Praxiserfahrung oder gute Noten Was sich für Absolventen lohnt„Wissen ohne Tun ist nicht Wissen.“ – Diesen altbekannten Satz kann der eine oder andere Studenten vermutlich schon nicht mehr hören. Er spielt auf ein Problem an, das sowohl Studenten als auch Bildungsträger und Arbeitgeber seit Jahren umtreibt: Einerseits wird im Studium enorm viel Fachwissen vermittelt- und über Noten bewertet – das später in den Unternehmen benötigt wird. Andererseits legen Arbeitgeber auch auf Praxiserfahrung wert – für die in vielen Hochschulstudiengängen nur wenig Zeit bleibt. Absolventen müssten diese ergänzend zum Studium erwerben. Da stellt sich natürlich die Frage: Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Die spontane Reaktion vieler Studenten und Personaler lautet vermutlich: Praxiserfahrung lohnt sich immer. Doch ganz so einfach lässt sich die Frage nicht beantworten, zu viele individuelle Faktoren spielen hier eine Rolle. Neben der beruflichen Ausrichtung der Studenten geht es auch um die Erwartungen im gewählten Arbeitsfeld und die Struktur des Studiums.

Praxiserfahrung ist zwar wünschenswert, doch was, wenn diese auf Kosten des Fachwissens und der – vor allem in Deutschland wichtigen – Noten und Beurteilungen geht? Nicht jeder Student ist in der Lage, sowohl sein Studienpensum als auch Praktika und Kooperationsprojekte gleichermaßen gut zu absolvieren.

Finden Sie Ihren Schwerpunkt

Studenten müssen sich daher oft zwischen umfassender Praxiserfahrung und guten Beurteilungen entscheiden. Ein Weg, diese Entscheidung zu vereinfachen, kann die Kombination von Praxiserfahrung und Studienfinanzierung sein. Da viele Studenten um einen Studentenjob ohnehin nicht herum kommen, sollten sie sich idealerweise einen Job suchen, bei dem sie auch relevante Praxiserfahrung sammeln können.

Streben Sie als Absolvent dagegen eine akademische oder wissenschaftliche Karriere an, ist die Praxiserfahrung jedoch ein wenig anders geartet. Sie spielt zwar eine Rolle, lässt sich mit guten Noten jedoch hervorragend verknüpfen, da sie sich primär auf wissenschaftliches Arbeiten und Forschungsaufgaben im jeweiligen Fachgebiet bezieht.

Um wirklich entscheiden zu können, ob Sie den Schwerpunkt auf Ihre Noten oder auf Ihre Praxiserfahrung legen sollten, sind die folgenden Faktoren relevant:

  • Welche Unternehmen haben Sie als Arbeitgeber im Blick und wie viel Wert legen diese auf Noten?
  • Spielen Noten im Bewerbungsprozess der Branche eine Rolle?
  • Gibt es ein formales Bewertungssystem, dem Bewerber bei der Jobsuche unterliegen?
  • Haben Sie vor, später einen Master an Ihren Bachelorabschluss dran zu hängen?
  • Planen Sie andere Weiter- und Fortbildungen, bei denen Ihre Noten relevant werden können?
  • Wie sehen die Erfahrungen von Alumni Partnern aus? Was sagen Unternehmen auf Messen und Events zur Bedeutung der Noten?

Referenzen entscheiden

Noch einen Punkt sollten Sie als Student unbedingt beachten: Ihre Praxiserfahrung ist nur dann für Ihre Jobsuche relevant, wenn Sie diese auch nachweisen können. Ohne überzeugende Nachweise und Referenzen ist auch die umfangreichste Erfahrung nicht viel wert, da Sie diese dem Arbeitgeber nicht belegen können.

Idealerweise können Sie im Rahmen Ihrer Praxiserfahrung bereits überzeugende Ergebnisse erzielen und später auf entsprechende Projekte verweisen. Das ist zwar nicht ganz einfach, jedoch definitiv möglich. Bedenken Sie bitte: Auch das Unternehmen und der Kontext, in dem Sie Ihre Praxiserfahrung sammeln, spielen für die Qualität und Wirkung in der Bewerbung eine Rolle.

Praxiserfahrung ist für Absolventen wichtig, doch diese darf in vielen Branchen – vor allem wenn Sie sich bei deutschen Unternehmen bewerben – nicht auf Kosten guter Noten und Beurteilungen gehen. Studenten sollten sich neben ihrem Studium die notwendige Erfahrung aneignen. In welchem Umfang diese notwendig ist, muss individuell abgewogen und entschieden werden.