Neulich traf ich einen Ex-Kollegen. Einen Journalisten. Print. Er klagte über Schreibblockaden. Dazu muss man wissen, Schreibblockaden gehören zu den typischen Journalisten-Krankheiten, so wie Kaffeeabhängigkeit, Leberzirrhose und Halbwissen auch. Er fragte mich, ob ich wüsste, was sich dagegen tun lässt, ich würde schließlich ständig irgendwas schreiben. Permatipperitis halt – eine Bloggerkrankheit. Ich sagte, schreiben könnte helfen. Das mag dann zwar nicht jeder lesen, passiert bei Artikeln mitunter aber auch. Denn es müsse ja nicht gleich der Artikel sein, ein Blog wäre auch ein guter Anfang. Der Kollege schaute mich an, als hätte ich einer Schwangeren Wodka gegen die Übelkeit empfohlen.

Ich sagte, es gäbe aber eine Alternative: Mehr Druck. Und zwar von außen. Echt jetzt. Als Robert Boice, Psychologe an der Universität von New York in Albany, vor Jahren das Problem der Tippbremse untersuchte, bildete er drei Gruppen mit jeweils neun blockierten Schreiberlingen und suchte nach Wegen, ihren Wortschwall zu steigern. Zehn Wochen lang. Wer spontan schreiben durfte, also wenn er gerade dazu motiviert war, zeigte allenfalls moderate Kreativität. Anders jene, die permanent dazu gedrängt wurden: Sie waren die produktivsten.

Ich sagte zu meinem Kollegen, er könne es sich aussuchen: Entweder er schreibt ein Blog oder erzählt seinem Chefredakteur von der Studie. Der freut sich bestimmt. Schließlich glauben alle Chefredakteure, Journalisten würden nur viel und gut schreiben, wenn man sie regelmäßig dazu zwingt. Qualität kommt von quälen und so.

Der Ex-Kollege bloggt jetzt. Ich verrate aber nicht wo. Es könnte ihn blockieren.