Probearbeitstag-was-beachtenSchriftliche Bewerbung und Vorstellungsgespräch haben Sie erfolgreich gemeistert, jetzt steht zwischen Ihnen und Ihrem neuen Job nur noch ein Schritt: Die Probearbeit. Auch wenn ein Probearbeitstag nicht in allen Unternehmen zum Standard gehört, sollten Sie sich als Bewerber auf eine solche Generalprobe einstellen – und diese zu schätzen wissen. Denn ein solcher Probearbeitstag bietet nicht nur dem Unternehmen, sondern auch Ihnen die Möglichkeit, die Chancen der Zusammenarbeit zu beurteilen und sich einen Praxiseindruck zu verschaffen. Daher sollten Sie die Probearbeit nicht als Ausbeutung – was leider nach wie vor manche Bewerber tun – sondern als Chance sehen und diese optimal für sich nutzen.

Probearbeit – sichern Sie sich den Job

baranq/ShutterstockAls Bewerber stehen für Sie am Probearbeitstag zwei Aspekte im Zentrum:

  1. Erstens sollten Sie Ihren künftigen Arbeitgeber endgültig von Ihren Qualitäten und Fähigkeiten überzeugen.
  2. Zweitens für sich selbst herausfinden, ob sich das Unternehmen tatsächlich als Arbeitgeber für Sie eignet.

Eine entscheidende Komponente für den Erfolg Ihres Probearbeitstages ist dabei die passende Vorbereitung.

Es mag seltsam klingen, doch wer unausgeschlafen, gestresst oder kränklich zum Probearbeitstag erscheint, beraubt sich selbst zahlreicher Chancen und Möglichkeiten. Der erste Eindruck des Personalers steht zwar spätestens seit dem Vorstellungsgespräch fest, doch bei der Probearbeit treffen Sie das erste Mal auf Ihre künftigen Kollegen und Ihren direkten Vorgesetzten. Diese bilden sich ihren ersten Eindruck von Ihnen daher an diesem Tag. Es liegt zumindest teilweise an Ihnen, wie dieser Eindruck ausfällt.

Allerdings ist das Angebot zu einem Probearbeitstag immer auch ein zwiespältiges Signal: Natürlich offenbart der Arbeitgeber damit zunächst das generelle Interesse an Ihnen und Ihrer Qualifikation. Gleichzeitig sagt das Unternehmen damit aber auch, dass es Ihnen noch nicht so richtig über den Weg traut und an manchen Fähigkeiten vielleicht noch zweifelt.

Im schlimmsten Fall – das gibt es leider auch – versucht man Sie für die Dauer der Probearbeit als Kostenlos-Kraft auszunutzen.

So oder so: Quer durch viele Branchen ist diese Form der Vorarbeit auf dem Vormarsch – und eben nicht nur auf Handwerk, Hotellerie oder Gastronomie beschränkt. Und sie ist mit ein paar Stolpersteinen behaftet, die wir Ihnen gerne helfen, aus dem Weg zu räumen. So…

Selbstbewusstes Auftreten, Neugier und Lernbereitschaft

Ihr eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen im Unternehmen werden Sie sich im Lauf des Tages vermutlich weitgehend problemlos machen können. Dafür reicht bereits die aufmerksame Beobachtung Ihrer künftigen Kollegen und deren Arbeitsweise. Um sich den Arbeitsplatz zu sichern, müssen Sie jedoch eine Gratwanderung zwischen selbstbewusstem Auftreten, Lernbereitschaft und Kollegialität meistern.

Begehen Sie bitte nicht den Fehler, sich am Probearbeitstag deutlich zurückzuhalten und nicht zu widersprechen. Die Versuchung, potenzielle Konflikte zu vermeiden, ist in der Regel groß, doch damit vermitteln Sie auch ein falsches Bild:

  • Einerseits könnte Ihr künftiger Chef an Ihrer Durchsetzungsfähigkeit zweifeln,
  • andererseits beginnt die Zusammenarbeit dann unter falschen Voraussetzungen.

Verhalten Sie sich am Probearbeitstag beispielsweise deutlich ruhiger als gewöhnlich, werden sowohl Kollegen als auch Chef bei der späteren Zusammenarbeit irritiert sein. Aus dieser Irritation können oft Konflikte und Probleme entstehen.

Treten Sie jedoch selbstbewusst auf und machen gleichzeitig deutlich, dass Sie lernbereit sind und die Erfahrung Ihrer künftigen Kollegen respektieren, vermitteln Sie einen völlig anderen Eindruck: Dann zeigen Sie Ihre Stärken und Kompetenzen, wirken dabei jedoch nicht arrogant oder überheblich.

Durch diesen Ansatz – der in den meisten Fällen Ihrem natürlichen Verhalten am Arbeitsplatz entsprechen dürfte – können Sie sich sowohl als Fachkraft als auch als Teamplayer positionieren und Ihrem künftigen Arbeitgeber erneut zeigen, warum er sich für Sie entscheiden sollte.

Checkliste zum Probearbeitstag

Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei Vorbereitung und Bestehen des Probearbeitstages…

Vorher: Wie bereite ich mich auf den Probearbeitstag am besten vor?

  1. Wissen einholen. Werfen Sie einen Blick auf die Homepage Ihres vermeintlichen Bald-Brötchengebers: Historie, Firmenphilosophie, Kerninfos – ein Mindestmaß an Hintergrundwissen verschafft Ihnen Sicherheit und kann in den ersten Gesprächen mit Chef und Kollegen entscheidende Pluspunkte bringen.
  2. Druck simulieren. Behält der Neue auch in Stresssituationen die Kontrolle? Wie belastbar ist er? Wie spontan? Bereiten Sie sich mental auf unerwartete Szenarien und unkonventionelle Testaufgaben vor. So sind Sie weniger anfällig für Panikreaktionen und bleiben souverän.
  3. Termine verschieben. Sie wollen am frühen Abend unbedingt noch Blut spenden oder haben der Patentante versprochen, ihr ein Stück Butterkuchen vorbeizubringen? Verschieben Sie derartige Termine auf ein anderes Mal, um möglichst ohne Termindruck in den Probetag starten und im Zweifel auch etwas länger bleiben zu können.
  4. Risiko abwägen. Sollten Sie so verwegen sein, in einem bestehenden Arbeitsverhältnis einen externen Probetag einlegen zu wollen, dann seien Sie sich im Klaren: Solch ein Seitensprung verstößt gegen das Arbeitsrecht und ist selbstverständlich ein Kündigungsgrund.
  5. Wecker vorstellen. Eine Tugend, die keiner weiteren Erklärung bedarf. Aktivieren Sie Ihre Weckfunktion im Handy und stehen Sie pünktlich vor dem Pförtner. Autopanne, Zugverspätung, Rohrbruch – solche Ausreden besitzen keinerlei Gültigkeit. Die erste Arbeitsprobe wäre mit Unpünktlichkeit schon mal ungenügend.
  6. Optik optimieren. Machen Sie sich Ihren Probetag nicht durch ästhetische Flüchtigkeitsfehler selbst kaputt. Daher: Zähne putzen, Schuhe wienern, Hemd bügeln, Fingernägel schneiden. Solche Sachen.
  7. Behördengänge absolvieren. Melden Sie Ihre Probearbeit zunächst bei der Arbeitsagentur an, sofern Sie arbeitslos gemeldet sind. Dies erspart Ihnen Ärger um eine mögliche Rückzahlung erhaltener Leistungen und aktiviert Ihren Unfallversicherungsschutz. Klären Sie mit der Arbeitsagentur vorab auch die Übernahme der Fahrtkosten.
  8. Verhältnis klären. Handelt es sich offiziell um eine “Probearbeit” oder um ein “Einfühlungsverhältnis”? Das ist wichtig und regelmäßig Gegenstand gerichtlicher Streitigkeiten. Im Falle einer Probearbeit haben Sie grundsätzlich Anspruch auf Vergütung und sind gesetzlich unfallversichert, bei einem Einfühlungsverhältnis (auch als “Schnuppertage” bekannt) hingegen nicht. Ungeachtet der offiziellen Bezeichnung meinen die Arbeitgeber in der Regel einen unvergüteten Schnuppertag, wenn sie Sie zur Probearbeit einladen. Was in den meisten Fällen ein verhältnismäßig akzeptabler Deal ist. Soll das Kennenlernen jedoch länger als einen Tag dauern, lassen Sie dies besser per Probearbeitsvertrag schriftlich festhalten, um am Ende nicht gänzlich ausgebeutet zu werden.

Mittendrin: Was muss ich während der Probearbeit beachten?

  1. Engagement. Einerseits erwartet man von Ihnen einen vulkanischen Ausbruch an Arbeitseifer, andererseits aber gerade nicht die Show eines eitlen Besserwissers, der sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund drängt. So gelingt die Gratwanderung: Bieten Sie den neuen Kollegen proaktiv Hilfe an, machen Sie mehr als unbedingt nötig, stellen Sie Fragen und äußern Sie ebenso konkrete wie konstruktive Vorschläge – und verdeutlichen Sie, dass in Ihnen geballte Kompetenz, aber auch ein guter Teamplayer steckt, mit dem man gerne zusammenarbeitet.
  2. Respekt. Ihre Wertschätzung für Firma und Mitarbeiter sollte erkennbar sein. Versuchen Sie nicht, sich zu profilieren, indem Sie andere (respektive deren Ideen) abwerten.
  3. Interesse. Wenn Sie die ganze Zeit sehnsüchtig aus dem Fenster starren oder auf die Uhr sehen, haben Sie bestimmt großen Spaß an dem Job… nicht. Zeigen Sie also zu jedem Zeitpunkt, dass Sie ein genuines Interesse an Ihrem Fach, Ihrer Branche, Ihrem Beruf haben. Kurz: Seien Sie stets präsent – im doppelten Wortsinn.

Extra-Tipp

Kostenko Maxim/ShutterstockBitte schalten Sie Ihr Smartphone während des Probearbeitstages aus. Private Anrufe entgegen nehmen oder gar auf Facebook oder Twitter über die Arbeit und Eindrücke plaudern – fatal! Man hat Sie ja nicht als Beobachter eingestellt, sondern will wissen, wie Sie arbeiten. Und das tun Sie ganz offensichtlich nicht, wenn Sie sich mit dem Handy beschäftigen.

Probearbeit – Umfassende Nachbereitung

Das Feedback zu Ihrem Probearbeitstag oder den entsprechenden Arbeitsvertrag erhalten Sie in der Regel erst einige Tage später. Diese Zeit gibt Ihnen die Möglichkeit, das Erlebte auch für sich selbst nachzubereiten und zu analysieren. Bei dieser Nachbereitung sollten Sie auf einige Aspekte achten:

  • Wie war Ihr Bauchgefühl am Probearbeitstag?
  • Welchen Eindruck haben Ihre Kollegen und Ihr Chef auf Sie gemacht?
  • Welche Aspekte sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben?
  • Welche Faktoren haben Sie gestört oder sind Ihnen negativ aufgefallen?
  • Spricht aus Ihrer Sicht etwas gegen die Arbeit im Unternehmen?
  • Welche Fragen oder Punkte wollen Sie in einem Folgegespräch noch ansprechen/klären?

Die beiden letztgenannten Punkte sind dafür ausschlaggebend, ob Sie einen Arbeitsvertrag annehmen oder nicht. Bei dieser Entscheidung sollten Sie jedoch auch bedenken, dass der Eindruck des Probearbeitstages zwar wichtig, jedoch nicht umfassend ist: Manches Problem löst sich im Lauf der Zusammenarbeit vielleicht von selbst und manche Frage können Sie nach einige Wochen selbst beantworten.

Darüber hinaus können Sie noch Bewertungen über den Arbeitgeber in spe im Internet einholen – auf Arbeitgeberbewertungsportalen oder in Fachforen. Decken sich Ihre taufrischen Erfahrungen mit dem Gelesenen, hilft Ihnen das bei Ihrer eigenen Entscheidungsfindung.

Ansonsten gilt nach dem Probearbeitstag:

  • Absage. Sie sind sich sicher, das der Job nicht der richtige für Sie ist, nachdem Sie einen ganzen Tag mit den drei Miesmuscheln im Büro verbracht haben? Dann danken Sie dem Unternehmen für sein Interesse und sagen höflich ab – aber erst, nachdem Sie mindestens eine Nacht darüber geschlafen haben.
  • Oder:

  • Einstieg. Interessante Aufgaben, nette Kollegen, gute Rahmenbedingungen, ein durch und durch gelungener Probetag? Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job!
  • Wie immer Sie sich entscheiden, wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Probearbeit.

    [Mitarbeit: Sebastian Wolking | Bildnachweis: baranq, Kostenko Maxim by Shutterstock.com]