Schlaglichter auf die Generation Y: Jung, gut ausgebildet, technikaffin. Selbstbewusst, karriereorientiert, zielstrebig. Aber auch: Verunsichert, orientierungslos, praxisfern. Weil die Ausbildung dieser Generation stromlienienförmig ist, bleibt am Studienende eine graue Masse. Alle haben die gleichen Inhalte gelernt, alle ein gutes Examen hingelegt. Doch keiner hat Praxisluft geschnuppert - oder gar eigene Ziele erkundet. Schlechte Voraussetzungen für den Berufseinstieg?

Prinzipiell ja. Doch davon sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Weil der Fachkräftemangel in manchen Branchen bereits angekommen ist, gehört das Rosinenpicken für Unternehmen definitiv zur Vergangenheit. Manche müssen sich jetzt schon nach der Decke strecken, um High Potentials anlocken zu können. Noch schwieriger wird es, sie zu halten. Was also spricht dagegen, den Einstiegsjob als Übungsrunde zu betrachten - und anschließend weiter zu sehen? Nichts!

Die Veränderung wird zum Normalfall

Einen Beruf zu wählen, bedeutet heute nicht mehr, sich für alle Ewigkeit festzulegen. Physiker werden heute Unternehmensberater, Mediziner gefragte Redner und Autoren, Informatiker zu Architekten des 21. Jahrhunderts. Wissen veraltet heute schneller, immer bedeutsamer wird daher die Fähigkeit zu vernetztem Denken und dazu, Dinge neu zu denken, stetig zu lernen, zu moderieren, zu improvisieren. Und damit auch, sich selbst neu zu erfinden - und seinen eigenen Weg zu gehen.

Anpassungsnotwendigkeit und Entwicklungsmöglichkeit werden den Arbeitsmarkt zukünftig immer stärker prägen. Das schafft viel Raum für die eigene Entfaltung. Nicht auf einmal, sondern peu à peu, Lebensabschnitt für Lebensabschnitt. Und der kann mal länger mal kürzer dauern.

Das kommt einer Generation entgegen, die offen ist für Vieles, deren Interesse aber auch schnell wieder abflaut – spätestens dann, wenn es mühsam wird. Gerade diese Spaß-Orientierung treibt die Generationen davor oft an den Rand des Wahnsinns. Sie sind noch Disziplin, Unterordnung und Durchhaltevermögen gewohnt.

Das Studium bereitet dafür nicht vor

Leider bestimmen aber genau diese Generationen noch die Strukturen. Gerade das Bachelor- und Master-Studium scheint fast wie ein Relikt aus vergangenen Tagen: starre Strukturen, schulische Inhalte, zügiger Durchlauferhitzer. Das alles ist nicht mehr wirklich zeitgemäß, gerade wenn man die Entwicklung der Informationsgesellschaft Revue passieren lässt. Aber es ist eben noch so.

Und so mühen sich Nachwuchskräfte, deren Talente ganz woanders liegen, durch Studiengänge, die bis ins Detail Inhalt und Umfang jeder Prüfungsleistung festhalten. In der Regelstudienzeit abschließen ist das Einzige, was zählt. Dumm nur, dass es zwei Dritteln der Studenten nicht gelingt. Deswegen haftet ihnen der Hauch des Versagens an. Aber das ist Bullshit.

Denn zum Erwachsenwerden gehört nicht nur, den Anforderungen zu entsprechen. Sondern in erster Linie, seine Fähigkeiten entwickeln und einschätzen zu können, Ziele zu klären und seinen eigenen Weg einzuschlagen. Das geht aber nur über probieren. Und nicht über auswendig lernen und Prüfungsleistungen herunter schrubben. Kein Wunder, dass Studieren zunehmend frustriert.

Dagegen hilft eigentlich nur Eines: Den eigenen Weg finden. Und ihn dann zu gehen, auch wenn er gelegentlich beschwerlich wird. Und zwar vor, während und erst recht nach dem Studium.

Seinen Weg zu finden heißt ausprobieren

Seinen Weg zu gehen bedeutet aber: Seine Ziele zu kennen. Je genauer Sie wissen, wohin Ihr Weg Sie führen soll, desto zielstrebiger können Sie ihn gehen - auch über die Widrigkeiten des Studiums hinweg.

Ich habe vor einiger Zeit den Leiter eines Umweltzentrums kennen gelernt, der schon als Kind unbedingt im Umweltschutz arbeiten wollte. Dazu musste er Biologie studieren - eines der härtesten Studienfächer überhaupt. Um dafür zugelassen zu werden, war außerdem ein guter Abi-Schnitt notwendig: auch nicht die leichteste Übung. Weil er es schaffen wollte, hat er beides mit Bravour bewältigt - auch wenn ihm nicht (alles) leicht gefallen ist.

Damit Sie Ihren Weg einschlagen können, sollten Sie sich vor dem Studium überlegen,

  • iIn welchem Berufsfeld Sie später tätig sein wollen und welche Inhalte Ihnen dort wichtig sind.
  • ob Ihnen Karriere oder Freiheiten und Freizeiten wichtiger sind – auch wenn beides kein Widerspruch mehr sein muss.
  • wo Ihre Talente liegen, wie Sie sie am besten ausbauen und in den Wunschberuf einbringen können.

Das wird einige Zeit dauern, und Berufswahltests geben dabei nicht mehr als einen ersten Anhaltspunkt. Unterziehen Sie die damit gewonnenen Erkenntnisse bitte unbedingt einem Realitätscheck! In Frage kommen dafür nicht nur Praktika, sondern auch Nebentätigkeiten und (Semester-)Ferienjobs. Je mehr sie mit der angestrebten Tätigkeit zu tun haben, desto besser. So finden Sie heraus, ob Ihre Ziele auch zu Ihren Fähigkeiten passen.

Falls nicht, müssen Sie wohl an Ihren Zielen feilen. Das ist nicht schlimm, sondern bringt Sie mindestens einen Schritt weiter. Und gut fürs Selbstbewusstsein ist diese Eigenständigkeit sowieso.

Arbeitgeber müssen den Erwartungen entsprechen

Mit diesem Know-how und den erworbenen Qualifikationen stehen Ihnen anschließend zahlreiche Türen offen. Bevor Sie sich entscheiden, sollten sie Ihren künftigen Arbeitgeber einem Qualitätscheck unterziehen. Dabei helfen Ihnen die folgenden Fragen:

  • Wofür soll das Unternehmen stehen, bei dem ich anheuere?
  • Welche Umgangsformen bevorzuge ich im Team?
  • Wie sieht mein Verhältnis zu Hierarchien aus?
  • Welche Erwartungen hege ich ans Führungsverhalten?
  • Was ist mir bei Arbeitsinhalten und Arbeitsplatzgestaltung wichtig?
  • Wie soll meine Entlohnung aussehen?
  • Welche Aufstiegsmöglichkeiten möchte ich haben?

Natürlich sind das nur Anhaltspunkte. Sie sollten diese Checkliste unbedingt noch um Ihre ganz persönlichen Punkte erweitern. Auch um Fragen, die Sie im Vorstellungsgespräch den Personalern oder künftigen Führungskräften stellen. Solche Fragen sind mehr als legitim – sie sind Ausdruck Ihres Interesses und Ihrer Zielorientierung - aber auch der Tatsache, dass Sie ganz genau wissen, was Sie können und wollen.

Und genau das ist das Wichtigste, um voran zu kommen.