Profilbilder-Facebook-Foto-Portrait
Profilbilder sagen über einen Menschen mehr aus, als manchen bewusst ist: Welcher Ausschnitt wurde gewählt? Welche Kleidung? Wie stellt sich die Person dar? Lächelt sie - oder versucht sie sich mit einer Denkerpose in Szene zu setzen? Wir können nicht nicht kommunizieren, erkannte schon Paul Watzlawick. Und so redet und erzählt unser Profilbild auf Facebook, Twitter, Linkedin oder Xing eine Menge und vermittelt dem Betrachter dabei - bewusst oder unbewusst - Sympathie, Vertrauen, Kompetenz - oder auch nicht. Es wäre daher geradezu fahrlässig, diese Wirkung nicht zu nutzen beziehungsweise dem Zufall zu überlassen. Glücklicherweise gibt es gleich mehrere Studien mit überraschenden Ergebnissen...

Das perfekte Profilfoto

Bilder haben eine ganz eigene Sprache. Dabei muss gar nicht mal so entscheidend sein, was auf dem Bild zu sehen ist - auch die Subbotschaft eines Profilbildes kann dem Betrachter einiges verraten - zum Beispiel:

  • Welchen Ausschnitt haben Sie gewählt? Zeigt das Foto Sie ganz oder nur einen schmalen Ausschnitt, womöglich nur Ihre Schokoladenseite? Manchem Betrachter könnte (muss natürlich nicht) sich da der Eindruck aufdrängen, Sie haben etwas zu verbergen.
  • In welchen Winkel zeigt Sie das Profilbild? Eine gerade Frontalaufnahme wirkt zwar immer etwas statisch, aber eben auch stabil. Mit einer schrägen Flucht steigt zwar die Dynamik, aber auch die Verspieltheit. Aufsteigend (Linie von links unten nach rechts oben) ist dann immer besser als absteigend. Zu viel davon aber - und Sie sehen ziemlich konfus aus...
  • Ist das Foto selbst gemacht, von einem Freund oder von einem Profi? Sicher, wir reden hier von Social Media und nicht von einem Bewerbungsfoto, da dürften die Selfies und Freundes-Schnappschüsse überwiegen. Trotzdem redet ein solches Bild: Der Selfie sagt viel über das Eigen- und Wunschbild; das Profifoto viel über die Bereitschaft, in sein Image zu investieren...
  • Zeigt es Sie in einer Gruppe oder allein? Meist überwiegen die Einzelporträts. Manche aber zeigen sich aber auch mit Ihrem Partner oder mit Freunden - was dann wiederum subtil viel über den Stellenwert sozialer Beziehungen aussagt...

Wie also sieht dann das perfekte Profilbild aus?

Mit dieser Frage haben sich auch die Betreiber des Fotobewertungstools "PhotoFeeler" befasst. Das Tool bietet die Möglichkeit das eigene Profilfoto bewerten zu lassen und selbst Profilbilder anderer zu bewerten. Diese Daten haben die Betreiber aus 800 Profilfotos und rund 60.000 Bewertungen statistisch ausgewertet und daraus wiederum Merkmale für das perfekte Profilfoto abgeleitet.

Das Ergebnis:

  • Wählen Sie den richtigen Bildausschnitt.

    Ein Profilfoto, das zu nah aufgenommen wurde, macht Sie unsympathisch. Ein Bild, dass Sie im Ganzen zeigt, wirkt sich allerdings ebenfalls negativ auf die wahrgenommene Kompetenz aus. Am besten wählen Sie einen Bildausschnitt, auf dem Kopf und Schultern abgebildet sind.

  • Lächeln Sie und zeigen Sie dabei Zähne.

    Lächelnde Menschen wirken auf Anhieb sympathisch. Ein natürliches Lächeln, bei dem Sie den Mund leicht geöffnet haben und die Zähne zeigen, lässt Sie zusätzlich kompetenter wirken. Lachen Sie herzhaft auf Ihrem Profilfoto, erhöht das zwar Ihre Sympathie, jedoch sinkt gleichzeitig die wahrgenommene Kompetenz.

  • Kneifen Sie die Augen leicht zusammen.

    Weit geöffnete Augen können schnell angsterfüllt oder verschreckt wirken. Leicht zusammengekniffene Augen, vermitteln auf dem Foto einen selbstbewussteren Eindruck.

  • Drehen Sie Ihren Kopf etwas zur Seite.

    Durch eine schräge Haltung, werden der Kiefer und das Kinn betont und deutlich sichtbar. Achten Sie darauf, dass diese Partie durch einen minimalen Schatten unterstrichen wird.

  • Tragen Sie formale Kleidung.

    Die Umfrage bestätigt die Redewendung "Kleider machen Leute". Tragen Sie als Mann ein dunkles Jacket über einem hellen Hemd, hält der Betrachter Sie sofort für kompetenter und einflussreicher. Dasselbe gilt für Frauen in einem Business-Kostüm.

Das perfekte Bewerbungsfoto

  1. Sorgen Sie bei der Aufnahme für gute Beleuchtung. Meiden Sie auf jeden Fall Gegenlicht und störende Reflexionen.
  2. Achten Sie auf einen dezenten Hintergrund, der farblich zu Ihnen und Ihrer Kleidung passt. Ein unruhiger Hintergrund wirkt nur ablenkend.
  3. Verzichten Sie auf alle Kleidungsstücke mit Motiven oder Worten. Solche Verzierungen stören nur und wirken alles andere als professionell.
  4. Nachbearbeitung ist – in Maßen (!) – erlaubt. Ein wenig mehr Licht und Kontrast hier und da sind völlig okay. Lassen Sie jedoch weder Kilos noch Falten verschwinden.
  5. Lassen Sie möglichst jedes Jahr ein neues Bewerbungsfoto machen. Dadurch sind Sie auf Jobchancen und spontane Stellenausschreibungen vorbereitet.

Weitere Tipps und Regeln für das Bewerbungsfoto finden Sie HIER.

Facebook-Profilbild: Gefährliche Subbotschaften

Facebook-Profilbild-Foto-DuckfaceEs wäre allerdings töricht, diese Erkenntnisse nur auf Businetzwerke wie Linkedin oder Xing zu beschränken. Personaler suchen Bewerberprofile durchaus auch schon mal auf Facebook. Dank der richtigen Privatsphäre-Einstellungen sehen sie da zwar dann nicht viel - zumindest aber das Facebook Profilbild (und den Hintergrund). Und weil auch dort ein Bild mehr als 1000 Worte und Posts sagen kann, ist eben auch hier der erste Eindruck entscheidend.

Forscher der Universität Gent haben beispielsweise untersucht, ob sich Facebook-Profilbilder auf die Jobsuche auswirken. Erstaunliches Ergebnis (PDF): Ja, tun sie - sehr sogar.

Die Wissenschaftler um Stijn Baert sammelten zunächst über 1000 Stellenanzeigen, von denen rund die Hälfte speziell an Uni-Absolventen mit Master-Abschluss gerichtet war. Nun verschickten sie Bewerbungen von mehreren fiktiven Personen, deren fachliche Qualifikationen sich nicht voneinander unterschieden. Berufserfahrung, EDV-Kenntnisse, Fremdsprachen, Führerschein, Hobbys, alles identisch.

Den Pseudo-Bewerbern wurden dabei unterschiedliche Profilfotos aus einer Datenbank zugeordnet. Foto 1 zeigt eine Person, die man in einer vorherigen Studie als attraktiv, extrovertiert, freundlich, emotional stabil und offen beschrieben hatte, allerdings nicht als gewissenhaft. Bei der Person auf Foto 2 war es genau umgekehrt: die Person machte einen gewissenhaften Eindruck, erhielt aber in den anderen Punkten weniger gute Noten. Die Person auf Foto 3 bekam in allen Kategorien Durchschnittswerte und die auf Foto 4 durch die Bank schlechte Benotungen.

Ein Teil der Bewerbungen wurde nun ohne Fotos versandt, dafür bauten die Forscher die Profilbilder aber in eigens erstellte Fake-Facebook-Profile ein. Durch eine kurze Google-Suche ließen sich die Bewerber leicht aufspüren und auch unmissverständlich diesen Fake-Profilen zuordnen. Entscheidend dabei: Die Privatsphäre war jeweils so eingestellt, dass man als Außenstehender ausschließlich den Namen und das Profilbild zu sehen bekam, aber nicht Hobbys, sonstige Vorlieben oder Likes.

Das passierte:

  • Die Bewerber mit Facebook-Profilfoto A erhielten in 9,8 Prozent der Fälle eine Einladung zum Vorstellungsgespräch,
  • Die mit Foto B in 7,6 Prozent der Fälle,
  • Foto C führte ebenfalls in 7,6 Prozent der Fälle zu einem positiven Feedback
  • und die Bewerber mit Foto D konnten sich nur in 5,3 Prozent der Fälle über eine Einladung freuen.

Verstärkt wurde der positive Effekt für Bild 1 noch, wenn es sich um Stellen für Hochqualifizierte handelte und wenn der Recruiter weiblich war.

  • Schlussfolgerung 1: Unternehmen scannen ihre Bewerber auf Facebook.
  • Schlussfolgerung 2: Es macht für die Jobsuche einen großen Unterschied, ob man bei Facebook ein ansprechendes Profilfoto eingestellt hat oder nicht - auch wenn man diesen Kanal in keiner Weise zur beruflichen Kontaktaufnahme, sondern ausschließlich zum Privatvergnügen nutzt.

Vor allem Frauen sollten ihr Profilbild mit Bedacht wählen, wie wiederum eine Studie der Oregon State Universität zeigt. Denn Frauen, die auf ihren Social-Media-Profilen - insbesondere auf Facebook - zu sexy oder zu freizügige Fotos posteten, wurden von anderen (Frauen) prompt als sozial weniger attraktiv und weniger kompetent eingestuft.

Die Psychologin und Studienautorin Elizabeth Daniels untersuchte die unterschiedlichen Effekte von weiblichen Profilbildern in diversen Social Media Netzwerken. Dazu kreierten sie und ihre Kolleginnen zwei fiktive Profile der 20-jährigen Amanda Johnson. Beide Profile waren möglichst glaubwürdig und seriös angelegt - einziger Unterschied: das Profilbild von Amanda, das sie beide Male als College-Absolventin darstellte...

  • In der Sexy-Variante trug Amanda ein rotes, enges Kleid mit tiefem Ausschnitt und Seitenschlitz.
  • In der Kontroll-Variante trug sie eine Jeans mit Bluse und einem Schal der zusätzlich ihr Dekolleté verhüllte.

Nun sollten einmal jeweils rund 60 ältere und jüngere Frauen Amandas Profil bewerten. Überraschendes Resultat: Die Kontrollvariante wurde von allen durchweg besser bewertet:

  • Die Probanden stuften das Jeans-Profil physisch attraktiver ein.
  • Auch mutmaßten sie, die Abgebildete sei sozial umgänglicher - oder salopp gesagt: sympathischer, netter.
  • Den größten Unterschied aber gab es bei der vermuteten Kompetenz: Sah die Abgebildete sexy aus, wurde sie prompt als dümmlicher bewertet.

Dies alles mag keine bahnbrechend neue Erkenntnis sein. Es belegt aber das Dilemma, in dem vor allem junge Frauen stecken, ist Elizabeth Daniels überzeugt: Einerseits wollen sie Aufmerksamkeit erregen, gleichzeitig werde ihnen das zum Verhängnis...

There is so much pressure on teen girls and young women to portray themselves as sexy, but sharing those sexy photos online may have more negative consequences than positive. Girls and young women are in a "no-win" situation when it comes to their Facebook photos. Those who post sexy photos may risk negative reactions from their peers, but those who post more wholesome photos may lose out on social rewards, including attention from boys and men. Social media is where the youth are. We need to understand what they're doing online and how that affects their self-concept and their self-esteem.

Auch andere Studien zeigen immer wieder, dass die Betonung körperlich-weiblicher Signale den Frauen im Job eher schadet als nutzt: Attraktivität weckt zwar Sympathien - schöne Menschen fallen mehr auf, man traut ihnen mehr zu, auch weil Attraktivität mit Vitalität assoziiert wird. Dominieren aber die sexuellen Reize, dann überstrahlen sie den Eindruck von Kompetenz, nähren Zweifel und der Effekt verkehrt sich ins Gegenteil. Motto: Sie sieht vielleicht gut aus, aber kann sie auch was?

Facebook-Nutzer haben im Schnitt 26 Profilbilder

Die Anzahl der publizierten und wechselnden Profilfotos hat sich auf Facebook seit 2006 nahezu verdreifacht. Laut einer Pixable-Studie, für die rund 500.000 Profile ausgewertet wurden, hat der durchschnittliche Facebook-Nutzer schon 26 Profilbilder hochgeladen. Damit sind rund zehn Prozent aller hochgeladenen Bilder Profilbilder. Und während Frauen ihren Facebook-Look, bezwiehungsweise ihr Konterfei im Schnitt alle zwei Wochen wechseln, tun dies die Männer zumindest noch alle drei Wochen - nicht zuletzt, weil die neuen Fotos natürlich wieder geliked und kommentiert werden - im Schnitt bis zu drei Mal.

20 Facebook Profilbilder und ihre Subbotschaften

Zum Schluss haben wir uns - mit einem Augenzwinkern - den Spaß erlaubt, eine Liste mit 20 typischen Facebook-Profilfotos und ihren (mehr oder weniger) subtilen Aussagen zusammen zu stellen...

  1. Das Stinknormal-Porträt-Profilbild

  2. Das Ich-hab-ganz-viele-Freunde-Profilbild

  3. Das Ich-bin-ein-Model-Profilbild

    Profilfoto-Facbook-Model

  4. Das Bei-mir-ist-immer-Urlaub-Profilbild

  5. Das Ich-wär-gern-Model-Profilbild

  6. Das Finde-selber-raus-was-ich-bin-Profilbild

  7. Das Ich-bin-vergeben-Profilbild

  8. Das Meine-Gene-sind-super-Profilbild

  9. Das Ich-bin-völlig-unfotogen-Profilbild

  10. Das Als-Baby-war-ich-noch-cool-Profilbild

  11. Das Wir-sind-zu-geil-für-diese-Welt-Profilbild

  12. Das Ich-wills-noch-mal-wissen-Profilbild

  13. Das Ich-bin-ein-Held-Profilbild

  14. Das Ich-habe-ein-Sixpack-Profilbild

  15. Das Wir-hatten-schon-zwei-Sixpacks-Profilbild

  16. Das Immerhin-mein-Haustier-ist-witzig-Profilbild

  17. Das Ich-war-hier-Profilbild

  18. Das Ich-hab-ein-Fotohandy-Profilbild

  19. Das Ich-kann-dich-nicht-sehen-aber-tue-so-Profilbild

  20. Das In-30-Jahren-seht-ihr-auf-Facebook-alle-so-aus-Profilbild

[Bildnachweis: Ollyy, Kseniia Perminova by Shutterstock.com; morguefile.com]