Erstens muss die WLAN-Verbindung stabil sein. In Gebäuden mit vielen drahtlosen Netzwerken kann das zu einem echten Problem werden. Zweitens ist das “große” iPad für das dauerhafte Halten in einer Hand deutlich zu schwer, als wirklich mobiles Präsentationsgerät sollten Sie auf das iPad mini zurückgreifen.

Die Verbindung mittels Kabel und Adapter ist dagegen problemlos möglich. Da die Adapter sowohl für HDMI- als auch VGA-Anschlüsse verfügbar sind, lässt sich das iPad so an jeden Beamer anschließen. Einziger Nachteil: Das Tablet kann dann nicht mehr bewegt werden. Von einer Präsentation mit einem zwischengesteckten Lightning-auf-Dock-Connector-Adapter rate ich Ihnen ab. Einige meiner Coachees haben damit zwar gute Erfahrungen gemacht, in meinen Tests war die Verbindung jedoch alles andere als zuverlässig.

Das iPad – vielfältiges Präsentationsgerät

Gut, Sie haben das iPad also stabil mit einem Beamer verbunden. Damit stehen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten offen, denn das iPad kann viel mehr, als nur klassische Präsentationen abspielen. Zu den zahlreichen Funktionen gehören – neben den Präsentationen – unter anderem:

  • Elektronischer Whiteboard-Ersatz
  • Präsentation von Filmen
  • Darstellung von Webseiten oder Applikationen
  • Nutzung als zweites Display (unabhängig vom Beamer)
  • All diese Funktionen lassen sich mit einem iPad problemlos abdecken und können sinnvoll in eine Präsentation integriert werden. Doch auch hier gilt: Jede Funktion muss den Inhalt unterstreichen und darf nicht überstrapaziert werden.

    Ein wichtiger Hinweis: PowerPoint- oder OpenOffice-Dateien lassen sich auf dem iPad nur mit deutlichen Formatierungsverlusten einsetzen. Microsoft Office für iOS soll – so zumindest die Gerüchtelage – zwar 2013 erscheinen, doch aktuell gibt es keine wirklich kompatible Applikation. Einzig der Einsatz von Office 365 – der Microsoft eigenen Web-Suite – kann zufriedenstellende Ergebnisse liefern. Wissen Sie jedoch bereits im Vorfeld, dass die Präsentation mit einem iPad gehalten wird, sollten Sie entweder nur einfach Formatierungen und Effekte verwenden oder das Dokument von vornherein in Keynote erstellen. Auch ein Export in das PDF-Format ist denkbar, jedoch mit dem Verlust aller Effekte verbunden.

    Apps für Präsentationen und Workshops

    Im Folgenden stelle ich Ihnen die Applikationen vor, die sich in meinem praktischen Einsatz bewährt und als zuverlässig herausgestellt haben. Die Programm decken alle oben vorgestellten Anwendungsfälle ab, Sie können für jede Funktion aus mehreren Optionen die für sich passende auswählen. Für die Wiedergabe von Filmen und die Darstellung von Webseiten nutze ich die integrierten Applikationen oder den Chrome-Browser.

    Präsentation

    • Keynote – Der Klassiker alle Präsentationsprogramme auf dem iPad. Die Apple eigene Applikation ist nach wie vor die beste und erste Wahl für Präsentationen.
    • Documents to Go – Diese Applikation kann grundsätzlich alle Microsoft Office Dokumente – auch PowerPoint-Dateien – darstellen. Komplexe Formatierungen und Effekte gehen jedoch oft verloren.
    • MindNode – Sie präsentieren gerne mit MindMaps? Dann ist MindNode definitiv einen Blick wert. Durch das Ein- und Ausklappen bestimmter Äste und Unterpunkte können Sie Ihre Präsentation steuern und gestalten.
    • Prezi for iPad – Wer Prezi ohnehin nutzt und mit der etwas anderen Art der Präsentation gut zurecht kommt, ist mit dieser Applikation auf jeden Fall gut bedient.

    Elektronisches Whiteboard

    • Adobe Ideas – Die Applikation bietet Ihnen alles, was Sie von einem Whiteboard erwarten. Sowohl Zeichnungen als auch schnelle Notizen und Markierungen sind möglich.
    • Penultimate – Sei wollen auf Ihrem elektronischen Whiteboard hauptsächlich handschriftliche Notizen erstellen? Dann ist Penultimate ein heißer Kandidat. Mit der richtigen Einstellung können Sie beim Schreiben sogar den Handballen auf dem iPad-Bildschirm ablegen, ohne den Schreibfluss dabei zu stören.
    • Paper – Wer es etwas kreativer und künstlerischer mag, sollte einen Blick auf Paper werfen. Die Applikation versteht sich zwar selbst als Skizzenbuch, lässt sich jedoch in Workshops wunderbar einsetzen.

    Zweites Display

  • Air Display – Diese Applikation erlaubt es Ihnen, das Display ihres Computers auf dem iPad zu spiegeln oder dieses als zweiten Monitor zu verwenden. Vor allem bei kleineren Gruppen, in denen kein Beamer verfügbar ist, bietet sich der Einsatz als Display-Mirror an.
  • TeamViewer – Mit TeamViewer können Sie das Display ebenfalls spiegeln. Außerdem ist – wie auch bei Air Display, die Fernsteuerung des Computers über das iPad möglich. Die Bedienung ist dann jedoch ziemlich frickelig und alles andere als komfortabel.