Qualität in Coaching und Beratung: Eine Frage der Chemie?Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Gastbeiträgen verschiedener Autoren der Karrierexperten. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk, das zahlreiche Karrierecoaches und -berater verbindet und potentiellen Klienten eine breite Auswahl an Karriereexperten bietet.

Wer auf der Suche nach einem Coach oder Berater ist, steht oft vor der Frage, worauf er achten sollte, um den optimalen Begleiter zu finden. Gegenseitige Sympathie ist sicherlich unerlässlich, reicht alleine jedoch nicht aus. Woran kann man die Qualität einer Beratung oder eines Coachings festmachen?

Beratung und Coaching sind unterschiedliche Dienstleistungen. Eine einfache Definition, die Berater und Coaches unterscheidet, lautet: „Die Aufgabe eines Beraters ist es, Fragen des Klienten zu beantworten. Ein Coach stellt die hingegen richtigen Fragen, die es dem Klienten ermöglichen, auf eigene Lösungen zu kommen.”

Qualitätskriterien gelten für beide gleichermaßen: Sie müssen Erfahrung besitzen, eine fundierte Ausbildung nachweisen und die „richtigen“ Techniken einsetzen können. Letzteres kann der Klient leider oft erst im Nachhinein beurteilen. Es gilt also, das Augenmerk auf Kriterien zu richten, die schon im Vorfeld auf eine hochwertige und erfolgversprechende Dienstleistung schließen lassen.

Problemstellung, Branche und Referenzen

Je nach Thema, beispielsweise die Gründung eines Unternehmens, drohender Burnout oder Karriereplanung, kann man unterschiedliche Spezialisten für den jeweiligen Bereich ansprechen. So gibt es beispielsweise für Gründer eine Beraterbörse der KfW, bei der nur Berater mit einer entsprechenden (Mindest)-Kompetenz gelistet sind. Gleiches gilt auch für andere Schwerpunkte. Geht es um klar eingegrenzte Themen, lohnt sich sicherlich die Suche nach einem Fachverband, der seine Mitglieder vermittelt.

Auch eine gewisse Branchennähe kann von Bedeutung sein – vor allen Dingen, wenn es um die Beratung geht. Der Berater muss die Welt des Klienten kennen, um ihm wertvolle Kontakte vermitteln und ihm entscheidende Tipps oder den passenden Rat geben zu können. Beim Coaching spielt die Branchennähe eher eine untergeordnete Rolle. Als „interessierter Begleiter“ muss dieser kein Insiderwissen besitzen, um die „richtigen“ Fragen zu stellen. Hier sind

  • Interesse,
  • Offenheit
  • die Fähigkeit, zuzuhören,
  • Empathie,
  • Glaubwürdigkeit,
  • Kongruenz
  • und Authentizität

wichtige Eigenschaften, die einen guten Coach auszeichnen. Ob der gewählte Coach diese Fähigkeiten hat, lässt sich allerdings frühestens in einer Probestunde feststellen – auf die man deshalb in jedem Fall Wert legen sollte.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind darüber hinaus Referenzen, auf die der Berater oder Coach verweisen kann: Wie viele Beratungen oder Coachings hat er schon durchgeführt, woher kamen die Klienten, welche Probleme wurden behandelt, wie wurden diese gelöst? Auf einen direkten Kontakt zu Referenzen muss man im Coaching und in der Beratung leider verzichten: Ein wesentliches Merkmal dieser Dienstleistung ist nämlich die Vertraulichkeit. Wer einen Kollegen oder Freund hat, der (s)einen Coach oder Berater weiterempfehlen kann, kann diese Referenz nutzen, um konkret nach dessen Arbeitsweise zu fragen.

Alter, Erfahrung und Geschlecht des Beraters/Coaches

Gerade im Beratungsbereich ist Erfahrung von großer Bedeutung. Uniabsolventen, die sich mit Mitte 20 als Berater anbieten, fehlt diese oftmals. Das ist auch der Grund, warum die Mehrzahl der Berater erst jenseits der Vierzig erfolgreich tätig ist: Wer schon einmal als Führungskraft ein Team geleitet oder selbst ein Unternehmen gegründet hat, kann einem Einsteiger sicherlich kompetentere Hilfestellung geben als jemand ohne solchen Erfahrungshintergrund. Im Jugend Coaching hingegen kann es vorteilhaft sein, wenn der Altersunterschied zwischen Coach und Coachee nicht allzu groß ist.

Ob man sich einen Coach oder Berater des gleichen Geschlechtes sucht oder eben nicht, ist eher persönliche Präferenz als Qualitätskriterium. Es kann jedoch im Einzelfall, etwa wenn es um ein geschlechterspezifisches Thema geht, das der Coachee behandeln möchte, hilfreich sein, den Coach nach diesen Kriterien auszuwählen.

Scheine und Zertifikate

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In Deutschland wird – anders als beispielsweise in den Vereinigten Staaten – sehr viel Wert auf die Dokumentation der Kompetenzen gelegt. Wer Mitglied in einem Branchenverband ist (leider gibt es zu viele Beratungs- und Coachingverbände, als dass man diese hier aufzählen könnte), kann in den meisten Fällen auf die mehr oder weniger strengen Aufnahmekriterien verweisen, die einen gewissen Qualitätsanspruch deutlich machen.

Zertifizierungen sind im Beratungs- und Coachingbereich leider sehr selten zu finden. Eine der wenigen ist die Q-plus-Zertifizierung, hinter der eine Prüfung an der Leuphana Universität Lüneburg steht. Dabei wird ein schriftliches Konzeptpapier bewertet, und es findet eine mündliche Einzel- und Gruppenprüfung statt. Während Coaching und Beratung meist sehr streng getrennt betrachtet werden, wird bei Q-plus ein anderer Ansatz verfolgt: Es handelt sich hierbei um eine Fortbildung zur Beratung von Selbstständigen und kleinen Unternehmen.

Der erste Kontakt und die Chemie

Ist die Auswahl nach den genannten Kriterien abgeschlossen, kommt es schließlich zum ersten Kontakt zwischen Klient und Berater/Coach. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass die ersten Sekunden im zwischenmenschlichen Bereich über Sympathie und Antipathie entscheiden.

Ob die Chemie zwischen Klient und Berater oder zwischen Coachee und Coach stimmt, ist ein nicht unerheblicher Faktor für den Erfolg der Leistung. Es lassen sich auch hier ein paar handfeste Kriterien definieren, die ein Kunde zu Beginn einer Beratungs- oder Coachingbeziehung prüfen kann:

  • Wann und wie reagiert der Coach auf eine Anfrage?
  • Bietet er eine (kostenlose) Probestunde oder ein Kennenlerngespräch an?
  • Wird der Coaching- und Beratungsprozess transparent?
  • Wie geht die Auftragsklärung vor sich? Zieht der Berater/Coach nur fertige Lösungen aus der Tasche oder hört er erst einmal genau hin, was der Klient eigentlich braucht?

Über diese Punkte sollte sich der Klient im Vorfeld Gedanken machen – und er sollte sie zu Beginn des Prozesses klären. Sonst läuft er Gefahr, Lehrgeld zu bezahlen und die Möglichkeiten, die im Coaching und in der Beratung liegen, nicht auszuschöpfen.

Über den Autor

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWalther Bruckschen ist Kommunikations-, Burnout- und Karriereberater sowie Gründer- und JugendCoach und Mitglied im Netzwerk Karriereexperten. Er verfügt über langjährige Führungserfahrung in den Medien und war zehn Jahre geschäftsführender Gesellschafter einer Kommunikations- und Beratungsagentur. Er wurde durch die Universität Lüneburg als Berater für Selbstständige und kleine Unternehmen Q-plus-zertifiziert und hat eine Fortbildung zum JugendCoach absolviert.