Schwach anfangen – und dann stark nachlassen. So gewinnt man kein Rennen. Aber wenigstens bewegt man sich dabei schon mal etwas. Und das ist besser als gar nichts zu tun, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten. Gewiss, das ist eine Binsenweisheit. Aber wie sieht das bitteschön in der Praxis aus? Insbesondere bei Hochschulabsolventen auf Jobsuche? Tatsächlich beginnen gar nicht mal wenige genau so ihre berufliche Laufbahn: lässig, abwartend, reaktiv.

Der US-Unternehmensberater und Bestsellerautor Stephen R. Covey hat vor Jahren schon in einem seiner millionenfach gelesenen Bücher den Begriff „proaktiv“ geprägt. Heute ist das ein geflügeltes Wort und meint so viel wie: Ergreifen Sie die Initiative, bevor Ereignisse oder Umstände Sie dazu zwingen! Denn die Gefahr der Reaktion ist, dass wir hektisch werden, den kühlen Kopf verlieren und die falschen Entscheidungen treffen, weil die Zeit fehlt, diese in Ruhe zu überdenken. Wir kontrollieren dann nicht mehr die Umstände – sie kontrollieren uns.

Wer aber durch das Leben treibt und sich ständig von seiner Umwelt gegängelt fühlt, wird automatisch zum Opfer. Er ist im Wortsinn manövrierunfähig, verliert Antrieb und Energie und dümpelt durchs Leben. Schade.

Denn auch später, wenn man im Job schon etwas weiter gekommen ist, wirkt diese Attitüde fatal: Wer dann zum Beispiel nur erledigt, was sein Boss ihm aufträgt, macht letztlich nur Dienst nach Vorschrift. Leistungsträger sehen anders aus. Die Initiative zu ergreifen, ist allerdings mehr als seinen Boss zu fragen, was man tun kann. Das ist zwar schon eine Menge mehr als die meisten Menschen leisten. Doch zum Karrierekick wird Proaktivität erst dann, wenn Sie machen, was zu tun ist, ohne darum gebeten zu werden oder selbst danach zu fragen. Es bedeutet, zu handeln bevor Handlungsbedarf entsteht.

Bewerbung kommt von werben

Das sollten Sie noch lesen:

Natürlich gibt es genau zu diesem Thema schon zahlreiche Bewerbungsratgeber auf dem Markt. Mal sind es Tipps für Dummies und andere Schreib-Greenhorns, mal adressiert die Erste-Hilfe-Prosa gestandene Manager nach dem Rauswurf oder Umsteiger, die von ihrem bisherigen Job die Nase gestrichen voll haben. Alles nicht verkehrt, nützlich und zum Teil auch sein Geld wert.

Was aber wirklich erfolgreich macht, ist Ihre Einstellung im gesamten Bewerbungsprozess: Schon im Begriff selbst steckt das Wort „Werbung“ – Sie machen Werbung für sich! Und das gelingt nur mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein. Auch wenn Sie schon 100 Bewerbungsmappen verschickt und genau so viele Absagen erhalten haben: Verfallen Sie nie in die Haltung eines Bittstellers! Wer bettelt, hat es nötig – und wer will schon jemanden einstellen, um ein Gnadenbrot zu zahlen?

Eben.

Unternehmen sind nicht die Wohlfahrt, sie wollen den besten Kandidaten einstellen, den sie für diese Stelle auf dem Markt bekommen können. Und genau das sollten Sie vermitteln – in allen Phasen des Bewerbungsprozesses: Sie sind der Idealkandidat, die Bestbesetzung, die Kirsche auf der Sahne. Das geht beim richtigen Formulieren von Anschreiben und Lebenslauf los und beim Vorstellungsgespräch sowie den Gehaltsvorstellungen weiter. Allerdings: Um so auftreten zu können, sollte man sich seiner eigenen Werte, seiner Stärken, Talente und Potenziale bewusst sein.

Ein Karriereplan ist hilfreich – aber kein Gesetz

Sich zu orientieren, seine Fähigkeiten und Ziele zu kennen und darauf aufbauend einen Plan zu formulieren, wo man in den nächsten drei bis fünf Jahren beruflich stehen will, wie man dorthin kommt und vor allem, was man dort für sich und das Unternehmen erreichen möchte, ist immer eine gute Sache. Es ist aber bitte nur ein Plan! Kein Gesetz, das in zwei steinerne Tafeln gemeißelt sein sollte.

Dann verleiten solche Karrierepläne dazu, blind zu machen. Wer stur auf die Erfüllung seines Plans stiert, übersieht höchstwahrscheinlich diverse Chancen, die sich meist abseits des Weges auftun. Und gerade diese Gelegenheiten sind es, die so manche Traumkarriere hervorgebracht haben – auch wenn einige Top-Manager im Nachhinein dazu neigen, ihren Aufstieg als von langer Hand geplant darzustellen.

Sich frühzeitig festzulegen, hieße mit Scheuklappen durchs Leben zu rennen. Umgekehrt riskieren Sie ohne einem groben Plan freilich auch, sich unterwegs gewaltig zu verlaufen. Dann sind Sie zwar unterwegs, biegen aber ständig ab und kommen nirgendwo mehr an.

Die einzig sinnvolle Empfehlung kann daher nur lauten: Lernen Sie sich zunächst selbst kennen, ihre Talente, Visionen und Ziele. Schöpfen Sie daraus eine gesunde Portion Selbstbewusstsein – auch, um aus gelegentlichen Niederlagen (und die werden kommen) gestärkt hervorzugehen. Fassen Sie sich einen Plan und nutzen Sie diesen, um sich besser und gezielter zu bewerben – insbesondere mit mehr Chuzpe. Bleiben Sie dabei aber flexibel und wachsam, um jederzeit auf Veränderungen reagieren zu können. Improvisation ist schließlich das halbe Leben.

Und bei der anderen Hälfte hilft Ihnen die Karrierebibel!

PS: Bei diesem Beitrag handelt es sich übrigens um Auszüge aus dem Vorwort, das ich zu dem neuen Buch “Karrierestart für Hochschulabsolventen” (Leseprobe) von Bettina Stackelberg schreiben durfte.