Quizfrage: Welcher US-Schauspieler wusste bis zu seinem 38. Lebensjahr nicht, dass seine angebliche Schwester in Wahrheit seine Mutter ist? Na? Na??
Okay, ich verrate es Ihnen: Jack Nicholson.
Das ist – zugegeben – unnützes Wissen. Aber es ist auch eine typische Frage, wie sie im Spiel „Trivial Pursuit“ vorkommen könnte. Oder bei „Wer wird Millionär“. Nun ist es bei solchen Quizfragen immer so: Es gibt leichte Fragen, und es gibt schwere. Entsprechend unterschiedlich schneiden wir dabei ab. Man kann das nicht beeinflussen. Oder doch?
Offenbar doch. Denn Ad van Kippenberg und Ap Dijksthuis von der Universität Amsterdam machten dazu ein bemerkenswertes Experiment mit zwei Studentengruppen: Sie ließen beide Teams je 42 relativ schwierige Trivial-Pursuit-Fragen beantworten, wobei man dazu sagen muss, dass sich beide Gruppen hinsichtlich Intelligenz und Vorbildung nicht unterschieden.
Der einzige Unterschied bestand darin, dass die beiden Forscher eine Gruppe baten, sich fünf Minuten vor dem Spiel schriftlich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie es wohl sei, Professor zu sein. Die andere Gruppe sollte indes aufschreiben, wie sie sich als Fußballrowdy sähen. Sie ahnen was passierte: Die Professoren-Gruppe schnitt besser ab. Diese Studenten konnten 23 der Fragen richtig beantworten, die Rowdys nur 18.
Priming heißt das im Fachjargon und kommt aus der Ecke des Neurolinguistischen Programmierens, kurz NLP. Das ist als Methode nicht unumstritten, funktioniert aber in der Praxis erstaunlich oft.
So gibt es dazu noch ein ein weiteres Experiment, das 1996 an der Universität von New York von John Bragh, Mark Chen und Lara Burrows initiiert wurde und das ich in dem Buch von Martina Schmidt-Tanger „Charisma-Coaching“ entdeckt habe. Dabei bekamen die Probanden (in diesem Fall handelte es sich erneut um Studenten) ein paar Wortreihen, die Sie zu Sätzen umstellen sollten. Die Listen hätte zum Beispiel so aussehen können:
heute – nett – Sie – angezogen – Stadt – einkaufen
Sonne – höflich – Reise – jetzt – warten – Mann
wissen – Geduld – Baby – schläft – für – verstehen
Techniker – angenehm – fahren – Auto – Zeit
Vogel – zuschauen – Park – Gesundheit – andere
Gewiss, keine schwere Aufgabe. Aber das war auch nicht das eigentliche Experiment. Kurz darauf wurden die Studenten nämlich gebeten, den fertigen Sprachtest ihrem Versuchsleiter persönlich auszuhändigen – nur unterhielt sich der sehr angeregt mit einem Kollegen. Der tatsächliche Test war: Wie lange würden die Studenten wohl warten, bevor sie (unhöflicherweise) das Gespräch des Professors unterbrächen, um ihm den Zettel zu überreichen?
Das Erstaunliche: 82 Prozent der Probanden harrten geduldig aus, unterbrachen nie und warteten und warteten… Wie konnte es dazu kommen? Genau: wieder Priming. Denn wenn Sie sich die Wortreihen noch einmal aufmerksam durchlesen, werden Sie feststellen, dass dort unterschwellig eben diese Botschaft, zu warten, transportiert wurde. Die Studenten wurden de facto manipuliert:
heute – nett – Sie – angezogen – Stadt – einkaufen
Sonne – höflich – Reise – jetzt – warten – Mann
wissen – Geduld – Baby – schläft – für – verstehen
Techniker – angenehm – fahren – Auto – Zeit
Vogel – zuschauen – Park – Gesundheit – andere
Oder wie Martina Schmidt-Tanger schreibt: „Die Studenten waren auf das Assoziationsfeld Geduld geprimt worden und durch die Wörter in einen geduldigen, höflichen, gelassenen Zustand versetzt worden, ohne es zu bemerken.“
Nun kann man diese Ergebnisse zur Kenntnis nehmen und mit einem Jaja, ich weiß… alt! quittieren. Oder aber Sie machen sich das nächste Mal bewusst, wenn Ihnen etwas Dummes passiert und Sie vor sich hinmurmeln Warum passiert sowas immer ausgerechnet mir? oder Ich Idiot!, dass Sie sich damit womöglich primen (Video) könnten. Positiv funktioniert das natürlich auch. Am besten Sie probieren das gleich mal aus:
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kosmar
hehe
Jochen Mai
@Kosmar: Ah, es wirkt…
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Alexander Benker
ich kann nicht anders: ich muss einen Kommentar schreiben :-)
Twittern ist schon erledigt und im RSS-Feed ist der Blog hier schon lange.
Empfohlen habe ich die Seite auch schon oft :-)
Stefan Menden
Dan Ariely, Professor für Behavioral Economics am MIT, hat mehrere spannende Experimente zum Priming gemacht und in seinem Blog http://web.mit.edu/ariely/www/MIT/ und Buch “Predictably Irrational” veröffentlicht. Beide sind sehr zu empfehlen.
Meine persönliche Lehre daraus: Vor einem wichtigen Termin, Test, Bewerbungs-, Kundengespräch sich gedanklich in ein “Ja, ich kann das!” Umfeld bewegen. Eventuelle negative Ergebnisse verdrängen. Funktioniert.
David
Haha, ich lass mich doch nicht so simpel beeinflussen.
Mist…
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