Teamplay wird auch deshalb so geschätzt, weil das Zusammenspiel der Kollegen mehr bewirkt als die Summe der Einzelleistungen. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis funktioniert das deutlich seltener. Trotzdem ist der Glaube daran so unerschütterlich wie das Matterhorn-Massiv.

Warum Teams nicht funktionieren, kann ganz unterschiedliche Gründe haben:

  • Zielkonflikte. Die einzelnen Teammitglieder können jeweils unterschiedliche (egoistische) Ziele verfolgen, die mit dem Gruppenziel nicht harmonieren. Entsprechend opportun verhalten sie sich und behalten ihr Herrschaftswissen für sich, weil das aus ihrer Sicht den größeren Vorteil bringt.
  • Angst. Gruppendynamik und Gruppenzwang können Diskussionen massiv beeinflussen. Wann immer Mitarbeiter fürchten, wegen ihrer abweichenden Meinung diskriminiert zu werden (und sei es nur, weil sie durch einen intelligenteren Vorschlag aus dem herrschenden Mittelmaß herausragen), halten sie die Klappe.
  • Vorurteile. In der Regel ist es so, dass sämtliche Teammitglieder bereits eine Art Vorentscheidung getroffen haben, bevor die Diskussion beginnt. Wenn Sie dann Argumente austauschen, bringen sie jedoch nur noch solche Informationen ein, die – Überraschung! – ihr eigenes Vorurteil bestätigen und allein zu ihrer Entscheidung führen. Kurz: Sie versuchen die Gruppe zu manipulieren. Doch genau diese Vorentscheide beruhen ganz oft – Überraschung zwei! – auf denselben Informationen, die alle haben.
  • Erinnerungslücken. Wenn es um schnelle Entscheidungen geht, haben wir leider nicht immer alle Informationen sofort aus dem Gedächtnis parat. Was wir aber meist sehr gut und sehr schnell erinnern, ist das, was alle sowieso schon wissen und deshalb ständig wiederholen.

Daran lässt sich, wie gesagt, in der Theorie viel ändern. Tipps und Empfehlungen finden sich überall. In Zeitungen, in Blogs – ständig Lobpreisungen des Gruppenspiels. In der Praxis aber gelingt das allenfalls in den bescheidenen Trippelschritten einer Geisha.

Der Versuch lohnt natürlich dennoch. Und das bringt mich wiederum zu einem interessanten Gedanken, den ich aus der gestrigen ZDF-Ausgabe von „Abenteuer Wissen“ destilliert habe. Auch darin ging es um das Zusammenspiel von Hochleistungsteams, wie etwa Regattasegler, Krisenstäbe, Sondereinsatzkommandos oder Operationsteams. Damit die optimal funktionieren, müsse jedes Teammitglied stets das gemeinsame Ziel vor Augen haben. Oder als Frage formuliert: Besteht Ihr Team aus Puzzleteilen – oder aus Hologrammen?

Bei einem Puzzle ist es wie eingangs beschrieben: Jedes Teil für sich ergibt noch kein Gesamtbild. Erst wenn sich die Teile optimal zusammenfügen, entsteht das große Ganze. Die Kehrseite: Der einzelne fühlt sich auch weiterhin wie ein kleiner Baustein.

Bei einem Hologramm ist das grundlegend anders. Wenn man es zerbricht, bleibt die gesamte Bildinformation auf jedem Splitter erhalten. Jede Scherbe enthält noch immer das vollständige Bild des ursprünglichen Hologramms. Oder auf die Gruppe übertragen heißt das: Jedes Teammitglied kennt jederzeit (!) das gemeinsame Ziel und verfolgt es nach seinen eigenen Kräften und Grenzen.

Das löst sicher nicht alle angesprochenen Probleme. Ist aber schon mal ein Trippelschritt in die richtige Richtung.