Rund 4,5 Prozent der deutschen Studenten waren im vergangenen Wintersemester in einer privaten Hochschule eingeschrieben. Vor neun Jahren lag ihr Anteil noch bei 1,4 Prozent. Laut Informationen des Statistischen Bundesamts (pdf) wird das Studium an privaten Einrichtungen immer beliebter. Trotz der nach wie vor geringen Studentenzahlen – 96.100 von insgesamt 2.119.500 Studenten – ist der Anteil der Kommilitonen an privaten Hochschulen in Deutschland auf rund ein Viertel gestiegen.

Nach einer Sozialerhebung der deutschen Studentenwerke benötigt ein Student etwa 740 Euro monatlich, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dazu kommen an öffentlichen Hochschulen, je nach Regelung des Bundeslandes, um die 600 Euro pro Semester an Studiengebühren (inklusive Semesterbeitrag). An privaten Hochschulen fällt dieser Betrag ungleich höher aus: 5.000 Euro pro Semester sind es zum Beispiel für Studenten der WHU Vallendar. Obwohl ein Studium an einer privaten Hochschule wesentlich mehr kostet als an einer öffentlichen Hochschule, scheint das deren Nachfrage nicht zu schmälern. Aber: Studiert es sich dort wirklich besser? Wir vergleichen: In welchen Bereichen die privaten Hochschulen tatsächlich besser sind, zeigt die nachfolgende Tabelle…

PrivatÖffentlich

Angebot:Leere Studiengänge, nicht gehaltene Vorlesungen oder Seminare, aufgrund fehlender Studenten können sich die Privaten nicht leisten. Daher überwiegen Fächer, die von der breiten Masse belegt – vereinzelt auch sehr exotische Studiengänge, die von den Unternehmen gewünscht werden.Zahlreiche Fakultäten mit diversen Spezialisierungsmöglichkeiten. Von 410 Einrichtungen in Deutschland sind 308 in öffentlicher Hand, mit durchschnittlich je vier Fakultäten, die alles anbieten von A wie Archäologie bis Z wie Zahnmedizin.
Betreuung:Im Vorteil sind die Studenten bezüglich der Betreuung seitens Dozenten und Verwaltung. Kleine Lern- und Studentengruppen, neuwertige Räumlichkeiten und bestens ausgestattete Bibliotheken und EDV-Räume sind überwiegend im privaten Bereich vorzufinden.Überlaufene Bachelorstudiengänge, kaum Kontakt zum Dozenten und chaotische Verhältnisse sind keine Seltenheit. Erst im Masterstudiengang wird die Anzahl der Studenten überschaubarer und die Gruppen kleiner.
Chancen:Häufig werden die Schulen von Unternehmen gefördert, deren Vertreter auch in Beiräten der Hochschule mitmischen. Natürlich möchten diese Unternehmen ihren Nachwuchs gezielt aus diesen Einrichtungen rekrutieren und möglichst auch die Ausbildung auf ihr Unternehmen abstimmen.Wer sich erfolgreich durch die Untiefen einer Massenuni gekämpft hat, beweist Durchsetzungsvermögen. Viele Personaler honorieren das. Gerade große Universitäten wie die TU und LMU München oder Uni Mannheim – wie die Wirtschaftswoche gezeigt hat – sind bei Personalverantwortlichen beliebt.
Kosten:Ein großes Hindernis stellen die hohen Studiengebühren dar. Die Spanne reicht dabei von 3.000 Euro bis 20.000 Euro pro Jahr. Stipendien und Darlehen können zwar helfen, aber die Chancen darauf sind nicht besonders groß – jedenfalls nicht für Bewerber mit nur durchschnittlichem Abi.Den Kostenvorteil hat der öffentliche Bereich inne. Nur fünf (Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen) der 16 Bundesländer erheben Studiengebühren im Erststudium. An vielen Universitäten beinhaltet der Semesterbeitrag von rund 100 Euro mittlerweile auch die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.
Lehre:Gastvorträge durch Unternehmensvertreter sorgen (je nach Studienfach) für mehr Praxisnähe als Vorlesungen von Personen, die noch nie außerhalb der Universität tätig waren. Zudem können sich Dozenten im privaten Bereich fast vollständig auf die Lehre konzentrieren. Skripte und Umdrucke sind meist wesentlich besser aufbereitet als im öffentlichen Bereich.Wenn die Vorlesung wieder nur von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter oder dem Doktoranden gelesen wird, ist die Frage nach der Qualität berechtigt. Da an staatlichen Universitäten, im Gegensatz zu Privaten, die Forschung eine tragende Rolle spielt, leidet mancherorts tatsächlich die Qualität der Lehre.
Netzwerk:Das Netzwerken in kleineren Gruppen ist leichter und schneller, allerdings ist die Auswahl auch dementsprechend begrenzt. Alumni-Vereine der Privaten nutzen diesen Größenvorteil, um die Verbindung der Absolventen untereinander zu intensivieren.An großen Universitäten können Studenten wesentlich mehr Menschen kennenlernen, sind aber ihres Glückes eigener Schmied, was die Intensivierung des Kontakts und den Fortbestand der Beziehung über das Studium hinaus betrifft.
Verschulung:Schon vor der Bologna-Reform war das Studium sehr stark und klar geregelt. Klare Verantwortungsbereiche und ausgeklügelte Lehr- und Stundenpläne sind überwiegend die Regel. Praktika oder Auslandssemester sind dadurch auch leichter zu integrieren und oft bereits vorgesehen.Die Verschulung der Universitäten durch die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse nimmt zu. Dies wird an der lästigen Anwesenheitspflicht am deutlichsten. Die individuelle Ausgestaltung der Studieninhalte ist nicht mehr in dem Umfang wie zu Diplom-Zeiten möglich und anstatt sich vertieftes Wissen durch Selbststudium anzueignen, wird oft nur noch für die nächste Prüfung gelernt.
Zulassung:Es herrschen relativ hohe Zulassungshürden. Weniger durch einen NC, sondern durch Auswahlgespräche und Bewerbungstests. Dies birgt Chancen für weniger erfolgreiche Abiturienten, aber auch Risiken für sehr gute Schüler: Wenn die Hochschule einen bestimmten Menschentyp bevorzugt, lassen sich unpassende Bewerber durch ein undurchsichtiges Bewertungsverfahren leichter ablehnen.Überwiegend die durch die ZVS vergebenen Studienplätze unterliegen dem NC, besonders beliebte Studiengänge werden durch lokale Zulassungsbeschränkungen reguliert. Dennoch: An öffentlichen Hochschulen wird auf Teufel komm raus zugelassen, um sich die staatlichen Zuschüsse zu sichern. Anschließend wird während der ersten Semester stark selektiert.

Ein interessanter Kosten-Nutzen-Vergleich erschien bereits 2007 in der Wirtschaftswoche. Quintessenz: Wer sich für ein BWL-Studium interessiert, sollte sich die private Alternative genauer ansehen!