Auf seinen Reisen begegnete Theseus vielen Feinden und Gefahren. Einer der Grausamsten in der griechischen Sage war der Straßenräuber und Sadist Prokrustes. Wer an seinem Haus vorbeikam, den zwang er hinein. Dort hatte er zwei Betten: ein viel zu kurzes und ein viel zu langes. Seine kleinen Opfer lud er in das übergroße Bett und sprach: „Freund, die Lagerstatt ist viel zu groß für dich. Lass sie dir passend machen.“ Dann band er sein Opfer an das Bett und streckte es so lange, bis es starb. Die größeren Gäste fesselte er in das Zwergenbett und sagte: „Freund, die Bettstatt ist viel zu klein für dich. Lass sie dir passend machen.“ Dann hackte er ihnen die Beine ab, bis nichts mehr herausragte. Als Theseus seinen Weg kreuzte, überwältigte er Prokrustes und tötete ihn auf die gleiche Weise.
Eine grausige Geschichte, gewiss, aber sie ist immer noch aktuell. Nur sind Prokrustesbetten heute aus einem anderen Stoff: Es sind Vorurteile, Klischees, Denkschubladen, in die wir andere Menschen zwängen und sie entweder zusammenstauchen, wenn sie uns zu groß werden, oder so lange aufblähen, bis sie die sind, die wir gerne hätten.
Genauso gut können die Prokrrustesbetten Traditionen, Abläufe, Strategien sein, die wir unseren vorgefertigten Meinungen angleichen wollen und nicht umgekehrt. Es ist ein bisschen so wie wenn wir das halbvolle Glas anschauen: Ist es halb voll oder halb leer? Beides stimmt, aber unsere Perspektive verändert Wirklichkeit.
Allerdings: Je mehr wir unsere Sicht zur einzig wahren und richtigen erklären, desto mehr treten wir dabei auf der Stelle, weil wir meinen, die Welt müsste sich uns anpassen und nicht umgekehrt. Und dabei verpassen wir eine gute Gelegenheit, die Welt in (neuen) Dimensionen zu erleben. „Die wahren Entdeckungen“, schreibt Marcel Proust, „bestehen nicht darin, Neuland zu finden, sondern die Dinge mit neuen Augen zu sehen.“ Einen Versuch ist es allemal wert…
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Apropos: Eine gute Gelegenheit, neue Sichtweisen kennenzulernen, sind Bücher. Gewinnen Sie jetzt gleich zwei davon auf Karrierebibel! In unserem Adventskalender verlosen wir vom 1. bis 24. Dezember täglich zwei Überraschungsbücher – Sachbücher, Romane, Biografien, mutmachende und nützliche Bücher. Alles was Sie dazu machen müssen, ist in diesem Beitrag einen Kommentar zu hinterlassen (und eine E-Mail-Adresse zu hinterlegen – die nicht angezeigt wird). Unter allen Teilnehmern verlosen wir dann jeden Abend um 20 Uhr zwei Überraschungsbücher aus dem unten abgebildeten Pool an einen glücklichen Gewinner. Sie können zwar Wünsche äußern – eine Garantie, dass Sie auch die Bücher bekommen, die Sie wollen, gibt es aber nicht. Ebenso werden Umtausch oder Reklamationen ausgeschlossen. Einem geschenkten Gaul… und so. Und wer binnen 24 Stunden nicht auf unsere Mail mit der Frage nach seiner Adresse reagiert, dessen Gewinn verfällt leider zugunsten eines neuen Gewinners, der dann erneut gelost wird. Viel Glück beim Mitmachen!




Stefan H.
Vielen Dank!
Schönes Wochenende.
Franzi D.
Noch genau eine Woche dann ist WEIHNACHTEN!!
Martin
vlt. gewinne ich ja heute
Iris Weiss
Als 1,90m große Frau kenne ich das Gefühl mit Vorurteilen kämpfen zu müssen und die Geschichte von Prokrustes’ Betten geht mir sehr nah, da er mir mit Sicherheit die Beine abgehakt hätte ;-)
Jonas
Empathiefähigkeit und Toleranz, wichtige Faktoren in der heutigen Gesellschaft…
Jack
Gute Initiative
jtoth
Interessante Geschichte!
Constanze Link
Wohl wahr. Und trotzdem sooo schwer, weil oftmals unbemerkt die Schubladen aufgehen und zack die Menschen drin sind. Selbst wenn man es eigentlich garnicht will.
Dave [Mobile]
Grausige Geschichte. Die bringt mich auf das Schubladendenken was ja auch beiläufig erwähnt wurde. Da dachte ich, ich schreib mal ne Art Gastbeitrag. Kann ja hier keiner verhindern. :-) und wenn ich schon Bücher haben möchte, dann nicht ohne einen Finger krumm gemacht zu haben!
Für mich ist Schubladendenken berufsbedingt äußerst wichtig und es funktioniert bis auf seltene Ausnahmen einwandfrei! Wenn man im Job ständig neue Leute kennenlernt und sich sehr kurzfristig auf sie einstellen muss, muss man Schubladendenken beherrschen. Bei den meißten von uns läuft das unterbewußt ab, jedoch leben viele Außendienstler von dieser Fähigkeit. Diese dann voll zu nutzen und sich der Person und deren Charakter (wie man ihn der Schublade entsprechend vermutet) kurzfristig anzupassen ist keineswegs verwerflich und trägt zu einem guten Miteinander bei. Das Gegenüber jedoch daraufhin zu manipulieren oder zu bewerten oder richten ist absolut nicht in Ordnung.
So, für zwei Bücher muss das reichen. :-)
Johanna
Wieder was gelernt! Schönes Wochenende!
Christian
Wenn es nur nicht so bequem wäre.
Claudia C.
Interessanter Ansatz, über den man mehr als 2 Minuten nachdenken sollte.
Erik H.
Das Glas ist doch immer halb voll! ;) In diesem Sinne: Ein schönes WE!
Chrissof
Aus alten Mythen kann man eben viel gewinnen… ;)
Mike
Sobald man mit anderen Menschen zu tun hat, muss man Kompromisse eingehen und seine eigenen Positionen und Sichtweisen ein Stück weit zurücknehmen. Letztlich basiert darauf jegliches demokratisches Zusammenleben. Unsere Gesellschaft sehe ich leider auf dem verkehrten Weg, denn schon die Politik lebt vor, dass eigene Interessen auf Kosten vieler anderer durchgesetzt werden. Prokrustes lebt weiter und wird wohl auch nie ganz verschwinden.
Pic_AS
Da fällt mir ein Zitat ein … man sollte seine Mitmenschen, auch wenn sie schon in einer Schublade stecken, immer wieder mal neu anschauen:-)
“Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch.”
Zitat von George Bernard Shaw
David
Da haben die Griechen eine gute und tiefsinnige Geschichte!
Isabella
Mal schauen, ob´s diesmal was wird ;=)
Frank H.
mal wieder etwas gelernt – danke!
Claus S. [Mobile]
Ich!!
Jochen Mai
Und gewonnen hat heute der Mike… herzlichen Glückwunsch!
Sonja
Bücher! :D