Ein verpatzter Einstieg verbaut nicht selten auch den späteren Aufstieg. Wer den Job wechselt oder seinen ersten antritt, sollte daher die wichtigsten Grundregeln für ersten 100 Tage, beziehungsweise die Probezeit kennen. Daher heute: Die 15 größten Hürden im neuen Job, wie Sie diese meistern und so die Probezeit unbeschadet überleben.
Erfolg … auf Probe
Auf Takt
Der Vertrag ist unterschrieben, die Erfolgsparty mit den Freunden überstanden und das Powermüsli von heute morgen treibt Sie zur Hochform. Jetzt heißt es: Ran an den neuen Job! Bevor Sie allerdings Ihren Triumphzug durchs Firmament beginnen, sollten Sie unbedingt folgenden Drei-Stufen-Plan beherzigen:
Erstens: Die sprichwörtliche Pünktlichkeit gilt nicht nur für Maurer. Klären Sie deshalb schon vor dem ersten Arbeitstag, wann Sie erscheinen sollen. Und: Erkunden Sie unbedingt den besten Anfahrtsweg sowie wo eventuelle Staugefahren lauern. Wer dauerhaft zu spät auf der Matte steht, gilt schnell als Schnarchnase und verkürzt damit garantiert sein Engagement. Langzeittip: Fahrgemeinschaften disziplinieren nicht nur – sie eignen sich auch hervorragend, um erste Kontakte zu knüpfen.
Zweitens: Beobachten Sie bereits im Vorfeld genau die Kleiderordnung bei Ihrem neuen Arbeitgeber. Bei konservativen Unternehmen kommen sie im dunkelgrauen oder marineblauen Dreiteiler gut an. Auch für den Fall, daß die neuen Kollegen ein legeres Jeans-Outfit präferieren, empfiehlt sich für den ersten Tag eher die sportliche Kombi. Die Ärmel hochkrempeln, können Sie später immer noch.
Drittens: Bereits der erste Eindruck zählt. Für die Betriebsführung heißt das im Klartext: bitte Lächeln! Erfolgreiche Einsteiger sind offene, freundliche Zeitgenossen, die sich aktiv vorstellen. Das darf dann gerne auch humorvoll sein. Hoppla-jetzt-komme-ich-Typen sollten sich dafür eher in Zurückhaltung üben: Lieber im ersten Gang anfahren und dann langsam Gas geben. Ein Kavalierstart endet schnell mal im Straßengraben.
Auf Merksam

Zahlen sind für Sie kein Problem? Ihr Spitzname ist Telefonbuch? Klasse, gleich zum nächsten Punkt! Andernfalls haben Sie wahrscheinlich bald ein Problem: Lauter nette Kollegen – und alle heißen anders. Deshalb sollten Sie sich gleich am ersten Tag Notizen machen und eine persönliche Kollegen-Kartei anlegen. Am besten mit Name, Funktion, Durchwahl sowie privaten Daten: wann einer Geburtstag hat, ob einer Drachenflieger, Fußballfan oder zweifacher Vater ist, und so weiter. Das erleichtert hinterher nicht nur, den geeigneten Ansprechpartner zu finden, sondern hilft zugleich Fettnäpfen auszuweichen oder ein lockeres Flurgespräch anzuzetteln. Hilfreiche Recherchemittel sind Betriebszeitschriften, Organigramme und der Flurfunk natürlich. Achtung: Beziehen sie in Ihre Kartei jeden mit ein – den Chef genauso wie Sekretüärinnen oder den Pförtner. Die kleine Hausmacht wird nur allzu oft unterschätzt.
Auf Fallen
Kritik hat etwas Positives. Das wusste man schon im Mittelalter. Spielerisch, witzig und zuweilen mit einem Schuss Ironie durfte der Hofnarr dem König mitteilen, was das Volk tatsächlich über ihn dachte. Ein undankbarer Job blieb’s trotzdem: Beherrschte der Narr nicht die Regeln dieser hohen Kunst, rollte nicht selten ein Kopf – seiner eigener. Der Narr hat nicht überlebt; das Problem schon: Wenn Sie von einem anderen Job zu einem neuen Arbeitgeber gewechselt haben fällt Ihnen oft viel leichter auf, was alles falsch läuft. Nur sagen sollten Sie das nicht sofort. Es mag ja sein, dass die Kollegen mit Betriebsblindheit geschlagen sind und die Lamentis jedem vernunftbegabtem Menschen pronto Pickel ins Gesicht treiben. Doch gerade dann gilt: Zähne zeigen durch Lächeln. Mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen sollte man mindestens vier bis sechs Wochen hinterm Berg halten und auch danach noch recht sparsam damit umgehen. Sonst wird er von der Runde ausgebremst. Das ist jedoch kein böser Wille, sondern ein Erziehungsvorgang: Eiferern spricht man gerne mal das Gremium-Gefühl ab. Die Bewährungsprobe bestehen Profis nicht durch Profilierungssucht, sondern durch Diplomatie. Newcomer brauchen den Respekt und die Akzeptanz ihrer Kollegen. Vor jeder Kritik sollten Sie erst ausloten, wie festgefahren die internen Strukturen sind; wem Sie etwas sagen können und wie offen man tatsächlich für Ihre Vorschläge ist. Die beste Strategie: Überzeugen Sie durch fachliche Leistungen – und nicht durch Besserwisserei. Wer weiß: Das von Ihnen kritisierte Ablagesystem ist vielleicht die jüngste Ausgeburt des Chefs.
Auf Enthalt
Der Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz. Kein Tummelplatz für Kunst oder Kitsch. Fotobände von Ihren Verflossenen gehören ebenso wenig auf die Tisch- oder Festplatte wie Modellautos oder Mainzelmännchen. Sicher, gegen ein kleines Foto von Ihrer Freundin, Frau oder Ihren Kindern wird keiner etwas haben, aber sprengen Sie nicht gleich den Rahmen – nach der Devise: Mein Haus. Mein Auto. Meine Frau. Merke: Private Hortensien dienen oft nur der eigenen Eitelkeit und geben Kollegen gerne Anlass zu Neid, Spott oder Hohn. Und: Mag sein, dass Sie morgens um halb zehn eine Banane essen müssen oder einen Kaffee brauchen. Doch auch wenn Ihr Magen um diese Zeit noch sehr von Kopf bis Fuß auf Koffein eingestellt ist – ab jetzt ist das anders. Viele Aspiranten scheitern, weil ihre vorherige Firmentreue zu Prägungen geführt hat, die die Anpassungsfähigkeit an das neue betriebliche Umfeld schmälern. Genau wie Sie, herrschen auch bei Ihrem neuen Arbeitgeber bestimmte Tagesrituale und Umgangsformen. Und denen sollten Sie sich anpassen – nicht umgekehrt. Wer allzu großen Wert auf Extratouren legt, fliegt schnell aus dem Rennen.
Auf Zug
Wer schnell nach oben will, sollte den Fahrstuhl benutzen (auch wenn an dieser Stelle gerne ein Stufenplan vorschlagen wird). Denn hier trifft man Kollegen aus allen Abteilungen, kann interessante Kontakte knüpfen und kommt obendrein schnell ins Gespräch. Das bedeutet allerdings auch: Sobald der Geschäftsführer oder Abteilungsleiter den Lift betritt, nicht automatisch zur Salzsäule zu erstarren. Für den Smalltalk zwischen den Stockwerken gibt es keine festen Regeln. Nur so viel: Seien Sie positiv, brechen Sie die Liftstille erzählen Sie eine nette Anekdote. Aus zwei Fremden werden so Bekannte. Danach können Sie immer noch nachlegen: „Sind Sie nicht die neue Marketingleiterin? … Ich bin Michael Mustermann, der neue Trainee. Freut mich, Sie kennenzulernen.“ Ping, sechster Stock, aussteigen. Ergebnis: Die Marketingleiterin kennt Sie jetzt und wird Sie ab sofort freundlich grüßen. Und die Kollegen werden sich wundern, woher Sie die so schnell kennen.
Drum prüfe, wer sich bindet
- DAUER. Die Probezeit dauert in der Regel sechs Monate, jedoch selten länger, da sonst das Kündigungsschutzgesetz greift. Kürzere Probezeiten sind auch möglich – dann reine Verhandlungssache.
- URLAUB. Ein Urlaubsanspruch besteht erst nach dem sechsten Monat. Ob der Neuling während der Bewährungsfrist in die Ferien fliegen darf, hängt ebenfalls von dessen Verhandlungsgeschick ab. Wird der Arbeitsvertrag vorzeitig gekündigt, besteht ein Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro geleistete Arbeitstage. Nach einem Monat also mindestens zwei Tage. Ist dieser Urlaubsanteil nicht anzutreten, muss er ausbezahlt werden.
- KRANKHEIT. Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle gibt es während der Probezeit erst nach vier Wochen. Wer vorher aus gesundheitlichen Gründen fehlt, verdient auch nichts. Dasselbe gilt für Sport- oder Freizeitunfälle. Allerdings: Ab der fünften Woche setzt die Lohnfortzahlung wieder ein – auch, wenn die Krankheit bereits vorher begonnen hat.
- KÜNDIGUNG. Während der Probezeit können beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – jederzeit und ohne Angaben von Gründen kündigen. Allerdings müssen beide dann eine mindestens zweiwöchige Kündigungsfrist wahren. Ausnahmen können im Tarifvertrag stehen. Hier sind oft längere Kündigungsfristen vereinbart. Bei Vertragsabschluss also darauf achten, ob eine Tarifvereinbarung zugrunde liegt.
Auf Druck
Eins ist klar: Als Neuer sind Sie nicht automatisch Everybody’s Darling. Im Gegenteil: Den Kuchen müssen die Kollegen nun auch mit Ihnen teilen. Vielleicht hat der Boss gerade Sie geholt, um wieder Schwung in die Bude zu bringen. Oder Sie werden einem anderen Mitarbeiter vor die Nase gesetzt, der selbst gerne auf dem Chefsessel Platz genommen hätte. Statt prima Klima herrscht dann dicke Luft im Büro: Die Kollegen lassen Sie auflaufen, Informationen werden zurückgehalten, zwischen Ihren Beinen wirbeln die Knüppel. Da hilft nur noch eins: ein offenes Wort. Wenn die Zusammenarbeit partout nicht klappt, sollten Sie ein klärendes Gespräch mit den betreffenden Kollegen suchen – aber bitte nicht damit drohen! Also nicht gleich beim Chef petzen gehen, sondern offen die Situation schildern und um eine Aussprache bitten. Hart aber herzlich.
Auf Richten
Der blutleere homo oekonomicus hat zum Glück mit Realität wenig gemein. Überall da, wo Menschen zusammenkommen, entsteht Kommunikation. Und damit auch Klatsch und Tratsch. Bevor Sie sich jedoch ein endgültiges Urteil über die neuen Kollegen bilden, lassen Sie ruhig ein paar Wochen ins Land gehen. Es dauert immerhin einige Zeit, bis Sie sich durch das kollegiale Beziehungsgestrüpp geackert haben und es entwirren können. Erst recht, wenn ach so nette Mitarbeiter geneigt sind, dem Frischling dabei behilflich zu sein. Obacht! Aussagen, wie „Passen Sie bloß auf, die Meierin hat was mit dem Chef!“ Oder: „Der Müller ist ein ekliger Schleimer.“ Können stimmen – oder auch nicht. Wer mitlästert, begibt sich in jedem Fall auf dünnes Eis. Und das kann schneller einbrechen als einem lieb ist. Und raten Sie mal, wer dann allein in der Kälte steht… Eben! Newcomer sollten daher stets neutral bleiben und auch anderen eine Schonfrist einräumen. Zumindest solange, bis sie über die interne Hackordnung und Rollenverteilung Bescheid wissen.
Auf Schwung
Wer einen interessanten, gut bezahlten Job ergattert, hat allen Grund zur Freude. Diese Freude wollen Sie nun mit Ihren Kollegen teilen – mit einem Einstand. Gut so. Bevor Sie jedoch die Pappnase aufsetzen und in die Tute tüten, sollten Sie zuerst Informationen über die Gepflogenheiten des Hauses einholen. In manchen Betrieben gehört nämlich zu einer gelungenen Premiere lediglich ein zweites Frühstück oder eine kurze Kaffeepause mit Selbstgebackenem. Als oberste Regel gilt: den richtigen Zeitpunkt immer mit dem Chef abstimmen. Absolutes tabu: Alkohol während der Dienstzeit. Vergessen sollte man auch nicht: Wer einlädt, ist auch Gastgeber. Reden Sie also mit allen; gehen Sie von Gruppe zu Gruppe und vermeiden Sie polarisierende Urteile mit Absolutheitsanspruch. Nur weil Sie regelmäßig auf die Malediven fliegen, muss ein Mallorca-Trip keine Schinkenfahrt sein.
Auf Trieb
In „Enthüllung“ hat Michael Douglas null Bock auf Baggern im Büro. Erst muss er sich gegen die Avancen seiner Chefin wehren, anschließend gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung. Mit derlei Problemen kämpfen aber nicht bloß Schauspieler: Der Arbeitsplatz ist kein Partnerinstitut, auch wenn statistisch gesehen, dort zahlreiche Beziehungen entstehen! Wer gleich zu Beginn der attraktiven Kollegin von nebenan Komplimente macht oder der Sachbearbeiterin schöne Augen, tritt vielleicht unverhofft in ein Fettnapf, weil diese mit dem Chef oder einem Kollegen befreundet sind. Dasselbe gilt für den umgekehrten Fall. Allzu offenherzige Angebote sollte man (zumindest in der Probezeit) höflich zurückweisen. Und wenn alles nichts hilft, schwärmen Sie ein wenig von Ihrer neuen Flamme oder weisen Sie dezent auf Ihre glückliche Ehe hin.
Auf Führung
Alle Rädchen greifen reibungslos ineinander wie bei einem Schweizer Uhrwerk. Mit der Arbeit und den Kollegen klappt alles prima – nur der Chef kriegt davon nichts mit. Schade eigentlich. Das hilft nur: Werden Sie aktiv und legen Sie gemeinsam mit dem Boss die kommenden Arbeitsziele fest. Wer zeigen will, dass er hohe Anforderungen erfüllen kann, muss seine Leistung nachweisen. Fertigen Sie deshalb schriftliche Protokolle an, um Ihre Arbeit zu dokumentieren. Je konkreter die Ansprache, desto offener die Ohren. Oft schwebt der Chef so sehr über den Wolken, dass er nicht mehr weiß, wieviel Arbeit hinter manchem Ergebnis steckt. Deshalb: Ab und an Termine machen und die Protokolle als eine Art Checkliste kurz (!) präsentieren: „Das war mein Projekt. Bisher habe ich das erreicht, hier bin ich noch dran und da bräuchten wir eine neue Strategie, die so und so aussehen könnte. Strahlen Sie Selbstbewusstsein aus und glänzen Sie mit Fakten. Übertriebene Unterwürfigkeit ist hierbei Fehl am Platze. Merke: Rektoskopien sind immer unangenehm.
Auf Trag
Je höher die Position, in der ambitionierte Newcomer einsteigen, desto höher auch die Anforderungen, die man ihnen stellt. Sicher, einem Einsteiger, der gerade frisch von der Alma mater kommt, wird man weniger zumuten als einem Umsteiger. Beide aber sollten die ihnen übertragenen Aufgaben zügig und innerhalb der festgelegten Fristen erledigen. Und vor allem sorgfältig. Das spart dem Unternehmen Zeit und Geld – und dem Chef Nerven. Treten vereinzelt Probleme auf, ist es ratsam, Vorgesetzten rechtzeitig Feedback zu geben. Und in Zeiten des Leerlaufs? Bloß keine Däumchen drehen! Womöglich ist dies ein Test. Zeigen Sie vielmehr Interesse und bieten Sie Ihre Hilfe an wo es geht. Wer anderen zuarbeitet, sammelt wichtige Pluspunkte, gilt als kollegial und bekommt später selber Hilfe. Und wer braucht die am Anfang nicht?
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