Private Hochschule: Pro und Contra
Die Schule ist beendet, das Abi ist in der Tasche... Was nun? Immer mehr Abiturienten entscheiden sich für ein Studium an einer staatlichen Hochschule und ziehen eine private Hochschule noch nicht einmal in Betracht. Grund: Sie ist zu teuer. Das stimmt. Sie bietet aber auch Möglichkeiten, die an einer staatlichen Hochschule nicht gegeben sind...

Die Zahl der privaten Hochschulen steigt

Trotz der sinkenden Nachfrage, gibt es immer mehr private Hochschulen in Deutschland. Laut dem Bildungsbericht (PDF) von 2016 hat sich die Zahl in den vergangenen 20 Jahren vervierfacht. Während sich aber 88 Prozent der Studienanfänger im Wintersemester 14/15 für eine stattliche Universität oder Fachhochschule eingeschrieben haben, lag ihre Zahl an privaten Bildungseinrichtungen (Universitäten und Fachhochschulen) bei nur sieben Prozent.

Die Gründe für die vergleichbar geringe Zahl der Studienanfänger liegt auf der Hand: Eine private Universität kostet erst einmal deutlich mehr – zwischen 4000 und 12.000 Euro im Jahr müssen die Studenten für Studiengebühren einkalkulieren. Das ist rund zehn Mal so viel, wie für die Studienbeiträge an einer staatlichen Universität. Dennoch oder gerade deswegen genießt der private Bildungsweg ein hohes Ansehen bei den Arbeitgebern.

Staatliche oder private Hochschule: Vor- und Nachteile

Zahlreiche Vorurteile kreisen um den Status der Privatuniversitäten: Eine private Hochschule ist elitär, dort studieren nur Kinder aus reichem Hause, dort wird die zukünftige Elite ausgebildet... Und das sind noch die netteren Klischees.

Aber versammeln sich wirklich nur die Sprößlinge aus reichem Elternhaus auf einer privaten Hochschule und bekommen sie dort wirklich die bessere Ausbildung? Hier die Aufklärung...

  • Zulassungsvoraussetzungen

    An einer privaten Hochschule studieren die Abiturienten, die den Numerus Clausus an der stattlichen Universität nicht geschafft haben – so ein weiteres Vorurteil. Das kommt tatsächlich vor, allerdings nicht, weil die privaten Hochschulen alle aufnehmen, die einen großen Geldbeutel haben, sondern weil sie ganz andere Zulassungsvoraussetzungen haben. Studienanfänger dort müssen häufig ein Assessment Center durchlaufen, einen Eignungstest machen und sich einigen Bewerbungsgesprächen unterziehen. Ob Sie dort studieren dürfen, hängt also nicht nur von der durchschnittlichen Abiturnote ab.

  • Studiengebühren

    Ein Studium an der privaten Hochschule ist zwar teuer. Wer über die Mittel nicht verfügt, kann es sich dennoch dank unterschiedlicher Finanzierungsmöglichkeiten leisten: Neben dem BAföG und zahlreichen Stipendienprogrammen bieten viele private Hochschulen die sogenannten nachlaufenden Studiengebühren an. Sie sind erst fällig, wenn der Absolvent im Job ein bestimmtes Nettoeinkommen erreicht. Kredite und Darlehen sind weitere Möglichkeiten zur Finanzierung des Studiums.

  • Studieninhalte

    Die meisten Privatuniversitäten werden von mittelständigen und großen Unternehmen unterstützt – das wirkt sich auch auf die Studieninhalte aus. Die Unternehmen investieren das Geld nicht einfach so in die Bildung, sondern erhoffen sich im Gegenzug kompetentere Fachkräfte für die Zukunft. Das muss aber kein Nachteil sein: Durch den engen Kontakt zur Wirtschaft entsteht ein gut ausgebautes Netzwerk - die Studenten kommen so leichter an Praktikumsplätze und Jobs.

  • Lernumfeld

    Die hohen Studienbeiträge wirken sich auf die Ausstattung des Lernumfeldes aus: Die Seminar- und Vorlesungsräume sind in der Regel an privaten Hochschulen hochmodern ausgestattet, der persönliche Kontakt zum Dozenten ist eng, die aktuellsten Arbeitsgeräte werden häufig von den Sponsoren gestellt. Auch der Service, die Gebäude und die Computerpools sind oft auf höherem Niveau als bei staatlichen Bildungseinrichtungen.

  • Dozenten

    Die Dozenten an der stattlichen Universität sind oft überlastet: Bei Studiengängen mit mehr als 300 Studenten kommt das auch nicht überraschend. Einige von ihnen gehen auf die Zuhörer gar nicht ein – sie stellen sich vor die Tafel und rattern ihren Stoff in den eineinhalb Stunden durch. Bei Fragen oder Unklarheiten sind die Studenten auf sich allein oder auf Kommilitonen angewiesen. Auch die Sprechstunden sind überfüllt – Wartezeiten von mehreren Wochen sind die Norm. An privaten Hochschulen hingegen haben die Dozenten maximal 30 Studenten pro Studiengang – dies gewährleistet eine angenehmere Atmosphäre und persönlichen Kontakt.

  • Berufsaussichten

    Die Abschlüsse beider Hochschularten sind formal gesehen gleich wert – sie werden beide staatlich anerkannt. Die Aussicht auf einen Job nach dem Studium ist bei Absolventen einer privaten Hochschule allerdings höher. Grund: der engere Kontakt zur Wirtschaft, die Praktika und die Empfehlungen ebnen den Weg bereits während des Studiums. Wie ein Arbeitgeber den einen oder anderen Abschluss bewertet, hängt aber letztlich von dessen Einstellung dazu ab. Eine Garantie auf einen Job haben beide Absolventen nicht.

Private Hochschule: Pro und Contra

Hier noch mal die Vor- und Nachteile im Überblick:

Pro

    Daumenhoch_t

  • Die Zulassung hängt nicht nur vom Numerus Clausus ab.
  • Meist ein Abschluss in Regelstudienzeit und geringe Abbruchquote.
  • Persönlicher Kontakt zu den Dozenten.
  • Lernen in kleineren Gruppen.
  • Moderne Ausstattung der Räume und Lernmaterialien.
  • Gute Chancen auf einen Job nach dem Abschluss.

Contra

    Daumenrunter_r_t

  • Hohe Studiengebühren - oder hohe Schulden in der Zukunft.
  • Stark reguliertes Studium, kaum Blicke über den Tellerand.
  • Für die weitere Forschung und den Weg in die Wissenschaft ungeeignet.
  • Hoher Einfluss der Privatwirtschaft auf den Lernstoff.

Staatliche oder private Hochschule?

Bevor Sie sich für eine private Hochschule entscheiden, sollten Sie zuerst überlegen, ob dies bei dem gewünschten Studienfach sinnvoll ist.

Die Fächer der Wirtschaftswissenschaften eignen sich besonders gut dafür. Auch Informatiker und Maschinenbauer mit einem privaten Abschluss sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Geisteswissenschaftliche und medizinische Fachrichtungen sind dagegen an einer staatlichen Universität besser aufgehoben, weil sie stark mit der aktuellen Forschung zusammenhängen.

Auch haben nicht alle privaten Hochschulen das Promotionsrecht. Falls Sie nach dem Abschluss einen Doktortitel anstreben, sollten Sie sich vor der Einschreibung informieren, ob dies an der gewünschten Universität überhaupt möglich ist.

Eine persönliche Atmosphäre ist für die Lernleistung vorteilhaft, aber nicht jeder braucht sie. Haben Sie gelernt, selbstständig und diszipliniert zu lernen, sind Sie auch an einer staatlichen Hochschule gut aufgehoben.

Nutzen Sie daher unbedingt auch die sogenannten Schnuppertage den privaten Universitäten. An staatlichen Hochschulen können Sie sich ebenfalls in eine laufende Vorlesung setzen und sich so einen ersten Eindruck verschaffen. Schauen Sie sich zudem die Ranglisten an, welche Einrichtung den besseren Ruf in Ihrem Wunschfach hat. Erst dann sollten Sie eine Entscheidung treffen.

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